Mit Jens Koschnick in England - Teil 2

  • von Jens Koschnick
  • 04. März 2015 um 10:05
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Nach unseren Trainingseinheiten und Matches an den Hayfield Lakes, haben wir uns die restlichen Tage an den Garbolino Lindholme Lakes aufgehalten. Dieser Komplex ist aus meinen Augen ein absolutes Mekka eines jeden Matchanglers. Die Anlage besteht aus acht verschiedenen Seen, einer großen Gastronomie, einem Fishing Shop, mehreren Lodges und einer Caravan & Camping Site. Insgesamt eine echt riesige Anlage mit über 500 Angelplätzen!
Hier der Link zur offiziellen Homepage: http://www.lindholmelakes.co.uk/

Das Angeln selbst unterscheidet sich erheblich zu dem an den Hayfield Lakes. An den Lindholme Lakes ist ein wesentlich höherer Mischbestand an Fischen. (Karpfen, F1´s, Brassen, Rotaugen, Schleien, Barben). Auch die Größe der Karpfen ist deutlich kleiner. In meinen beiden verbliebenen Tagen, hatte ich erneut die Möglichkeit mit meinem Freund Paul Holmes an dem legendären Bonsai Lake und dem Willows Lake zu angeln. An beiden Seen ist der Hauptbestand, und somit die Fischart mit der die meisten Matches gewonnen werden, die F1´s. Dieser Fisch ist eine Mischung aus Karpfen und Karauschen. Sie haben ein Durchschnittsgewicht von ca.500g, sind ein absoluter Schwarmfisch und aufgrund des starken Angeldrucks extrem sensibel. Das Angeln auf F1´s gilt als absolute Königsdisziplin in England und ist als außerordentlich schwierig zu bezeichnen. Mein Freund Adam Wakelin hat es in etwa mit dem Angeln auf Hybryds in Irland verglichen. Man muss es lange Zeit lernen, bevor man es letztendlich beherrscht. Steve Ringer brauchte mehr als drei Jahre dafür. Wie man auf diese Fische am besten angelt und welche Montagen zum Einsatz kommen, möchte ich euch in dem nachfolgenden Text beschreiben.

Garbolino Lindholme Lakes Komplex - Bonsai Lake und Willows Lake

F1 Tactics!

Als ich mit meinem Kumpel Paul an den Garbolino Lindholme Lakes ankam war ich regelrecht von den Socken. Eine super Anlage nur für Matchangler geschaffen. Wir gingen in den Tackle Shop und begrüßten Neil den Besitzer. Kurzer Hand erklärte er sich bereit uns durch die Anlage zu führen. Nach einigen Metern trafen wir auf Tommy Pickering, der vier bis fünfmal wöchentlich Unterrichtsstunden im Angeln an den Gewässern dort gibt. Ich sagte ihm wie beeindruckt ich von der Anlage sei und diese Form von Gewässern ja in Deutschland nicht existieren würde. Daraufhin erklärte er mir gelassen, dass sich ungefähr 150 kommerzielle Gewässer im Umkreis von 70 Kilometern um Doncaster befinden. Unfassbar!

Karte der Garbolino Lindholme Lakes


Paul und ich kauften im Shop noch ein paar Pellets und machten uns auf zum F1 Training am Bonsai Lake. Dieser See bietet 85 Angelplätze und hat die Form eines Hufeisens. In der Gewässermitte befinden sich mehrere, mit Lilien bepflanzte Inseln. An diesem Tag wollte mir Paul zeigen, wie man mit der 16m Rute gegen die Inseln auf F1´s angelt. Wir suchten uns einen Platz aus, an dem der Wind aus dem Rücken kam und bauten alles auf. Nachdem ich mit allem fertig war, kam Paul herüber und gab mir eines von seinen Rigs.

