Klein aber fein - Ein Tag am kleinen Stadtkanal mit Brian Überleer

  • von Brian Überleer
  • 21. Dezember 2015 um 14:00
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Das mehr oder weniger winterliche Wetter ist in vollem Gange und trägt mit großen Zügen dazu bei, dass der ein oder andere um diese Zeit sicherlich den Gang zum Gewässer meidet. Jedoch bieten gerade in dieser Jahreszeit kleine Stadtkanäle ein ausgezeichnete Möglichkeit, dem schlechten Wetter zu trotzen und so die Angelei nicht vollkommen in den Winterschlaf zu verbannen.

Meine Wahl fällt am heutigen Angeltag auf die schon mehrmals beschriebenen Grachten im hohen Norden Deutschlands, genauer gesagt in Friedrichstadt in der Nähe von Husum. Die in der Regel zwischen 10-20m breiten Grachten sind eines der größten Charakteristika des kleinen Städtchens, weshalb es auch gern als „Holländerstädtchen“ beschrieben wird. Gerade in der kälteren Jahreszeit haben die Grachten schon ein mal mehr bewiesen, dass sie als eines der Top Wintergewässer im Norden von Deutschland gelten. Doch auch hier verändert sich die Angelei mit der Zeit. Sprach man vor gar nicht all zu langer Zeit noch von einem  Whipangeln, bei dem es nur darum geht, möglichst schnell zu fischen, so  benötigt es heute an manchen Tagen um einiges an Einfallsreichtum, um doch noch ein paar Fische zu überlisten. Dies heißt jedoch nicht, dass weniger Fische vorhanden sind, vielmehr scheint es, als wenn die Fische von Zeit zu Zeit um einiges wählerischer werden.

Angekommen am Gewässer fällt die Wahl meines Angelplatzes auf einen Bereich, welcher mit ca.12 m Breite ziemlich schmal ist. Herabhängende Bäume auf der anderen Seite des Kanals lassen diesen Platz besonders vielversprechend aussehen.

Während des Aufbaus

Nachdem die Sitzkiepe mitsamt dem restlichen Material an der Kante der kleinen Kaimauer platziert ist, geht es an das Vorbereiten der Montagen. Da ich mir noch nicht absolut sicher bin, welche Montur heute wohl am erfolgreichsten ist, baue ich unterschiedliche Varianten auf.  Aufgrund der rauen Wetterlage fällt die Wahl auf gedrungene Posenmodelle, wobei alle einen Stahlkiel besitzen, jedoch unterschiedliche Antennenarten angebracht sind. Da ich heute am Boden fische, bevorzuge ich eine ziemlich kompakte Bebleiung, welche sich aus einem Bulk, ca. 30cm von Haken entfernt und zwei bis drei Dropperschroten zusammensetzt. Die 0,5 und 1g schweren Posen besitzen eine Glasfaserantenne. Ebenfalls baue ich ein Topset mit einer relativ schweren 2g Tropfenpose auf, welche eine dicke Plastikantenne besitzt und somit auch zum Fischen auf dem Grund geeignet ist.

Feine Posen sind im Winter Pflicht Über der Pose sitzt ein Backshot Trimming Shots für feine Bisse

Alle Posen sind an einer 0,10mm starken Browning Cenex Schnur montiert, welche für die Fische unter Wasser fast nicht erkennbar ist. Meine Vorfächer gewährleisten mit einer Länge von 23cm, dass der Köder frei zum Grund fallen kann und so relativ natürlich präsentiert wird. Hier kommen Schnurstärken von 0,07 und 0,08 mm zum Einsatz. Die Auswahl der Haken beschränke ich auf zwei Modelle. Beißen die Fischen schlecht, so verwende ich gern den englischen Haken Gamma Green in den Größen 18 und 20, welcher extrem feindrähtig und zudem Wiederhakenlos ist, was ihn in meinen Augen zu einem der besten Haken beim Fischen mit Mückenlarven macht. Doch auch heute, wo andere konventionelle Köder zum Einsatz kommen findet der Gamma Green seine Verwendung. Sind jedoch viele Fische am Platz, so verwende ich in der Regel normale Rundbogenhaken mit mittellangem Schenkel und einem mittlerem Stahl. Einfache Latexgummizüge in der Stärke 3 und 4, montiert über die ersten drei Teile des Topsets sorgen für möglichst wenig verlorene Fische. 

