Stadtkanäle im Winter - 10 Tipps von Brian Überleer

  • von Brian Überleer
  • 10. Februar 2015 um 12:26
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Kleine Stadtkanäle im Winter

Viele werden sich gerade zu dieser etwas ungemütlichen Jahreszeit die Frage stellen, ob man zum Fischen gehen soll, oder doch lieber im Warmen und Trockenen die Zeit verbringt. Aber seien wir doch mal ehrlich.. Wer kann schon 3-4 Monate verstreichen lassen, ohne sich ein einziges Mal ans Wasser zu begeben? Oft werden kleine Stadtkanäle im Winter als Angelrevier auserkoren, da sich hier oftmals aufgrund der geschützteren Lage doch noch ein paar entspannte Stunden angeln lassen. Doch auch hier sind gerade in der kalten Jahreszeit einige Dinge zu beachten, um den Angeltag doch noch ein wenig erfolgreicher zu gestalten.

Warm ist alles

Warm ist alles

Jeder hat sicherlich schon mehr oder weniger freiwillig die Erfahrung gemacht, beim Angeln schon nach kurzer Zeit die Motivation zu verlieren, weil die Kleidung doch nicht warm genug war für den kalten, oft noch feuchten Wind oder die „diesige“ Luft . Hat man diesen Punkt bereits erreicht, ist der Rest der Angelzeit oft ein nervenaufreibendes Unterfangen, von konzentriertem Fischen ganz zu schweigen. Deshalb lieber gleich vorsorgen und ausreichend „Schichten“ zusammentragen, damit der Angeltag nicht zum Scheitern verurteilt ist.

Beinahe jede bekannte Angelfirma führt ein vielfältiges Angebot an Thermobekleidung und Utensilien. Besondere Aufmerksamkeit ist ebenso auf das Schuhwerk zu legen. Ich bevorzuge im Winter mit einem speziellen Neoprenschaum gefütterte Gummistiefel oder spezielle Thermoboots, welche jedoch in jedem Fall Wasserdicht sein sollten. So sind die Füße stets warm und vor allem trocken, denn sind die Füße erst einmal kalt, ist die nächste Erkältung oft nicht weit. Bereits kostengünstige Modelle können wahre Wunder wirken und kalte Angler wieder wärmen. Ein weiteres wichtiges Winterutensil sind fingerlose Handschuhe. Diese halten die Hände größtenteils warm und beschädigen trotzdem nicht die empfindlichen Schleimhäute des Fisches.

„Lasst die Köder munter werden“

So wie der Angler friert, so leiden  auch die Köder auf dem Tableau. Da aber natürlich nur mit einwandfreien Köder der maximale Erfolg erzielt werden kann, sind einige Dinge zu tun, um seine Köder am Leben zu halten. Oft wird nach Lösungen gesucht, wie man seine teuer erstandenen Lebendköder der „köderfeindlichen“ Winterluft entziehen kann.

Da es auf dem Angelgerätemarkt noch keine absolut perfekte Lösung gibt, um dieses Problem komplett zu umgehen, muss sich der Angler folglich selbst behelfen. Die aus meiner Sicht beste Lösung ist, die selben Prinzipien zu befolgen, mit welchen man im Sommer bei sehr hohen Temperaturen seine Köder am Leben erhält. Grundsätzlich ist es jedem zu empfehlen, sich eine gut isolierte Ködertasche anzuschaffen, aus der weder Kälte noch Wärme entfliehen kann. Nimmt man nun handelsübliche Taschenwärmer zur Hand und deponiert diese in der Ködertasche, lassen sich Köder auch über längere Zeit am Wasser warm halten. Aber Achtung!- einige Taschenwärmer, egal ob Taschenofen oder Knicktaschenwärmer, werden sehr warm, sodass man die Wärme regulieren sollte. Dies erreicht man, indem man einfach wie bei einem Kühlelement dämmende Materialien um die Wärmequelle wickelt. Nimmt man nun immer wieder nur wenige Mengen Köder aus der Tasche, sind lebendige und quirlige Köder garantiert. Ist es aber bereits so kalt, dass die Köder bereits nach wenigen Minuten erstarren, isoliere ich gern meine Köderdosen mit einem zweiten Boden . Unter diesen zweiten Boden lege ich ein eine Art Taschenwärmer, unter dem wiederum eine Schicht aus Styropor als Wärmedämmung folgt.  Hier darf sich der Taschenwärmer nur bis  ca. 30 Grad erhitzen, da sonst wieder die Köder Schaden nehmen.

