Angeln in starker Strömung - Mit Dennis Vogel an der Oder

  • von ct Redaktion
  • 13. Juni 2016 um 11:00
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Das Angeln mit der Kopfrute in starker Strömung zählt sicherlich zu den Königsdisziplinen im Bereich des Friedfischangelns. Im schnellen, sauerstoffeichen Wasser unserer Fließgewässer gibt es zwar meist viele kampfstarke Fische, doch um diese zu überlisten muss vom Angelgerät über das Futter bis zum Anbieten des Köders alles passen. Wir waren mit Dennis Vogel vom Team Stipp-Profi an der Oder und haben uns zeigen lassen, wie man regelmäßig Brassen, Döbel und Güstern nicht nur ans Band, sondern auch in den Kescher bekommt.

Die Oder führt gerade Niedrigwasser, doch das Flussbett ist dadurch etwas schmaler und die Strömung immer noch sehr schnell. Man muss die Packlage einige Meter nach unten klettern, um an die Wasserkante zu kommen und dabei sieht man nun zwischen den Steinen den Nahrungsreichtum der Oder. Unzählige Muscheln, Schnecken und Bachflohkrebse warten darauf, dass das Wasser wieder steigt bevor sie endgültig vertrocknet sind.
Das Wasser ist leicht angetrübt und auf voller Kopfrutenlänge in 13 Metern Entfernung beträgt die Wassertiefe 2,5 Meter. Auf 11 Metern Entfernung ist es nur unwesentlich flacher und durch das Niedrigwasser angelt man auch schon auf der kürzeren Spur auf kiesigem Grund, der in der Spur keine Hindernisse aufweist. Aufstecken, abstecken, die Pose sauber führen, das Füttern nicht vergessen und hoffentlich ein paar gute Fische drillen – die Angelei wird anstrengend genug, so dass es völlig ausreicht mit der 11 Meter Rute verkürzt auf die ersten 4 Teile zu angeln.

Bevor Dennis aufbaut widmet er sich erst einmal dem Futter. Die Konsistenz muss bei Angelbeginn stimmen und entsprechend oft wird er es in der Vorbereitung nachfeuchten müssen, damit das Futter beim Angeln schnell den Grund erreicht und sich dort schnell aufzulöst. Denn hier liegt die Herausforderung für ein gutes Strömungsfutter, das, wenn es zu leicht ist, wegtreibt, bevor es den Gewässergrund erreicht hat oder zu klebrigem Futter, das sich nicht auflöst und ebenfalls in kompakter Form von der Strömung weggetrieben wird.

Schön bunt ist die angelfertige Mischung   Top im Fliesswasser - bunte Brotpartikel

Die Futtermischung ist einfach und gut. 2 kg Supercrack Brassen werden mit 2 kg Van den Eynde Silber vermischt und später kommen zu der dunklen Mischung noch einige Farbtupfer hinzu. Die trockene Mischung wird in mehreren Schritten angefeuchtet und am Ende gibt Dennis jeweils 250 Gramm Sinking Crumbs von van den Eynde in den Farben rot und gelb und eine handvoll orange Brotpartikel der Firma Boland (alles erhältlich bei www.stipp-profi.de) hinzu. Sinking Crumbs sind eingefärbte, sehr harte und sehr schwere Brotpartikel, die insbesondere Döbel, Alande und Güstern zum Fressen gern haben. Dann und zuletzt noch zwei Liter Kies zur Beschwerung in den Futtereimer und alles wird noch einmal kräftig durchgemischt, fertig ist das Futter.

Richtig schön knallige Farben und damit auch in trübem Wasser für die Fische gut zu sehen Die Fluo Partikel haben sich auch schon in der Elbe, dem Rhein und auch dem Silokanal bewährt

Dennis hat klassische Fluss- und Großfischköder dabei, die jeden Fisch zum Anbiss verleiten sollten. Tote Maden, Caster und ein paar Würmer sind optimal für die schnelle Strömung und Dennis verzichtet auf lebende Köder, da diese den Futterball zu schnell aufbrechen und auch am Grund zu aktiv sind und somit von der Strömung zu leicht abgetrieben werden. In der Anfangsfütterung werden nur Maden und Caster gefüttert, erst wenn sich Brassen auf dem Futterplatz einstellen wird Dennis ein paar Würmer schneiden und füttern und ggf. auch am Haken angeln.


Die Strömung ist schnell aber schön gleichmäßig, was einer ruhigen Köderführung entgegenkommt. Lutscherposen von 20 und 30 Gramm werden aufgebaut, wobei die 30 Gramm gerade so reichen, um den Köder zu blockieren und der 20 Gramm Lutscher verzögert geführt wird, um im Trieb Güstern, Döbel und Alande zu überlisten. Über dem 40 cm langen Vorfach befindet sich ein Bleischrot der Größe 4 auf der Schnur und 15 cm darüber zwei (Doppelschrot) weitere Schrote der Größe 4 bevor nach 10 Zentimetern die Hauptbebleiung folgt.


Die Bebleiung ist relativ kompakt und erlaubt es Dennis die drei 4er Schrote immer wieder zu verschieben. Entweder auf drei Punkte im gleichen Abstand, wenn die Fische eher vorsichtig im Trieb beißen oder auch kompakt direkt über der Schlaufe, um den Köder für die Brassen so ruhig wie möglich anzubieten. Strömungsangeln bedeutet, dass man sich in die Strömung hineinangeln muss, ein Gefühl dafür bekommen muss, wie die Fische den Köder an diesem Tag angeboten haben wollen.


