Feedern auf Brassen mit Oliver Scotthorne

  • von ct Redaktion
  • 17. Dezember 2015 um 08:30
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Gewässer: Worsbrough Stausee, Barnsley, England

Angler: Oliver Scotthorne

Das Brassenangeln an großen Seen war schon immer sehr beliebt, auch wenn viele Angler gerade hier in Wettkämpfen Probleme zu haben scheinen. Die weite Natur, in der die Brassen fressen und sich bewegen können, macht es schwierig sie zu lokalisieren bzw. am Platz zu halten, wenn man sie gefunden hat. Falls dies gelingt, können hohe Gewichte erzielt werden. Wenn erst einmal verstanden wurde, wie die Fische unter den jeweiligen Bedingungen fressen, kann dieses Wissen beim Einlaufen der Brassen zum Matchgewinn führen.

Oliver Scotthorne

Oliver Scotthorne

Ein Angler, dem diese Art des Angelns nicht unbekannt ist, ist Oliver Scotthorne. Bei diesem Namen —Olivers Vater ist niemand geringerer als der fünffache Weltmeister Alan Scotthorne— erwarten Sie vermutlich, dass er das ein oder andere über das Brassenangeln von seinem Vater gelernt hat. Kaum ausgesprochen, muss direkt erwähnt werden, dass Oliver sehr stolz auf seine selbst erzielten Erfolge ist und die Annahmen, die automatisch gemacht werden, wenn der Vater nun einmal von nicht wenigen als der beste Angler der Welt angesehen wird, nie gemocht hat. Oliver konnte sich bei Jugendweltmeisterschaften beweisen und hat es jetzt sogar geschafft einen Platz in der beeindruckenden Drennan Barnsley Mannschaft zu erringen, die 2014 fast alle Mannschaftswettkämpfe in England dominierte.

Als Jungangler wohnte Oliver buchstäblich nur ein paar Meter von diesem Stausee entfernt, so dass er, zusammen mit Alan, viele Jahre damit verbrachte hier zu fischen. Alan konnte ihm eine fantastische Grundlage an Wissen und Erfahrungen in Punkto Brassenangelei bieten. Bereits von Kindesbeinen an musste Oliver lernen, wie verschiedene Wassertemperaturen, Wetterverhältnisse und die Klarheit des Wassers das Fressverhalten von Brassen beeinflusst. Ein Wissen, das heute auf alle von ihm befischten natürlichen Gewässer angewendet werden kann.

Der Angeltag

Im Vorfeld zu diesem Bericht wies der Worsbrough Stausee, der normalerweise im Schnitt 4-5m tief ist, aufgrund von Regenmangel, einen sehr niedrigeren Stand auf. Es kam wie es kommen musste, und nur drei Tage vor unserem Treffen regnete es heftig. Die resultierenden Wassermassen strömten ins Becken und ließen den Pegel auf Höchststand anschwellen. Zusätzlich hat das kalte Wasser im Becken deutlich getrübt, so dass der heutige Angeltag deutlich schwieriger als sonst werden könnte. Oliver hat hier erst einmal so trübes Wasser gesehen und betont, dass die Brassen jetzt, da alles trüb und schlammig ist, darauf angewiesen sind, sich die größeren Hakenköder herauszusuchen. Diese Erfahrung hat er an vielen anderen Gewässern gemacht, so dass es interessant sein wird, wie die Brassen heute fressen.

Der Worsbrough Stausee in Barnsley, England

Die Taktik:

Wie an vielen anderen großen offenen Wasserflächen können Brassen auf ganz unterschiedlichen Distanzen gefangen werden. Oliver überlegt sich, wie er hier in einer Wettkampfsituation, in der nur die Feederrute zugelassen wäre, vorgehen würde.

