Ukeleifischen mit Karol Pacyna - Teil 2

  • von ct Redaktion
  • 21. Oktober 2015 um 06:00
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Im ersten Teil ging alles um die Theorie. In der Fortsetzung zeigt uns Karol nun die Umsetzung...

Wir notieren uns begeistert alles wichtige und bitten Karol nun, auf seinem Thron Platz zu nehmen. Karol mischt nun eine handvoll Mückenlarven in die Erde und vermischt sie unter. Dabei hat er die Mückenlarven nicht getrennt, denn in der Terre de Somme werden sie automatisch getrennt und man spart sich so den Mückentrenner. Das Futter bleibt vorerst ohne Köder. Sollte sich das Beißverhalten jedoch ändern, kann Karol auch in das Futter ein paar Mückenlarven untermischen.

Ein gut sortierter Angelplatz Ein gut sortierter Angelplatz Ein gut sortierter Angelplatz

Wichtig ist auch der Platzaufbau. Alles muss greifbar in der Nähe sein. Alles hat seinen festen Platz. Karol ordnet das Futter am dichtesten an, so füttert er doch am meisten das Futter. Direkt daneben liegt die Erde. Davor die Pinkis, welche den Hauptköder darstellen und am Rand die Jumbos. Sehr wichtig ist zudem ein Behältnis mit Wasser, in welchem Karol nach und vor jedem Füttern seine Fingerspitzen wäscht. So sind die Finger immer sauber und er kann präziser werfen und beschmutzt die Rute weniger. Schmutz auf der Kopfrute bedeutet Widerstand beim Abstecken und verlangsamt den eigenen Fangprozess

3-Finger-Taktik
3-Finger-Taktik 3-Finger-Taktik 3-Finger-Taktik
Die Futterballen werden mit der 3-Finger-Taktik geformt. Dazu nimmt Karol den linken Daumen, Zeigefinger und Mittelfinger, greift einmal kurz in das Futter und die Erde und formt kein (!) rundes Bällchen, damit der Futterball schneller an der Oberfläche aufgeht und langsamer Richtung Grund sinkt.
Gut zu erkennen: Ein Ballen mit Ecken und einigen Mückenlarven

Nun aber endlich zum Fischen. Karol positioniert sich und überprüft, ob alles am richtigen Platz liegt. In den nächsten fünf Minuten wird er alle 10 Sekunden einen Ball auf die Angelstelle bei 8m werfen, um so seinen Platz aufzubauen. Dabei füttert er Erde mit Mücken und Futter ohne Köder immer im Wechsel. Eine gelbe, weisse Wolke bildet sich nun auf dem Futterplatz. Über die Erde bringt er die Mückenlarven ins Wasser, welche die Fische zum Suchen animieren sollen, damit sie unseren Hakenköder schneller finden.

Patsch, patsch – fliegen die ersten Bällchen Richtung Wasser Patsch, patsch – fliegen die ersten Bällchen Richtung Wasser Patsch, patsch – fliegen die ersten Bällchen Richtung Wasser
Patsch, patsch – fliegen die ersten Bällchen Richtung Wasser Patsch, patsch – fliegen die ersten Bällchen Richtung Wasser Patsch, patsch – fliegen die ersten Bällchen Richtung Wasser

 

Füttern und die ersten Fische


Endlich der erste Einsatz. Die Spannung steigt und in dem Moment als die Pose das Wasser berührt, zieht der Proppen auch schon das erste Mal zur Seite. Endlich – der erste Fisch!

Der erste Fisch fliegt zielgenau in die linke Hand von Karol

Ein kleines Ukelei unter 10gr landet in Karols linker Hand. Von nun an geht es Schlag auf Schlag in den ersten 10 Minuten. Keine 10 Sekunden verbringt der Köder im Wasser und schon fliegt wieder das nächste Ukelei Richtung Angler. Teilweise fängt Karol die Fische beim Aufstecken der Rute. Seiner Meinung nach ist das ein gutes Zeichen, denn vielleicht können wir später so die Fische dichter ans Ufer füttern. Nach 10 Minuten fragt uns Karol, ob die Frequenz über 3 Stunden zu halten sei, denn dann wären hier deutlich mehr Fische drin. Allerdings wird es schon jetzt schwieriger und Karol packt den nächsten Trick aus. Kommt nicht innerhalb weniger Sekunden ein Biss, hält er die Schnur auf Spannung und zieht die Pose leicht zur Seite, um einen weiteren Biss zu provozieren.

