Winterrotaugen an der Eiskante

  • von ct Redaktion
  • 16. Februar 2015 um 08:00
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Häfen jeglicher Größe und Struktur bilden das Winterquartier der meisten Fried- und Raubfische. Hier entziehen sie sich dem kräftezehrenden Strömungsdruck und unter Stegen und Schiffen finden sie Schutz vor Kormoranen. Einige Häfen bleiben auch bei Minusgraden noch eisfrei, doch viele kleinere Sportboothäfen sind schnell von einer Eisdecke bedeckt, wenn es einige frostige Nächte gibt. Sobald es wieder wärmer wird und die Eisdecke schmilzt, kommt für die Friedfischangler eine sehr interessante Zeit, denn nun kann unmittelbar an der Eiskante gefischt werden.

Der halbe Hafen ist zugefroren, direkt an der Eiskante ist nun ein guter Angelplatz

Das Eis taut meist zuerst am Übergang zum Fluss oder Kanal, während die Eisdecke im Hafen teilweise noch recht dick ist. Jeder Tag mit Temperaturen über 0° Grad Celsius sorgt nun dafür, dass die Eisdecke immer dünner wird und sich die Eiskante immer mehr in den Hafen hinein verlagert. Direkt an der Eiskante sind nun die Aussichten auf hervorragende Friedfischfänge besonders gut, denn unter dem Eis finden sie noch Schutz und fühlen sich sicher, während es im freien Wasser schon etwas Nahrung gibt und das Interesse der Fische geweckt wird.

Gerade an sehr sonnigen Wintertagen ziehen es die Fische vor im Schatten der Eisdecke zu verweilen und noch nicht im nun durch die Sonnenstrahlen erleuchteten Freiwasser zu schwimmen. Insbesondere Rotaugenschwärme ziehen an der Eiskante entlang und können nun mit feinem Gerät überlistet werden.

Alex Dittrich von champions-team.de hat seine Sitzkiepe auf der Kaimauer daher direkt im rechten Winkel zur Eiskante positioniert, um mit der Kopfrute direkt an dieser zu fischen.

Alex setzt in der kalten Jahreszeit auf ein Rotaugenfutter, das sich im Winter in zahlreichen Häfen schon vielfach bewährt hat. 1 kg Superoach mit 500 Gramm Supercup überzeugen durch die dunkle Farbe, die vielen Sämereien und eine würzige Duftnote. Ein absolut fängiges Futter ohne weitere Zusätze. Eineinhalb Kilo Futter sollten für einen Angeltag bei noch sehr niedrigen Luft- und Wassertemperaturen reichen und als Hakenköder stehen heute ausschließlich Pinkies auf dem Speiseplan.

Beim Futter vertraut Alex im Winter auf SUPEROACH und SUPERCUP aus dem Haus Marcel van den Eynde Zusätzlich kommen Pinkies in loser und geklebter Form zum Einsatz

Pinkies haben im Winter mehrere Vorteile. Einerseits sind sie bei den derzeitigen Temperaturen in der Garage oder im Angelschuppen über Wochen haltbar und somit auch verfügbar, wenn es das Wetter kurzfristig möglich macht, einen Angeltrip zu starten. Des weiteren sind sie so klein, dass sie die Fische kaum sättigen und dabei sehr lebendig, so dass die auch den trägsten Fisch zum Biss verleiten.

Nachdem Alex das Futter optimal angefeuchtet und gesiebt hat, füttert er direkt an der Eiskante 6 mandarinengroße Futterbälle mit insgesamt ca. 30 Pinkies mit dem Polecup an der 11 Meter Kopfrute.

Eigroße Futterkugeln werden gecuppt ... ... und verschwinden direkt an der Eiskante

Diese Futterbälle sollten nur leicht gedrückt werden und sich schon im Absinken auflösen und trotz der Fütterung mit dem punktgenauen Polecup, sollten die Kugeln nicht alle auf dem gleichen Punkt abgekippt werden, sondern eher auf einer Fläche von 50cm x 50cm, um einen kleinen Futterteppich zu bilden, auf den sich die Fische stellen können. In das Zentrum dieses Futterteppichs wird dann noch eine haselnussgroße Kugel aus geklebten Pinkies gecuppt. Hier sollen die Fische später fressen und auch unseren Köder nehmen.

Die Pinkies werden nur ganz leicht angeklebt, so dass sich der Ball im Wasser schnell löst Kleinste Kugeln aus geklebten Pinkies werden nachgefüttert
Die Kugeln werden punktgenau mit dem Polecup ausgebracht ... und verschwinden mit einem Plopp und erreichen kurze Zeit später den Futterteppich am Grund

Die Fische brauchen im Winter gewöhnlich ein bisschen mehr Zeit bis sie sich am Futterplatz einfinden und so baut Alex erst nach der Anfangsfütterung zwei Topsets auf. Zum Einsatz kommen heute eine sehr feine, schlanke Pose mit dünner Glasfaserantenne und einer Tragkraft von 0,6 Gramm und eine eiförmige Pose mit einer Tragkraft von 1,0 Gramm, die mit einer kräftigeren Hohlantenne ausgestattet ist.

Eine Hohl- und eine sensible Glasfaserantenne kommen bei den Posenmodellen zum Einsatz


Einerseits könnte es sein, dass sehr fein gefischt werden muss, doch andererseits gibt es in Häfen oft Unterströmungen, die bei einer zu leichten Pose verhindern, dass direkt an der Eiskante gefischt werden kann bzw. die Pose zu schnell abdriftet und dazu können die Lichtverhältnisse bei einer tief stehenden Sonne dafür sorgen, dass eine zu feine Pose nicht mehr zu sehen ist.
 
