Kleinfischfront - Kleine Fische werden groß

  • von René Schulze
  • 26. Juli 2017 um 13:00
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Kleine Fische werden groß... heißt ein den älteren unter uns sicher noch bekanntes Lied von Vader Abraham. Im Lied geht es darum, dass die kleinen Fische noch wachsen müssen, aber so lange können wir beim Angeln meist nicht warten. Wie man mit einfachen Mitteln beim Stippen dennoch an etwas größere Exemplare herankommt, habe ich unlängst an einem kleinen Weiher ausprobiert.

Es war ein heißer Tag Ende Mai so um die Mittagszeit als ich kurz entschlossen die wichtigsten Angelutensilien ins Auto packte und zu dem kleinen Weiher fuhr, an dem ich schon mehrere Male vorbei gefahren bin und der mich neugierig gemacht hatte. Das Ufer war stipperfreundlich, was für mich bedeutet, dass ich hinter mir 10 m Platz habe, den Abroller und die lange Kopfrute aufzubauen. Außerdem war ich natürlich neugierig, welche Fische ich in dem für mich noch unbekannten  Gewässer erwarten kann.

Am Weiher angekommen, suchte ich mir eine passende Stelle heraus und baute die Ausrüstung auf. Ich war immer noch gespannt darauf, welche Fische ich in diesem recht kleinen, mit einigen Seerosenfeldern und Unterwasserpflanzen bestückten Gewässer fangen könnte, als ich mitten in diesem Gedankengang von einem großen „Platscher“ aufgeschreckt wurde. Da ich zufällig in Richtung Wasserfläche schaute, konnte ich den etwa ein Kilogramm schweren springenden Karpfen gut sehen.  Schön, dachte ich mir, wenigstens ein größerer Fisch ist in dem Teich drin! Aber Spaß beiseite. Natürlich können Kleingewässer so manche Überraschung bieten, aber die Erfolgsaussichten sinken bekanntlich meist mit zunehmender Fischgröße.

Der Angelplatz ist vorbereitet.

Obwohl ich gewarnt war, wollte ich kein schwereres Gerät aufbauen, so dass es lediglich bei einem Topkit mit 0,5 g Pose und 20er Haken am 0,07er Vorfach sowie meinem Cupping-Kit blieb. Ich wollte Kleinfische fangen und dabei möglichst die größeren Exemplare überlisten. Bereits beim Ausloten wurde ich allerdings enttäuscht, denn mehr als 70 cm Wassertiefe konnte ich nirgends (nicht mal auf 13 m) erreichen. Nach dieser Erkenntnis wählte ich die bequeme Rutenlänge von 9 m, weil ich vermutete, dass ich in geringerer Entfernung zum Ufer wegen des relativ klaren Wassers kaum Chancen auf größere Fische haben würde.

Die Wahl der Futterstellen kann sehr entscheidend für den Erfolg sein.

Ich wollte eigentlich zwei Futterstellen parallel zum Ufer auf 9 m anlegen, aber das Unterwasserkraut neben dem Seerosenfeld verhinderte dies, so dass ich es zunächst mit einer Stelle im Spiegelbild der gegenüberliegenden Fichte (gute Markierung)  versuchen wollte.

Was das Futter anbelangt, so habe ich ein Allroundfutter für stehende Gewässer gewählt, welches ich zu gleichen Teilen mit leichter Erde gemischt und anschließend sehr fein gesiebt habe, so dass keine gröberen Partikel mehr enthalten waren, die die wahrscheinlich nicht allzu großen Fische unnötig sättigen könnten.
Bei der Startfütterung war ich auch recht sparsam mit der Zugabe von Lebendködern, denn ich wollte erst einmal sehen, wie viele Fische welcher Art und Größe zum Futterplatz kommen. Ich cuppte zwei gedrückte Bälle mit ein paar Pinkies, Maden und Castern und schüttete danach noch einen Cup loses Futter mit wenigen Maden und Pinkies über dem Futterplatz aus.

Die Futterwolke zeigte ihre Wirkung, denn keine 5 Sekunden nach dem ersten Einsetzen der Montage, die mit einer einzelnen Made bestückt war, tauchte die Pose ab. Kurz danach hielt ich eine 10-Gramm-Rotfeder in der Hand, die sich mit Mühe die Made reingewürgt hatte. Die nächsten Einsetzungen der Montage brachten das gleiche Ergebnis. Die kleinen Rotfedern hatten den Futterplatz vereinnahmt und schnappten gierig nach meinem wegen einiger Fehlbisse mittlerweile mit einem Pinky bestückten Haken.

Kleine Rotfedern dominierten am Futterplatz.

Ich begann nun, die Montage ein bis zwei Meter neben dem Futterplatz einzusetzen, um auf diese Weise vielleicht einem scheueren und etwas größeren Fisch die Chance auf einen Anbiss zu geben. Aber auch hier waren die Rotfedern schneller und bestimmten vorerst das Geschehen.

Durch das Gewusel aufmerksam geworden, mussten sich sicher irgendwann auch größere Fische am Platz einstellen, das war mir klar. Aber ich wollte diesen Vorgang ein wenig beschleunigen und überlegte, welche Optionen ich mit den von mir mitgebrachten Ködern und Montagen hatte. Zuerst probierte ich einen Caster aus. Mit der Startfütterung hatte ich ja auch einige mit eingebracht, so dass diese mit auf der Speisekarte standen. Wahrscheinlich wieder eine neue Made oder einen Pinky erwartend, verschmähten die Fische den Caster erst einmal eine Minute lang. Dann tauchte die Pose unter und das erste Rotauge zappelte an der Angel. Es sind also doch noch andere Fische am Platz, die sich allerdings noch nicht richtig trauten, ins Geschehen einzugreifen.