Bester Köder- ein bis zwei Pinkis am 18er Gamma Green

Trotz der Tatsache, dass ich diesen Platz schon mehrere Male gefischt habe, beginne den Bereich erst einmal grob auszuloten. Hierbei stellt man fest, dass direkt vor den Füßen ein Absatz zu finden ist, welcher nach und nach in kleinen Schritten abfällt bis schließlich auf ca. 4m Entfernung ein Kante mit 2,5m auffällt. Beim weiteren Loten stellt sich heraus, dass sich diese Tiefe bis auf die andere Seite des Kanals weiterzieht, bis sie wieder in beschriebener Weise ansteigt. Da sich keine großen Unterschiede in der Tiefe oder andere interessante Strukturen finden lassen, wähle ich die erste tiefe Kante als Angelstelle. Einen zweiten Futterplatz lege ich vor der gegenüberliegenden Kante an. Nun folgt das Einstellen der exakten Tiefe. Ein kurzes „Versinkenlassen“ meines 15g schweren Lotbleis zeigt mir, dass sich auf der anderen Seite ein sehr weicher Boden finden lässt, welcher das exakte Loten verfälschen könnte. Vermutlich ist herabfallendes Laub des Baumes auf der gegenüberliegenden Seite für diesen leicht schlammigen Boden verantwortlich.  Aus diesem Grund tausche ich mein Lotblei gegen ein 3g leichtes Lot und schließe so ein Versinken des Bleies aus. Nun lote ich solange, bis sich ein härterer Boden finden lässt, da die Fische oftmals diese schlammigen Bereiche meiden. Ich beginne beim Fischen über Grundfutter in stehenden oder leicht fließenden Gewässer grundsätzlich bündig zum Boden, weshalb ich alle Kits auf diese Tiefe einstelle.

Das Lotblei Der Aufbau - einseitig und organisiert

Nachdem der Angelplatz hergerichtet ist, geht es zum Feinschliff des verwendeten Grundfutters. Der Mix besteht heute aus jeweils einem Kilo Browning CC Etang und einem Kilo Browning CC Canal. Etang ist ein sehr feines, aktives Futter auf Hanfmehlbasis, welches sich schnell öffnet. Um aufgrund der 2,5m Wassertiefe etwas mehr Bindung in die Mischung zu bekommen mische ich Canal bei. Dieses ebenfalls feine Futter bindet die wenigen Partikel und hält den Futterballen zusammen.

Würzig ohne Gehalt Terre de Fond dient als Beschwerung

Durch hinzugeben von Krazy Colour Schwarz bekommt die Mischung eine unauffällige Farbe. Um den Nährwert des Futters etwas zu senken und vor allem ein schnelles Absinken des Futterballs zu erreichen mische ich noch Terre de Fond unter das Futter. Diese feine, trockene Erde verbindet sich hervorragend mit dem nassen Futter und lässt den Futterballen schnell zum Grund sinken.

Unerlässlich- ein Färben des Futters Fein und dunkel- das fertige Futter

Nun sind wir bereit den Angeltag zu starten! Da ich mir nicht absolut sicher bin, wie die Fische momentan reagieren, wird die Startfütterung etwas dezenter ausfallen. Vorbereitet werden 5 mandarinen große Futterballen für die kurze Bahn, welche Caster und tote Pinkis enthalten.

Die Startfütterung

Zusätzliche werden jedes mal ein paar lose Hanfkörner mit in den Polecup gegeben. Für die lange Bahn werden 6 etwas größere Ballen hergerichtet, wobei diese nur Caster tote Pinkis enthalten. Diese Ballen cuppe ich sehr fest gedrückt und etwas abgebunden mit grauen Lehm, um ein verzögertes Auflösen zu erzeugen. Nach der Startfütterung wird dieser Platz mindestens eine ½ Stunde nicht beangelt oder befüttert, um so jegliche Bewegung zu vermeiden.