Die Pose wird leicht zur Seite gezogen und schon kommt der nächste Biss

Karol kann so seine Fangfrequenz wieder steigern. Nach einer guten halben Stunde wird es allerdings wieder deutlich ruhiger. Karol erzählt uns, dass er sich sicher ist, dass die Fische am Platz stehen, sie aber scheuer geworden sind. Nun muss man weiter in die Trickkiste greifen. Fütterte er vorher etwa jede Minute ein Bällchen Futter, so verlängert er den Futterrhythmus um eine halbe Minute. Vielleicht sind zu viele Köder im Wasser und zu wenig Ukeleis am Platz. Seine Idee scheint sich zu bewahrheiten. Nur fünf Minuten später kann wieder mehr Fische fangen. Doch auch diese Zeit hält nicht lange an. „Mann o mann, sind die hier vorsichtig“ sagt Karol. Er fischt nun etwas tiefer in einer Tiefe von einem Meter und versucht so, wieder regelmäßig an Fisch zu kommen. Tatsächlich fängt er nun wieder Fisch und dazu auch noch größere Ukeleis. Karol mischt nun Mücken ins Futter, um so die größeren Ukeleis zu halten und verkürzt die Zeitspanne zwischen den geworfenen Futterballen.

Immer höchste Konzentration

Aber auch diese Phase dauert nicht lange an und so wechselt er das Kit auf eine Zweipunkt-Bebleiung, um den Fischen die Scheu zu nehmen.

Eine Zweipunkt-Bebleiung für scheue Fische

Siehe da – die Fische beißen wieder vermehrt. Es ist wirklich spannend anzusehen, wie viel Karol an der Tiefe und an der Montage arbeitet und so immer wieder mehr Fische fängt. Gerade als man denkt, dass es nun eine Pause gibt, stellt Karol etwas um und schon beißen wieder mehr Fische. Er erzählt uns, dass die leichte Montage mit der Zweipunkt-Bebleiung wesentlich besser arbeitet und mehr Fische zum Anbiss provoziert. Wären die Fische noch scheuer, könnte man auch eine Kette aus Stylbleien Fischen, um so noch feiner zu fischen und mehr die Gewässerschichten nach Fischen abzusuchen. Jedoch sind hier genügend Ukeleis und so ist diese Möglichkeit keine Alternative für ihn an diesem Gewässer.

Die erste Stunde ist vorüber und Karol fischt noch auf der gleichen Spur mit der Kopfrute. Seiner Meinung nach sind die Fische hier nicht einfach zu überlisten und er glaubt, dass er die Fische nicht dichter ans Ufer bekommen wird. Inzwischen füttert er auch nur noch alle zwei Minuten einen Ballen Futter oder Erde. Fische fängt er trotzdem noch. Zwar keine 3 Fische mehr die Minute, jedoch mindestens ein Fisch pro Minute. Karol hat sichtlich Spaß und erzählt uns, dass dieses Gewässer wirklich schwierig zu befischen ist auf Ukeleis. Sie sind sehr scheu und man muss ständig arbeiten, um weitere Fische zu fangen. Würde man hier eine festgelegte Taktik fischen, hätte man keine Chance durchgängig Fische zu fangen. Da es nun sehr schwierig geworden ist und er nur noch ein, maximal 2 Fische pro Minute fängt, schiebt er das Hauptblei weiter hoch und fischt wieder etwas tiefer. Der Köder befindet sich nun länger in der Absinkphase und die Fische werden eher zum Anbiss verleitet.

Pose tiefer gestellt und die Bebleiung nun weiter hoch geschoben

Die nächsten Fische werden gefangen und plötzlich saust der dünne Gummizug weiter aus der Spitze und es gibt schon fast ein Drill. Karol lächelt und verrät uns, dass das wohl ein Rotauge sein wird. Er fischt nun in einem Meter Wassertiefe und durch den Futterrhythmus und die Mückenlarven, welche ständig Richtung Grund „rieseln“, sind die Rotaugen ins Mittelwasser gestiegen. Tatsächlich – das erste schöne Rotauge von etwa 40gr landet in Karols Hand.

Das erste Rotauge!

Wir fragen Karol, ob das normal sei und er antwortet uns, dass es sogar erwünscht ist. Häufig wiegen die Rotaugen im Schnitt mehr. Zwar verscheuchen die größeren Rotaugen die Ukeleis, allerdings bringen diese auch deutlich mehr Gewicht auf die Waage. Karol beweist uns, dass dieser Fisch keine Eintagsfliege war und fängt gleich mehrere Rotaugen in Serie, dabei auch Fische bis zu 100gr.

