Stopwatch – Tobias Klein beim Anglertreff Feeder 2014

  • von Tobias Klein
  • 19. Mai 2014 um 09:00
  • 2

champions-team.de Stopwatch - mit der Stoppuhr neben unseren Top-Anglern. Heute mit Tobias Klein in Durchgang 1 beim Anglertreff Feeder 2014 am Vorfluter in Abbendorf.

5:30 Uhr

Erbarmungslos reißt mich der schrillende Weckruf meines Smartphones aus dem Schlaf. Wobei, Schlaf trifft es wohl nicht ganz. Schließlich war es nicht zu überhören, dass ein Frühaufsteher nach dem anderen an meiner Zimmertür vorbei das Treppenhaus hinab stapfte. Das Frühstück ruft und der frühe Angler fängt bekanntlich den Frühstücksspeck. So oder so ähnlich war das doch?

Der frühe Angler fängt den FrühstücksspeckDer frühe Angler fängt den Frühstücksspeck: Raus aus den Federn und ran ans Frühstücksbuffet

5:55 Uhr

Schlummer-Taste hin oder her. Es nützt alles nichts. Raus aus den Federn und erst einmal klar werden im Kopf. Noch kurz ins Badezimmer, dann rein in die Angelklamotten und auf in den Wahnsinn der morgendlichen Essenschlacht.

06:10 Uhr

Im Frühstücksraum hat der anglerische Heuschreckenschwarm bereits wie erwartet ganze Arbeit geleistet. Ich schnappe mir mit etwas ungläubiger Miene das, was noch übrig ist und geselle mich zu meinen Teamkollegen an den Tisch. Natürlich allesamt schon mehr oder weniger durch mit der Nahrungsaufnahme und einige gar schon auf den Sprung zur Strecke.

Verständlich, wenn man denn in einem der vom Parkplatz weit entfernten Außensektoren gelost hat. Dann heißt es nämlich gehen, gehen und nochmals gehen. Eineinhalb Kilometer werden das locker sein bis ganz ans Ende der Angelstrecke. Kann mir heute aber egal sein, ich sitze lediglich unweit vom Parkplatz entfernt. C-Sektor heißt es heute für mich.

6:25 Uhr

Aufbruch an die Angelstrecke. Die Fahrt dorthin wird zur ersten Geduldsprobe des Angeltages. Einige meiner Mitstreiter haben es wohl noch weniger eilig als ich und zeigen mir eindrucksvoll, was man unter „Standgas“ versteht. Wieder andere legen waghalsige Überholmanöver an den Tag, um sich einen der begehrten Parkplätze fünf Meter näher an der Strecke zu sichern.

6:30 Uhr

Endlich angekommen und weiter geht der Wahnsinn. Ich steuere mein Auto durchs Mienenfeld aus Angelsachen, Transportsystemen und aufgescheuchten Anglern. Wohin man auch blickt - allerorts geschäftiges Treiben. Autos werden entladen, Transportsysteme fahrtüchtig gemacht und nebenbei natürlich allerlei Anglerlatein zum Besten gegeben. Mitten in den bunten Treiben packe auch ich schließlich meine sieben Sachen auf mein Transportsystem und mache mich auf meinen Weg.

Auch Tobias ist gern auf jede Eventualität vorbereitet und hatte sein Transportsystem mit ordentlich Ausrüstung beladenMan kann schließlich nie wissen: Auch Tobias ist gern auf jede Eventualität vorbereitet und hatte sein
Transportsystem mit ordentlich Ausrüstung beladen.

6.55 Uhr

Die Mitte des C-Sektors ist schnell erreicht. Warten heißt nun die Devise. Die Zeit bis zur endgültigen Nachricht meines Teamleiters, an welchem der 28 Plätze im Sektor ich denn heute angeln werde, überbrücke ich mit dem üblichen Smalltalk mit anderen Anglern auf der Strecke. Einige sprechen mehr, andere weniger. Klar, für viele ist das heute hier die Feuertaufe mit der Feederrute und die Nervosität ist manchem doch deutlich anzumerken. Für mich ist so ein Tag eher Routine und so bin ich nicht allzu traurig, als endlich mein Telefon läutet. C20 also. Naja, könnte auch schlimmer sein.

7:15 Uhr

Am Angelplatz eingetroffen. Und natürlich erst einmal wieder warten. Diesmal auf das Ertönen des Startsignals. Manch ein Teilnehmer kann das Signal zum Betreten des Sektors natürlich wieder nicht mehr abwarten, stürmt den Damm hinab und erntet schließlich unverständliches Kopfschütteln all jener, die mit der Etikette bei derartigen Gemeinschaftsangeln etwas besser vertraut sind.