Folgendes hatte ich an diesem Platz nach Paul nun zu tun: Gegenüber von mir war eine Insel. Um an diese heran zu kommen, musste ich 16m fischen. Ich sollte eine Stelle finden an der die Tiefe ungefähr 40cm beträgt. Nach dem Loten stellte ich fest, dass dies ungefähr 20cm von der Insel entfernt der Fall war. Nun fing das Angeln (Theater) an!

Ich sollte keine Startfütterung ins Wasser einbringen, sondern den Platz nach und nach mit der Fütterung durch den Tosspot aufbauen.

Das war mein Rig:

  • 2,7m Topset mit Tosspot am Spitzenende
  • 45cm 0,14er Hauptschnur
  • 10cm 0,12er Vorfach
  • 18er barbless Haken mit Gummiband am Haar
  • Köder 6mm Pellet (hart)
  • 0,1g Schwimmer auf 40 cm Tiefe gestellt
  • Schnur zwischen Schwimmer und Spitze 15cm
Die meisten Anlagen haben ihre eigenen Pellets

Paul sagte mir ich soll den Tosspot mit 4mm Pellets füllen, das Topset aufstecken und die vollen 16m rausschieben. Das ist leicht gesagt aber echt nicht einfach mit nur 55cm Schnur an der Rute, einem gefüllten Tosspot, einem 0,1g Schwimmer und gerade mal 15cm Schnur zwischen Spitze und Pose. 

Das Angeln (Theater) konnte beginnen

Als ich die Rute endlich auf voller Länge rausgeschoben hatte, kam der nächste Schritt und damit die eigentliche Angeltaktik. Als mir Paul alles erklärt hatte, musste ich kurz überlegen, ob das alles ernst gemeint war…

Ich sollte den Hakenpellet ganz kurz über der Wasseroberfläche halten und 4-5 Pellets aus dem Tosspot schütteln. Sobald die losen Pellets ins Wasser fielen sollte ich den angeköderten Pellet genau in der gleichen Sinkgeschwindigkeit wie die losen Futterpellets absinken lassen. Das ganze sollte in einer Präzision erfolgen, dass alle Pellets auf einer Fläche von 10x10cm herunter rieseln. Kein Problem dachte ich mir! Bei Seitenwind und einer 16m langen Rute... echt super!

War der Hakenköder abgesunken ohne Anzeichen eines Bisses, sollte ich den Schwimmer ca. 15cm aus dem Wasser heben, sodass der Hakenpellet 15cm über Grund war. Erneut wurden 4-5 Pellets (NICHT MEHR!!!) aus dem Tosspot geschüttelt. Jetzt war Folgendes wichtig. Man muss die Sekunden abschätzen können, in denen die losen Futterpellets den Hakenköder erreicht haben, um ihn gleichzeitig mit allen gefütterten Pellets absinken zu lassen. Die Sinkzeit der 4mm Feedpellets beträgt ca. 1Sekunde je 10cm. Also musste ich für die 25 cm bis zu meinem Hakenköder etwa 2,5 Sekunden berechnen.

Im Ruhrpott sagen wir: „Watt fürn Aufwand äää!“

Nachdem ich 20 Versuche lang alles falsch und unpräzise gemacht habe, wurde ich langsam besser. Es ist halt extrem wichtig den eigenen Hakenköder in und mit den losen Pellets fallen zu lassen, um überhaupt einen Biss der scheuen F1´s zu bekommen. Nach 15min. bekomme ich den ersten Biss.

Endlich... der erste Biss Ein schöner F1

Ich hebe meinen Schwimmer 15cm aus dem Wasser, schüttle ein paar Pellets aus dem Tosspot und lasse nach 2,5 Sekunden meinen Schwimmer langsam ab. Es gab einen kurzen Ruck in der Rute und mein Gummizug nahm die Arbeit auf. Der Bann war gebrochen und Paul meinte ich wäre ja doch nicht so blöd. Tolle Bemerkung... Jetzt hatte mich der Ehrgeiz gepackt und ich versuchte von Mal zu Mal präziser zu werden. Es ist wirklich unglaublich. Sobald man nicht voll konzentriert ist, hat man entweder keinen Biss, verscheucht die F1´s in dem flachen Wasser oder wickelt sich die komplette Montage um die Rutenspitze und den Tosspot. Die Angelmethode zog mich in ihren Bann. Es ist wirklich ein tolles Gefühl solch kampfstarke Fische an einer 16m Rute zu drillen. Nach einer Zeit bekommt man einen regelrechten Tunnelblick. An diesem Tag konnte ich 34 F1´s, 3 Karpfen, 2 Schleien und 20 Rotaugen fangen. Ein wirklich toller Angeltag!