Punktgenaues Füttern mittels Polecup

Das Angeln startet auf der kurzen 5m Bahn. Bereits kurz nach Angelbeginn versinkt die Pose das erste mal und ein kleines Rotauge kommt zum Vorschein. Die nächsten 20 min. folgen mehrere kleine Güstern und Rotaugen, bis die Bisse schließlich wieder etwas nachlassen. Von nun an beginne ich ständig kleine Portion einer Caster- Hanf Mischung per Hand zu werfen. Zusätzlich folgt alle 10 min. ein kleiner Futterballen, ebenfalls per Hand geworfen. Es scheint als würde das Geräusch der ständige einfallenden kleinen Futterportionen die Fische wieder zum Fressen animieren.

Füttern per Hand- aktiviert auch müde Winterrotaugen Hanf bringt die Fische in Aktion

Auffällig sind nun auch die ziemlich schnellen und unvorsichtigen Bisse. Bedingt durch die herabfallenden Partikel verlieren die kleinen Fische ihre Scheu und schnappen nach fast allem was sich bewegt.

Nach einer Stunde ist es schließlich Zeit den Futterplatz der langen Bahn zu befüttern. Nachdem ein Ballen mit Castern und Pinkis punktgenau versenkt wurde, widme ich mich wieder meiner kurzen Bahn, da sich hier fortlaufend Rotaugen bis 200gr. fangen lassen.

Schlag auf Schlag- ein Rotauge nach dem anderen Durchschnittliche Fischgröße

Doch nach 1,5 Stunden ist dann mit dieser regelrechten „Kleinfischeuphorie“ Schluss. Trotz regelmäßigem Füttern und einem Verschieben der Bebleiung gelingt es mir nicht, weiterhin in einem gutem Rhythmus konstant zu fangen. Doch erfahrungsgemäß ist diese plötzliche Stille auf einem Futterplatz nicht zwangsläufig etwas negatives.

Oft sind einfach nur einige größere Fische in den Bereich gezogen und haben so die kleineren Artgenossen regelrecht verjagt. Da ich jedoch auf der kurzen Bahn keinen Erfolg mehr verbuchen kann, versuche ich mein Glück auf der langen Bahn vor der gegenüberliegenden Kante. Ich entscheide mich für die 2gramm Montage, bedingt durch einen mittlerweile aufgezogenen Wind.

Nach gar nicht all zu langer Zeit versinkt die gut sichtbare Plastikantenne in den leichten Wellen des Kanals. Der immer länger werdende Gummizug beweisst, dass sich die vorangegangen Vermutungen bestätigen sollten. Nach kurzem Drill gleitet das erste  Rotauge von 400gr. über die Keschermaschen. Es scheint als hätten nun die größeren Fische den Futterplatz für sich entdeckt.

Größere Rotaugen haben nun den Futterplatz gefunden

Nach dem 5. Fisch in Folge ist nun wieder Zeit, den Futterplatz mit etwas Futter zu versorgen. Da die Fische nun vermutlich in einer großen Vielzahl am Platz vorhanden sind, füttere ich einen kleinen Futterballen und zusätzlich einen kleinen Ballen geklebter Pinkis an, um die Fische etwas mehr zu zentrieren und so die Bissfrequenz noch etwas zu erhöhen. Bedingt durch das Zusammenkleben der Köder bildet sich unter Wasser ein regelrechter „Köderhotspot“ für die Fische. Hierbei ist es sehr wichtig, kleine Portionen zu füttern und vor allem diese auch ziemlich leise einzubringen. Hart einschlagende Ballen haben nicht selten den Effekt, dass der Schwarm erst einmal auseinander getrieben wird und man so einige Minuten seine Bissfrequenz deutlich reduziert.

Die nachfolgenden 5 Minuten sind trotz eines sehr vorsichtigen Nachfütterns nicht erfolgreich und so wechsle ich wieder auf die kurze Bahn, welche ständig parallel mit kleineren Mengen befüttert wurde.

