Im Test - Daiwa Tournament Pro X

  • von ct Redaktion
  • 22. August 2012 um 15:34
  • 2

Die Rutenentwicklung der letzten Jahre scheint ein wenig stillzustehen und doch hat sich das Drumherum entscheidend geändert. Die Produktionsverschiebung Richtung Asien brachte Kopfruten hervor, die vor wenigen Jahren noch ein Vielfaches gekostet hätten. Außerdem änderte sich offensichtlich der Anspruch der Käufer. Sogenannte Allroundruten sind gefragter denn je. Möglichst soll vom See bis großem Strom alles mit einer einzigen Rute befischt werden. Auch Eindrücke aus England schwappen immer wieder zu uns herüber und der eine oder andere hat schonmal an einem Carpodrom oder See mit Karpfenbesatz gefischt, ohne sich gleich eine neue Rute zu kaufen. Trends und Methoden kommen häufig aus England herüber und werden mehr oder weniger erfolgreich adaptiert. Allerdings werden die wenigsten von uns jemals das Gerät in der Hand gehabt haben, mit dem Größen wie Will Raison oder Steven Ringer ihre Wettkämpfe bestreiten.

Umso erfreulicher, dass die deutsche Daiwa Cormoran Vertretung es uns ermöglicht hat, einen Produkttest der vermutlich beliebtesten Rute Englands zu machen. Wie sich die Daiwa Tournament Pro X abseits von englischen Commercials schlägt, könnt ihr im Folgenden lesen.

die Daiwa Tournament Pro X
Die Daiwa Tournament Pro X


Lieferumfang:

  • 13m Rute
  • 3 zusätzliche 5-teilige Matchkits
  • 2 Puller Kits
  • Mini-Extension
  • T-cupping Kit
  • Rutenfutteral


Futteral:

Daiwa schickt dem Kunden die Kopfrute in einer schwarzen Rutentasche mit silbernem Frontaufdruck zu. Die Ecken sind dick gummiert und schützen somit den wertvollen Inhalt effektiv. Der Tragegriff sowie der Schultergurt sind dick gepolstert und ermöglichen einen angenehmen Transport auch über weite Strecken. Neben der Hauptkammer verfügt das Futteral noch über eine große Seitenkammer sowie zwei aufgesetzte Taschen für Abroller, Banksticks oder ähnliches Zubehör. Die großen Reißverschlüsse passen zum insgesamt sehr hochwertigen Eindruck. Rute sowie Kits werden zusätzlich durch blaue und sehr stabile Kunststoffrohre geschützt. Die Extension wird im Stofffutteral geliefert.

Das Futteral
Das Futteral - vergrößern -


Rute:
Daiwa baut viele seiner Ruten in Schottland auf ein und demselben Mandreel. So sind neue Ruten stets kompatibel mit älteren Modellen. Selbst Besitzer von Ruten der ersten Generation aus dem Jahre 2004 können so eine neue kompatible Rute kaufen und bereits vorhandene Kits und Teile nutzen.
Die Rutenlänge der Tournament Pro X gibt Daiwa mit 12,7 Meter und das Rutengewicht mit geringen 815g an. Direkt nach dem ersten Auspacken werden diese Werte überprüft und stimmen mit realen Messungen zu 100%  überein. Mit den Standard-Matchkits sollen Gummizüge bis no.16 problemlos gefischt werden können.

Die Rute ist klassisch 9-teilig aufgebaut. Sie wirkt optisch schlicht und edel, britisches Understatement eben. Nur das 13m Handteil und die Miniextension sind silbern lackiert und weisen einen dezenten Schriftzug auf. Alle anderen Teile sind in schlichtem Schwarz gehalten.

Natürlich hat auch Daiwa die sog. Jointline markiert. Hierzu dienen rote Dreiecke, die die optimale Steifigkeit der Rute garantieren sollen.

Das Handteil ist silbern lackiert

Das Handteil ist silbern lackiert - Slideshow -

Als Besonderheit der aktuellen Generation weist Daiwa auf eine selbst-entwickelte Lackierung der Teile 8 und 9 hin, Namens Diamond Satin finish. Durch Micropartikel sollen sich winzige Luftpolster in den Zwischenräumen der Oberflächenstruktur bilden und somit dafür sorgen, dass die Rute optimal durch unsere Hände gleitet.

