Produktvorstellung Preston Dutch Master 14´2

  • von Stefan Orth
  • 14. September 2010 um 15:35
  • 9

 

Dutch-Master Video


Preston Innovations, dieser Angelgerätehersteller ist hierzulande wohl jedem modernen Friedfischangler bekannt. Er bietet nicht nur ein Komplettprogramm für den Stipper, das keine Wünsche offen lässt, sondern auch innovatives und qualitativ sehr hochwertiges Gerät für den Matchangler, mit all seinen Facetten und Angelmethoden. Im Heimatland England hat es die Firma aus Telford bereits geschafft, sich in den letzten Jahren sogar zum Marktführer im Bereich Coarse und Match fischen auf zu schwingen.

Um ehrlich zu sein, ist mir die Firma Preston zunächst nicht in den Sinn gekommen, als es darum ging, eine Long Range Feederrute zu testen. Umso mehr war ich gespannt, als das Packet von Andree Lukas, dem Deutschlandvertreter, bei mir ankam. Natürlich musste ich es gleich öffnen, um zu sehen, was mich da erwartet. Da war sie wieder, die kindliche Vorfreude, die ich noch von Weihnachten kannte. Weder das hochwertige Futteral, das seinen Namen auch verdient hat und nicht mit den sonst üblichen Stoffhüllen vergleichbar ist, noch das Hardcase für die Wechselspitzen haben mich zunächst interessiert. Ich wollte einfach nur die Rute in den Händen halten und spüren, wie sie sich im Trockentest gibt. Kaum zusammen gesteckt, machten sich bei mir auch schon die ersten Zweifel breit. Dieses leichte und filigrane Rütchen soll also 100m werfen können? Für mich war auch gleich die Antwort auf diese Frage klar. Nie im Leben! War ich doch bislang andere Knüppel für diesen Einsatzzweck gewohnt.

 

Die Dutch-Master    Das Futteral
Die Dutch-Master kommt in einem hochwertigen Futteral

So, jetzt aber erst mal der Reihe nach. Wie der Name der Rute schon vermuten lässt, wurde die Serie, bestehend aus drei Ruten unterschiedlicher Wurfgewichtsklassen, in Holland entwickelt. Der Leiter der holländischen Preston Niederlassung, Arjan Klop, der im National Kader fischt, sowie der Außendienstler Arnout van de Stat, der in der äußerst starken hölländischen Feedrszene durch seine Erfolge einige Bekanntheit erlangt hat, haben bei der Entwicklung der Rutenserie maßgeblich mit gewirkt. Entsprechend den in Holland vorzufindenden Verhältnissen, die mit denen bei uns in Deutschland vergleichbar sind, wurde die Serie entwickelt. Eines kann ich bereits vorweg nehmen. Bei der Entwicklung dieser Serie wurde ein mir bislang völlig neues Konzept verfolgt.

Jetzt möchte ich mich mal der mittleren Rute der Serie, mit 130 Gramm Wurfgewicht, die mir zum Testen zur Verfügung gestellt wurde, widmen. Ich hatte Gelegenheit, die Gerte ausgiebig in der Praxis zu testen und habe sie auch bei einigen Gemeinschafts- und Hegefischen, bei der zum Teil die deutsche Feederprominenz teil genommen hat, vertrauensvoll gefischt.

