Im Praxistest - Die Matrix Carpmaster

  • von Markus Howanietz
  • 20. November 2012 um 00:41
  • 3

Bereits vor einigen Jahren kam ich zum ersten Mal mit sog. Carpfeeder in Berührung. Bei einem international besetzten Fischen in Holland wurde mir schmerzlich vor Augen geführt, dass diese Ruten nicht nur für die englischen Commercials (englische Karpfenseen) geeignet sind, sondern auch äußerst effektiv auf Brassen im Kanal eingesetzt werden können. In diesem Fall waren die Brassen besonders heikel und verzogen sich immer wieder vom Futterplatz, der auf der 11-13m-Bahn für die Kopfrute angelegt wurde. Zugegeben, war ich anfangs ein wenig belustig über die kurzen Ruten, die eher wie Spielzeug anmuteten. Dann allerdings begann mein Nachbar kurz vor dem Futterplatz mit einem sehr leichten Grundblei zu fischen und fing immer wieder Fische, von denen ich ursprünglich nicht gedacht hätte, dass sie überhaupt noch in der Nähe wären. Versuche, diese Angelei zu kopieren, scheiterten an meiner typisch deutschen Feederausrüstung. Bleie um 10-15g konnte ich mit meiner Heavy Feeder einfach nicht sensibel genug fischen, schwerere Futterkörbe verscheuchten die argwöhnischen Fische eher.

Erste Versuche im Angelladen eine solche Rute zu bekommen scheiterten und nach und nach verschwand der Gedanke daran. Solange, bis ich auf der diesjährigen Stippermesse am Stand von Matrix eine gertenschlanke, kurze Rute erblickte.
Viel Spaß beim folgenden Praxistest!

Lieferumfang:

  • Stofffutteral
  • Rute, 2-teilig ohne Spitze
  • 2 Glasfaserspitzen im Kunststoffröhrchen 0,5 und 0,75oz
  • EVA  Transporthalterung

Branchenüblich erfolgt die Lieferung im Stofffutteral samt Kunststoffröhrchen für Ersatzspitzen.
Neu ist die EVA-Transporthalterung. Die Rutenteile werden einfach in die passenden Bohrungen des Blocks gesteckt und sind dadurch transportsicher fixiert.

Rute:  
Die Matrix Carpmaster ist eine 2+1-teilige Rute, die mit einer passenden, austauschbaren Spitze versehen wird. Dabei ist sie enorm schlank. Kurz vorm Griff weist der Blank einen Durchmesser von knapp 12mm auf und wird dann konstant immer dünner.

Nichtmals Fingerdick und sauber verarbeitet
Nichtmals Fingerdick und sauber verarbeitet - vergrößern -

 
Die Rutenteilung ist ungewöhnlich. Das Handteil ist 57 cm lang und ist teils mit Kork und teils mit EVA ummantelt. Neben einem Screw down-Rollenhalter verfügt es über eine anklappbare Öse als Hakenhalter.

Screw-down Rollenhalter Der Griff  
Der Screw down-Rollenhalter ist Bestandteil des Griffstücks - vergrößern -  


Dann folgt das Mittelstück. Mit 139cm ist es sehr lang und macht einen Großteil der Rutenlänge aus. Diese beträgt zusammengesteckt 244,5 cm, also ziemlich genau 8ft.

Die Lackierung ist schlicht gehalten. Neben einer kleinen Produktbezeichnung ist die Rute in glänzendem schwarz lackiert. Ein Aufdruck empfiehlt Schnüre zwischen 3lbs und 8lbs zu verwenden, was einem Schnurdurchmesser von ca. 0,12mm-0,22mm entspricht.

Die weichen Glasfaserspitzen weisen eine Länge von 57,5 cm auf.
 

Die feinen Spitzen sind sauber beschriftet
Die feinen Spitzen sind sauber beschriftet - vergrößern -


Die Rute verfügt über zwölf  Ringe, wobei die unteren beiden als 3-Steg ausgeführt sind.

