Vorsicht heiß! Mückenlarven und Futter mit Andreas Dalcke

  • von ct Redaktion
  • 27. März 2015 um 09:00
  • 7

Achtung, es wird heiß in der Futterwanne! Denn gibt man Mückenlarven ins Futter verbrennen diese. Egal, ob nun süßes oder salziges Futter genommen wird, die Larven brennen, an angeln dürfte nicht mehr zu denken sein. Viele Angler werden das bestätigen, andere machen es noch komplizierter. Auf der Stippermesse Anfang März in Bremen sprach uns ein eigentlich „alter Hase“ im Stippbereich an, dass er nun vielleicht auch einmal mit Mückenlarven angeln wolle. Zumindest mal probieren. Er hatte sich dazu schon verschiedene Sorten Erde und Lehm besorgt, jetzt müssten nur noch die Larven her und dann wäre da noch die Frage welche Erde für die Anfangsfütterung, welche Erde zum Nachfüttern, womit und wann die kleinen Larven getrennt werden, usw. Futter war nicht eingeplant, im Futter verbrennen die Mückenlarven – also viel zu gefährlich.

Soweit, so gut, doch was kann man machen, wenn die Fische im zeitigen Frühjahr Futter und Mückenlarven wollen? Wenn die Fische Futter fressen wollen, dabei aber nicht durch zu fettes Futter oder nahrhafte Köder satt gefüttert werden dürfen? Die Lösung ist einfach und so sind wir mit Andreas Dalcke von den Stipp-Profis bei den ersten Sonnenstrahlen des Jahres an einen kleinen Kanal in Brandenburg gefahren und haben uns zeigen lassen, wie man mit Mückenlarven und Futter erfolgreich angelt.

Das Wasser ist noch sehr kalt, 8° Celsius zeigt das Thermometer, doch am Ufer in der Sonne sitzend ist es schon sehr schön. Die Fische werden also fressen, doch mit dem Füttern darf es jetzt natürlich nicht übertrieben werden. Im Frühjahr wollen Weißfische Futter und wer seine Mückenlarven nur mit Erde füttert läuft gerade in Kanälen Gefahr viele kleine Minibarsche zu fangen. Daher verzichtet Andreas Dalcke gänzlich auf Zusätze wie Erde oder Lehm und rührt einzig 2 Kilogramm Futter an. Jeweils ein Kilogramm Superblack und Supercrack Roach aus dem Hause van den Eynde kommen heute in die Futterwanne. Eine insgesamt feine, sehr aktive und dabei kaum sättigende Mischung mit vielen Sämereien und einer dunklen Farbe. Weitere Zusätze sind nicht nötig, denn das Futter hat ein angenehmes Eigenaroma und zusätzliche Lockstoffe sind an diesem Kanal eher kontraproduktiv.

Eine einfache und sehr effektive Mischung aus dem Hause van den Eynde

Das Futter wird in drei Schritten angefeuchtet und eher etwas übernass gefüttert, doch dazu später mehr, denn im letzten Schritt wird das Futter gesiebt, damit keine kleinen Futterklumpen gefüttert werden, die die Fische zu schnell sättigen könnten. Danach werden die Mückenlarven getrennt. Die Larven sind sehr frisch und somit noch sehr lebendig, so dass Andreas nur sehr wenig Trenner über die Larven streut und diese sich danach zügig trennen.

Sieben ist sinnvoll Die feuchten Klumpen müssen durch das Sieb
Ruckzuck ist das Futter einmal gesiebt
Schön gleichmäßig und fertig zum Füttern

Der Kanal hat mit ca. 2,50 Metern in der Mitte seine tiefste Stelle und dort wird Andreas auch angeln. Eine 11 Meter lange Kopfrute reicht und zum Einsatz kommen heute Posen mit Tragkräften von 0,75 und 1,0 Gramm. Beide Posen in ähnlicher Form und aus dem Hause Perfect. Beide Posen mit Stahlkiel und dünner Glasfaserantenne, wobei die Perfect Roach mit einem Gramm Tragkraft etwas länger gezogen ist und daher stabiler im Wasser steht, was insbesondere bei Wind und einer Oberflächenströmung vorteilhaft ist. Die etwas gedrungenere Perfect Gardon in 0,75 Gramm stellt sich dagegen schneller und ist daher bei Windstille und gutem Beißverhalten die bessere Wahl.