Beim ersten Einsatz am Wasser hat mich natürlich brennend interessiert, wozu die Rute zu leisten im Stande ist. Also schnell eine Zammataro Feedermaster 9600, die mit 0,10mm Berkley Fireline smoke bespult ist, mittels des Screw Down Rollenhalters montiert. Alles saß fest und machte einen harmonischen, abgestimmten Eindruck. Für die Montage verwendete ich eine 10m lange Sufix Schlagschnur im Durchmesser 0,28mm. In die Schlaufenmontage wurde ein mit Futter befüllter 60 Gramm MS Speedkorb mit einem Doppelwirbel eingehängt und auch ein Vorfach wurde montiert, um beim anstehenden Weitwurf realistische und praxisnahe Verhältnisse zu schaffen. Mit dieser Gerätschaft habe ich mich auf meinem bequemen Feedersitz nieder gelassen, um den ersehnten ersten Wurf aus zu führen. Schon in der Wurfbewegung war klar, dass dieses filigrane Rütchen, mit einem Gewicht von gerade mal 320 Gramm, ein durchaus kraftvolles Rückgrat besitzt und sich fantastisch aufläd. Weit ging es schon, so viel war schnell klar, doch wie weit genau, wusste ich erst, als ich beim Einholen der Montage die Kurbelumdrehungen gezählt habe. Was soll ich sagen, das Ergebnis hat mich total verblüfft. Es waren auf Anhieb und im sitzen geworfen 108m. Sensationell! Das hätte ich mir ernsthaft nie träumen lassen und meine anfänglich vorhandenen Zweifel waren spontan verflogen. Bleibt nur die Frage: Wie ist so eine Wurfweite überhaupt möglich?

Wurf01
Schon in der Wurfbewegung war klar, dass diese Rute kraftvolles Rückgrat besitzt.

Als technisch denkender Mensch stand ich da zunächst vor einem Rätsel. Ich sollte es während meiner Testphase jedoch lösen können. Jetzt ist es ja nicht so, dass ich noch nie über 100m mit einer Feederrute geworfen hätte, doch die hierfür verwendeten Ruten, hatten allesamt einen Blank, der ehr mit Karpfenruten oder gar Brandungsruten vergleichbar war. Das Rütchen, was ich da in Händen hielt, passte aber so gar nicht in mein bewährtes Denkschema. Wenn man die Rute so anschaut, traut man ihr schon viel zu, aber bestimmt keine 100m Wurfweite. Bei 4,32m ist sie dreigeteilt und zwar zu drei gleich langen Teilen, was die Transportlänge minimiert. Auch verfügt Sie über Zapfenverbindungen, die man, bezogen auf die Länge, von Matchruten kennt. Überdimensioniert lange Zapfen, die einer Rute die benötigte Kraft verleihen sollen, sucht man hier vergebens. Trotz dieser augenscheinlich vorhandenen und Bauart bedingten Nachteile, wirft die Rute aber nachweislich diese enormen Distanzen. Nicht zuletzt wohl auch wegen den hochwertigen und großen Ringen, die selbst in der Spitze keine Mühe mit Schlagschnurknoten haben. Trotz bester Verarbeitungsqualität, die die Rute unbestritten aufweist, muss sie einen, im Vergleich zu bewährten Rutenkonzepten, wesentlichen Vorteil besitzen und den hat sie auch. Zum Glück, sonst hätte ich alles, was ich bislang über Naturwissenschaft gelernt habe, über den Haufen werfen müssen. Die Physik kann man eben nicht austricksen.

 

Grosse Spitzenringe    Grosse Spitzenringe02
Durch hochwertige und große Spitzenringe hat die Rute keine Mühe mit Schlagschnurknoten.

Der Blank besteht aus bester und sehr hoch modulierter Kohlefaser. Ich möchte sogar behaupten, hier wurden die besten Materialien verarbeitet, die man heutzutage bekommen kann. Aufgrund dessen verfügt die Rute über eine enorme Schnelligkeit, die sehr hohe Spitzengeschwindigkeiten erlaubt. Diese Geschwindigkeit, beim Wurf, schlägt sich zwangsläufig in großen Wurfweiten nieder. Es ist wirklich erstaunlich, wie fast schon spielerisch man die Futterkörbe damit beschleunigen kann. Neben der hochwertigen Kohlefaser spielen aber noch zwei weitere Faktoren eine entscheidende Rolle. Diese sind die Rutenlänge und das Rutengewicht. Ich persönlich verwende ungern Ruten, die länger sind als 3,90m, auch nicht für Weitwürfe. Die längeren Ruten waren mir bislang einfach zu unhandlich und zu behäbig. Bei der Preston Dutchmaster ist das jedoch anders. Ich kam auf Anhieb mit der 4,32m langen Rute zurecht. Man muss eben berücksichtigen, dass diese Rute gerade mal 320 Gramm wiegt und über einen dünnen Blank verfügt, der beim Wurf einen sehr geringen Windwiderstand hat. All diese Faktoren führen in Kombination, zu dieser hohen Spitzengeschwindigkeit und in Folge dessen logischerweise zu den hohen Wurfweiten, ohne dass man sich dabei großartig anstrengen muss. Wer mal einen ganzen Angeltag lang auf über 80m gefeedert hat, weiß am Ende was er getan hat. Das geht mächtig ins Kreuz und ist durchaus als sportliche Leistung zu bezeichnen. Mit der Dutchmaster ist dies deutlich anders. Somit ist diese Rute nicht nur etwas für Weitwurfspezialisten, sondern auch für Angler, die es gerne unkompliziert und bequem haben. Zur letztgenannten Sparte zähle ich mich übrigens selbst. Soviel zum Wurfverhalten. Doch wie schlägt sich die Rute im Drill?