Spezielle Lackierung der Teile 8 & 9 \"Diamond Satin\"  
Rote Dreiecke - die Jointline
Spezielle Lackierung "Diamond Satin"  
    Rote Dreiecke markieren die Jointline

Das dritte Teil gibt es auch als Puller Kit
Das dritte Teil gibt es auch als Puller Kit - vergrößern -


Das Cuppingkit ist zweiteilig ausgelegt und ersetzt die ersten drei Teile des Matchkits. Ein Cup selber liegt nicht bei. Die Miniextension kann in das 11m sowie 13m Handteil gesteckt werden.

Vorbereitungen:
Für einen Kopfrutentest habe ich bereits im Vorfeld überlegt, wie eine Rute zu messen sei. Für mich steht fest, dass nur die Praxis zählt. Somit werde ich jetzt und in Zukunft eine Rute immer mit einer internen 2,0 mm Hülse versehen. Auf diese Weise ist gewährleistet, dass die gebräuchlichsten Gummizüge (bis no.10) montiert werden können und sauber arbeiten. Die Spitzen sind daher bei der gleichen Rute immer identisch lang, egal ob im See oder im Fluss gefischt wird.

Bei der Pro X benötige ich allerdings schon ordentlich Überwindungskraft diese Vorgabe in die Tat umzusetzen. Die dünn zulaufenden Spitzen sind original ca. 90 cm lang, nach mehreren Schnitten fürs Einpassen der Hülse bleiben davon aber nur ca. 22cm übrig. Als ich die „Spitzenstümpfe“ in der Hand halte, stellt sich schon ein flaues Gefühl in der Magengegend ein. Bevor es also weiter ans kürzen geht, vermesse ich lieber die Kits und kontrolliere die Länge. Ein klein wenig erleichtert bin ich schon, als die Messung ergibt, dass die Kits sogar ohne Spitze 5,40m lang sind. Mit enorm gekürzter Spitze stehen also knapp über 5,60m zur Verfügung. Das reicht für eigentlich alle mir bekannten Gewässer. Für die Karpfenangelei mit dicksten Gummis kann die Spitze natürlich komplett weggelassen werden, sofern direkt in das zweite Teil eine interne Hülse gesteckt wird

Nach dieser Radikalkur vermesse ich anschließend lieber nochmal die Rute. Sie ist nun 12,09m lang. Zusammen mit der beigelegten Miniextension wird eine Länge von 12,9m erreicht. Ein sehr guter Wert.
Testweise schneide ich noch eine Spitze für eine 2mm externe Hülse zurecht, mit der ich früher Gummizüge bis 1,2mm gefischt habe. Satte 40cm mehr stehen zur Verfügung, das Kit wäre also genau 6m lang.

Praxisbericht:
Nur zwei Tage später bietet sich die erste Gelegenheit, sich intensiv mit der Rute zu beschäftigen. Eine Woche Urlaub am Kanaal door Voorne in Holland steht an. Bekannt für seine kampfstarken Brassen habe ich mich für Gummizüge der Stärke 1,2mm (no.8) entschieden. Am Wasser angekommen schnell die Kiepe, Abroller und Zubehör aufgebaut und zum ersten mal die Kopfrute zum Praxistest zusammengesteckt. Natürlich nehme ich mir erst ein wenig Zeit, ein Gefühl für die Rute zu entwickeln.

Das geringe Gewicht macht sich auch in der Balance bemerkbar. Die Rute ist sehr gut ausbalanciert und liegt sofort gut in der Hand. Von Kopflastigkeit keine Spur. Man bemerkt einfach, dass die Rute für eine Länge von 16m konzipiert wurde. Die Aktion der Rute ist definitiv als steif zu beurteilen. Kein Durchbiegen, wie ich es eigentlich von einer Rute erwartet habe, die im Heimatland auf dicke Karpfen eingesetzt wird. Trotz des sehr leichten Gewichts macht die Rute einen stabilen, eher noch robusten, Eindruck.