Dass man die Caster auch fressen kann, hat sich im Folgenden auch bei den Rotfedern rumgesprochen und diese Option war keine wirklich gute mehr. Ich hatte nun mit mehr Fehlbissen zu kämpfen und war gezwungen, erneut zu handeln. Die  unzähligen Rotfedern mussten so weit wie möglich das Interesse am Futterplatz verlieren. Im Klartext bedeutete das, dass alles, was zappelt und die Aufmerksamkeit erregt, unterlassen werden musste. Nachfüttern mit Futter war tabu, weil die erneut aufsteigenden Partikel sowie die Wolkenbildung die Kleinfische weiterhin aktiviert hätten. Lebende Maden und Pinkies hätten durch ihr Zappeln die gleiche Wirkung erzielt.

Der Plan hieß tote Maden! Ich habe fast immer welche dabei, wenn ich angeln gehe, denn sie erst am Wasser zu töten ist umständlich. Man muss dann entweder heißes Wasser mitführen oder sie mit der Rollmethode töten. Bei letzterer rollt man sie unter Druck der flachen Hand über ein Madensieb o.ä. Eine einzelne Made unter Druck des Zeigefingers über den Oberschenkel zu rollen, ist allerdings eine gute Möglichkeit, einen frischen und unbeweglichen Hakenköder zu erzeugen. Ich selbst bevorzuge der Bequemlichkeit halber die Einfriermethode. Maden, die ich vom Angeln übrig habe, werden noch einmal gesäubert und dann in einem kleinen Fleischsalatbecher eingefroren. Je nach Belieben kann man vor dem Einfrieren auch noch ein wenig Lockstoff über die Maden gießen, der dann während des Gefriervorganges in die Maden einzieht.  Nach dem Auftauen, welches am besten durch frühzeitiges Rausnehmen der Schachtel aus der Truhe erfolgt, haben die Maden eine goldgelbe Farbe und sind ansonsten noch sehr ansehlich in ihrer Form.

Eine aufgetaute und noch lebendige Made im Vergleich.

Tote Maden lassen sich sehr gut an den Haken bringen und stellen vor allem für Fische, die vorsichtig sind und den Köder ruhig einnehmen wollen, eine gute Variante dar. Des Weiteren bleiben sie am Grund liegen und verkriechen sich nicht im Schlamm. Ich füllte also meinen Polecup mit etwa 100 toten Maden, schob die Rute über den Futterplatz und schöpfte dann noch etwas Wasser ein, um die Maden beim Ausgießen besser verteilen zu können. Den Haken bestückte ich auch mit einer einzelnen toten Made.

Die tote Made am Haken sieht noch recht frisch aus.

Ich stellte die Montage 5 cm tiefer, so dass sie leicht auf dem Grund auflag und somit von den am Grund liegenden Maden nicht zu unterscheiden war. Nun hieß es warten. Ich musste den scheueren und größeren Fischen die Zeit geben, ein paar tote Maden zu fressen und sich auf dem  nun etwas weniger hektischen Platz einzufinden. Sicher waren die Rotfedern noch da, aber nicht mehr so gierig, weil nun weniger Anreize da waren, schnell zuschnappen zu müssen. Als sich nach zwei Minuten nichts tat, hob ich die Montage noch einmal hoch um zu sehen, ob sie sich vielleicht im Kraut verfangen hatte. Nach dem erneute Absenken und ein paar Sekunden Wartezeit driftete die Pose schräg weg, und nach dem Anhieb fing ich eine kleine Güster. Danach folgte wieder eine Rotfeder, die sich die im Absinken befindliche tote Made  einverleibt hatte. Das konnte und musste immer wieder mal passieren und war aber nicht so schlimm, denn das Angeln wurde trotzdem merklich ruhiger und entspannter. Das dritte Einsetzen brachte dann endlich das zweite Rotauge.

Das erste mit einer toten Made gefangene Rotauge.

Danach fing ich auf diese Weise im Wechsel mit je ein oder zwei kleinen Rotfedern noch weitere 3 Rotaugen. Danach war wieder eine kurze Beißpause von vielleicht vier Minuten. Die Pose tauchte wieder ab und ein deutlich größeres Rotauge wehrte sich vehement an der Montage. Dieses Mal musste ich den Kescher benutzen und landete den Fisch sicher.

Wie eingangs erwähnt, war es ein heißer Tag und ich beschloss zusammenzupacken, denn einen Sonnenbrand musste ich trotz der jetzt besseren Fische aber der vergessenen Sonnencreme nicht haben. Ich war zufrieden, denn die Veränderung der Taktik hatte Erfolg gezeigt und das ist doch der Grund, warum wir angeln gehen. Oder wer von euch ist denn bereits zufrieden, wenn er sich nur an der Natur erfreuen kann?

Die kleine Ausbeute nach knapp zwei Stunden Angelzeit.

P.S.: Als ich begann, vor mehreren Jahren diese Webseite mit Begeisterung zu lesen, wurden noch regelmäßig Kommentare von den Lesern geschrieben. Was meinen Artikel betrifft, so glaube ich, dass erfahrenere Angler bestimmt noch andere Tipps und Tricks auf Lager haben, um größere Fische zu selektieren.

 Bis bald irgendwo am Wasser!

Die Leser dieses Artikels und ich sind neugierig auf eure Kommentare und Ratschläge. Behaltet nicht alles für euch, sondern gebt etwas zurück, denn die Redakteure dieser Seite geben sich auch viel Mühe und nehmen sich viel Zeit und Geld, um uns immer wieder mit interessanten Tipps und Neuigkeiten zu erfreuen.

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