Die Wahl der passenden Posen und des richtigen Hakens ist entscheidend

Beide Posen sind mit einem Bulk aus 10er Schroten und zwei Bissanzeigeschroten der Größe 11 im Abstand von jeweils 10 Zentimetern bebleit und am 15 Zentimeter langen 0,07 mm starken Vorfach hängt ein Milo P 175 Haken der Größe 18. Für den Anfang nicht zu groß, denn die Fische haben ja lange keinen Haken gesehen und feiner kann man immer noch werden. Viel wichtiger beim Angeln mit der Mückenlarve als Köder ist auch, dass der Haken dünndrähtig und leicht ist und entsprechend natürlich eingesaugt werden kann.

Alles ist aufgebaut, der Platz sauber gelotet, jetzt kann punktgenau mit dem Polecup gefüttert werden. Andreas hat das Futter beim Anfeuchten etwas übernässt, denn nun kommen die Mückenlarven in das Futter. Das Futter ist etwas nasser, da Zucker und Salze Feuchtigkeit ziehen und damit die Mückenlarven austrocknen. Es verbrennen also keine Larven, ihnen wird nur die Flüssigkeit entzogen, was dazu führt, dass sie sterben, sich nicht mehr bewegen und im schlechtesten Fall nur noch die Hülle der Larve im Futter zu finden ist. Je nasser das Futter, desto langsamer der Prozess, wobei die Mückenlarven auch in sehr trockenem Futter eine kurze Zeit lebendig bleiben.

Ist das Futter feucht genug überleben sie auch bis zu einer Stunde, doch um die Mückenlarven in bester, lebendiger Verfassung zum Gewässergrund zu bringen, gibt sie Andreas Dalcke erst unmittelbar bevor er den Futterball formt zum Futter hinzu. Lebendiger und frischer geht es nicht und dazu kommt, dass der Futtermix wenig Bindung hat, so dass die Larven sofort am Gewässergrund freigegeben werden und dort zuckend die Fische zum Fressen animieren.

Eine kleine Handvoll frisch getrennter Mückenlarven für die Anfangsfütterung Die Mückenlarven in das Futter geben Mückenlarven unter das Futter rühren
Und dann einen Futterball formen Die fertigen Futterbälle Gefüttert wird punktgenau mit dem Polecup

Andreas gibt ein paar Caster und kleine Portionen der getrennten Mückenlarven zum Futter, formt 6 kleine Kugeln und füttert diese punktgenau mit dem Polecup. Pinkies kommen ggf. später, wenn sich zeigt, dass die Fische in Fresslaune sind zum Einsatz, ein paar Caster am Anfang können aber dafür sorgen, dass ein Bonusfisch länger am Platz verweilt.

Mit dem Polecup werden die Futterbälle in der Kanalmitte platziert

Auf den Haken kommt ein Pinkie mit einer Mückenlarve. Der weiße Kontrast des Pinkies sorgt dafür, dass der Köder auffällt und zügig genommen wird. Ein kleines Rotauge war am schnellsten und ab sofort gibt es mit fast jedem Einsatz einen kleinen Fisch.

Kleine Rotaugen sind zuerst am Futterplatz und nehmen jeden Köder gierig Jetzt sind die Brasen auf dem Futterplatz angekommen, an der Größe kann aber noch gearbeitet werden 

Nach einer halben Stunde ist es damit Zeit nachzufüttern und die Sache etwas offensiver anzugehen. Andreas gibt wieder einige Caster und frische Mückenlarven zum Futterball zu dem er auch noch einige lose Pinkies mit in den Cup legt. Für Rotaugen sind im Frühjahr Pinkies meist auch im Vergleich mit der Mückenlarve der bessere Köder und an der Fischgröße kann heute noch gearbeitet werden.

Nachgefüttert wird natürlich auch mit dem Polecup Einige Pinkies werden lose in den Cup gelegt

Doch plötzlich sind Brassen und Güstern am Platz. Andreas stellt die Angeltiefe von bündig auf 5 cm aufliegend und nun werden die Fische größer. Brassen bis 500 Gramm und Güstern bis 250 Gramm lassen sich von 3 Mückenlarven verführen und bringen den Gummizug auf Länge.

Der Gummizug wird länger ... ... und die Fische größer

Andreas rührt jetzt eine Handvoll der getrennten Mückenlarven unter das Futter ohne diese gleich zu füttern, denn die größeren Brassen mögen lieber ruhige Larven und keinen Teppich aus zuckenden, quirligen Mückenlarven. So formt er erst nach weiteren 20 Minuten einen Ball aus Futter und den nun merklich schlaffen Mückenlarven und verzichtet auch komplett auf die Zugabe von Pinkies. Der Ball wird fest gedrückt, so dass den Mückenlarven die letzte Aktivität genommen wird und ohne Pinkies verlieren auch die kleinen Rotaugen das Interesse am Futterplatz. Die Wartezeit auf einen Biss verlängert sich zwar, doch in regelmäßigen Abständen führt Andreas Dalcke nun einen Brassen nach dem anderen über den Kescher.