Die gesamte Rute macht einen sehr zierlichen, fast zerbrechlichen Eindruck. Konsequent auf Leichtbau getrimmt wiegt sie nur 123g. Sie ist dabei sauber und hochwertig verarbeitet und hinterlässt einen wertigen Eindruck. Die Grifflänge passt optimal zu meinem Unterarm. Die Transportlänge beträgt geringe 140cm und passt somit in jedes Futteral.

Ein Wurfgewicht gibt Matrix nicht an. In der Praxis konnten Gewichte zwischen 5g und 50g optimal geworfen werden.

Vorbereitung:
Die Carpmaster versehe ich mit einer leichten Rolle der Größe 2500. Eine viel größere Rolle passt einfach nicht zum filigranen Äußeren und geringem Gewicht. Aufgespult habe ich eine 0,16mm Schnur.
Die Rute wandert fertig montiert ins Futteral. Dabei zeigt sich bereits, dass die Verwendung eines EVA-Blocks zur Rutenfixierung ideal ist. Die beiden Rutenteile sitzen stramm in diesem Block und bleiben dadurch immer parallel beim Transport. Transportbänder oder andere Sicherungen sind nicht mehr notwendig. Die Rutenspitze wird einfach aus der Rute herausgezogen und Richtung Rolle umgelegt. Die Schnur wird nun mittels Wirbel oder Vorfach einfach an der Öse befestigt und anschließend leicht gespannt. Einfacher kann es wirklich nicht mehr gehen. Diese Lösung funktioniert ausgesprochen effektiv und schützt die feine Spitze. Die Rute kann in diesem Zustand sogar im Stofffutteral transportiert werden. Ich verzichte aber komplett darauf und packe sie einfacher halber direkt ins Futteral.

Einfach genial, der EVA-Block. Rutentransport wie er einfacher nicht mehr sein könnte
Einfach genial, der EVA-Block - Rutentransport wie er einfacher nicht mehr sein könnte - vergrößern -


Praxisbericht:
Einen ersten Einsatz bekommt die neue Rute bei einer Neuauflage des zuvor erwähnten Angelns in Holland. Starke Winde machen das Kopfrutenfischen fast unmöglich. Deshalb kommt nun die Carpmaster zu ihrem ersten Einsatz.

Der Aufbau gestaltet sich absolut simpel. EVA-Block entfernen, Wirbel aus der Öse lösen und Rute zusammenstecken. Dann noch schnell ein Vorfach einschlaufen und nach knapp 30 Sekunden ist die Rute voll einsatzfähig. Beim Fischen selber lege ich sie einfach auf meinem Knie und dem seitlichen Setzkescher ab. Die Rutenspitze befindet sich kurz über der Wasseroberfläche. Als Beschwerung dient ein 15g Birnenblei.

Die ersten Würfe gestalten sich ungewohnt und die Genauigkeit lässt zu wünschen übrig. Die Verwendung einer so kurzen Rute muss beim ersten Mal ein wenig geübt werden. Dazu kommt, dass der heftige Seitenwind die Flugbahn des Bleis stark beeinflusst. Das Blei landet teilweise 4-5m neben der anvisierten Stelle.

Aber bereits nach ein paar Würfen stellt sich das passende Feingefühl für die Situation ein und es gelingt den Futterplatz zuverlässig zu überwerfen. Die leichte Rute und die feine Spitze sorgen dafür, dass mit dem Blei Kontakt aufgenommen und eine Vorspannung erzeugt werden kann. Nur wenig später schlägt diese auch heftig aus und ein erster Brassen von ca. 3 Pfund zerrt an der anderen Seite der Schnur. Dabei spielt die Carpmaster ihre Stärken aus. Eine wunderschöne weiche, durchgehende Aktion federt alle Schläge des Fisches sicher ab, und das relativ dünne 0,10mm Vorfach samt 18er Haken hält ohne Probleme die Fluchten des starken Fisches aus. Der erste Eindruck der Zerbrechlichkeit der Rute wird nun eindrucksvoll widerlegt. Trotz weicher Aktion bietet sie ein enormes Rückgrat. Vorteilhaft: durch die geringe Länge der Rute kommt der Fisch erst vor den eigenen Füssen hoch und kann somit schnell gekeschert werden. Besonders in dieser Phase machte sich die Leichtigkeit und Kraft der Rute bezahlt. Sie fungierte quasi als verlängerter Arm und erleichterte den Drill und das Keschern enorm.