Die Aktion der Rute ist definitiv als Steif zu beurteilen - vergrößern -


Erste „Druckversuche“ am Handteil zeigen, dass das Carbon nur wenig nachgibt. Außerdem kann ich nun nachvollziehen was Daiwa unter Diamond Satin versteht. Die Lackierung fühlt sich tatsächlich seidenweich an und das Herausschieben der Pole gelingt außerordentlich geschmeidig. Die Rute gleitet perfekt durch die Hände. Ähnlich verhält es sich (später) im Starkregen. Im komplett nassen Zustand gleitet die Rute sehr gut durch die Hände. Allerding tritt der kritische Moment bei Kopfruten meist erst auf, wenn Rute und Hände langsam trocken werden. Dann kommt es meist zu Stockungen, ein gleichmäßiges Rausschieben der Rute wird problematisch. Dies tritt auch bei der Tournament Pro X auf. Allerdings nur beim Rauschieben der ersten Teile. Die beiden 11 und 13 Meter Handteile gleiten dafür umso besser. Das fällt positiv auf. Bisher ist es meiner Erfahrung nach noch keinem Rutenbauer gelungen eine Rute so zu lackieren, dass es im trocken/feuchten Zustand gar keine Probleme im Handling gibt.

Die Rute gleitet perfekt durch die Hände
Die Rute gleitet perfekt durch die Hände


Nach einer ausgiebigen Anfangsfütterung ist erstmal Sendepause angesagt. Die Fische benötigen immer ein wenig Zeit um auf den Futterplatz zu ziehen. Nach ca. 60 Minuten ein erster Biss, quittiert mit einem vorsichtigen Anschlag. Der Fisch sitzt. Nun macht sich die Idee des starken Kürzens und die steife Aktion der Rute bezahlt. Das Gummi schießt mehrere Meter aus der Spitze. Langsam und noch ein wenig zaghaft schiebe ich die Rute nach hinten. Selbst mit Fisch im Drill weist die Rute nur wenig Aktion auf und ich habe stets das Gefühl den Fisch unter Kontrolle zu haben. Beim Kit angekommen erfolgt das Abstecken und der Drill der knapp 3-4 pfündigen Brasse wird per Topkit fortgesetzt. Dies ist ebenfalls enorm steif und das Material erlaubt es fest zuzupacken. Der erste Fisch der Woche ist im Kescher.

Eine kräftige Brasse landet nach kurzem Drill im Kescher
 Große Brassen stellten den ersten Härtetest für die Daiwa Tournament Pro X - vergrößern -


Im Laufe des Tages werde ich immer vertrauter mit der Rute und die erste Vorsicht ist abgelegt. Gerade im Drill stellt sich die Steifigkeit und Kraft der Rute als ideal heraus. Das weich eingestellte Gummi arbeitet perfekt und in der Endphase des Drills kann richtig Druck mit dem Kit gemacht werden um den Fisch über den Kescherkopf zu bugsieren.
 
Während der Woche wird das Wetter immer schlechter und windiger. Bereits am zweiten Tag ist Fischen bei Seitenwind in Stärke 4 angesagt. Nicht gerade optimale Testbedingungen, aber auch hier muss die Pro X beweisen, was in ihr steckt. Natürlich zaubert die Rute keine Böen weg oder minimiert die Kräfte, die durch den Wind auf die Rute einwirken, allerdings kann die Rute durch ihr gutes Stehvermögen sehr viel ruhiger gehalten werden. Sie überträgt deshalb auch keine permanenten Schläge über die Schnur auf die Montage und so kann letztendlich der Köder auch bedeutend besser präsentiert werden. Da wegen der kurzen Bisse und zwecks perfekter Köderpräsentation mit wenig Schnur zwischen Spitze und Pose gefischt werden muss, ist auch hier die Steifigkeit ein Vorteil. Es kommt mangels Schwingungen der Rute zu deutlich weniger Verwicklungen als mit einer weicheren Rute. Insgesamt ist das Fischen mit dieser Rute, auch unter Extrembedingungen, sehr viel einfacher als mit vielen anderen Ruten. Es folgte eine Session der schnellen Kleinfischangelei mit einem auf vier Teile verkürzten Kit, bei der Schnelligkeit und Steifheit der Rute sich als optmal erwiesen. Mit einem sauber eingestellten Gummizug der Stärke 0,7mm wanderte Fisch um Fisch in den Kescher, die Rute machte dabei einfach nur Spaß.