Der nächste Brassen vor dem Kescher Die Fische werden größer Und eingenetzt!

Hier zeigt sich die Klasse des Meisteranglers. Vorsichtig beginnen, antizipieren, welche Fische am Platz sind und was die Fische am Angeltag bevorzugen und dann die Taktik auf die größeren Fische abstimmen. Und ganz wichtig – Nichts anbrennen lassen.

Schönes Wetter, volles Netz, so kann der Frühling beginnen

 

Übrigens: 2 kg Futter reichten heute locker für 2 Angler und dazu teilten wir uns eine Rolle kleine Mückenlarven (500 ml) und eine Portion große Mückenlarven für den Haken. Jeweils 100 ml Pinkies und 100 ml Caster machten das Setup auf dem Ködertablett komplett und für diesen minimalen Einsatz war das Netz am Ende ganz schön voll.

Futter von van den Eynde, Zubehör und alle Köder findet ihr bei www.stipp-profi.de

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7 Kommentare
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  • Praxx
    Ein schöner Bericht zum Beginn der neuen Saison, bitte weiter so! Eine Frage... welche Rolle spielt der Untergrund bei diesem Angeln? Achten die Spitzenangler darauf, das der Untergrund nicht zu weich ist? Wie bekommt man so etwas raus? In englischen Berichten lese ich immer wieder, das die Fische nicht gerne auf schlammigen Grund fressen. Normalerweise sollte sich doch der Schlamm an der tiefsten Stelle, also in der Mitte des Kanals sammeln, oder?
  • Leon
    Danke für die schnelle Antwort. Wirklich sehr nett von euch. Da ich noch mehr oder weniger Anfänger bin sind solche Infos immer sehr hilfreich. Vielleicht habt ihr ja mal Zeit und Lust einen Bericht über das Herstellen von guten Montage zu machen. Ich bin mir sicher da machen viele Leute viele Fehler bzw. sich selber das Leben schwer.
  • ct Redaktion
    Fragen werden gerne beantwortet. Es waren wahrscheinlich eher 8er oder 9er Schrote und dann entsprechend weniger. So 8 bis 10 Schrote. Wir haben davon leider kein Fotos gemacht.
  • Leon
    Ok, das verstehe ich. Macht auch Sinn. Aber um 0,8g mit 10er Schroten darzustellen brauche ich 20 10er Schrote. Das finde ich wirklich viel. Bitte nicht falsch verstehen. Das soll absolut keine Kritik sein. Ich möchte nur gerne wissen warum Andreas (und viele andere gute Angler) macht. Das ist eine Frage die mir bisher keiner wirklich beantworten konnte. Danke!!!
  • ct Redaktion
    Bebleiung
    Eine Kette aus Bleischroten hat (bei Grammaturen bis 2 Gramm) den Vorteil, dass man den Köder etwas natürlicher anbieten kann, weil eine Kette beim seitlichen Einsetzen des Köders bei gestraffter Schnur langsamer und damit natürlicher absinkt. Zusätzlich kann man immer noch ein paar Schrote aus dem Bulk verschieben und damit die Kette unter dem Bulk verändern. Eine 0,8 Gramm Olivette sinkt einfach anders (plumper und schneller) ab als ein Bulk aus 6 bis 10 Schroten. Das sind kleinste Feinheiten, die aber ggf. in drei Stunden ein paar Fische mehr bringen.
  • Pascal Brandenburg
    aus Berlin
    Sehr gelungener und kurzweiliger Bericht... tolle Bilder!
  • Leon
    Bebleiung
    Vielen Dank für diesen tollen Bericht. Richtig stark. Ich habe eine Frage zur Bebleiung. Wenn ich eine Montage von 1g anfertige, habe ich immer eine 0.8g Olivette benutzt und dann darunter meine 9er oder 10er Schrote geklemmt. Wo liegt der Vorteil wenn man es so macht wie Andreas in diesem Beitrag und die Hauptbebleiung aus 10er Schroten zusammensetzt? Das sind dann ja mehr als 20 Schrote. Über eine Antwort würde ich mich sehr freuen. Danke.