Warme Köder sind unter Wasser, wenn auch nur kurz, viel lebendiger

Dies ist zwar ein wenig Aufwand, doch hat mir diese etwas behelfsmäßige Konstruktion schon den ein oder anderen Winteransitz erleichtert.

Weiterhin bietet sich die Möglichkeit, seinen Ködertisch mit einem kleinen Heizstrahler zu versehen. Dieser benötigt zwar ein wenig Platz, bringt aber den Vorteil mit, dass man sich als Beispiel kalte Finger wieder aufwärmen kann und so den gesamten Bereich um die Futtermittel etc. vor Kälte geschützt hat.

Keep it simple!

Sicherlich einer der wichtigsten Leitsätze eines erfolgreichen Angeltages ist das „Keep it simple“. Dieser Grundsatz ist natürlich nicht nur im Winter zu befolgen, jedoch bekommt dieser in der Winterzeit eine ganz besonders prägnante Bedeutung. Da gerade im Winter die Bewegungsfreiheit des Anglers recht eingeschränkt ist und generell das Angeln einen trägeren Charakter bekommt, ist es mehr als unvorteilhaft den Angelplatz durch zu viele Anbauteile und sonstige Gerätschaften zu verbauen. Nichts ist nervenaufreibender, als ein Suchen von Kleinteilen, weil man aufgrund von mangelnder Organisation den Faden verloren hat. Somit halte ich den Aufbau im Winter je nach Möglichkeit ziemlich kompakt und einseitig.

Der Angelplatz - Keep it simple!

Ebenso ist eine Beschränkung auf wenige Kits sinnvoll. Dies ist natürlich nur möglich, wenn man sich vorher mit den Begebenheiten vertraut gemacht hat und so schon vorher grobe Aussagen bezüglich der Montagen machen kann. Doch nicht nur auf den Platzaufbau, sondern in allen Bereichen ist diese Grundeinstellung einmal mehr zu beachten, als jede andere sonst. Nicht ohne Grund wird diesem Punkt von vielen großen Anglern aus Nah und Fern so viel Bedeutung zugesprochen.

Fein geht vor

Die Posenantenne geht nur wenige Millimeter unter oder bewegt sich für den Angler fast nicht erkennbar. Die Fische verändern oftmals nur sehr wenig die Haltung im Wasser, um einen Köder aufzunehmen. Nach erfolgter Aufnahme des Hakenköders geht der Fische meist zurück in die Ausgangsposition, ohne sich dabei viel von der Stelle zu bewegen. Diese minimalen Bewegungen sind nur erkennbar, wenn die eingesetzten Geräte gut auf die Begebenheiten abgestimmt sind. Generell sind leichte Posen und feine Schnüre das Maß aller Dinge, um eine möglichst natürliche Präsentation zu gewährleisten. Oft ist man gut beraten Schwimmer mit Stahlantennen zu wählen, da hier bekannterweise der Widerstand bei einem Biss für den Fisch am geringsten ist, aufgrund des hohen Eigengewichts der Antenne. Lässt jedoch das Licht am Gewässer eine Stahlantenne unerkennbar werden, so nutze ich gerne feine Glasfiberantennen. Diese lassen durch ihren veränderten Brechungsindex das Licht hindurch scheinen und sind somit selbst bei tief stehender Sonne noch erkennbar.

