Friedfischangeln im Götakanal in Schweden

  • von Johan Tikkanen & René Schulze
  • 10. März 2014 um 10:17
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Allgemeines und historischer Rückblick

Trotz des schier unerschöpflichen Wasserreichtums verfügen die Schweden kaum über echte Schifffahrtskanäle, die sich zur Ausübung der feinen Friedfischangelei eignen. Da ist es sicherlich nicht verwunderlich, dass der Götakanal eine ganz besondere Anziehungskraft auf die Petrijünger Schwedens ausübt. Als Teil einer 390 km langen Wasserstraße quer durch Südschweden beträgt die eigentliche Kanallänge nur etwa 87 km, den Rest bilden der Trollhätte-Kanal und Göta älv sowie einige Seen.

Der Götakanal im HerbstDer Götakanal im Herbst

Im Laufe der Jahre haben sich für Veranstaltungen folgende Strecken etabliert: Norsholm, Norrkvarn, Lyrestadt, Vassbacken, Motala, Ljungsbro, Söderköping und Stång.
Natürlich im Kanal vorkommende Fischarten sind Rotauge, Güster, Brassen, Schleie, Flussbarsch, Kaulbarsch und Ukelei.

Um zu erklären, wie man im Götakanal erfolgreich fischt, müsste man eigentlich verschiedene Methoden für ganz unterschiedliche Kanäle aufzeigen, denn die Länge des Kanals und aller angrenzenden und verbundenen Seen wirkt sich stark auf den Fischbestand aus. Sogar die Landschaft variiert teilweise so erheblich, dass sie Einfluss auf die Wasserfarbe und das Insektenleben rund um den Wasserlauf nimmt.
Auch die Schleusen, die sowohl die beangelte Strecke mit Fischen versorgen als auch den Bootsverkehr ermöglichen, wirken sich im besonderen Maße auf die Angelei aus. Der Bootsverkehr seinerseits entscheidet auch darüber, in welcher Frequenz man nachfüttern muss.

Die Brådtom-Schleuse ist eine von insgesamt 58 Schleusen im gesamten Kanalsystem
Die Brådtom-Schleuse ist eine von insgesamt
58 Schleusen im gesamten Kanalsystem
Die Wilhelm Tell kurz nach dem Passieren der Brådtom-Schleuse
Die Wilhelm Tell kurz nach dem Passieren
der Brådtom-Schleuse

Der Götakanal wurde von Hand gegraben und ist etwa 2,90 m tief und 25 m breit. Aufgrund der Hangneigung (Böschungswinkel) von 30°, wird der Kanalboden bereits in einer Entfernung von etwa 5 m vom Ufer erreicht, so dass diese 5 m - Bahn, die Kanalmitte sowie das gegenüberliegende Ufer die meist genutzten Angelplätze darstellen.

Solange sich die meisten erinnern können, wird der Götakanal als Wettkampfgewässer genutzt, wahrscheinlich seit Ende der 60er Jahre. Wettkampfangeln war populär, so dass manche Veranstaltungen bis zu 450 Teilnehmer anlockten. Ende der 70er Jahre begann man, den Setzkescher zu verwenden, was unbegreiflicherweise von nun an dazu führte, dass man zwischen der traditionellen (ohne zusätzliches Grundfutter) und modernen Methode, wie sie von nun genannt wurden, wählte.

Angelveranstaltung im Götakanal in den 70er JahrenAngelveranstaltung im Götakanal in den 70er Jahren

Weil es nach den Regeln des Sportfischerverbandes erlaubt war, die Fische zu töten, haben viele Teilnehmer diese Variante für sich gewählt. Das hat sich auch nicht nennenswert auf die Fischbestände ausgewirkt, denn bei Veranstaltungen mit etwa 450 Teilnehmern betrugen die Spitzengewichte nur um die 5 kg. Demgegenüber erreichte man bei Verwendung des Setzkeschers ähnliche Veranstaltungs-Gesamtgewichte mit lebenden Fischen bei nur 100 Anglern, die dann aber nach dem Verwiegen wieder freigelassen wurden. Selbstverständlich hätte man den Fischbestand auch schonen können, vor allem größere Exemplare, denn leider mussten damals auch einige große Brassen, Rotaugen, Barsche und Schleien ihr Leben einbüßen.

Ein typisches FangergebnisEin typisches Fangergebnis

Das Angeln im Götakanal ist ohne Genehmigung des Eigentümers oder Pächters verboten. Normalerweise wird im Kanal nur nach Krebsen oder auf bestimmten Strecken nach Regenbogenforellen gefischt. Als „Gegenleistung“ für Angelveranstaltungen werden nach dem Verwiegen einige Fische als Köderspende der Krebsfischerei überlassen.

Vorbereitung und Angelmethoden

Oft sind Wettkämpfe mit der kurzen Kopfrute gewonnen wurden, doch es haben sich auch verschiedenen Möglichkeiten entwickelt, auf der anderen Kanalseite mit der Match- oder Bolorute zu fischen. Und natürlich ist auch immer eine Ukeleirute (Speedrute) oder eine andere kürzere Rute hilfreich, wenn es Mengen an Rotaugen und Ukeleis gibt.