Am nächsten Tag ging es wieder ab an die Garbolino Lindholme Lakes. Diesmal fischten Paul und ich an dem Willows Lake. Ein sehr schöner See mit exzellentem F1´s Besatz. Heute könne ich mal zeigen was ich am gestrigen Tage gelernt habe, sagte Paul zu mir. Er kennt das Gewässer wirklich sehr gut und hat zwei der besten Plätze ausgemacht, wo wir unser Tackle dann aufbauten. „You got a flyer mate!“, sagte Paul. Seinen Worten nach habe ich den besten Platz am See. Ich war sehr gespannt wie es heute laufen würde und ob ich den gestrigen Erfolg nochmal steigern könnte.

Mein Angelplatz

An meinem Angelplatz hatte ich keine Möglichkeit gegen eine Insel oder das andere Ufer zu angeln. Nur das freie Wasser blieb mir zur Wahl. Ich montiere meine Stipprute und bereite die Köder vor. 2 Liter 4mm Feedpellets und 1 Liter 2mm Mikropellets. Mehr brauchte ich an diesem Tag nicht. Als nächstes steckte ich die Tosspots auf meine Topsets. Ein absolut unerlässliches Utensil beim Karpfenangeln, wie ich später noch herausfinden sollte! Nach dem Loten stellte ich fest, dass sich auf 14m Entfernung eine kleine Mulde im Gewässergrund befindet. An dieser Stelle war das Wasser etwa 1,5m tief. Ich stellte meinen 0,3g Schwimmer bündig zum Grund ein. Als ich fertig aufgebaut hatte, lief ich zu Paul rüber und schaute mir seine Rigs an. Diese sind auf den Bildern näher beschrieben.

Paul beim Aufstecken, kurz vorm Rausschieben
Pauls Pose Der Gummizug  Pellet am Band

Wir machten aus, ein Match gegeneinander zu fischen. Der Verlierer sollte das Abendessen spendieren. Der Ehrgeiz lief bei uns beiden wieder auf Hochtourten. 3 Stunden Angelzeit waren abgemacht und Paul eröffnete pünktlich um 10 Uhr das Match mit den Worten: „Tight lines Jens!“

Ich schiebe meine Rute auf 14m raus und beginne mit dem Tosspot 4mm Pellets zu füttern. Praktisch genau die gleiche Taktik vom Vortag nur im tieferen Wasser. Der Schwimmer stellt sich auf und ich hebe ihn wieder 15 cm an. Als ich die Pellets auskippe taucht blitzschnell der Schwimmer ab. Anschlag! Nix... Naja, auf ein Neues. Ich hebe den Schwimmer wieder 15cm aus dem Wasser, kippe ein paar Pellets aus, sofort Biss! Anschlag! Nix! Nach dem zehnte Mal begann ich zu fluchen. Ich guckte nach links. Paul kescherte einen F1 nach dem Anderen. Ich hatte eine Krawatte bis dorthinaus.