Auch bei kleineren Fischen weist die Rute eine tolle Aktion auf
Auch bei kleineren Fischen weist die Rute eine tolle Aktion auf


Motiviert durch diese ersten Erfahrungen habe ich die Rute auch an einem- mir bis dato unbekannten- kleinen deutschen See eingesetzt. Durch die geringe Größe des Gewässers wirkt selbst die Verwendung eines 15g Korbes wie ein Bombeneinschlag und sorgt für Kopfschütteln unter den anwesenden Mitanglern. Diese sind mit der Kopfrute unterwegs und erzeugen demnach kaum Lärm. Die Idee des Futterkorbangelns habe ich also vorerst schnell verworfen und füttere nun per Schleuder eine vorsichtige Startfütterung auf ca. 23-25m, bestehend aus winzigen Bällchen. Den Futterplatz befische ich nun mit einem 7g Blei, das einfach auf der Hauptschnur gleitet. Dies taucht sehr viel ruhiger ins Wasser ab und nach einer kurzen Weile erfolgt auch schon der erste Biss. Kurze, nervöse Stöße übertragen sich über die feine Spitze und dem dünnen Blank bis ins Handgelenk. Vorsichtig drille ich den Fisch und Kurbel ihn voller Erwartung heran. Beim Keschern erfolgt dann die Verwunderung. Es war nur ein kleines Rotauge um 80g, das den Köder genommen hat und die 0,5oz Spitze deutlich zittern ließ. Unglaublich, aber wahr. So intensiv habe ich noch nie einen „Drill“ eines Winzlings erlebt. Die Fischgröße habe ich einfach komplett überschätzt. Jede noch so winzige Flucht, jeder Versuch den Haken loszuwerden wurde 1:1 an mich weitergegeben.

Es folgen noch mehrere kleine Rotaugen, die mir an dieser Rute enorm Spaß machen. Kurz darauf schlägt die Rutenspitze allerdings vehement aus. Im Drill herrscht deutlich mehr Gegenwehr und die Rute biegt sich parabolisch bis ins Griffteil durch. Die heftigen Schläge werden aber sauber weggepuffert. Nach einer ersten starken Flucht kann ein Giebel (Silberkarausche) von ca.500g gelandet werden. Wie phantastisch muss erst ein Drill eines wirklich großen Fisches an dieser Rute sein, schießt es mir durch den Kopf!

Carpmaster im Drill   ein 500gr Silberkarausche
Die Rute biegt sich parabolisch bis ins Griffteil durch - vergrößern -


Was nun kommt habe ich von diesem kleinen See nicht erwartet. Giebel auf Giebel folgt und die Rute leistet zuverlässig ihren Dienst. Kurz darauf wechsel ich dann doch noch zum winzigen 15g Korb, was die Fische jetzt sogar noch wilder macht. Das ziemlich trockene Futter erzeugt eine kleine Wolke, in der die Fische sich förmlich auf das angebotene Maiskorn stürzen. Die Rute lasse ich nun nicht mehr aus der Hand. Die Bisse kommen einfach zu schnell und spitz.

Zufrieden beende ich am frühen Abend die Angelei und bin doch erstaunt über das Netz voll Fisch.

Fazit:
Die Matrix Carpmaster ist ein treuer Begleiter auf mittlerweile allen Angeltouren geworden. Egal, ob am Ruhrgebietskanal mit 0,08mm Vorfach auf Rotaugen, am See beim ultraleichten Grundangeln oder auch beim Angeln auf dicke Fische im Nahbereich, überall verrichtet sie ihren Dienst ausgesprochen gut. Die weiche Aktion erlaubt die Verwendung feinster Schnüre, die sonst nur an der Kopfrute Verwendung finden. Dies ist auch dank der ungewöhnlichen Teilung möglich. Matrix verlagert relativ steife Steckverbindungen einfach in einen Bereich, in dem sie die Aktion der Rute nicht negativ beeinflussen können.