Fährt man für eine Trainingseinheit zum Kanal ergeben sich immer ganz andere Verhältnisse als an einem Wettkampfwochenende. Es beißt gut, man landet Fisch um Fisch, während man sein Butterbrot kaut, und man schafft es kaum seinen Kaffee zu trinken. Während eines Wettkampfes sind die Fische auch da, aber sie wirken irgendwie erschreckt oder gar verwirrt, wenn es plötzlich „Futter regnet“.

Feine Montagen mit leichten Posen sind für den Erfolg unerlässlich
Feine Montagen mit leichten Posen
Weiche und dünne Gummis komplettieren die Ausrüstung
Weiche und dünne Gummis
komplettieren die Ausrüstung

Der Köder sollte sich in Größenordnungen bewegen, die zum Haken in den Größen 18-22 passen. Natürlich kann manchmal auch ein Haken der Größe 14-16 mit einem Madenbündel bestückt angebracht sein, aber um effektiv 3 – 4 Stunden (solange dauern üblicherweise die Wettkämpfe) zu fischen, gilt es, den Köder taktisch anzubieten.

Auch im Götakanal sind Mückenlarven und Pinkies viel versprechende KöderAuch im Götakanal sind Mückenlarven und Pinkies viel versprechende Köder

Das Futter sollte fein und möglichst partikellos sein mit etwa 30 – 75 % Lehmanteil. Ob es schwarz oder dunkelbraun ist, hat bisher keinen großen Unterschied gemacht, jedoch sind beide Farben erfolgreicher als andere.

Im Futter befinden sich selbstverständlich Mückenlarven, einzelne Caster und eine kleinere Menge geschnittene Würmer. Mit Castern erzielt man eine positivere Wirkung auf Rotaugen und bekommt sogar eine Art Kontrolle darüber, ob die Fische groß genug sind, um den Köder zu zerbeißen. Beim Fischen am gegenüberliegenden Ufer verwendet man meist Stab-, Bolo- oder Wagglerposen (die immer populärer werden). Dabei kann auch der Caster zu Beginn dank seines natürlichen Sinkens im Wasser der perfekte Köder sein.

Tagesmischung
Tagesmischung

Fangfertiges Futter mit kleinen Lebendködern
Fangfertiges Futter mit kleinen Lebendködern

Das Cuppen oder Füttern von losem Futter mit der Schleuder beruht hier auf einer Art „magischem  Rhythmus“, der vom momentanen Fang, der Strömung und der Schleusentätigkeit bestimmt wird. Wenn sich beispielsweise ein Schiff nähert, muss man anschließend seinen Futterplatz wieder aufbauen, nachdem sich die Strömungen der Schiffsschraube gelegt haben.

Ich habe sogar schon bemerkt, dass sich Uhrzeit und Sonnenstand auf das Fangergebnis ausgewirkt haben. Sitzt man beispielsweise neben einem Baum, dessen Schatten auf die Wasseroberfläche fällt, so ist der Schattenrand manchmal auch der Aufenthaltsort eines Schwarmes größerer Rotaugen.

Kleine Brassen oder Skimmer, wie wir sie manchmal nennen, sehen in vielen Teilen des Kanalsystems bleicher aus, und niemand hat bisher eine Erklärung, warum sie bleicher und offenbar magerer als die braunen Bonusbrassen sind, die man mit etwas Glück fangen kann.

Tom Östlund mit einem schönen Fang Rotaugen und Skimmer
Tom Östlund mit einem schönen Fang Rotaugen und Skimmer

Man bemerkt an der Pose, wenn sich größere Fische am Futterplatz eingefunden haben, denn diese beginnt dann beinahe, sich vor und zurück zu wiegen. Mit einem kleinen Wurmstück am Haken kann man dann gewöhnlich einige wenige größere Exemplare überlisten, allerdings muss der Drill vorsichtig erfolgen, da sich sie Fische offenbar leicht erschrecken.

Wenn man bemerkt, dass mehrere Skimmer oder Güstern am Platz eintreffen, kann es gut sein, einige Mückenlarven mehr oder alternativ dazu geschnittene Würmer in die Futterbälle einzuarbeiten. Das muss natürlich nach Möglichkeit heimlich geschehen, um dem Nachbarn nicht noch zu helfen, „deine“ Fische zu stehlen.

Zuweilen tauchen auch Schleien auf, und derjenige ist gut beraten, der dann auch das passende Geschirr dabei hat, denn es ist nicht ausgeschlossen, dass auch mal ein Karpfen den Köder nimmt.

Fast 75% aller Wettkämpfe haben immer damit begonnen, dass man einen Kaulbarsch oder irgendeinen größeren Bonusfisch fängt, was in den weiteren Entscheidungen irreführend sein kann. Beginnt man erfolgreich mit dem Ukeleifischen, so braucht man gewöhnlich etwa 5 kg um damit zu gewinnen.