Das nächste Rotauge – wieder eine Nummer größer

Mit einem Schmunzeln erinnern wir Karol daran, dass wir doch Ukeleis fangen wollen und bereitwillig stellt er wieder ein bisschen flacher, vermutet er doch über den Rotaugen die Ukeleis. Allerdings fügt er noch hinzu, dass er in einem Match nun auf diese Rotaugen weiter gefischt hätte, da jene deutlich schwerer waren. In diesem Moment saust der Proppen in 50cm Wassertiefe wieder Richtung Gewässergrund und das nächste Ukelei hängt am Haken – na bitte, geht doch.

Das nächste Ukelei

Zwischenzeitlich gibt er etwas Wasser dem Futter hinzu und wir fragen warum. Er erläutert uns, dass er so die Wolke intensiviert und so mehr Ukeleis in der Wolke halten kann.

Die ersten zwei Stunden sind nun vorüber, wir fangen wesentlich mehr als wir dachten und wir fragen Karol nach möglichen Gründen für eine kurze Beißpause:

  1. Durch die vielen kleinen Fische werden Räuber, wie Barsche oder Hechte angelockt und vertreiben die kleinen Fische
  2. Wird der Kanal geschleust, wie jetzt gerade, dann wird die Wolke weggezogen und die losen Mückenlarven, welche über die Erde ins Wasser gebracht werden, werden vom Platz gezogen. Die Fische ziehen dann mit und man muss seinen Platz bei Stillstand wieder neu aufbauen
  3. Die Fische werden von Zeit zu Zeit scheuer und man muss an der Bebleiung oder der Gewässertiefe arbeiten. Zudem wechseln die Fische ständig ihre Wassertiefe. Man muss immer suchen, wo sie sich gerade befinden.
  4. Ein Mix aus Sonne und Wolken wie heute, lässt die Fische ebenfalls ständig die Wassertiefe ändern
  5. Die Fische stehen nur noch am Rand der Wolke. Man sollte nun weiter auf einem Punkt füttern, jedoch weiter entfernt fischen. Häufig stehen hier auch die größeren Ukeleis.
  6. Fischt man ohne Setzkescher, so wie wir, dann finden die Fische den Weg zurück in den Schwarm. Sie bringen Unruhe auf den Platz und die anderen Fische werden misstrauischer.

Karol möchte noch einmal in einer Tiefe von 1,5m fischen, da er hier nun wesentlich mehr Rotaugen vermutet. Bereits nach kurzer Zeit schiesst das feine Gummi aus der Spitze und sein Verdacht bestätigt sich. Die Rotaugen welche er nun fängt, kotzen allesamt die kleinen Mückenlarven aus.
Wir denken aber, dass er nun genug Fisch gefangen hat und bitten ihn, auf die Whip zu wechseln.

Gesagt, getan – schon kommen die nächsten Fische Gesagt, getan – schon kommen die nächsten Fische

Karol fängt nun wieder besser und er vermutet, dass das mit dem fehlenden Schatten der Rute zu tun hat. Nach kurzer Zeit ist er sich sicher, dass es hier besser ist, wenn man mit der Whip fischt. Dabei hält er die Rute an der ausgetreckten rechten Hand und füttert wieder mit links. Fängt er einen Fisch, fliegt dieser in die linke Hand, der Haken wird gelöst und die Rute wieder neu ausgeworfen. Erst jetzt würde der Fisch in den Setzkescher fallen. So spart man sich eine Bewegung und damit Zeit.

Gut zu sehen, wie Karol die Rute hält

Karol versucht die Fische mit der 4m Whip zu bekommen, jedoch ist die Fangfrequenz auf 4,50m deutlich besser und so bleibt er auf der Länge. Vielleicht wäre eine Länge von 5m noch besser, aber diese hat er nicht aufgebaut. Seine Whips sind mit einer Vollcarbonspitze ausgestattet. Somit verliert er nicht ganz so viele Fische, auch wenn es mehr sind, als mit der Kopfrute. Auch bei der Whip gilt, dass ständig gearbeitet werden muss. Immer wieder die Tiefe verstellen und die Fische suchen – nur so kann man das Maximum aus seinem Platz herausholen. Die Sonne wandert so langsam wieder Richtung Horizont und wir bitten Karol, nochmal mit 12m zu fischen.

Beobachten Sie, wie Karol die kurze Rute fischt...