Das geringe Gewicht und die unkomplizierte Handhabung im Aufbau machen sie zu einer Rute, die man einfach nebenbei im Futteral haben kann, egal was ursprünglich ansteht. Sie hat mir auch dann den einen oder anderen Fisch gebracht, wenn ich längst dachte der Futterplatz läge einsam und verlassen vor mir.

Besonders die filigrane Ausrichtung der Rute, gepaart mit einer tadellosen Verarbeitung hat mich dabei überzeugt. Feedern muss also nicht zwangsläufig mit Heavy Feedern verbunden werden. Ich bin mir sicher, dass diese neu entdeckte Leichtigkeit des Grundangelns auch den einen oder anderen Stippfischer begeistern wird.  

Matrix gibt den Einsatzradius des 8ft Modells bis 25m an. Diese Einschätzung teile ich. Bei weiteren Würfen macht sich die kurze Rute in der Genauigkeit negativ bemerkbar. Wer weiter hinaus möchte, kann allerdings zum gleichen Modell in größerer Länge greifen. Sie ist von 8ft-10ft (2,4-3,00m) erhältlich und dürfte somit alle Bereiche des feinen Grundangelns abdecken.   
Mit einem Ladenpreis von ca. 120€ erlangt der Käufer eine hochwertige, feine Rute, der hier eine klare Kaufempfehlung ausgesprochen wird.

Nachtrag:
Mit diesen Worten wollte ich den Bericht ursprünglich beenden. Als ich dann die Möglichkeit bekam an einer der besten Seeanlagen Englands zu fischen – den Gold Valley Fisheries - entschied ich mich dafür die Veröffentlichung des Berichts ein wenig nach hinten zu verschieben. Auch wenn die Rute mich an unseren deutschen Gewässern wirklich begeistert hat, so steht letztendlich doch Carpmaster (Karpfenmeister) auf dem Blank. Deshalb habe ich die Rute mit nach England genommen, um sie auch unter Extrembelastungen zu testen und mir einen vollständigen Eindruck zu verschaffen.

Kritischer Moment- die Landung eines großen Karpfens. Dank der weichen Aktion und des starken Rückgrats kein Problem!
Kritischer Moment - die Landung eines großen Karpfens.
Dank der weichen Aktion  und des starken Rückgrats kein Problem!


Auch am Commercial machte die Rute eine gute Figur. Ich habe damit Karpfen bis 10 Pfund sicher landen können, mein „Fotomodell“ Ingo sogar einen 12-Pfünder, der Will Raison, im Wettkampf, beinahe in Straucheln brachte. Auch hier zeigte sich, dass die Carpmaster rundum gelungen ist. Sie hat die wildesten Fluchten weich abgefedert und kam zu keinem Zeitpunkt an ihre Leistungsgrenze. Die Kontrolle über den Fisch war dabei stets vorhanden. Das habe ich bei einer so feinen und kurzen Rute nicht unbedingt erwartet. Der Einsatz in England hat gezeigt, dass die Rute auch für besonders harte Einsätze bestens geeignet ist. Top!

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3 Kommentare
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  • Marcus
    aus Esternberg
    Hallo, da ich mir auch in nächster Zeit eine Matrix Feeder (Methodmaster oder Carboflex mit 80g Wg???)kaufen möchte bin ich mir aber bei der Länge nicht sicher,würde damit bei unserem Vereinsteich Fischer der ca. 1 haktar groß ist und auch einen guten besatz von großen Karpfen aufweist! Ich hättemich für eine 3,00m entschieden da ich schon 3,30-3,60 habe und viel lese da eine 3,00m ausreichen würde!!?? Vielleicht kann mir jemand einen guten Tip geben für welche Länge ich mich entscheiden soll!, Marcus
  • McTews
    aus Havelland
    Rute
    Ja, tolle Rute, fische sie auch... die Aktion ist super...
  • Jörg
    aus Oldenburg
    Schön
    Toller Bericht der zeigt das das Fischen ohne Pose nicht erst ab Distanzen von + 60 Meter stattfindet.