Kaulbarsche sind auch im Götakanal oft die ersten Fische am FutterplatzKaulbarsche sind auch im Götakanal oft die ersten Fische am Futterplatz

Ein subjektiv erfolgreiches Fischen im Götakanal muss nicht unbedingt den sicheren Sieg bedeuten. Wenn man beispielsweise 45 Fische gefangen hat, die zusammen nur etwas mehr als ein Kilo wiegen, sieht man schnell ein, dass es die feinen Unterschiede sind, die über Erfolg und Misserfolg entscheiden. Denn wiegen die Fische des Nachbarn im Schnitt 75 g gegenüber den eigenen Exemplaren mit 20 – 25 g, so ist klar, dass man im Ganzen zu vorsichtig gefischt hat.

Die richtige Taktik spielt also, wie bei jedem erfolgreichen Fischen im Kanal, eine große Rolle, und schon bevor das eigentliche Fischen beginnt, sollte man sich demnach Gedanken darüber machen, wie viele Futterplätze man anlegen möchte. Dabei kann man erfahrungsgemäß zwischen 3 Distanzen wählen, die mit der Kopfrute erreichbar sind und einem weiteren Futterplatz am gegenüberliegenden Ufer. Beangelt man alle drei Kopfrutenplätze, so füttert man meist drei „Mandarinen“ (so nennen wir oft unsere Futterbälle) auf 5 m, drei auf 11 m und fünf auf der 13 m -Bahn. Meist lege ich aber nur 2 Futterplätze für die Kopfrute an, einen auf 7 m und einen auf 11,5 m. Ein Platz bekommt nur Futter, der andere Futter und Köder. Wie bereits erwähnt, ist die Futtermischung selbst sehr fein und besteht zum großen Teil aus Lehm.

Futterplätze auf der 7-m-Bahn
Futterplätze auf der 7-m-Bahn

Weitere Futterplätze auf 11,5 m, 13 m und am gegenüberliegenden Ufer
Weitere Futterplätze auf 11,5 m, 13 m und
am gegenüberliegenden Ufer

Am anderen Ufer fische ich an der Böschungskante und versuche, zwei Futterplätze so anzulegen, dass die Pose über beide treibt, wobei jeder 5 „Mandarinen“ bekommt. Wenn möglich, bringe ich auch loses Futter etwas stromauf des Angelplatzes ein, welches aus kleinen Kügelchen geklebter Maden, Pinkies oder Caster besteht. Dabei gebe ich immer Acht, dass es nur kleine Mengen sind, die ich einbringe, etwa so alle 15 Minuten. Jede halbe Stunde lasse ich auch mal die Montage ohne Verzögerung über den Platz treiben.

Mandarinen„Mandarinen“

Falls keine Bisse zu verzeichnen sind, so muss man den Fisch rund um die Futterplätze suchen. Hat man sie gefunden, so ist damit zu rechnen, dass sie mit der Zeit näher ans Ufer kommen oder vielleicht plötzlich auf die 13 m Bahn wechseln, auch wenn man auf 11,5 m gecuppt hat (in der Tat ist das zu beobachten, wenn ein Boot vorbeikommt und das Futter durch den Sog vom Boden mitzieht).

Es hat sich im Wettkampf am erfolgreichsten erwiesen, sich auch während der Beißphase zu getrauen, seinen Platz mit dem Cup ständig nachzufüttern, denn das erregt die Aufmerksamkeit der größeren Fische, die sich dann auch hoffentlich einstellen, um am Ende ein höheres Gewicht zu erzielen.

Als Gegenleistung für die vielen den Weg versperrenden Kopfruten lassen wir die Fahrradfahrer auch gern mal bei Regen unter den SchirmAls „Gegenleistung“ für die vielen den Weg versperrenden Kopfruten lassen wir die Fahrradfahrer
auch gern mal bei Regen unter den Schirm

Der Götakanal ist unter Wettkampfgesichtspunkten ein fantastisches Angelgewässer, denn man wird vor alle denkbaren Situationen gestellt. Manchmal wünscht man sich allerdings, dass man von den vielen Fahrrädern verschont bleibt, die den Weg entlang des Kanals passieren. Man braucht ein wenig Glück, den Mut Entscheidungen zu treffen, und man muss vor allem die ganze Zeit seine angelegten Futterplätze „bearbeiten“.

Mein Tagesfang von 3 Stunden Angelzeit, etwa 1 kg pro StundeMein Tagesfang von 3 Stunden Angelzeit, etwa 1 kg pro Stunde

Wenn ich könnte, so würde ich einen Gruß an Baltzar von Platen, Daniel af Thunberg, Thomas Telford und alle Soldaten schicken, die dieses fantastische Meisterwerk geschaffen haben: den Götakanal.

Besonders bedanke ich mich bei der Göta kanalbolaget AB für die Informationen und ausgeliehenen Bilder sowie bei der Brådtom Sluss für das immer freundliche Entgegenkommen.

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