Karol wirft hier nun 10 kleine Erdballen mit Futter auf die Spur und beginnt an der Oberfläche auf die Ukeleis. Das Tempo, welches Karol vorlegt ist atemberaubend. Fisch auf Fisch, mit jedem Einsatz fliegt wieder ein Ukelei in Richtung Ufer. Anscheinend stehen die Ukeleis weiter draußen und verlieren hier ihre Scheu.

Die nächsten Fische

Auf den Fotos ist gut zu erkennen, dass Karol die Rute sehr niedrig führt. Er erzählt uns, dass so der Fisch am wenigsten Widerstand spürt und nicht so dicht an die Wasseroberfläche kommt. Er wehrt sich deswegen weniger und man verliert weniger Fisch. Allerdings sitzen wir auch sehr hoch über der Wasseroberfläche, so dass dieser Punkt wirklich wichtig ist.

Dreipunkt-Bebleiung für tieferes Wasser

Wir geben Karol nun für die letzten Minuten freie Hand und sofort stellt er tiefer und fischt nun in einer Tiefe von etwa 2m. Der Kanal ist hier etwa 3m tief, so dass wir uns nun in Grundnähe befinden. Karol vermutet hier die größeren Fische und der Beweis bleibt nicht lange schuldig. In den nächsten 20 Minuten fängt er 10 schöne Fische über Rotaugen, Barsche und eine größere Güster.

Barsche werden von der Futtersäule, den Mückelarven und blitzenden Ukeleis angezogen

Wir fragen Karol nach seinen Gedanken zu diesem Gewässer. Er sagt uns, dass er begeistert ist von diesem Streckenabschnitt. Es ist nicht einfach hier Fische zu fangen und die Ukeleis würden in seiner Taktik eine wichtige Rolle spielen. Die erste Stunde würde er mit der Speedrute auf Ukeleis fischen. Auf 13m würde er Futter und Erde abbinden, um die größeren Fische zu sammeln. Die kleineren Fische zieht er auf die kürzere Spur und sammelt so in der ersten Stunde alles ein, was sich vorne bewegt. Später würde er dann draußen auf die größeren Fische angeln. Er fügt hinzu, dass es wichtig sei, erst die kleinen Fische zu sammeln, könne man sie doch in einer guten Stückzahl fangen, gerade die Ukeleis und man hätte so einen guten Vorsprung auf seine Konkurrenten. Der Platz draußen könnte sich in aller Ruhe aufbauen und man würde keine Hektik dort verbreiten. Zu späterer Stunde könnte man dann dort die fressenden größeren Fische einsammeln.

Weiterhin erzählt er, dass man hier möglichst leicht fischen muss und dann auch besser mit einer Zweipunkt-Bebleiung. Die Speedrute würde er alle 10 Sekunden etwa neu auswerfen, da die meisten Fische den Köder im Absinken genommen haben. Wenn er mehr als drei Fische am Stück verliert, wechselt Karol den Haken, denn bei der Fischanzahl kann es vorkommen, dass der Haken stumpf wird.

Gegen Ende des Angelns beißen im tieferen Wasser immer mehr Weißfische

Eine Sache möchte Karol uns aber noch auf den Weg geben. Seiner Meinung nach ist Ukeleifischen reine Übungssache. Nur wer regelmäßig, auch bei einem Hegefischen auf die kleinen Silberlinge angelt, wird ein guter Ukeleiangler. Dabei zählt die Schnelligkeit, aber auch die Platzorganisation. Keep it simple – so sein Motto und mit ein bisschen Erfahrung werden auch die ersten gute Ergebnisse kommen. Am Elbe-Havel Kanal versicherte eine bekannter Angler in seiner Nähe, dass bei ihm keine Ukeleis gewesen wären, doch Karol ist der Meinung, dass die Ukeleis überall sind, wenn sie denn im Gewässer vorhanden sind. Sie stellen eine ernsthafte Option dar und man sollte sie nie vernachlässigen.

Wir von Champions-Team haben wieder eine Menge gelernt und wir hoffen, dass es Ihnen genauso ergeht. Probieren Sie doch einmal das Ukeleifischen aus? Vielleicht wird Ihnen der eine oder andere Kniff von Karol helfen, damit auch Sie bald erfolgreicher fischen werden. Wir wünschen viel Spaß beim ausprobieren!

Beobachten Sie zum Schluss nochmal das Handling von Karol
und genießen Sie ein paar Fische – viel Spaß!
Auch Deine Meinung ist gefragt!
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