Paul drillte einen F1 nach dem Anderen Der nächste Fisch vor dem Kescher Kein Riese, aber klein und kompakt mit gutem Gewicht

Nach zwanzig Fehlbissen merkte ich, dass die Fische gar nicht am Grund waren, sondern direkt unter der Oberfläche. Sie gingen praktisch sofort auf die ausgekippten Pellets und erzeugten Schnurbisse. Ich nahm eine Hand voll Pellets und warf sie in 5m Entfernung ins Wasser. Ich traute meinen Augen kaum. Nach dem Aufprall der Pellets auf die Wasseroberfläche kamen ca. 30 Mäuler nach oben und schlürften die Pellets in Sekunden weg. Sofort schob ich meine 14m nach hinten, stellte den Schwimmer auf 15 cm Wassertiefe und kürzte die Schnur. Ich beschloss nur noch auf 5m zu angeln, denn Fische waren ja überall. Außerdem dachte ich, dass ich mir das Füttern mit dem Tosspot sparen kann, weil ich ja die Pellets auf eine Entfernung von 5m werfen kann.

Die Rute war nun endlich auf voller Länge rausgeschoben

Los ging es also erneut. Ich schiebe die 5m lange Rute raus setze ein und werfe ca. 15 Pellets auf den Schwimmer. Die Wasseroberfläche explodiert und die F1´s saugen alle Pellets ein! Alle Pellets? Nein, nicht alle! Mein Schwimmer stand nach wie vor wie eine 1 im Wasser. Gibst doch nicht, dachte ich mir und warf erneut 15 Pellets auf meinen Schwimmer. Wieder kocht die Oberfläche, aber mein Schwimmer taucht nicht ab! Auf einmal rief Paul von links: „There are millions of fish in front of you Jens! Catch one!” Beinahe hätte ich in meine Rute gebissen! Gaaanz ruhig Jens, du wirst es schon richten! Irgendetwas läuft doch hier schief, dachte ich mir. Ich versuchte es erneut mit dem Tosspot. Ich schiebe die 5m Rute raus und halte den Hakenköder übers Wasser. Fünf Pellets fallen ins Wasser und ich setze meinen Hakenpellet genau in die Mitte. Ich hatte gar keine Zeit zu überlegen, da war mein Gummi schon aus der Rute. AHA! Jetzt wusste ich Bescheid! Die Pellets dürfen einfach nur in einem ganz kleinen Radius ins Wasser fallen, sonst erkennen die F1´s den Hakenköder. Beim Werfen der Pellets von Hand war die Streuung zu groß und der Hakenköder fiel zu sehr auf.

Paul schießt die Pellets mit der Schleuder

Sofort versuchte ich Boden wieder gut zu machen und Paul einzuholen. Doch das gestaltet sich bei so extrem schnellen Anglern als sehr schwierig. Ich fand meinen Rhythmus und hatte wieder absoluten Tunnelblick. Fast 2 Fische pro Minute konnte ich landen. Eine wahnsinns Angelei!

Als das Match abgelaufen war, wusste ich nicht annähernd wie es ausgegangen sein könnte. Zu sehr habe ich mich in das Angeln reingesteigert. Am Ende hat mir wohl doch auch der super Platz mit seinen Fischmassen weitergeholfen. Ich konnte mir mit 49kg den Sieg sichern. Paul lag mit 38kg etwas dahinter. Ich war echt stolz mit einem solch tollen Fang meinen Englandurlaub abschließen zu dürfen. Ein rundum toller Urlaub mit viel Spaß und einer Menge Erfahrungen!

Ich konnte mir mit 49kg den Sieg sichern

Paul lag mit 38kg etwas dahinter

Achja…Paul löste seinen Wetteinsatz ein und kochte uns zu Hause dann gebackene Bohnen mit Pommes und Würstchen...

Das gewonnene Abendesssen - gebackene Bohnen mit Pommes und Würstchen

An dieser Stelle nochmal ein dickes Dankeschön an Paul Holmes, der mir wirklich viel gezeigt hat! Ich werde diese Lustige Zeit nie vergessen! Ebenso möchte ich Neil, den Besitzer der Lindholme Lakes für den freundlichen Umgang und die tollen Infos Danken.

Jens Koschnick, Paul Holmes und Lindholme Lake Besitzer Neil

Bis dahin TIGHT LINES!

Euer Jens Koschnick

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