7:23 Uhr

Immer noch sieben Minuten bis zum Betreten des Sektors. Ich lasse meinen Blick ein letztes Mal über meinen Sektor schweifen. An sich ein recht homogener Sektor, wenngleich dieser durch einige Schiffsanleger etwas zerklüftet ist. Hier wird es dann zwangsläufig zu einer kleinen Lücke von Angler zu Angler kommen.

Alles in allem aber das gewohnte Bild vom Gnevsdorfer Vorfluter, einem Seitenarm der Elbe. Ein Ufer mit Steinpackung, hier und da eine Reuse im Wasser, an einigen Stellen über 70 Meter breit und überall eine ganz ordentliche Strömung. Wirklich tief ist das Gewässer mit seinen rund 2-3 Metern dabei zwar nicht, doch Fische sind in jedem Fall genügend vorhanden. Positiv denken und abwarten, was der Tag so mit sich bringt.

Faire Bedingungen für die Teilnehmer: Die Angelstrecke der Fischereitage Feeder am Gnevsdorfer Vorfluter.Faire Bedingungen für die Teilnehmer: Die Angelstrecke der Fischereitage Feeder am Gnevsdorfer Vorfluter.

7:30 Uhr

Das erste Signal des Tages hallt über die Strecke und gibt den Startschuss für den Aufbau der Gerätschaften. An sich sollte damit eine gewisse Fairness bewirkt werden und allen Teilnehmern die gleiche Zeit für den Aufbau eingeräumt werden. Über die Tatsache, dass viele bereits vor dem ersten Signal schon ihre Ruten zusammengebaut und Anbauteile montiert haben, entgegne ich mit Gleichgültigkeit. Damit wir uns nicht falsch verstehen, früher hätte ich natürlich lautstark protestiert. Doch erstens wird man nach einiger Zeit im Matchangel-Zirkus deutlich ruhiger und zweitens bringt das vorzeitige Zusammenbauen der Gerätschaften sowieso in meinen Augen keinen uneinholbaren Vorteil mit sich.

7:32 Uhr

Zuerst ist mein Futter für den heutigen Angeltag an der Reihe. Ab 8:00 Uhr steht die Futter- und Köderkontrolle an. Da man nie wissen kann, auf welchen Sektorenrichter man denn diesmal stoßen wird, hallte ich mich vorsichtshalber an die gestern extra betonte Vorgabe, dass das Futter (und auch Köder) NICHT vorher an den Angelplatz dürfen, sondern erst NACH der Kontrolle vom Damm entfernt werden dürfen. Manche Angler nehmen es damit wieder nicht so genau. Wieder gilt: Gelassen bleiben, innerlich abhaken und weiter im Programm.

Um wichtige Zeit zu sparen und das Futter besonders passiv zu halten, habe ich mein Futter bereits gestern Abend angefeuchtet, gesiebt und schließlich mit Hilfe von genormten Dosen exakt „abgelitert“. Die 6 Liter Futter, welche heute zur Verfügung stehen, habe ich übrigens über Nacht in einer Plastiktüte gelagert. Einerseits zieht die Feuchtigkeit dadurch deutlich besser in die Partikel der Mischung ein, andererseits trocknet das Futter auch nicht unnötig aus.

Ein letzter Griff in meine Mischung verrät mir, dass nur noch ein winziger Tropfen Wasser nötig ist, damit die recht grob gehaltene Futtermischung aus je einem halben Kilogramm „Master Mix“ und „Aktiv Mix“ (beide aus der Next Generation-Futtermittelserie von Fishing Tackle Max) die perfekte Konsistenz aufweist. Das Futter halte ich heute recht feucht, schließlich soll das Futter erst am Grund des Gewässers unsere Köder freigeben. Eine Spur schwarze Farbe in der Mischung soll dabei übrigens dafür sorgen, dass auch die kleineren Fische wie Güstern sich auf meinem Angelplatz später pudelwohl fühlen.

Die Futtermischung kommt schließlich in einen genormten Eimer mitsamt Deckel, der die Mischung von Witterungseinflüssen schützt. Zumindest solange bis der heutige Offizielle sein „OK“ zur Futtermenge gegeben hat.

Mittendrin, statt nur dabei: Die Nummer des Angelplatzes war in den Innensektoren eigentlich egal. Allein in den Außensektoren brauchte man mal wieder etwas Losglück.Mittendrin, statt nur dabei: Die Nummer des Angelplatzes war in den Innensektoren eigentlich egal.
Allein in den Außensektoren brauchte man mal wieder etwas Losglück.