Obwohl der See einen guten Bestand an Rotaugen, Barschen und Hybriden aufweist, zielt er es auf Brassen ab, die zu dieser Jahreszeit ein wenig weiter draußen gefangen werden können. Weiter herauszuwerfen wäre normalerweise auch genau das, was die richtige Vorgehensweise aufgrund des klaren Wassers im Winter wäre. Heute erwartet er allerdings, die Fische wegen des getrübten, schlammigen Wassers auch in näherer Distanz zu fangen. Der See beherbergt Brassen und Skimmer (kleinere Brassen bis ca.700g) jeder Größe. Oliver hat deshalb vor die kleineren Skimmer auf einer kürzeren Bahn zu befischen, während er auf einer weiter entfernten eine Futterstelle für große Brassen für die Angelei gegen Ende des Tages anlegt. Das ist eine unschlagbare Taktik, wenn die Umstände stimmen. Fische auf unterschiedlichen Bahnen zu beangeln, erlaubt es verschiedene Köder und Futtertaktiken gleichzeitig auszuprobieren. Wenn man möchte, kann man sogar eine Spur für später „pausieren“ lassen. Das Pausieren stellt sich beim Feederfischen manchmal als Gewinnertaktik heraus und kann dazu führen, ein paar scheue Bonusfische bei schwierigem Beißverhalten zu fangen.

Zwei-Bahnen-Taktik

Oliver bevorzugt es auf der kurzen Spur Skimmer zu fangen. Wenn sie hier in großer Stückzahl fressen, ist er in der Lage sie schnell einzusammeln. Zusätzlich erlaubt sie ihm auf der langen Spur gezielt große Brassen zu befischen, fernab von Störungen, die durch die kurze Bahn entstehen können. In Gewässern, wie dem heutigen, ändert sich die Wassertiefe, wenn man weiter als 15m heraus fischt, nicht mehr grundlegend. Ab 20m Entfernung liegt sie bei rund vier Metern und setzt sich bis etwa 70m weit draußen gleichbleibend fort. Sobald Oliver in etwa weiß, wie tief es hier ist, beginnt er zu erkundschaften, wie der Grund des Stausees aussieht. Indem er eine Bleiolive rund um den Angelplatz herum auswirft, findet er schnell heraus, dass der Boden überall sehr weich ist. Das bedeutet, dass es nicht so genau darauf ankommt, welche Stelle er für heute auswählt. Dies im Hinterkopf und aufgrund des zusätzlich stark getrübten Wassers, entscheidet er sich dazu die kürzere Spur einfach bei genau 25m anzulegen.

Seine Brassenspur wird er auf komfortablen 45m Entfernung anlegen. Zu Beginn des Angelns gibt es nur wenig Wind, und Oliver denkt, dass dies einen kleinen Einfluss aufs Angeln haben könnte. Normalerweise beißen die Brassen etwas besser, wenn die Oberfläche durch den Wind gebrochen wird und eine Strömung entsteht.
Sollte der Wind auffrischen, ist er aber trotzdem noch in der Lage die 45m Bahn bequem zu erreichen. Ein Punkt, den man immer bedenken sollte, wenn es um die Distanzwahl geht.

Gerät

Für den Transport der bereits vorbereiteten Ruten verwendet Oliver Ready Rod Bags von Drennan

Olivers bevorzugte Rute für die kurze Spur ist eine 11´6“ Drennan Medium Feeder Combo Rute, die mit einer ¾ Oz Glasspitze und einer Shimano Rarenium 4000 FA Rolle versehen wird. Da er verhältnismäßig kurz fischt, bevorzugt er eine monofile statt einer geflochtenen Schnur. Er findet, dass diese schneller sinkt, und somit die Spitze sich auch schneller setzen kann. Da er nicht weit draußen fischt, geht er davon aus, dass er, wie bei einer geflochtenen Schnur, trotzdem jeden noch so kleinen Biss sehen wird. Bei der gewählten Monofilen handelt es sich um eine 5 lb (0,20mm) Drennan Feeder mono. Wenn die Bedingungen es zulassen, verwendet er gerne einen 25g Drennan plastic Gripmesh Korb. Das 50 Zentimeter lange Vorfach besteht aus 0,128mm starkem Drennan Suplex, an das ein 20er Kamasan B560 angeknüpft wird.