Leichte Posen und feine Schnüre sind das Maß aller Dinge Leichte Posen und feine Schnüre sind das Maß aller Dinge

Voraussetzung für eine optimale Bisserkennung ist natürlich ebenso die Bebleiung der eingesetzten Montage. Aufgrund der kleinen und leichten Posen sind kleine Bisschrote einzusetzen. Ich persönlich verfolge im Winter zunächst den Ansatz kompakt zu fischen, also weniger aber dafür feinere Bisschrote zu verwenden und die Hauptbebleiung mit ca. 25cm vor der Schlaufe ziemlich dicht am Haken zu platzieren. Aufgrund der Tatsache, dass die Fische im Winter fast nur auf dem Grund fressen und ich mit einer relativ kompakten Bebleiung diesen besser befischen kann, wähle ich diese Bebleiungsvariante. Aber natürlich gibt es gerade bei dieser Frage keine immer geltende Antwort.  Da natürlich keine Pose die exakte Tragkraft besitzt, die vom Werk aus auf dem Posenkörper angegeben wurde, ist es nötig durch sogenannte „Trimmingshots“ die Posen so weit auszubleien, dass die Antenne nur noch wenige Millimeter aus dem Wasser ragt. Diese winzigen Schrote werden über der Hauptbebleiung angebracht und haben somit keinen signifikanten Einfluss auf das Sinkverhalten der Montage. Bei extrem leichten Posen >0.4g. bietet sich eine Verwendung von Stylbleien an, da diese bis in die winzige Größe 15 erhältlich sind. Die Schnüre sollten im Winter, bedingt durch das meist klare, kalte Wasser besonders transparent sein und eine weiche Struktur aufweisen. Es gibt viele Fluorocarbonschnüre am Markt, welche unter Wasser so gut wie nicht erkennbar sind. Jedoch sind viele Schnüre aus dieser Kategorie oft steif und lassen die ganze Montur unflexibel werden, was wieder das Sinkverhalten negativ beeinflusst.

Strukturen erkennen

Trotz der oftmals geringen Breite der kleinen Wasserstraßen sind unter Wasser interessante Strukturen zu finden. Deshalb ist das ausgiebige Loten ebenso wie in jedem anderem Gewässer auch absolut erfolgsentscheidend. Auch in kleinen Stadtkanälen ist es nicht egal, wo letztendlich das Futter platziert wird. Aufgrund der geringen Breite wird oft einfach in der Mitte des Kanals geangelt, da dort die vermutlich größte Wassertiefe zu finden ist. Dieser Bereich ist schnell ermittelt, da hier in der Regel bereits mit wenigen Teilen der Kopfrute die Mitte des Gewässer befischt werden kann. Diese Vorgehensweise ist jedoch nicht immer die Beste, zumal man sich die oft wenigen markanten Strukturen unter der Wasseroberfläche nicht zu Nutzen macht.

Strukturen erkennen - ausgiebiges Loten ist absolut erfolgsentscheidend

In der Regel sind vor allem abfallende Kanten ein absoluter Hot Spot, da hier der monotone Aufbau unterbrochen wird und sich gerade an diesen Punkten ein höheres Nahrungsgangebot finden lässt. Ich gehe aus diesem Grund so vor, dass ich zuerst die tiefste Wassertiefe an meiner Montage einstelle und dann so lange die Länge meiner Rute verlängere, bis ich einen signifikanten Unterschied in der Tiefe feststelle. Legt man seinen Futterplatz nun vor dieser Kante an, so läuft man nicht Gefahr, die Strukturen außer Acht gelassen zu haben.

Backshot

Das Bleischrot nimmt den Wind von der Kopfschnur

Oft ist man an Kanälen von Winden geplagt, welche entlang des Gewässerverlaufs wehen, wodurch eine punktgenaue Präsentation der Pose unmöglich gemacht wird, da der Wind ständig in die Kopfschnur zwischen Pose und Spitze weht und so die Montage unkontrolliert über den Futterplatz bugsiert. Dass sich die sowieso schon launischen Fische von so einer unnatürlichen Köderführung kaum überlisten lassen werden, versteht sich von selbst.