7:39 Uhr

Ein letzter Blick in meine Kühltasche, welche meine Köder für den heutigen Angeltag beherbergt. Check, alles da. Meine Köder habe ich natürlich auch bereits gestern Abend noch vorbereitet, da ich früh morgens sowieso nur planlos durch die Gegend laufe und dabei erfahrungsgemäß meistens nur Unsinn herauskommt. Erlaubt sind wie immer 2,5 Liter Köder, die ich in speziell dafür vorgesehenen genormten Dosen bereitstelle. Mit einem Liter Caster, einem Liter Dendrobena-Würmer und einem halben Liter Maden sollte ich für alle Gegebenheiten des bevorstehenden Angeltages gerüstet sein.

7:42 Uhr

Die eigentliche „Arbeit“ beginnt als ich meine Sitzkiepe schultere und mich zum ersten Mal den Damm hinunter begebe. Ein kleiner Balanceakt auf der wackeligen Steinpackung und schon steht das Teil auch schon auf seinem Platz unterhalb der Platznummer. Noch eine letzte Feinjustierung der Sitzkiepe mithilfe der Teleskop-Beine und die Anbauteile können auch schon montiert werden. Wieder den Damm hoch, dann die prall gefüllte, riesige Angeltasche an den Angelplatz schleppen.

7:46 Uhr

An die rechte Seite meiner Kiepe kommt meine schwarz-gelbe Feederbox mit klappbaren Deckel. Warum schwarz-gelb? Ganz einfach, etwas fürs Auge schadet bekanntlich nie. Wichtiger ist allerdings deren Funktion als sicherer Aufbewahrungsort für Köder und Futter. Aus meiner Angeltasche ziehe ich auch ein kleines Tablett mit einer passenden Aussparung für eine Wanne, in der ich immer den nötigen Kleinkram für den Angeltag platziere. Das Tablett kommt rechts an meine Kiepe, damit ich Wurmschere, Hakenbox, Hakenlöser, Maßband etc. später immer griffbereit neben mir habe. Danach noch den stabilen Fluss-Feederarm montiert und schon steht mein heutiger „Arbeitsplatz“.

Ordentlich Stauraum: Die nötigen Kleinteile finden auf einem geräumigen Tablett ihren Platz und sind immer griffbereit.Ordentlich Stauraum: Die nötigen Kleinteile finden auf einem geräumigen Tablett ihren Platz und sind immer griffbereit.

8:11 Uhr

Wie von der Tarantel gestochen eilt man neben mir den Damm hinauf. Ein Blick den Sektor hinab verrät mir den Grund der Eile: Die Futterkontrolle steht an. Gemütlich begebe ich mich dann auch mal den Damm hinauf und lege noch schnell all das, was ich während dem Angeln wohl noch benötigen könnte, in den mir zugewiesenen Angelsektor. Denn an sich ist es ab Kontrolle untersagt, den Sektor einfach zu verlassen. Doch per se wäre ja auch die Hilfe von Dritten beim Aufbau unzulässig. Vielerorts erfolgt der Platzaufbau aber in bewährter Teamarbeit. Konsequenzen? Natürlich keine. Stört mich das? Nicht wirklich, denn ich komme auch alleine ganz gut mit meinen Krimskrams klar.

8:13 Uhr

Die Futterkontrolle erfolgt gewohnt leger und zehn Sekunden nach dem Eintreffen des Offiziellen bin ich dann auch schon wieder auf den Weg den Damm hinab und packe sodann meine Futtermittel und Köder an den vorgesehenen Platz in meiner Feederbox.

8:16 Uhr

Es geht hoffentlich ein letztes Mal den steilen Damm hinauf. Ich schultere mein Rutenfutteral und bahne mir erneut den Weg durch das nasse und mit den Hinterlassenschaften einer Schafherde auf der Strecke „vermiente“ Gras zurück an meinen Angelplatz. Jetzt nur nicht ausrutschen.

8.19 Uhr

Die zwei 4,20 Meter langen Heavy-Feederuten sind schnell zusammengesteckt und ich kann mich ans Ausloten meines Angelplatz machen. Die Ruten sind bereits mit entsprechenden Durchlaufmontagen versehen. Der im Regelwerk geforderte Durchlauf, damit ein Fisch im Falle des Schnurbruches sich befreien kann. Alles in allem dabei keine großen Experimente, sondern einfach aber effektive Montagen.