Für die Brassenspur auf 45m verwendet Oliver eine 12´6“ Drennan Method Feeder Combo Rute samt 2 Oz Glasspitze. Da er hier auf größerer Entfernung fischt, benutzt er eine 0,10mm Geflochtene von Sufix, der er eine 8lb Mono Feeder von Drennan als Schlagschnur vorschaltet. Die Länge wählt er so, dass vorm Auswurf fünf Wicklungen davon auf der Rollenspule liegen. Interessanterweise verbindet Oliver die Schlagschnur mit der Hauptschnur anders als die meisten Angler. Er versieht die geflochtene Schnur mit einem möglichst kleinen Schlaufenknoten, dessen Enden er so kurz wie möglich abschneidet. Anschließend führt er die Schlagschnur durch die Schlaufe und bindet einen Grinner-Knoten, dessen Ende er ebenfalls so kurz wie möglich abtrennt. Das ist alles! Einfach, aber effektiv, und zudem höchst verlässlich. Noch nie hat ihn diese Verbindung im Stich gelassen. Obwohl Oliver, um auf jede Eventualität vorbereitet zu sein, immer eine Reihe unterschiedlicher Futterkörbe mit sich führt, fischt er am liebsten mit einem Drahtkorb. Heute hat er sich für einen30g Kevin Leach Distance Feeder entschieden.

Beim Umgang mit der Geflochtenen hat Oliver noch einen wichtigen Ratschlag parat. Er achtet immer darauf, dass die Schnur feuchtgehalten wird, und ummantelt sie sogar noch zusätzlich. Dafür verwendet er ein einfaches Gleitmittel von Drennan, wie man es normalerweise für Gummizüge beim Kopfrutenangeln benutzt. Es wird mit einer Sprühflasche aufgetragen und hilft, wenn die Schnur beim Wurf die Spule mit Höchstgeschwindigkeit verlässt, Knotenbildung zu verhindern.

Die Schnur wird mit einem Gleitmittel feuchtgehalten Die geflochtene Schnur wird mit einem kleinen Schlaufenknoten versehen

Falls mehrere Ruten verwendet werden und auf eine gewechselt wird, die eine Weile auf der Ablage pausierte, sollte unbedingt daran gedacht werden, die Schnur erneut zu besprühen. Sie könnte angetrocknet sein und beim Wurf nicht mehr optimal von der Spule kommen!

Oliver ist ein großer Fan davon möglichst viel zu Hause vorzubereiten. So ist er, wenn er am Wasser ankommt, beim Aufbauen einfach schneller und kann sich auf wichtigere Dinge konzentrieren. Für den Transport seiner fertigen Ruten verwendet er Drennan Ready Rod Bags.

Köder:

Wie Sie vermutlich erwarten, ist Futter, insbesondere wenn man es auf Brassen absieht, ein wesentlicher Teil des Feederfischens. Oliver ist der festen Überzeugung, dass es, unabhängig vom eigentlichen Mix, grundsätzlich am Vorabend angefeuchtet werden sollte, um ein passives Futter zu erhalten. Es hat sich immer wieder herausgestellt, dass große Fische wie Brassen beim Gründeln totes, inaktives Futter bevorzugen, was am besten dadurch erreicht werden kann, wenn es die Nacht zuvor angefeuchtet wird und gründlich durchziehen kann. Die Aktivität von Partikeln wie Hanf wird dadurch erheblich reduziert. Sein Lieblingsfutter besteht zu gleichen Teilen aus Sensas Magic, Sensas Lake und Brotmehl.

Olivers Lieblingsfutter - Sensas Magic, Sensas Lake und Brotmehl

Er verwendet einen Akkuschrauber mit Futterquirl und mischt die trockenen Sorten in einem großen runden Futtereimer gründlich durch. Mit einem feinen Sieb entfernt er anschließend alle gröberen Partikel. Er glaubt felsenfest daran, dass es bei der Angelei auf Skimmer am besten ist, nur ein Futterbett aus feinem Futter anzulegen und Köder nur mit dem Korb zuzuführen. Er erklärt, dass die Brassen eine Vorliebe für etwas entwickeln könnten, das nicht als Hakenköder verwenden werden kann, wenn man ein Futter verwendet, das zu viele Partikel beinhaltet. Indem man nur lose Köder wie Maden, Caster und Wurm einbringt, können die Fische nur die Köder fressen, die auch als Hakenköder verwendet werden. Ich finde, das macht Sinn!

