Belgische Rotaugen mit Luc Thijs - Teil 2

  • von David Möller
  • 13. Februar 2017 um 12:00
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Im zweiten Teil der Berichtserie: „Belgische Rotaugen mit Luc Thijs“, geht es um die Futterzubereitung, die anvisierte Taktik.

Wie im ersten Teil bereits erwähnt wurde, verwenden Belgier häufig Taubenmist als Futterzusatz in Verbindung mit Mückenlarven als Hauptköder am Haken (Vers de Vase) und im Futter (Fouilles) und am Haken. Gehen wir mit der Futterzubereitung chronologisch vor. Luc vertraut Sensas Futter und setzt heute auf einen Mix aus 2 Teilen Gros Gardon und 1 Teil Etang.

Futtermischung für den Tag.

Dazu gesellt sich noch der bereits angekündigte „frischen“ Taubenmist (1 kg). Es gibt im auch Handel getrockneten Taubenmist zu kaufen, der sei jedoch nicht so geeignet verriet Luc mir. Einige seiner Kollegen bevorzugen frischen Taubenmist aus dem Winter, da die Tauben dort anders gefüttert werden. Für Luc spielt dies allerdings keine Rolle ihm ist es egal, getreu dem Motto „frisch“ muss er sein. Luc hat den Taubenmist gestern Abend aus dem Tiefkühler genommen und daher besitzt er nun die optimale Konsistenz.

Typisch belgische Set-Up Mücken, Taubenmist, Caster.

Futterzubereitung

Der Taubenmist wird in einen separaten 17L Eimer überführt und muss mit Wasser sämig gerührt werden bevor er unter das Futter gemischt wird (ähnlich wie TTX-Mais). Auf 1 Kg Taubenmist kommen ca. 1.5 L Wasser. Viele Angler rühren den Taubenmist mit einem Stock, dem Quirl oder mit Handschuhen glatt, Luc jedoch nicht. Ehe man sich versehen konnte hatte er seine Flossen im Taubenmistbrei. Harter Typ dachte ich mir, er verriet mir aber, dass er schon so oft mit Taubenmist geangelt hat und entsprechend die Scheu verloren hat. Einfach schnell die Hände waschen und gut ist. Intensiv gerochen hat der Brei übrigens nicht, eigentlich ist er nahezu geruchslos.

Futterzubereitung Futterzubereitung 

Der homogenisierte „Taubenmistbrei“ muss bevor er aufs Futter kommt, durch ein 3mm Sieb gestrichen werden, damit grobe und sättigende Sämereien wie Mais, Weizen, Erbsen, Sonnenblumenkerne etc. sowie Federn zurückbleiben. Dort findet sich eben alles was die Tauben an Futter bekommen.

Der Taubenmistbrei wird durch ein 3mm Sieb gestrichen Der Taubenmistbrei wird durch ein 3mm Sieb gestrichen Taubenmist als Futterzusatz

Auf die Frage warum Taubenmist als Futterzusatz verwendet wird antwortet er mir, dass eben über den Kanälen sehr viele Brücken sind an denen sich Tauben oftmals bevorzugt aufhalten. Dort fällt der Mist dann ins Wasser und die Rotaugen scheinen den Mist dort kennen und lieben gelernt zu haben. Außerdem würden unsere belgischen Nachbarn ihn nicht verwenden, wenn die Kombination aus Taubenmist, Futter und Mückenlarven nicht funktionieren würde.

Einfluss des Taubenmists auf das Futter

Ich kenne Sensasfutter eher als vergleichsweise leichtes und lockeres Futter mit mittlerer Bindung, dass im fließenden Wasser mit Terre de Rivere oder ähnlichem beschwert werden sollte. Das Futter von Luc ist das mit Taubenmist angerührt worden ist, ist vergleichsweise „pappig“ und gut bindend. Ich bin der Meinung, dass der Taubenmist dem Rotaugenfutter eine geeignete Bindung verleiht die man hier im Rahmen dieses Berichts nur schwer beschreiben kann. Von den Eigenschaften erinnert es mich an ein eher passives Brassenfutter. Es macht auch Sinn, ein gut bindendes Futter zu verwenden da so die Mückenlarven nach und nach erst freigegeben werden.

Die Kombination aus Rotaugenfutter Taubenmist und Mückenlarven ist einfach eine sehr stimmige Mischung. Der Taubenmist verleiht dem Futter eine optimale Bindung, so dass voraussichtlich über einen längeren Zeitraum die Mückenlarven nach und nach freigesetzt werden und das Futter passiv am Grund liegt.

