Rotaugen im Herbst und etwas mehr...

  • von René Schulze
  • 26. November 2015 um 13:00
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Der 4. November war ein Herbsttag, wie er im Bilderbuch steht. Zumindest habe ich das als Mensch so empfunden als ich bei milden Temperaturen und Sonnenschein eine „Stipp“-Visite zum Rehsumpf in Dessau machte. Die Wasseroberfläche war von zahlreichen Blättern übersäht, die eine zusätzliche Herbststimmung aufkommen ließen. Ob die Fische dieses schöne Wetter ebenso empfanden, weiß ich nicht, denn die Wassertemperatur war durch die leichten Nachtfröste der letzten Tage sowie die vorangegangene Kälteperiode schon recht niedrig, so dass ich mit einer sehr verhaltenen Beißaktivität rechnete.

Ich wählte meinen Angelplatz an einer ehemaligen Badestelle mit etwa 2,50 m Wassertiefe.
Die Kopfrute baute ich auf volle 13 m auf, um möglichst weit von den Fischen entfernt zu sein und dadurch die Scheuchwirkung durch das klare Wasser so gering wie möglich zu halten. Meine Montage bestand aus einer 1,5g-Pose, 12er Hauptschnur und einem 18er roten Mückenhaken am 0,08 mm starken Vorfach. In Anbetracht des zu erwartenden Beißverhaltens hätte alles auch noch feiner sein dürfen, aber diese Wahl sollte sich am Ende als nützlich erweisen.

Die Futterstrategie passte ich versuchsweise so an, dass ich überhaupt kein Trockenfutter einsetzen, sondern die Fische zunächst nur mit einem Erde-Köder-Gemisch anlocken und am Platz halten wollte. Dazu gab ich ein paar Maden, Caster und Würmer in eine Köderdose und zerkleinerte die Mischung mit der Wurmschere so gut es ging.

Zerkleinerte Maden, Caster und Würmer verströmen ein natürliches Aroma.
Das Wasser an der Angelstelle sollte einerseits nach den Ködern „schmecken“ und andererseits mussten am Grund noch ausreichend große Häppchen liegen, um einen Schwarm Rotaugen auch zu interessieren. Um letzteres zu erreichen, wollte ich zusätzlich noch ein paar lose lebende Maden hinzugeben, die an der Futterstelle für etwas Bewegung sorgen sollten, soweit sie in dem kalten Wasser dazu noch fähig sind. Als Trägersubstanz der zerkleinerten Ködermischung nahm ich gewöhnliche Maulwurferde, die ich direkt am Angelplatz fand und nur einmal durchsiebte, um auftreibende größere Pflanzenreste und Klumpen zu entfernen. Die Ködermischung gab ich der Erde ohne weiteres Wasser hinzu und schon war das „Startfutter“ fertig.

Die Maulwurferde hatte eine gute Konsistenz.
Mit dem Pole-Cup brachte ich 3 Kugeln sowie einige lose Maden auf einer etwa klodeckelgroßen Angelstelle aus. Die feinen Partikel in der Erde führten beim Absinken zu einer kleinen Wolkenbildung, denn ich vermied es, die Bälle allzu fest zusammenzudrücken. Zusätzlich stiegen aus dem eingebrachten Ballen kleinste Pflanzenreste sowie winzige Luftblasen in Richtung Oberfläche, was zusätzlich auf den Futterplatz aufmerksam machte.

Wie erwartet zeigte sich jedoch bald, dass die Fische nicht sofort auf die Fütterung aufmerksam wurden, weil sie sich um diese Jahreszeit nicht überall am Grund verteilt aufhielten. Selbst nach einer halben Stunde hatte ich noch keinen Biss zu verzeichnen. Ich angelte mit einer einzelnen Made und bot diese kurz über Grund an, um sie auf diese Weise sehr auffällig zu präsentieren und den trägen Fischen die Köderaufnahme so leicht wie möglich zu machen.