Mit einen Akkuschrauber und Futterquirl werden die trockenen Futtersorten vermischt dann mit einem feinen Sieb gesiebt und somit die gröberen Partikel entfernt.

Anschließend feuchtet er sein Futter an. Er gibt konstant Wasser hinzu, während der Mix ordentlich mit dem Akkuschrauber durchgerührt wird. Dadurch entsteht ein besonders luftiger und homogener Mix. Grundsätzlich verwendet er auf beiden Spuren das gleiche Futter. Für die kurze Bahn mischt er es allerdings direkt angelfertig an, während er es für die lange Bahn deutlich trockener hält. Er rechnet damit geschnittene Würmer für größere Fische zuzugeben. Das zusätzliche Wurmsekret wird ins Futter einziehen, so dass es dann genau auf den Punkt gebracht sein wird, wenn er die Körbe füllt.

Wenn Oliver es auf verschiedene Fischgrößen auf verschiedenen Distanzen absieht, dann befüttert er beide Spuren auch unterschiedlich. Auf der Spur für die kleineren Skimmer wird er eine ordentliche Menge Mückenlarven einbringen, denn er hat noch keinen Tag erlebt an dem Skimmer keine Larven wollten! Zusätzlich füttert er nur ein paar weiße Maden und Caster. Er rechnet auf jeden Fall damit, dass sich ein Bündel großer Mückenlarven als bester Hakenköder herauskristallisieren wird. Damit diese möglichst frisch sind und  er sie in wasserdichten Frischhalteboxen ans Wasser.

Eine ordentliche Menge Mückenlarven für die Skimmer Zusätzlich füttert er weiße Maden und Caster

Auf der längeren Distanz möchte Oliver jedes Risiko vermeiden, kleinere Fische anzusprechen, und verzichtet deshalb komplett aufs Füttern von Mückenlarven. Stattdessen setzt er voll auf geschnittene Würmer und Caster, weil er der Ansicht ist, dass dies mit Abstand die besten Köder für große Brassen sind. Wenn Oliver geschnittene Würmer im Futterkorb verwendet, versucht er, nachdem er sie geschnitten hat, so viel Sekret wie möglich aus den Würmern zu lösen. Im ersten Schritt wäscht er die gesamte Erde von den Würmern ab um sicherzustellen, dass die Würmer sauber sind. Dies geschieht sehr einfach. Er gibt einfach die benötigte Menge in einen feinmaschigen Kescherkopf und spült sie im Wasser durch. Als nächsten Schritt schneidet er die Würmer in einer kleinen Köderdose und leert diese dann mittig in einem Drennan Handtuch aus. Die Enden schlägt er dann übereinander, so dass ein „Paket“ Würmer entsteht. Er drückt dann fest mit der Hand auf dieses Paket und presst den gesamten Saft heraus. Anschließend öffnet er das Paket und präsentiert trockene Würmer, die er dem Futter zugibt, sobald der Korb gefüllt wird.

Im Kescherkopf werden die Würmer abgespült In einer Köderdoseschneidet weden die Würmer geschnitten Oliver bevorzugt es, die Würmer recht grob zu schneiden

Er glaubt, dies hilft dem Futter weniger Feuchtigkeit zuzuführen, und dass dieses Vorgehen zu einem schnellerem Biss führt, weil der saftige Hakenköder einfach sehr viel attraktiver als die Köder im Futter auf die Fische wirkt. Wenn es auf Brassen oder größere Fische geht, bevorzugt es Oliver die Würmer recht grob zu schneiden. Die verhältnismäßig großen Stückchen sorgen dafür, dass die kleineren Fische schnell die Aufmerksamkeit verlieren.