Taktik und Vorbereitung der Startfütterung

Viele werden sich jetzt fragen, ein passives Futter für Rotaugen? Es wird doch immer die Meinung vertreten bzw. suggeriert, dass Rotaugen mit aktiven Futtersorten angelockt und beangelt werden sollen. Eine klassische Taktik auf die Rotaugen in der Ruhr (meinem Heimatgewässer) sieht so aus, das mit einer kleinen Startfütterung bestehend aus 2-4 Ballen (Apfelsinen) begonnen wird und im Verlauf des Angelns kontinuierlich mit kleinen Portionen nachgefüttert wird. Dadurch wird eine Futtersäule im Wasser erzeugt, die die Rotaugen anlocken und am Futterplatz halten soll. Häufig wird auch von aktivieren des Futterplatzes durch Nachfüttern gesprochen. Daraus könnte man ableiten, dass Rotaugen weniger scheu sind und spaß an Action haben und sich unter den eben genannten Bedingungen wohlfühlen. Lucs Taktik auf Rotaugen zu angeln widerspricht meiner bisherigen Erfahrung und Vorstellung jedoch völlig.

Das ist nicht wunderlich da in Beginn von Teil 1 bereits erwähnt wurde, dass die Belgier sich an das Fressverhalten der Rotaugen sehr angepasst haben. Luc verriet mir, dass die Rotaugen in diesem Kanal sehr sensibel auf äußere Einflüsse reagieren. Der Fangerfolg hängt vom Wetter, der Schifffahrt und vor allen Dingen vom Geschehen (!) am Futterplatz ab. Der Futterplatz muss passiv sein und eine Wolkenbildung ist sogar entsprechend Kontraproduktiv. Alles was Unruhe am Futterplatz erzeugt muss vermieden werden. Man kann sagen, dass die Ruhe am Futterplatz mit der Fischgröße und dem Fangerfolg nahezu korreliert. Je ruhiger der Futterplatz desto größer werden die Rotaugen. Die Taktik von Luc ist sehr präzise auf die scheuen Rotaugen abgestimmt.

Bevor die Mückenlarven ins Futter kommen müssen diese getrennt werden. Luc verwendet dafür trockene Terre de Somme bzw. Lehm. Die Mücken wandern ins Futter werden untergerührt.

Die kleinen Mückenlarven müssen noch getrennt werden

Luc trennt die Larven mit trockener Terre de Somme Die Erde wird vorsichtig unter den Larven vermischt Um auch die letzten Larven zu trennen verreibt Luc das Gemisch vorsichtig zwischen den Händen
Die Larven sind nun getrennt und können ins Futter 90 Prozent der getrennten Larven werden zum Start gefüttert Ein kleiner Rest verbleibt zum Nachfüttern

Bei der Startfütterung werden direkt 90-95% des Futters versenkt, 10% hält er als Reserve zurück, falls die Rotaugen heute doch auf Futter reagieren sollten, wovon nicht auszugehen ist. Der größte Fehler der an diesem Kanalabschnitt begangen wird ist der, dass zu viel und häufig nachgefüttert wird verriet mir Luc. Er sagt man sollte sich lieber aufs Angeln konzentrieren und sich weniger Gedanken ums Nachfüttern machen. Wichtiger ist es ständig Änderungen am Set-Up und dem Angelntechnik selbst vorzunehmen wie z.B. der Angeltiefe, Montage und z.B. Köderführung denn so kann man den Fangerfolg maximieren. In der letzten Stunde des Angelns kann man mit schießen von Castern versuchen die Rotaugen zu selektieren und entsprechend größere Rotaugen so anlocken und fangen.

Als Hakenköder hat Luc heute zwei (!) Sorten Vers de Vase (Litauische und belgische) sowie Caster dabei.

Als Hakenköder hat Luc zwei Sorten Vers de Vase sowie Caster dabei. Links litauische rechts belgische Vers de Vase Signal für eine nicht optimale Mückenlarve, richtige Größe aber zu weiche konsistenz resultiert in Fehlbiss.

Mit der Qualität der Mückenlarven war er nicht ganz zufrieden. Die litauischen seien zu groß und zu weich, die belgischen hingegen zu klein. Um ehrlich zu sein habe ich mir persönlich bisher darüber keine Gedanken gemacht. Er versicherte mir, dass die Qualität der Mückenlarven sehr wichtig für den Fangerfolg ist. Ausschlaggebend für den Fangerfolg ist häufig die Größe und Konsistenz der Mückenlarve. Hier im Kanal müssen die Mückenlarven relativ hart sein und die optimale Größe besitzen. Wenn ein Rotauge beißt darf die Mückenlarve nicht direkt tot sein da sonst der folge Biss ausbleibt der durch zucken der noch lebendigen Mückenlarve provoziert wird.

Im dritten und letzten Teil der Berichtsserie Belgische Rotaugen mit Luc Thijs wird nun endlich über das Angeln selbst berichtet. Ich hoffe ich konnte euch die belgische Taktik Rotaugen zu beangeln etwas näher bringen. Take Home Message diesbezüglich sollte folgendes sein:

90-95% des Futters zu Beginn einbringen, dadurch 100% Fokus auf das Angeln legen in dem man ständig auf das Beißverhalten der Rotaugen agiert und reagiert. Sehr wichtig ist die Ruhe am Futterplatz.

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