Die Optionen dafür sind die Veränderung der Angeltiefe, das Führen und Anbieten des Köders, die Vorfachlänge und die Veränderung der Bebleiung. Hakengröße, Schnurstärke und der an diesem Tag beste Köder müssen natürlich auch beachtet werden, so dass es während der ersten Stunde und zahlreichen Durchläufen von Dennis ständig Veränderungen vorgenommen werden.


Doch zuerst natürlich die Anfangsfütterung. Dennis wirft 6 große Futterkugeln mit wenig Castern und Maden einen Meter stromauf auf die 11 Meter Spur. Es folgen zwei kleine leicht gedrückte Futterbälle, die auf der gleichen Spur am der Oberfläche aufplatzen und weit abgetrieben werden. Diese Initialfütterung soll die Fische erst einmal aufmerksam machen und auf den Futterplatz bringen.


Erfahrungsgemäß stellen zuerst ein paar Güstern ein, so dass Dennis mit 2 toten Maden am 16er Haken an der 20 Gramm Montage beginnt und den Köder zügig mit der Strömung führt. Tote Maden haben den Vorteil, dass sie sich nicht auf die Hakenspitze drehen und Fehlbisse werden vermieden. Ganz am Ende des Triebs kommt auch schon der erste Biss und kurz danach kann Dennis die erste kompakte Strömungsgüster von 400 Gramm über den Kescher ziehen.


Stromauf sitzt Angelkumpel Lutz, bei dem der Gummizug schon mehrere Meter Richtung Odermitte zeigt. Ein richtig guter Döbel hat seinen Köder bereits in der dritten Drift genommen und der Tanz beginnt. Es ist nicht unüblich, dass gerade die großen, eigentlich scheuen Döbel gerade am Anfang gefangen werden können, wenn man sich beim Aufbau ruhig verhält. Mit zunehmender Angelzeit und entsprechender Unruhe durch Nachfütterung oder das Drillen der Fische, halten sich die scheuen Gesellen meist sehr weit hinter dem Futter zurück und schnappen nach dem einen oder anderen abtreibenden Partikel. 5 Minuten später ist der Döbel im Netz und die Güstern kommen vermehrt auf den Futterplatz.


Nach füttern ist jetzt Pflicht und Dennis wirft alle 5 Minuten einen kleinen, kompakten Futterball, bei dem er die Anzahl an Castern und Maden immer mehr erhöht, da die Fische sehr zahlreich am Platz sind. Die gefangenen Güstern würgen an Land die bunten Partikel wieder aus, ein Zeichen dafür, wie gern sie diese Brotkrumen zum Fressen gern haben.

Versuche den Köder mit der 30 Gramm Lutscherpose stark verzögert bis blockiert anzubieten bringt viele Fehlbisse und kaum Fische in den Kescher. Die Brassen sind also noch nicht da und für die Güstern passt die zu schwere Präsentation nicht. Dennis beginnt nun Würmer zu schneiden, um die gewichtigen Brassen auf den Platz zu locken.


5 bis 6 Dendrobenas werden im Futter in kleine Wurmstücke geschnitten und nach 5 Minuten formt Dennis einen Futterball, der punktgenau mit dem Polecup gefüttert wird. Die kurze Wartezeit nach dem Schneiden der Würmer bewirkt, dass die Wurmstückchen nicht mehr zappeln und damit weniger attraktiv für Barsche oder Güstern sind und die Fütterung mit dem Polecup sorgt dafür, dass Dennis nun genau weiß, wo der Futterball liegt und damit auch direkt an diesem seinen Köder anbieten kann. Alle 10 Minuten cuppt er nun einen Ball mit geschnittenen Würmern und Castern und verzichtet auf die Maden, die vor allem die Güstern ansprechen.


Es wird nun merklich ruhiger am Platz bzw. in den Driften. Es folgen einige Triebe ohne Biss, gelegentlich beißt noch eine Güster am Ende der Futterspur, doch diese Güstern sind mittlerweile sehr klein. Die Güstern mit Maden und einem höheren Futterrhythmus aktivieren oder auf die Brassen zocken? Dennis cuppt den nächsten Futterball mit geschnittenen Würmern und Castern und wechselt auf ein 60 cm langes Vorfach, wobei er die Angeltiefe nun so einstellt, dass die drei 4er Schrote an der 30 Gramm Montage auf dem Grund aufliegen. 2 quicklebendige Würmer werden nun am 12er Haken angeboten

Viel ruhiger geht´s nicht, Brassen oder lange Nase ist jetzt die Devise und nach einigen weiteren sehr langsamen Driften sind das Abtauchen der Pose und der aus der Rute schießende Gummizug eins. Da hängt der erste Klodeckel! Vorsichtig schiebt Dennis die Rute über den Abroller nach hinten, um zum Abstecken ins 4te Rutenteil zu greifen.

Dennis hält die Rutenspitze Richtung Wasseroberfläche, damit der Fisch nicht an die Oberfläche kommt Vorsichtig wird der dicke Brassen in das ruhige Uferwasser gedrillt Gleich ist er im Kescher Die Taktik passt, der erste Brassen ist gekeschert
Da hat sich das Warten auf den deicken Fisch gelohnt

Der Brassen stellt sich quer und lässt die Strömung für sich arbeiten, doch Dennis dirigiert ihn langsam Richtung Ufer, wo der Strömungsdruck wesentlich geringer ist. Der Fisch gleitet über den Kescher und umgehend wird ein Futterball mit geschnittenen Würmern nachgecuppt. Noch weitere 4 Brassen kann Dennis überlisten, ein großer Fisch ist nicht zu halten und schlitzt auf dem Weg Richtung Flussmitte aus. Dennoch hat sich die Taktik bezahlt gemacht auf die Brassen zu setzen, so dass der Angeltag einen krönenden Abschluss findet.

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