Oliver füttert beim Brassenangeln gerne weiße Maden und Caster. Während er die Caster in einem luftdichten Beutel zum Match mitbringt, der die Frische konserviert, bewahrt er sie beim Angeln in einer Köderdose voll Wasser auf seinem Seitentisch auf, um sie dort frisch zu halten. Seine Maden tötet er ab, indem er sie einfach über Nacht in die Tiefkühltruhe legt. Am Wasser angekommen werden sie ebenfalls sofort in frisches Wasser gegeben um zu vermeiden, dass die Maden Kontakt mit der Luft bekommen und dadurch schwarz werden.

Die Caster bringt in einem luftdichten Beutel zum Match Damit die Madeb nicht schwarz werden, kommen auch diese sofort in frisches Wasser Seitentisch mit den Ködern

Seine kleinen Mückenlarven hält er in feuchter Zeitung und bringt sie auch so zum Wasser mit. Seine großen befördert er allerdings in einem mit Wasser gefüllten, luftdichten Behälter. So bleiben die großen Mücken so frisch und so lebhaft wie möglich.

Der Start

Oliver beginnt den Angeltag, indem er nur zwei Körbe voll Futter, kleine Mückenlarven und ein paar Caster auf die 25m Spur setzt. Er beabsichtigt hier zu starten, und viel zu füttern könnte dazu führen, dass er länger auf den ersten Biss warten muss.

Futterkorb 01

Dann geht er schnell dazu über sechs Körbe voller Futter, Caster, geschnittene Würmer und Maden auf seine 45m Bahn zu setzen. Er wird dies nach einer Stunde wiederholen und nach frühestens zwei Stunden dort angeln. Diese Vorgehensweise soll es Bonusbrassen erlauben sich auf den Futterplatz zu stellen. So können sie zunehmend Vertrauen gewinnen, bevor er dann mit dem Angeln beginnt. An einigen schwierigen Gewässern könnte diese Taktik riskant sein, weil patrouillierende, aber nicht richtig fressende Fische bereits wieder verschwunden sein könnten, bevor er die Bahn zum ersten Mal antestet. Heute vermutet er allerdings, dass die Fische gut fressen und geht dieses Risiko gerne ein. Wenn sie sich erst einmal massiv auf den ungestörten Platz stellen, ist er bei einem Wechsel auf diese Spur in der Lage sehr schnell ein hohes Gewicht zusammenzufischen.

Wie immer ist die Genauigkeit beim Feederangeln ein grundlegendes Thema. Obwohl es prinzipiell sehr wichtig ist genau zu füttern, erklärt Oliver, dass er aber auch keinen zu kleinen Futterplatz anlegen möchte. Er streut sein Futter ein klein wenig, damit sich auch eine größere Anzahl an Fischen beruhigt auf den Platz stellen und fressen kann. Wichtig ist es, sich beim Werfen immer einen markanten Punkt als Ziel zu suchen, immer in den Lineclip zu werfen und den Korb immer sanft abzufeedern, bevor er die Wasseroberfläche erreicht.

Mit drei großen Mückenlarven am Haken beginnt Oliver

Er beginnt mit drei großen Mückenlarven am Haken. Nach drei Würfen in 15 Minuten ohne Biss kommt bereits die Vermutung auf, dass es ein schwieriger Angeltag werden könnte. Er geht dazu über nun alle zwei bis drei Minuten erneut mit einem kleinen Korb auszuwerfen, um den Platz langsam aufzubauen. Das „Plopp“ des Korbes und die damit eingebrachte kleine Menge Futter erzeugen Aktivität und ziehen hoffentlich ein paar Fische auf den Platz. Nach 45 Minuten ohne Biss wird klar, dass keine kleinen Rotaugen oder Skimmer am Futter interessiert sind, und Oliver überdenkt seine Herangehensweise. Der häufigste Fehler, den die meisten Angler jetzt machen, ist auf die lange Spur zu wechseln, um doch noch einen Fisch zu fangen. Dieses Verhalten würde vielleicht einen schnellen Fisch einbringen, würde aber verhindern, dass die größeren Fische sich in Ruhe aufs Futter stellen würden, und deshalb jede Chance ruinieren im späteren Verlauf mehrere gute Fische zu fangen.