Dabei gibt es eine ganz einfache Möglichkeit diesem durchaus nervigen Problem entgegenzuwirken. Die Schnur zwischen Pose und Spitze sollte hierbei 30-40cm lang sein. Nun wird je nach Stärke des Windes und unter Berücksichtigung von anderen Einflüssen wie Oberflächenströmung und eventuell vorhandener Strömung ein Bleischrot auf die Kopfschnur geklemmt. Damit wird ein Absinken der Kopfschnur erreicht, welche dem Wind so keine Möglichkeiten mehr bietet, in die Schnur zu wehen. Nutzt man nun noch ein Frontbar und positioniert die Rute mit der Spitze im Wasser oder unmittelbar darüber, hat man alles mögliche getan, um auch bei windigen Konditionen noch einigermaßen kontrolliert angeln zu können.

Bei der Positionierung des Backshots ist jedoch zu beachten, wo genau das Schrot platziert werden soll oder ob es bspw. nötig ist, mehrere Schrote verteilt anzubringen. Man macht ebenso einen Unterschied zwischen beeinflussenden Backshots oder Backshots, welche separat auf der Schnur klemmen und mit ihrem Gewicht nicht direkt auf die Tragkraft der Pose einwirken. Ersteres findet Verwendung, wenn man erreichen möchte, dass seine Pose noch stabiler im Wasser steht und so noch sensibler wird. Andrerseits bietet sich die Möglichkeit Schrote so anzubringen, dass sie kurz über dem Wasser hängen und somit die Kopfschnur „versteifen“. Dies ermöglicht neben schnelleren Anschlägen auch ein besseres Einsetzen der Montage. In der Regel finden hier Bleischrote < AA ihre Verwendung. Sind die Konditionen am Gewässer also einmal nicht die besten, so kann ein einfaches Bleischrot dazu beitragen, den Kescher gut zu füllen.

„Würzig aber mager“

Die am meisten mit Weisheiten umrankte Beschäftigung eines Friedfischanglers ist wohl die Auswahl des Futters. Viel wird getüftelt und probiert, um am Ende den größten Erfolg zu erzielen. Bedingt durch die geringe Nahrungsaufnahme der Fische sollte der Mix im Winter mager sein, um damit nicht sofort eine Sättigung der Fische zu erreichen. Sollte es im Sommer noch gehaltvoll und nahrhaft sein, um die großen Brassen am Platz zu halten, sind nun Mischungen erforderlich, welche durch feine Struktur und wenige sättigen Mehle eine möglichst geringe Sättigung erzielen. Keksmehle  und grobe Maismehle mit einem hohen Fettgehalt sind zu vermeiden. Weiterhin ist es teilweise erfolgsversprechend aktive Komponenten, wie bspw. gerösteten Hanf zu verwenden. Dieser sorgt für einen würzigen Geschmack und verleiht der Mischung einige aufsteigende Bestandteile. Bedingt durch das klare Wasser ist ein ein Färben des Futters unerlässlich, um der Scheu der Fische entgegenzuwirken.

Im Winter sollte der Futtermix würzig aber mager sein

Um den Sättigungsgrad des Futters noch mehr zu senken bietet es sich an Erde beizufügen. Welche Erde verwendet wird, hängt natürlich von den vorherrschenden Begebenheiten ab. Ebenso ist zu beachten, wann die Erde ins Futter gegeben wird. Mischt man die Erde ins trockene Futter, endet der Versuch, das Futter anzufeuchten zum einen nicht selten in einem Desaster, andrerseits kann es passieren, dass die Erde dem Futter den Geschmack und die Würze entzieht. Die Frage, welcher Lockstoff denn wohl am besten sein würde muss jeder für sich selbst beantworten, da nur so das Vertrauen in seine Mischung zu 100% gegeben ist. Eines der erfolgreichsten und am meist benutzten  Gewürze im Winter ist Koriander, der durch seine herbe Note das Futter attraktiver werden lässt und zudem keinen unangenehmen Chemiegeschmack ins Futter bringt. Weiterhin gebe ich dem Futter gerne Salz hinzu. In der Regel sind  hier 30-50gramm pro Kilo angebracht.Was bei uns Menschen teilweise teilweise schiefe Gesichter sorgt, wenn der Koch es mal ein wenig zu gut gemeint hat, ist bei Fischen gerade im Winter teilweise für einen echten Fressrausch verantwortlich. Salz ist ein leicht lösliches Mineral und wirkt als Geschmacksträger. Diese Eigenschaften sorgen für eine schnelle Verteilung der Geruchsbestandteile des Futters und zusätzlich verleiht es dem Futter einen herberen Geschmack.

