Mit Günter Horler an der Aue - Teil 3

  • von ct Redaktion
  • 08. Juni 2017 um 13:00
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Jetzt kann das Angeln beginnen und Günter nimmt sich dazu ein Kit für die kurze Bahn. Zuerst beangelt er den Platz links von ihm und er setzt die Montage sehr vorsichtig direkt zwischen 2 Seerosen ein. Günter hält die Pose dabei 10 Zentimeter über der Wasseroberfläche, wartet kurz und lässt die Pose dann fallen. Damit fällt der Köder, in diesem Fall ein Pinkie, ganz natürlich zum Grund. Oft stehen die kleinen Rotaugen etwas über dem Grund und verfolgen den absinkenden Köder zum Grund, um ihn erst dort zu fressen. Ein 10 Zentimeter über dem Grund angebotener Köder fängt dagegen nicht so gut. Ab jetzt hat Günter eine Drifft von 30 Zentimetern. Nach einer ersten erfolglosen Drift setzt Günter die Montage erneut sauber ein. Es folgen dann circa 7 weitere erfolglose Driften bevor Günter auf den 2. Platz rechts von ihm wechselt. Dieser Platz befindet sich zwischen 2 Krautbänken. Auch hier setzt er die Pose sorgfältig ein und bereits bei der ersten Drift taucht die Pose seitlich ab und ein erstes kleines Rotauge gleitet in den Kescher. 

die Pose läuft über den Futterplatz

In den nächsten 30 Minuten sammelt Günter 23 weitere Fische auf der kurzen Bahn ein. Das ist nicht besonders viel und hängt laut Günter mit dem unvorsichtigen Fotografen, der am Ufer herumtappst zusammen. 

Günter wechselt auf die 6m Bahn. Bei einer Veranstaltung würde er das nicht machen, aber die kurze Bahn produziert heute nicht genug Fische und die 11 Meter Bahn möchte er noch in Ruhe lassen. Auch auf der 6 Meter Bahn investiert er sehr viel Zeit in die Köderpräsentation. Hierzu hält er den Köder wieder 10cm über der Wasseroberfläche und lässt ihn dann die letzten 10 Zentimeter möglichst natürlich auf den Futterplatz fallen. Präzision ist hier sehr wichtig, es gilt den Köder direkt auf den Futterplatz fallen zu lassen. Nicht davor und nicht dahinter, sondern mitten auf das Futter. Der Köder sollte dabei möglichst natürlich fallen. Bekommt Günter keinen Biss, dann hält er die Pose in der Drifft kurz an und zieht leicht gegen die Strömung. Der Köder steigt bei der Aktion auf und schwebt jetzt über dem Grund. Jetzt lässt Günter die Montage wieder los und der Köder sinkt wieder möglichst natürlich zu Boden. 

Ein sauberes Einsatzen der Pose ist in jedem Gewässer sehr wichtig

Am Ende der Drift schlägt Günter übrigens immer an, egal ob er einen Biss sieht oder nicht. Teilweise nehmen die Fische den Köder auf und schwimmen mit der Pose mit, diese Fische fängt Günter dann mit seinem „blinden“ Anschlag. 

In der zweiten Drift fängt Günter einen kleinen Gründling und trotz der kleinen Fischgröße kommt sein Gummizug dabei 40-50cm aus der Rute und das bei einem 0,8mm Gummizug. Nach 10 weiteren Minuten und 3 weiteren Fischen beschließt Günter auf die 11 Meter Bahn zu wechseln. 

Ein kleiner Barsch von der 6m Bahn

Er angelt sofort mit dem 2,6 Gramm Shark Rig. Die Montage ist mit einem 2er Bulk aus 10er Schroten 25 Zentimeter vom Haken und einem Bulk weiteren 15 Zentimetern über dem ersten Bulk ausgebleit. Günter startet sofort mit 2 toten Maden am 18er Haken. Er führt die Pose dabei mit ungefähr einem Drittel der Fließgeschwindigkeit über den Platz, die Montage ist dabei 10 Zentimeter übertief ausgebleit. Damit läuft der große Köder sehr langsam über den Grund und wird bei der dritten Drift von einem Fisch genommen. Das Gummi schießt sofort 8m aus der Rute, Günter hat wirklich einen den großen Auefische ans Band gebracht. 

unglaublich - beim ersten Einsatzen schiesst das Gummi aus der Rute

„Wusstest Du, dass das so passiert Günter?“ fragte ich erstaunt. Günter antwortete zufrieden „Du hast nach einem Artikel über das Selektieren von großen Fischen gefragt und hier ist einer“. 