8: 22 Uhr

Zum ersten Mal nehme ich Platz auf meinem „Thron“ und einige Plätze flussab fliegt der erste Futterkorb ins Gewässer. Letzter Stand von gestern: Loten NUR mit Blei. Eine Regel, die ich zwar noch nie so ganz verstand, aber bisher eigentlich auch auf deutscher Ebene Gültigkeit beanspruchte. Auch hier bewahren wir erneut die Ruhe und fragen mal möglichst höflich nach.

Ja was denn nun? Ausloten nur mit Blei oder Futterkorb. Am Ende durfte man dann doch mit dem Futterkorb loten.Ja was denn nun? Ausloten nur mit Blei oder Futterkorb. Am Ende durfte man dann doch mit dem Futterkorb loten.

8.26 Uhr

Erstes Update dank eines vorbeifahrenden Betreuer einer anderen Mannschaft: Das Ausloten mit Korb ist nun plötzlich doch erlaubt. Er meint, das wurde wohl mehr oder weniger spontan von der Veranstaltungsleitung in manchen Sektoren freigegeben. Komisch, diese freilich nicht ganz unwichtige Information ist sowohl an mir, als auch an meinen Teammitgliedern vorübergegangen.

Auch einige Angler neben mir zeigen sich doch recht überrascht von dieser Spontan-Änderung des Reglements, wechseln danach aber natürlich wie ich sofort auf einen Futterkorb und machen sich weiter ans Ausloten. Denn die Beschaffenheit des Grundes kann man mit Korb freilich deutlich besser erkunden als mit einem Blei, das fast ohne Widerstand über den Gewässerboden rutscht.

8:29 Uhr

Die ersten Würfe mit einem 120 Gramm Bleischlitten-Futterkorb ins Gewässer vor mir. Nach dem Eintreffen des Korbes zähle ich innerlich die Dauer der Absinkphase, um so vielleicht Kanten oder Untiefen ausfindig zu machen. Fehlanzeige, überall annähernd gleich tief. Ist hier eben so. Zumindest finde ich beim Ziehen des Korbes über den Gewässergrund wenigstens eine weitgehend Muschel-freie Stelle auf 35 Meter Wurfweite. Ich fixiere die auserkorene Angeldistanz gleich mit Hilfe des Schnurklips an meiner Rolle.

8:32 Uhr

Auch meine zweite Rute (mit Seitenarm-Montage) stelle ich in der Folge auf die identische Distanz ein, indem ich die Rollenumdrehungen der bereits eingestellten Rute zähle und diese dann auf die Zweitrute übertrage. Hier bietet sich natürlich der Einsatz von identischen Rollenmodellen an, was mühsame Umrechnungen von Rolle zu Rolle erspart. Ach ja, auf meinen Rollen befindet sich übrigens 0,12er Geflechtschnur mit einer 10 Meter langen Schlagschnur aus 0,30er Monofiler. Durchgehend monofile Schnur war mir angesichts der mitunter sehr feinen Bisse der Güstern dann doch etwas zu dehnungsreich und damit zu unsensibel.

Eine für alle Fälle: Links eine Montage mit Seitenarm und Schlitten-Futterkorb, rechts eine klassische Montage mit Krallen-Futterkorb.
Eine für alle Fälle: Links eine Montage mit Seitenarm und Schlitten-Futterkorb, rechts eine klassische Montage mit Krallen-Futterkorb.

8:35 Uhr

Die letzten Handgriffe stehen an. Kescherstab zusammenstecken, Unterfangnetz aufschrauben, Setzkescher auslegen und eine dicke Schicht Sonnenschutz auftragen. Und dann wieder: Warten auf das nächste Signal. Als Lückenfüller lege ich mir gleich mal eine Auswahl von Futterkörben zurecht, welche ich heute womöglich gebrauchen könnte.

Ausschließlich Futterkörbe mit Drahtgeflecht, allerdings in etwas unterschiedlicher Ausführung. Einmal altbekannte Schlitten-Futterkörbe von 100-200 Gramm, die es mir ermöglichen, den Korb langsam über den Grund rutschen zu lassen. Diese Präsentation wird vor allem die zahlreichen Güstern auf der Strecke ansprechen. Zu diesen Futterkörben gesellen sich spezielle Krallen-Futterkörbe von 80-140 Gramm, die sich besonders stark im Gewässerboden verankern und eine regungslose Präsentation des Köders ermöglichen. Meine erste Wahl, wenn es nachher (hoffentlich) gezielt auf Brassen geht.