Es ist unheimlich wichtig den Fischen auf 45m Ruhe zu gönnen, bis sie selbstbewusst am Platz fressen. Wenn die Fische generell nicht fressen, kann es erfolgreicher sein einfach einen größeren Hakenköder zu verwenden und den Korb länger im Wasser zu lassen. Oliver befolgt seinen eigenen Rat und entscheidet sich, die Situation einfach auszusitzen und auf größere Fische zu angeln.

Nun ist es wichtig, den Fischen Ruhe zu gönnen, Oliver sitzt die Situation einfach aus.

Er wechselt auf zwei Maden, die er mit zwei großen Mückenlarven garniert. Den Korb lässt er nun zehn Minuten im Wasser. Die Taktik funktioniert, und nach dem zweiten Wurf wird er mit einem 500g Skimmer belohnt. Kein großer Fisch, aber ein willkommenes Indiz dafür, dass einige Fische doch bereit sind auf der kurzen Spur zu fressen. Indem er den Korb nun 10 bis 15 Minuten im Wasser lässt, gelingt es ihm in den nächsten 45 Minuten einen weiteren Skimmer zu überlisten, bevor er sich dazu entscheidet, dass es an der Zeit ist die 45m Spur auszuprobieren.

Nach dem 2. Wurf landet Oliver den ersten Fang - ein 500g Skimmer Nach dem 2. Wurf landet Oliver den ersten Fang - ein 500g Skimmer Nach dem 2. Wurf landet Oliver den ersten Fang - ein 500g Skimmer

Auf der langen Bahn hat Oliver in den letzten 90 Minuten nur einmal drei Körbe voller Köder nachgelegt. Dies geschah knapp 30 Minuten, bevor er sich zu einem ersten Wurf auf diese Bahn entschieden hat. Voller Selbstbewusstsein, und mit einem Dendrobena Wurm am Haken, wartet er nur zwei Minuten, bevor seine Spitze mit allem Selbstvertrauen dieser Welt herumgerissen wird. Momente später schiebt er seinen Kescherkopf unter eine 2kg schwere Brasse. Beim nächsten Wurf verpasst Oliver einen Biss, doch schon der darauf folgende erfolgt ausgesprochen deutlich und resultiert in einer weiteren Brasse. Die beste Methode Brassen an einem hindernislosen Gewässer wie diesem zu drillen, ist die Rute flach zur Seite zu halten und den Fisch kommen zu lassen. Sie werden feststellen, dass der Fisch sich sehr viel schneller einholen lässt, wenn man ihn nicht in Richtung Licht zieht. Die Rute erst dann anheben, wenn er bereit zum Keschern ist.

Beim Drill sollte die Rute flach zur Seite gehalten werden Im Kescher landet eine 2kg schwere Brasse
Im Kescher landet eine 2kg schwere Brasse Im Kescher landet eine 2kg schwere Brasse

Die harte und deutliche Art und Weise, wie die Brassen bissen, lässt eindeutig darauf schließen, dass die heutige Taktik aufgeht. Sie haben sich offensichtlich voll aufs Futter gestellt und der Platz hat von der Ruhe deutlich profitiert. Trotzdem verlaufen die nächsten 60 Minuten ziemlich ereignislos und Oliver bekommt keinen einzigen Biss mehr. Interessanterweise flaut der Wind heute zunehmend ab und die Wellen verschwinden komplett. Dies führt dazu, dass es immer schwieriger wird die geflochtene Schnur sinken zu lassen. Oliver geht normalerweise ganz einfach vor, um die Schnur komplett unter Wasser zu ziehen. Direkt nach dem Wurf hält er die Spitze unter Wasser und bei stetigem Kontakt zum Futterkorb zieht sie sich innerhalb von Sekunden von selbst unter die Oberfläche. Er erklärt an dieser Stelle, dass Geduld häufig die beste Waffe beim Brassenangeln ist und man nicht erstaunt sein dürfe, dass es länger dauern könne, bis die Brassen auf dem Platz fressen.