Weniger ist (oft) mehr

Weniger ist oft mehr

Der richtige Mix ist angerührt und die Montagen sind optimal eingestellt. Ohne die richtige Futtertaktik kann jedoch so einiges schief laufen, was eigentlich hätte vermieden werden können. Deshalb verfolge ich grundsätzlich beim Füttern im Winter den Grundsatz: „Weniger ist mehr!“ Getreu dem Motto „Was ich einmal reingeworfen hab, kann ich nicht mehr rausholen“ ist vorher genau zu überlegen, welche Menge an Futter, vor allem aber welche Menge an welchen Ködern ich am Gewässerboden platzieren möchte.

Es ist ratsam sich einen separaten Falteimer oder ähnliches bereitzulegen, in dem ich mein Futter welches ich zu Beginn füttern möchte hineingebe. Ich entnehme also als Beispiel fünf mandarinengroß, volle Hände Futter der Hauptfuttermischung. Nun stellt sich die Frage, welche Menge an Ködern zu Beginn gesetzt werden. Hat man vorher keine eigenen Erfahrungen gemacht, wie der Fisch momentan reagiert, kann man sich auf Erfahrungen von anderen Gleichgesinnten stützen.

Um exakt zu wissen, welche Menge Köder ich im Futter habe, messe ich die Mengen mithilfe von einem Polecup. Diese sind in der Regel 125ml oder 250ml groß und bieten sich so hervorragend an. Sind die Futterballen nun geformten geht es ans Einbringen der Mischung. Hierfür nutze ich fast ausschließlich den Polecup, da ich den Futterplatz im Winter möglichst klein halten will und ich mir die Möglichkeit offen halten möchte, direkt auf einem Futterballen zu fischen, wenn ich bspw. Erde und Mückenlarven füttere, denn nur so kann ich absolut sicher sein, dass der Ball wirklich da liegt, wo er landen sollte.

Hanfsache

Was bei Menschen für Rauschzustände sorgt, das bringt auch Fischschwärme im Winter in Wallung. Hanf gehört zu einem der erfolgreichsten Köder wenn es darum geht, im Winter Rotaugen zu überlisten. Aber auch Fische wie Brassen, Güster oder Aland machen vor dem Partikelköder nicht halt. Durch seinen spezifischen Geruch zieht Hanf Friedfische fast schon magisch an und hält diese auch längere Zeit in der Futterspur. Füttert man regelmäßig kleine Portionen auf eine kleine Fläche an, erzeugt man einen ständigen Hanfregen, der durch seine einprasselndes Geräusch zusätzlich eine gewisse Lockwirkung mit sich bringt. Gerne bereite ich mir eine Mischung aus 1/3 Caster und 2/3 Hanf vor, welche ich in einem bestimmten Rhythmus mit der Schleuder füttere. Hierbei versuche ich, einen möglichst kleinen Platz (max. 1qm ) zu treffen, um die Fische so möglichst zentriert zu halten. An dieser Stelle ist es teilweise besonders erfolgreich sehr leichte Posen mit einem Carbonkiel zu verwenden, sodass die Fische auf dem Futterplatz, welche auf die herabfallenden Köder warten, den Hakenköder schon beim Absinken aufnehmen. Der Carbonkiel ist in so fern ratsam, da Carbon ein sehr geringes Eigengewicht hat und sich die Pose in folge dessen langsamer aufstellt. Nimmt nun ein Fisch den Köder im Absinken auf, ist ein Biss mit Stahlkiel nur schwierig zu erkennen, der Carbonkiel zeigt Bisse jedoch zuverlässig weiter an. Verwendet man nun noch feine Stylbleie als Bisschrote, ist die Hanfmontage perfekt.