Zwei Korbmodelle: Zum Einsatz kamen vor allem Schlitten- und spezielle Krallen-Futterkörbe.Zwei Korbmodelle: Zum Einsatz kamen vor allem Schlitten- und spezielle Krallen-Futterkörbe.

8.50 Uhr

Endlich! Das ersehnte Signal für die Startfütterung ertönt und ich befördere den ersten gefüllten 80 Gramm-Krallenkorb an meine Angelstelle. Gespickt im Inneren mit Castern. Acht Körbe setze ich in dieser Manier an meinen Platz, bevor ich schließlich in die letzen zwei Körbe der Startfütterung eine Portion Maden gebe. Richtig, für die Güstern und Rotaugen. Denn mit Brassen wird wohl erst nach einer guten halben Stunde zu rechnen sein. Wartezeit, die sich vorzüglich mit dem Fang von den kleinen Silberlingen überbrücken lässt.

 

8:59 Uhr

Es ist vollbracht, die Anfangsfütterung liegt in den Fluten. Ich wechsle auf meine zweite Rute mit der Seitenarm-Montage und hänge einen 120 Gramm-Schlittenkorb in denn Karabiner ein. Warum ich mit Seitenarm angle? Die nervösen Bisse der Kleinfische werden damit einfach wesentlich besser angezeigt.

Neben mir ist man noch geschäftig bei der Anfangsfütterung. Beim Eintreffen des letzten Korbes meines Nebenmannes kann ich eine hellgrüne Fontäne ausmachen. Sind wir hier denn in Südafrika? Schnurstracks zum Sektorenrichter, weil jegliche Farbstoffe gestern noch explizit verboten wurden? Keineswegs, ein kurzer Hinweis an den Nachbarn, der lässt die Farbe dann weg. Und gut ist es für mich. Die Flüsterpost vom Delegationsleiter zum Angler hat wohl ihren Teil dazu beigetragen, dass einige Details der gestrigen Besprechung auf der Strecke geblieben sind.

Grundstock legen: Zu Anfang stand jedem Angler zehn Minuten Zeit zur Anfangsfütterung. Erst danach durfte ein Haken an die Montage und geangelt werden.Grundstock legen: Zu Anfang stand jedem Angler zehn Minuten Zeit zur Anfangsfütterung.
Erst danach durfte ein Haken an die Montage und geangelt werden.

9:00 Uhr

Signal zum Start, die Spiele können beginnen. Den 14er Haken (Tubertini Serie 2) am 0,14 mm starken Vorfach bestücke ich für meinen ersten Wurf mit zwei Castern und zwei Maden. Korb füllen, diesmal aber vorerst keine Köder mehr in den Korb. Ab in die Fluten damit. Nach Erreichen des Grundes liegt der Schlittenkorb einige Sekunden regungslos da und beginnt dann fröhlich hüpfend seinen Weg über den Gewässergrund. Nun gilt es, die Ausschläge der 3 oz-Spitze richtig zu interpretieren, denn auch bei jeder Bewegung des Futterkorbes schlägt diese natürlich aus.

9:03 Uhr

Erster „Harakiri-Güster-Biss“. Ohne jede Vorankündigung vibriert meine Spitze vehement und ich setze den ersten Anschlag des Tages. Wenig später liegt die erste Güster geschlagen im Netz. Kurz nachmessen mit dem Maßband, Mindestmaß von 20 cm. Locker drüber. Haken neu beködern, Korb füllen und weiter. Korb liegt, rutscht, Biss. Güster. So kann es weitergehen.

Nervöser Silberling: Die ersten Fische am Platz waren fast überall Güstern und Rotaugen. Fleißig sammeln war da die Devise.Nervöser Silberling: Die ersten Fische am Platz waren fast überall Güstern und Rotaugen. Fleißig sammeln war da die Devise.

9:25 Uhr

Während ich die nächste Güster feierlich willkommen heiße, ist einige Plätze stromab die erste zum Halbkreis gebogene Rute auszumachen. Entweder Brasse oder Aland, das ist sicher. Letzterer ist bekanntlich schonend zurück zu setzen. Naja, allzu sicher kann man sich eigentlich nicht sein, aber zumindest war es gestern Abend noch der Stand der Dinge.

Mein Angelkollege netzt den Fisch am Haken gekonnt ein. Eine gute Brasse und damit Zeichen für mich, auf eine statischere Präsentation mit Krallen-Futterkorb zu wechseln. 80 Gramm-Kralle, das reicht aus, um den Korb am Grund zu fixieren. Auch den Haken passe ich etwas an die Fischart an und nehme ein noch stabileres Hakenmodell in der Größe 12 (Tubertini Serie 26) zur Hand. Zwei Dendrobenas und eine Made kommen an den Haken und sollen mir die erste Rüsselträgerin einbringen.