Steif und schnell zahlten sich auch beim Kleinfischfang aus
Steif und schnell zahlten sich auch beim Kleinfischfang aus

Den Härtetest musste die Rute dann der in der Elbe bestehen, wo es in der harten Strömung u.a. auf kampfstarke Barben ging. Neben einigen strammen Güstern und Brassen bis 1.500 Gramm gingen auch einige Barben bis 2,5 kg ans Band. Die Spitze hatte ich rausgenommen, das zweite Teil mit einem Hohlgummi bestückt und es konnte losgehen. Teilweise war der Gummi so lang wie die Rute, doch nie ich hatte das Gefühl, dass das Material nicht mitspielen würde und dieser Härtetest wurde eindeutig bestanden.

Fazit:
Die Einordnung der Tournament Pro X fällt mir nicht leicht. Balance, Steifheit und Rutengewicht sprechen eigentlich für die Verwendung als reine Kanalrute. Dennoch ist es Daiwa gelungen der Rute eine unglaubliche Stabilität zu geben. Alle Teile sind Druckstabil und ich hatte im Test nie das Gefühl die Rute an die Grenzen bringen zu können. Warum diese so anders ausfällt, als die mir zuvor bekannten Ruten, kann ich dabei nichtmals genau sagen. Diese Rute verkörpert Attribute, bei denen ich zuvor gesagt hätte, dass man sie nicht miteinander kombinieren könne. Ich kenne keine andere Rute, die ab Werk die Freigabe für 16er Gummis hat und die gleichzeitig im Blindtest mit den besten Kanalruten der Welt mithalten kann.  Die Daiwa Tournament Pro X -und das möchte ich hier noch unbedingt erwähnen- stellt bei Daiwa dabei nichtmals das Topmodell dar. Darüber angesiedelt liegt die Airity, die das gleiche Finish vorweisen kann und nochmals eine Spur leichter ist.

Auch diese kräftige Barbe stellte die Tournament Pro X vor keine Probleme
Auch diese kräftige Barbe stellte die Tournament Pro X vor keine Probleme

 
Daiwa ruft für das getestete Paket der Pro X einen Preis von ca. 2.500€ auf, was auf den ersten Blick natürlich eine Menge Geld ist. Allerdings bekommt man dafür eine Rute, die zweifelsfrei mit zu den besten am Markt gehört. Sei sie nun die beste Großfischrute der Welt oder eine der besten erhältlichen Friedfischruten, diese Rute kann alles ausgesprochen gut. Die Ausstattung mit 3 zusätzlichen langen Kits ist dabei ideal. Das Wort Schnäppchen möchte ich in diesen Preisregionen lieber vermeiden. Allerdings erscheint der Preis fürs Gebotene absolut angemessen und außerordentlich fair. Deshalb eine klare Kaufempfehlung für die komplette Kopfrutenangelei!

P.s: Immer wieder habe ich Zweifel bezüglich der Ersatzteilbeschaffung vernommen. Meine Recherchen ergaben allerdings, dass die Situation einfach nur als hervorragend zu bezeichnen ist. Neben der deutschen Vertretung gibt es unzählige Shops in England, die alle Ruten- und Zubehörteile ständig auf Lager haben. Zusätzlich kann der Kunde auch direkt bei Daiwa bestellen. 

Zusammenfassend hier noch einmal die Highlights, die mich vollends überzeugt haben.

  • steife Aktion
  • perfekt ausbalanciert
  • robustes Material
  • sehr gute Oberflächenverarbeitung
  • Ausstattung, Preis/Leistung
  • wirklich überall und auf jede (Fried-) Fischart fischbar

Eine Rute, die ich nur schweren Herzens wieder abgebe, doch die nächsten Testruten warten schon darauf mit ans Wasser genommen zu werden.

Euer Markus

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2 Kommentare
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  • markush
    Bezugsquelle
    Leider habe ich deine Frage erst jetzt gesehen. Daiwa wird in Deutschland über Cormaron (Daiwa-Cormoran) vertrieben. Dort kann auch jeder Händler die Produkte bekommen.
  • Rockfish97
    Betzug "Pro x"
    Ersteinmal vielen Dank für einen weiteren Artikel, der sich in eine große Reihe einreit, die deutschlandweit in diesem Bereich ihresgleichen sucht. Hierfür möchte ich Euch größten Respekt aussprechen! Meine Frage richtet sich allerdings dahin woher ich die Rute am besten beziehe, da Daiwa meines Wissens keine Artikel in diesem Bereich in Deutschlan vertreibt?