Hanf gehört zu einem der erfolgreichsten Köder um im Winter Rotaugen zu überlisten

Die winzige Stylschrote wirken mit ihrer kantigen Form wie herabfallenden Hanfkörner und lassen den Köder natürlich absinken. Sind die Fische auf den Hanf eingestellt, ist es ratsam nach einiger Zeit ein Hanfkorn an den Haken zu hängen. Dies funktioniert jedoch nicht an jedem Gewässer gleich gut. An einigen Gewässern kann man mit Hanf am Haken Fisch auf Fisch fangen und an anderen bleibt man auf diese Weise Schneider. Hier heißt es wieder mal ausprobieren und flexibel sein. Generell benötigt diese Technik wenig Futter, da der Fisch durch den stetigen Partikelregen am Platz gehalten werden soll. Ich füttere meist zu Beginn des Fischens 3-4 Bälle einer leichten Futtermischung, welche sehr aktiv ist und füttere dann fast ausschließlich mit der Schleuder nach. Passiert es, dass die Fische trotz ständigen Fütterns nicht so beißfreudig sind, so verleihe ich meinem Platz ein zweites Kickoff, indem ich wieder etwas Futter nachschiebe. Mit dieser Technik lassen sich auch im Winter große Mengen an Fisch fangen, vorausgesetzt das zu befischende Gewässer ist mit genügend aktiven Fischen gesegnet. Demnach ist diese Taktik an Gewässern mit sehr scheuen und vor allem wenigen Fischen nicht immer die beste Wahl, da immer eine Gefahr besteht die wenigen Fische zu überfüttern oder durch zu unpräzises Schießen die Fische verteilen.

Take your time

Take your Time

Oftmals sieht man bspw. bei Gemeinschaftsfischen Angler, die bereits nach einer Stunde genervt umher stapfen und über den vermeintlich schlechten Tag klagen. Doch auf einmal wendet sich das Blatt und die Fische beißen. Oft kommen diese Momente schlagartig - wohle dem, der geduldig auf der Kiepe ausgeharrt ist und auf diesen Moment konzentriert gewartet hat. Dieses Phänomen begründet sich mit der Bewegungsmuster eines Fisches im Winter.

Da Fische zu den poikilothermen Tieren gehören, ist ihr Wärmehaushalt abhängig von der Umgebungstemperatur. Dies hat zur Folge, dass die Körpertemperatur aufgrund der geringen Wassertemperatur sinkt, was eine gewissen „Winterstarre“ zur Folge hat. Daraus resultiert eine gedrosselte Nahrungsaufnahme und die Wege, die ein Fisch zur Nahrungsbeschaffung zurücklegt, werden kürzer. Es ist also nicht verwunderlich, dass Fische bei kalten Temperaturen längere Zeiten benötigen, um den Futterplatz zu finden.

Aber auch wenn die ein paar Fische den Futterplatz gefunden haben, ist oftmals ein sehr verändertes Beißverhalten gegenüber der wärmeren Jahreszeit zu erkennen. Beginnt man nun mit wildem „Experimentieren“, ist der Futterplatz oft sehr schnell zerstört. Hat man also den Futterplatz aufgebaut kann es gut sein, dass es lange dauert, bis der erste Fisch die Pose verschwinden lässt. Jedoch sind hier die Unterschiede von Gewässer zu Gewässer sehr groß. Hat man jedoch erst einmal einen Tag erwischt, an dem man nicht schon nach den ersten Minuten einen Biss bekommt, sollte man nicht direkt urteilen, sondern flexibel sein und abwarten. Oft findet der Fisch spät den Futterplatz und verhilft so doch noch zum erfolgreichen Ansitz.

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