9:35 Uhr

Doch noch keine Brassen da? Auch nach zehn Minuten mit Wurm am Haken konnte ich nicht einen Fischkontakt verzeichnen und ich überlege mir wieder einen Wechsel auf meine Silberling-Taktik. Während ich die nächste Brasse stromab bestaunen darf, reißt mich ein brutaler Biss an meiner Rute abrupt aus den Gedanken. Anhieb und ordentliche Gegenwehr am anderen Ende der Schnur. Doch die Aktion der Rute bändigt den bulligen Gegner am anderen Ende mit einer gewissen Leichtigkeit. Kurzer, vehementer Drill. Die erste Brasse liegt in meinem Unterfangnetz. Wir bleiben also vorerst auf Großfisch-Taktik.

Ersehnte Rüsselträgerin: Mit der ersten Brasse des Tages war der Startschuss für einen erfolgreichen Angeltag gelegt.Ersehnte Rüsselträgerin: Mit der ersten Brasse des Tages war der Startschuss für einen erfolgreichen Angeltag gelegt.

9:50 Uhr

Mittlerweile habe ich drei Brassen im Netz. Dazu etliche Güstern. Die Rotaugen am Haken waren bislang allesamt unter dem Mindestmaß. Wirklich zufrieden bin ich damit aber nicht, zumal ich nur gut alle zehn Minuten einen Fisch verhaften kann. Zum ersten Mal darf jetzt meine Wurmschere ihren Dienst verrichten. Zwei Körbe mit geschnittenen Würmern setze ich an meine Angelstelle und bin gespannt, wann denn der erste Krabben-Biss kommen wird. Denn Wurm schneiden heißt nicht nur Brassen anlocken, sondern hier allzu oft leider auch die zahlreichen Wollhand-Krabben auf den Angelplatz aufmerksam zu machen. Wir werden sehen.

10:01 Uhr

Biss. Wie aus dem Nichts wird meine Schnur schlapp, ich quittiere mit einem Anhieb. Brutale Flucht des Fisches stromab. Ich versuche gegenzuhalten, beim Schnurklip ist dann allerdings Schicht im Schacht. Fisch weg, Haken aufgebogen. Barbe, Karpfen, die Mutter aller Fluss-Brassen? Ich werde es nie erfahren. Neuer Haken dran, gleiches Modell, gleiche Größe. Wieder Biss, Anhieb. Kurzer Drill, wieder Fischverlust. Diesmal ist mein Vorfach mittig durchtrennt. Zu dünn? Nähere Begutachtung des Schnurrestes verrät mir, dass ich wohl an einer Muschelbank vorbeigeschrammt sein muss. Ärger über zwei Fischverluste in Folge runterschlucken und Wechsel auf 0,16mm starkes Vorfach. Cool bleiben ist eine der Tugenden, die beim Angeln wohl am meisten zählt.

Knapp vorbei ist auch daneben: Rute krumm, doch diesmal blieb der Fisch am anderen Ende der Schnur Sieger.Knapp vorbei ist auch daneben: Rute krumm, doch diesmal blieb der Fisch am anderen Ende der Schnur Sieger.

10:22 Uhr

Immer noch nichts Neues an der Brassen-Front. Ich pokere weiter und setze nun mit jedem zweien Korb ein Gemisch aus Castern und geschnittenen Würmern an die Angelstelle. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt, oder?

10:35 Uhr

Keine Verbesserung in Sicht. Zwar ist eine Brasse mehr im Netz, doch langsam aber sicher komme ich wieder ins Grübeln. War die Köder-Kur die falsche Option und hätte ich denn nicht lieber auf Nummer sicher gehen sollen mit der Angelei auf Güstern? Eins ist sicher, die kleinen Silberlinge sind nun jedenfalls weg.

10:45 Uhr

Ich wechsle wieder auf einen Schlittenkorb, der über den Grund huscht. Der Wurm am Haken bleibt allerdings. Mit Güstern kann man heute ohnehin nichts ernten und so bleibt nur eines: Abwarten und? Richtig, weiter cool bleiben.

Grund zur Sorge: Die Nachbarn fingen weiterhin Güster um Güster, bei Tobias eine erste längere Beißpause.Grund zur Sorge: Die Nachbarn fingen weiterhin Güster um Güster, bei Tobias eine erste längere Beißpause.