Bereits nach wenigen Minuten ist festzustellen, dass zwar Fische zu fangen sind, sich diese aber vermutlich aufgrund des Fütterns aus der Hand etwas verteilt haben. Also beginne ich kleinere Mengen mit dem Polecup einzubringen. Zudem beginne ich nun etwas Futter in einer separaten Dose sehr übernass anzufeuchten,sodass ein dickflüssiger Brei entsteht. Dieses „Sloppy- Groundbait“ erzeugt unter Wasser ein regelrechte Futtersäule und soll mir in dem relativ klaren Wasser helfen, die kleineren Fische wieder zentriert zu aktivieren. Hierbei ist jedoch zu beachten, das Futter nicht zu flüssig zu machen, da sonst der gesamte Brei nach dem Cuppen auseinandertreiben würde und so die Streuwirkung nur noch größer werden würde.

Punktgenaue Landung

Additiv ist es noch möglich durch bspw. Futterfarbe oder andere farbenreiche Futtermittel einen neuen Reiz zu erzeugen. Da jedoch sehr viele Ukelei in der Gracht vertreten sind, welche in SH dem Naturschutz unterliegen und somit vom Fang ausgeschlossen sind, verzichte ich hierauf.  Diese Umstellung scheint nun wieder etwas mehr Erfolg zu bringen, da ich nun wieder Bisse im Zentrum des Futterplatzes bekomme. Auffällig ist, dass die Bisse mit zunehmender Angelzeit verhaltener werden. Ging die Posenantenne zu Beginn Fischens noch ziemlich zügig unter, so musste die Pose in der zweiten Hälfte des Angeltages sehr fein ausgebleit sein, um eine Bewegung anzuzeigen. Eine gefette Antenne,welche gerade so mit der Oberfläche abschließt und nur noch von der Oberflächenspannung gehalten wird wäre sicherlich die beste Variante, doch leider ist heute aufgrund des doch relativ starken Windes eine derart feine Angelei nicht möglich. Mittlerweile eingesetzter Schneefall lässt die Temperaturen weiter sinken. Ein Backshot der Größe 2 ist nötig, um die Kopfschnur noch einigermaßen unter Kontrolle zu halten und nicht ständig die leichte Montage wieder einsetzen zu müssen. Es ist immer wieder bemerkenswert wie ein einziges Schrot die Präsentation der Montage der derart positiv beeinflussen kann.

Trotz der guten Ausbeute auf der kurzen Spur wechsle ich nun wieder auf die lange Bahn um festzustellen, ob die größeren Fische noch am Platz fressen. Ein Versuch mit der schweren Montage bringt keinen Erfolg, also wechsle ich auf die 0,5gr Montage und beködere den 18 Gamma Green  mit zwei toten Pinkis. Ein langsames Herablassen der Montage, ein kurzer Stop über der Wasseroberfläche und bereits kurz nach dem endgültigen Einsetzen versinkt die feine Antenne in den Fluten. Der Gummizug nimmt wieder seine Arbeit auf und wenig später lässt sich  ein schöner Skimmer in die Kamera präsentieren. Die Fische haben den Futterplatz wieder voll eingenommen und so ist es nun wieder möglich viele gute Fische in Reihe zu fangen. Um die Fische nicht schon wieder durch Futter zu verscheuchen, Cuppe ich lediglich kleine Bällchen geklebte Pinkis und einige lose Köder, um den Schwarm bei Laune zu halten. Dies scheint heute der Schlüssel zu sein, um die größeren Exemplare auf dem Platz zu halten. Es ist sehr auffällig, wie sensibel die Kanalbewohner am diesem Tag reagieren. Aus diesem Grund stelle ich meinen Gummizug extrem weich, um den Schwarm nicht mit einem gehakten Fisch auseinanderzutreiben. Durch den besonders weichen Elastik hat der Fisch genug Spiel um sich in einer relativ normalen Bewegung vom Platz zu bewegen.

So geht es schließlich weiter bis sich dieser durchaus lehrreiche Angeltag schließlich dem Ende zuneigt, als die Sonne nach und nach am späten Nachmittag versinkt.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass sich das Angeln an der Gracht wie Eingangs schon erwähnt zeitweise zu einer feineren Kanalangelei verändert, was jedoch Tage später wieder völlig anders sein kann. Aus diesem Grund sind die Grachten ein sehr interessanter Gewässerkomplex und so haben sie sich schon ein mal mehr als der „Silokanal des Nordens“ unter Beweis gestellt.

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