Es tat sich weiterhin nichts. Aber ich war nun überzeugt davon, dass die Fische den Futterplatz noch nicht gefunden hatten und ihn vielleicht auch nicht finden würden, wenn ich nichts ändern würde. Wahrscheinlich reichte der natürliche Duft der zerkleinerten Köder nicht aus, um sich über eine weite Strecke im Wasser zu verteilen und die Fische aufmerksam zu machen. Ich reagierte auf diesen Umstand, indem ich ein zweites Mal eine solche Erde-Köder-Mischung einbrachte, aber diesmal mit reichlich Flüssig-Lockstoff „Canal“ von Sensas. Alternativ dazu wäre sicher auch ein flüssiges Mückenaroma oder ähnliches passend gewesen. Die Bälle waren allerdings nun nicht mehr so locker wie vorher, sondern eher klebrig. Weil aber pure Erde nicht sättigt, schien mir diese Tatsache für den konkreten Moment nicht so entscheidend zu sein. Vielmehr war mir wichtig, dass das Aroma beim Absinken und am Grund entweicht und sich möglichst schnell und weit verbreitet. Außerdem fütterte ich weiterhin lose Maden mit dem Pole-Cup im Abstand von etwa 10 Minuten. Eine Schleuder wollte ich nicht verwenden, denn ich konnte mir nicht sicher sein, wie viele Fische den Platz finden würden und hätte sie dann möglicherweise unnötig verstreut.

 Flüssiglockstoff soll für ein schnelleres Auffinden der Futterstelle sorgen.
Kurze Zeit danach zeigte der Flüssiglockstoff seine Wirkung. Die Pose tauchte sehr langsam ab und Sekunden später hielt ich das erste Rotauge in der Hand. Ein Schwarm hatte sich am Futterplatz eingestellt. Bevor ich die Montage erneut mit nur einer Made am Haken einsetzte, fütterte ich noch etwa 15 – 20 lose Maden nach, denn ich befürchtete, dass sich die letzten Maden am Grund bereits verkrochen hatten. Mir war es wichtig, nur so viele Maden einzubringen, dass die Fische am Platz blieben, ohne sie jedoch zu sehr zu verwöhnen, denn Futterneid belebt die Beißfreudigkeit. Der nächste zaghafte Biss erfolgte auf dem Fuße und ein weiteres Rotauge landete im Kescher.

Das zweite Rotauge war deutlich größer als das erste.
Gleich darauf überlistete ich noch ein drittes und ich war zufrieden mit dem Verlauf. Das vierte blieb dann leider aus und ich überlegte bereits, ob ich etwas falsch gemacht habe. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten, denn anders als zuvor wurde die Pose nun blitzschnell in die Tiefe gerissen. Was daraufhin an der Angel hing, war deutlich größer als die Rotaugen und ich vermutete vom Widerstand her für einen kurzen Moment einen ordentlichen Brassen. Doch natürlich war der Biss nicht brassentypisch und auch die Fluchten schienen nicht recht zu einem solchen zu passen, was meine Neugier noch mehr steigerte.  „Nur nicht ungeduldig werden!“, sagte ich zu mir, denn ich hatte Angst, dass mein 8er Vorfach nicht mitspielte, denn die Fluchten waren zuweilen recht intensiv, ließen aber auch jedes Mal schnell wieder nach. Aber der Gummizug leistete gute Arbeit und ich konnte nach etwa 3 – 4 Minuten sehen, was da am Haken hing. Es war ein Hecht, der sich, absichtlich oder auch nicht, auf meine Made gestürzt hatte und dabei glücklicherweise den winzigen Haken im hinteren seitlichen Maul verankerte. Mag sein, dass ihn auch das kalte Wasser und der weiche Gummizug von noch heftigeren Fluchten oder gar Sprüngen abgehalten hatten.

53 cm lang war der Störenfried am Futterplatz.    53 cm lang war der Störenfried am Futterplatz.
53 cm lang war der "Störenfried" am Futterplatz.

Auf jeden Fall konnte ich den Fisch sicher landen, was am Ende des kurzen Angeltages das i-Tüpfelchen ausmachte. Die Rotaugen waren danach zwar leider verschwunden, aber ich packte zufrieden ein, denn die Sonne stand bereits recht tief...

 

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