11.55 Uhr

Dritter Wurf mit rutschendem Korb. Der Korb springt über den Grund und wird abrupt gestoppt. Rute am Vibrieren, heftiger Anschlag und rasanter Drill. Bingo, endlich wieder eine Brasse.

12:05 Uhr

Mit hüpfendem Korb zum Erfolg. Die dritte Brassen in Folge liegt vor mir im Netz. Allesamt mit einem guten Stückgewicht von rund eineinhalb Kilogramm. Weitermachen und vielleicht noch die ein oder andere Brasse fangen.

Die nächste Brasse am rutschenden Futterkorb: Die Fische waren also am Platz, nur die Präsentation stimmte einfach nicht.Die nächste Brasse am rutschenden Futterkorb: Die Fische waren also am Platz, nur die Präsentation stimmte einfach nicht.

12.35 Uhr

War aber auch klar. Plötzlich geht nichts mehr. Weder ich noch sonst jemand in meiner Blickweite fängt in der Mitte des Gewässers noch erwähnenswert. Irgendwie wie abgeschnitten. Lockstoff-Bombe an den Angelplatz? Nö, nicht so mein Ding. Ich warte mal lieber, was passiert. Ja, wieder warten also. Auch ein Wechsel des Hakenköders bringt nichts. Weder Wurm, Made noch Caster-Maden-Kombi werden von den Fischen noch beachtet.

Leckerbissen unter sich: Würmer, Maden oder Caster waren die Hakenköder, welchen die meisten Angler vertrauten.Leckerbissen unter sich: Würmer, Maden oder Caster waren die Hakenköder, welchen die meisten Angler vertrauten.

12:45 Uhr

Etwas stromauf ist zum dritten Mal in Folge die Rute krumm. Beim nächsten Einwurf achte ich gezielt auf die Wurfweite des Fängers. Aha, auf der anderen Seite also. Ich überlege ernsthaft eine Verlegung meines Angelplatzes.

12.50 Uhr

Es ist soweit, ich löse den Schnurklip aus der Rolle und ein Krallenkorb von 140 Gramm kommt an die Montage. Zwar damit 40 Gramm über dem idealen Wurfgewicht meiner Rute, aber man muss ja nicht durchziehen wie ein Berserker, um diese kurzen Wurfdistanzen zu erreichen. Der Korb bleibt fest liegen, Grund ist einigermaßen okay. Alles oder nichts jetzt. Fünf Futterkorb-Ladungen mit reichlich Castern und geschnittenen Würmern setze ich auf meinen neuen Angelplatz auf 50 Meter Entfernung. 12er Haken dran, zwei Würmer und eine Made. Abwarten, was kommt.

13:01 Uhr

Es klingelt zum ersten mal an meiner Spitze. Ich hebe ruhig ab und nehmen am anderen Ende der „Leitung“ einen mehr als willkommenen Gesprächspartner wahr. Mit Nachdruck aber ohne Eile dirigiere ich den bulligen Schuppenträger an mein Ufer und netze die erste wirklich stattliche Brasse der 2-Kilogramm-Marke mit einem nicht zu übersehenden Schmunzeln ein. Keine Zeit zum Auskosten dieses Erfolgsmoments, die Zeit läuft.

Geht doch: Der Wechsel der Angeldistanz brachte die Wende und Tobias noch einige schöne Fische ein.Geht doch: Der Wechsel der Angeldistanz brachte die Wende und Tobias noch einige schöne Fische ein.

13: 06 Uhr

Wieder im Drill und wieder ein stattlicher Fisch. So kann es meinetwegen auch weitergehen. Und tatsächlich, in der Folge befinde ich mich fast nur noch im Dauerdrill. Zwar nicht immer die größten Fische, aber dafür ernte ich mit jedem Wurf an meine neue Angelstelle einen Fisch. Plötzlich sind auch die Güstern wieder da.

13:30 Uhr

Noch eine Viertelstunde Zeit, die Fische stehen nun auf dem Platz. Fisch um Fisch saugt meine Würmer ein und ich starte eine letzte Aufholjagd. Keine Frage, heute wird jeder Fisch entscheidend sein. Meine Nachbarn müssen nun ihrerseits mit einer etwas längeren Beißpause kämpfen. Ratlose Gesichter, wie meines heute vor noch nicht allzu langer Zeit.

Fleißig bei der Arbeit: In der letzten Stunde der Angelzeit legte Tobias ein furiosen Endspurt hin.Fleißig bei der Arbeit: In der letzten Stunde der Angelzeit legte Tobias ein furiosen Endspurt hin.