Direkt nach dem Wurf hält er die Spitze unter Wasser

Oliver vermutet, dass der Platz noch eine weitere Pause gebrauchen könnte, damit sich die Fische dem Platz wieder nähern können. Er setzt noch zwei Körbe voller Köder und wechselt wieder zurück auf die 25m Spur. Allerdings bekommt er in den nächsten 40 Minuten keinen Biss und wechselt erneut wieder auf die 45m Bahn zurück. Direkt beim ersten Wurf wird die Spitze wieder herumgezogen, und Oliver kann schnell eine weitere Brasse fangen.

Als Köder diente wieder ein ganzer Wurm. Der Haken sitzt tief im Schlund und zusammen mit der Tatsache, dass der Biss sofort nach dem Einwurf erfolgte, wird deutlich, wie schnell Fische große Köder schlucken können, wenn sie ohne Argwohn fressen.

Der Haken sitzt tief im Schlund. Dies zeigt wie schnell Fische große Köder schlucken können.
Ein stattlicher Brassen

Oliver bevorzugt eine leichte Krümmung in der Rutenspitze

Die Position der Rutenspitze kann eine sehr wichtige Angelegenheit beim Feederangeln sein. Wenn es darum geht auf Brassen zu angeln, bevorzugt Oliver eine leichte Krümmung in der Spitze um auch Drop Back Bisse deutlich angezeigt zu bekommen.

Bedauerlicherweise dämmert es bereits, als Oliver seine letzte Brasse drillt und wir den Angeltag beenden müssen.

In der Dämmerung drillt Oliver erfolgreich seinen letzten Brassen In der Dämmerung drillt Oliver erfolgreich seinen letzten Brassen In der Dämmerung drillt Oliver erfolgreich seinen letzten Brassen

Viele gute Feederangler dort draußen werden beim Brassenangeln immer darauf bestehen nur eine Bahn anzulegen. Ihre Begründung dafür ist einfach und ihr Vorgehen kann gerade im Winter oder unter schweren Bedingungen der beste Weg sein auf Brassen zu angeln. Indem man nur eine Spur befischt, kann nämlich sehr genau reguliert werden, wie viele Fische am Platz sind und wie gut sie fressen. Das Füttern kann so sehr einfach angepasst werden. Außerdem, und das ist viel wichtiger, sind die Fische in einem Match häufig nur wenige Minuten auf Ihrem Platz. Wenn das der Fall ist, garantiert diese Vorgehensweiseautomatisch, dass der richtige Platz beangelt wird, wenn die Fische eintreffen. Werden zwei Spuren befischt, ist die Wahrscheinlichkeit groß in dem Moment genau die falsche zu erwischen.

Jede Taktik bringt Für und Wider mit sich, doch Oliver besitzt eine Menge Erfahrung und Wissen. Er weiß, dass in den meisten Situationen eine zwei-Bahnen-Taktik trotzdem die bessere ist. Unterschiedliche Fischarten und-größen können anvisiert werden und auch die Fütterung kann komplett unterschiedlich gestaltet werden.

Mit drei Brassen und zwei Skimmern beendet Oliver den Angeltag

Oliver beendet den heutigen Angeltag mit drei Brassen und zwei Skimmern unter sehr schwierigen Bedingungen. An einem Tag wie diesem hätte der Fang mit Sicherheit dafür gesorgt, dass er in einem Wettkampf weit vorne gelegen oder sogar gewonnen hätte. Eindeutig kann festgehalten werden, dass es sich, selbst beim befischen nur einer Fischart, immer lohnt auf zwei Bahnen zu fischen. Dieses Vorgehen kann Wettbewerbe entscheiden. Risiken des Brassenfischens an großen, offenen Gewässern werden auf ein Minimum reduziert.

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