Günter erklärt, dass er immer zuerst das positive/schwere Rig ausprobiert, um zu schauen, ob die großen Fische sich am Futterplatz eingefunden haben. Heute hat das geklappt, was die nun circa 15m Gummizug zeigen, die aus Günters Rute gerissen wurden. Günter drillt den Fisch über die kompletten 11m der Rute für circa 5 Minuten und er lässt sich Zeit, denn er weiß, dass er das 7er Vorfach nicht überlasten darf. „Ich habe zur Zeit keine Kontrolle über den Fisch, aber wenn er nicht gehakt ist, dann kann er mir eigentlich nicht entkommen“.

Stück für Stück holt Günter das Gummi ein und dirigiert den Fisch so zum Kescher

Günter wartet bis der Fisch erste Zeichen von Erschöpfung zeigt und führt erst dann die Rute langsam zurück um den Fisch mit dem Puller Kit auszudrillen. Er zieht nun Stück für Stück Gummi über das Puller Kit ein und kann so nach circa 10 Minuten einen schlanken Brassen um die 3 Kilogramm keschern.

ein aufregender Moment - der erste große Fisch kurz vorm Kescher

Der Fisch hat gerade erst abgelaicht und wiegt normalerweise ein Kilogramm mehr. Fische solcher Größe lassen sich ohne das perfekte Gerät kaum fangen und landen. Die Konstellation Puller Kit und dünnes Hollow sind dabei in diesem Fall der Schlüssel zum Erfolg. 

Brassen Nummer 1 ist gelandet

In den nächsten Minuten fängt Günter noch 3 keine Fische auf diese Montage und ich bin ehrlich gesagt sehr überrascht, dass die kleinen Fische diesen großen Köder nehmen. Bei meinen wenigen Tripps zur Aue habe ich keinen größeren Köder als ein Pinki geangelt, meistens habe ich sogar mit einem halben Pinki oder einem Squatt geangelt, von zwei Maden hätte ich nie geträumt! 

große Köder - kleine Fische

Nach 5 weiteren Minuten ohne Fisch holt Günter die Montage ein und ich gehe fest davon aus, dass er jetzt die leichtere 1 Gramm Montage nimmt. Doch weit gefehlt, Günter ködert eine weitere Made an und angelt jetzt mit 3 Maden! 

Ich bin jetzt komplett verwirrt und bitte Günter um eine Erklärung! Ganz ruhig und voller Selbstverständnis erklärt Günter mir. 

in einer Beisspause wird Günter aktiv und wechselt auf einen größeren Köder

„ Wenn der Rhythmus aufbricht und man keine kleinen Fische mehr fängt, dann hängt es meistens damit zusammen, dass die großen Fische am Platz sind und die kleinen Fische verdrängt haben“ 

Günter setzt die Montage ein und in der ersten Drift schießen wieder 15m Gummizug aus der Rute und Günter hat den nächsten großen Fische an der Leine. Beeindruckt stelle ich fest, dass Günter wirklich versteht, wie das Angeln hier an der Aue funktioniert. 

Brassen Nummer 2 -dieses Mal etwas kleiner

Die nächste Stunde geht dann so weiter. Erst ein paar kleine Fische und dann das nächste Kamel. Das geht so bis zum 4ten Brassen weiter, dann entscheidet Günter sich dazu nachzufüttern. Günter geht davon aus, dass viele große Brassen in der Nähe sind und bereits viel von dem Futterballen und Ködern aufgefressen haben. Um den Platz attraktiv zu halten hat er sich zum riskanten Nachfüttern entschlossen.

Nummer 4 ist unterwegs

Das Risiko wird belohnt und Günter kann zwei weitere Brassen fangen. In der letzten Stunde scheinen die großen Fische den Platz verlassen zu haben und jetzt kommt die 1 Gramm Montage zum Einsatz und der Meisterangler kann noch 20 weitere kleine Fische fangen. Mit 6 großen Brassen und vielen kleinen Fischen entschließen wir uns dazu das Angeln für heute zu beenden. 

ein besserer Fisch auf der 1 Gramm Montage

Günter ist mit dem Fang wirklich happy und weiß einzuordenen, dass er mit einigen Mann in der Reihe mit mehreren Anglern natürlich keine 6 Brassen gefangen hätte. Er ist sich aber auch sicher, dass er in Reihe 1-2 Brassen an die Leine bekommen hätte. Diese hätte er dann Dank seines perfekten Setups wahrscheinlich auch landen können. Wirklich beeindruckt war ich von dem Verständnis welches Günter für die Aue hat. Günter weiß, wann er auf welcher Spur zu angeln hat. Genau dieses Verständnis ist es, welches die Topangler von uns „normalo“ Anglern unterscheidet, genau dieses Verständnis macht sie zu besseren Anglern. Mir hat dieses Angeln viele neue Eindrücke gebracht und ich bin gespannt sie bei meinem nächsten Angeln an der Aue umzusetzen.

Was für Fische von einem der besten Matchangler Deutschlands

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