13:57 Uhr

Der wohl letzte Biss des Tages, wieder enorme Gegenwehr. Es heißt nun möglichst schnell, aber zugleich sicher den Fisch zu landen. Schließlich muss dieser bei Ertönen des Signals um 14:00 Uhr aus dem Wasser sein. Kurz vor Schluss dann also doch noch etwas Adrenalin für meinen Körper. Gut 30 Sekunden vor Schluss liegt der Fisch schließlich vor mir. Der perfekte Schlusspunkt. Ein letzter Wurf sinnlos, ich fahre mich innerlich herunter.

Last Minute-Brasse: Die letzte Brasse des Tages lag nur wenige Sekunden vor dem Schlusssignal in den Maschen des Unterfangnetzes.Last Minute-Brasse: Die letzte Brasse des Tages lag nur wenige Sekunden vor dem Schlusssignal in den Maschen des Unterfangnetzes.

14:00 Uhr

Das Schlusssignal ertönt und zugleich beginnt das Warten auf den Wiegetrupp. Ich lasse den Tag beim Zusammenpacken meiner Habseligkeiten innerlich ein erstes Mal Revue passieren. „Was wäre wenn?“ ist sicherlich eine der Fragen, die mir in den nächsten Stunden noch öfters durch mein Oberstübchen spuken wird.

Nur noch einmal warten: Diesmal auf den Tross des Wiegeteams.Nur noch einmal warten: Diesmal auf den Tross des Wiegeteams.

14:17 Uhr

Die Waage bringt mir endlich die Gewissheit, 18,9 Kilogramm. Ein ordentliches Fanggewicht, allerdings nur das dritthöchste des Sektors. Damit rund zwei gute Fische zu wenig für das höchste Fanggewicht, das heute rund 10 Plätze stromab mit 21,9 Kilogramm erzielt wurde. Trotzdem, damit kann ich ganz gut leben.

Die Gewissheit: Mit 18,9 Kilogramm an Fanggewicht am Ende ein ordentliches Ergebnis für Tobias.Die Gewissheit: Mit 18,9 Kilogramm an Fanggewicht am Ende ein ordentliches Ergebnis für Tobias.

15:20 Uhr

Wieder zurück am Auto, immer noch etwas angefressen über die verlorenen Fische des Tages. Doch auch andere haben heute bestimmt etwas Pech gehabt. Abhaken und es nächstes Mal einfach besser machen. Was genau? Ja, das ist eine gute Frage.

Wäre ein aktiveres Futter heute vielleicht besser gewesen? Oder hätten mehr aktive Partikel in der Mischung am Ende vielleicht nur die unzähligen Alande angelockt, die wertvolle Angelzeit kosten und weitere Unruhe auf den Angelplatz bringen. Heute blieb ich ja vollkommene „verschont“ von den gierigen Nimmersatten.

Die Spur in der Mitte des Gewässers brachte auch ihre Fische ein, vielleicht war der Wechsel auf die weitere Angelspur heute das Zünglein an der Waage. Vielleicht hätte ich mich 15 Minuten früher dazu durchringen sollen? Vielleicht hätte das ein oder zwei Fische mehr gebracht? Vielleicht aber auch keinen?

Vielleicht hätte ich Maden füttern sollen, um meine Spur in der Mitte des Gewässers wieder zu aktivieren? Vielleicht hätte ich dann aber auch nur noch Alande gefangen? Vielleicht war mein heutiges Vorgehen aber auch genau richtig und einfach nicht mehr drin? „Vielleicht“ - zweifellos eines der Wörter, die man nach einem solchen Angeltag am meisten in den Mund nimmt.

Das Einzige, was man nach einem derartigen Angeltag mit Sicherheit sagen kann ist, dass kein Tag dem anderen gleich. Denn das, was heute noch den Erfolg brachte, kann morgen bereits in ein wahres Desaster ausarten.

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2 Kommentare
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  • looser-olly
    aus sarstedt
    moin moin , ein wirklich super geiler bericht , würde ich gerne mal öfters sehen beziehungsweise lesen!!!! weiterhin viel petri , und mach dir nicht so`n kopf- meistens sagt einem der Instinkt was man zu tun- oder zu machen hat , jedenfalls war es bei mir oft so !!! lg olly knak .
  • Ping-Pong
    Moin, das, ist doch ein richtig nett geschriebener Bericht. Von den leichten Sehstörungen am frühen morgen bis zum Finale. Die nötige Selbstironie hat auch nicht gefehlt. Bin Begeistert !!!!!! Gruß Ping -Pong