18er bis 22er Haken für ein bis zwei Pinkies als Hakenköder sind für den Anfang die richtige Wahl und die Tiefe wird so ausgelotet, dass der Haken gerade so den Grund berührt.

Alex angelt punktgenau und das bedeutet, dass auch die Schnur zwischen der Spitze der Kopfrute und der Pose nicht zu lang sein darf. Je nach Wind sollten es 50cm bis max. 1 Meter sein, denn mit zu langer Schnur kann die Pose nicht mehr ganz genau auf dem Futterplatz abgesetzt werden oder die Montage verdriftet zu schnell vom Futterplatz weg.

Mit der Kopfrute und verkürzter Schnur kann die Pose genauestens platziert werden

Sind die Fische erst einmal auf dem Futterplatz, so bewegen sie sich nur noch sehr wenig. Sie konzentrieren sich auf die geklebten (und mittlerweile aufgelösten) Pinkies in der Mitte des Futterteppichs und nehmen immer mal wieder einen Pinkie auf. Hier muss auch der Hakenköder angeboten werden.


Fünf Minuten nachdem Alex die Pose zum ersten Mal mit einem mit einem Pinkie beköderten Haken eingesetzt hat, geht die feine 0,6 Gramm Pose ganz langsam unter. Es scheint so als wäre die Pose überbleibt und würde somit ganz langsam Richtung Grund gezogen, doch es ist das erste Rotauge, dass nach kurzem Drill über den Kescher gezogen wird. Alex hatte vorsichtshalber reaktionsschnell angeschlagen, denn viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht. Lieber einmal ins Leere hauen, als zu lange zu warten bis die Pose ganz langsam wieder auftaucht, weil der Fisch den Schwindel gemerkt hat.

Die Rotaugen reagieren gut auf die nachgecuppten Pinkies Die Rotaugen reagieren gut auf die nachgecuppten Pinkies

Die Rotaugen sind heute am Anfang des Angelns übervorsichtig und die Pose wird max. 5mm nach unten gezogen. Alle drei bis fünf Minuten kommt nun ein Biss, doch jeder dritte Anschlag geht daneben, so vorsichtig beißen die Rotaugen. Nun sind Instinkt und Erfahrung gefragt. Entweder weiterangeln bis die Bisse nachlassen (die sicherste und oft auch erfolgreichere Wahl) oder mit geklebten Pinkies nachfüttern, mehr Fische ansprechen und Futterneid auslösen?

Alex hat mittlerweile 15 Rotaugen von 80 bis 150 Gramm gefangen und da er sich bei der Kälte noch max. eine Stunde Angelzeit gibt, entscheidet er sich für die risikoreichere Nachfüttervariante, um den Rotaugenschwarm noch einmal richtig in Schwung zu bringen und selber mit schneller aufeinanderfolgenden Bissen auch selber noch ein bisschen wärmer zu werden. Eine haselnussgroße Kugel aus geklebten Pinkies wird nachgefüttert und noch nicht zufrieden mit der Bissfrequenz stellt Alex die Pose 5 cm flacher, so dass der Köder nun nicht mehr bündig zum Grund angeboten wird, sondern etwas darüber. Die Bisse kommen nun schneller und es ist nicht klar, ob es an der Nachfütterung oder der Veränderung der Wassertiefe liegt. Egal, nach weiteren drei Rotaugen füttert Alex weitere geklebte Pinkies nach und langsam gibt es Biss auf Biss.

Langsam füllt sich der Setzkescher

Die Sonne steht nun schon ziemlich tief, was die Beißfreudigkeit der Rotaugen sicherlich positiv beeinflusst, doch die feine Fiberglasantenne ist im Gegenlicht kaum mehr zu sehen. Zeit für einen Topsetwechsel. Die Hohlantenne an der 1 Gramm Montur ist ganz fein austariert und trotzdem gut zu sehen. Keine 2 mm ist die Antenne über der Wasseroberfläche und zeigt die Bisse der immer vertrauensvoller beißenden Rotaugen gut an. Was fehlt ist noch ein Bonusrotauge von über 200 Gramm. Alex wechselt auf einen 16er Haken mit 3 Pinkies und stellt die Pose wieder etwas tiefer, so dass der Köder 5 cm auf dem Grund aufliegt. Nachdem sich keine Bisse einstellen, setzt er die Pose 20 cm neben der Futterstelle ein und kurz darauf erfolgt ein schöner Biss, worauf ein 250 Gramm Rotauge über den Kescher gleitet.

Ein volles Netz schöner Rotaugen
Rotaugen bis 200 Gramm fanden den Weg in den Kescher Ein volles Netz schöner Rotaugen

Gerade die größeren Fische meiden den zentralen Futterplatz und stehen lieber etwas abseits, um dort in aller Vorsicht den einen oder anderen Futterpartikel einzusammeln. Am Ende sind knapp 40 Rotaugen im Kescher, die mit viel Geschick und einigen Anpassungen während des Angelns überlistet werden konnten.

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2 Kommentare
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  • ct Redaktion
    Gute Angler lassen wir auch gerne mal für eine Story einfliegen :-)
  • brassenopa
    aus eichwalde
    Auch wenn der Bericht schon etwas älter ist ,so passt er doch genau in die aktuelle Situation am Wasser!Der Kerl sitzt in Argentina im Warmen und lässt es sich gut gehen...........
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