Die Rute im Drill
Auch im Drill überzeugt die Rute!

 

Auch hier musste ich mein Weltbild neu sortieren. Wer meint, eine schnelle Rute ist zwangsläufig auch sehr steif, der irrt genau so, wie ich es zu Anfang getan habe. Der dünne Blank sorgt im Drill für eine schöne semi-parabolische Rutenaktion, selbst bei Rotaugen im gängigen Format. Ihre ganze Stärke spielt die Rute aber erst bei gewichtigeren Flossenträgern aus. Hier geht die Aktion dann sehr gleichmäßig ins starke Rückgrat und geht in eine nahezu parabolische Biegekurve über. Das macht einfach nur Spaß und gibt im Drill maximale Sicherheit gegenüber Aussteigern. Gerade bei der Verwendung von nahezu dehnungsfreien, geflochtenen Angelschnüren, die auf große Entfernung üblicherweise eingesetzt werden, ist es schön zu wissen, dass die Rute selbst harte Schläge zuverlässig abfedert. Ich hatte Gelegenheit, neben zahlreichen gewichtigen Brassen, auch einen Karpfen von 12 Pfund mit dieser Rute drillen zu dürfen. Während des Drills hatte ich nie das Gefühl nicht Herr der Lage zu sein. Im Gegenteil, ich hatte den Eindruck, dass die Rute nicht mal annähernd an ihre Belastungsgrenze gestoßen ist. Diese Kombination aus Schnelligkeit und Drillvergnügen ist mir so nur von dieser Rute bekannt und ist sicher der Verwendung hochwertigster Materialien in der Blankherstellung und der schlanken Bauweise geschuldet.

konischer Griff    Korkgriff
Der Korkgriff wird am Griffende und oberhalb des Rollenfußes durch Duplonmaterial ersetzt.


Noch einige Gedanken zum Rutengriff. Die Rolle wird mittels Screw-Down Halter befestigt. Selbst große und schwere Rollen, die üblicherweise beim Distanzfeedern zum Einsatz kommen, können sicher und schnell befestigt werden. Der Korkgriff wird am Griffende und oberhalb des Rollenfußes durch Duplonmaterial ersetzt. Für mich eine sehr sinnvolle Entscheidung. Schon oft habe ich mich geärgert, dass die hochwertigen Korkgriffe bei Feederruten mit durchgängigen Korkhandteil, so schnell verschmutzen und schnell unansehnlich wirken. Gerade beim Feedern kommt es oft vor, dass durch das ständige Befüllen des Futterkorbs, man den Griff mit schmutzigen Händen anfassen muss. Wer dann, nach jedem Ansitz, den Korkgriff nicht gründlich reinigt und pflegt, hat oben beschriebenes Problem schneller als einen lieb ist. Bei der Dutchmaster sind gerade die Stellen am Griff mit Duplon versehen, die am stärksten beansprucht werden. Duplon ist sehr grifffreundlich und gleichzeitig widerstandsfähig und leicht zu reinigen. Dennoch wurde auf den hochwertigen Korkgriff, der bei Ruten im oberen Preissegment quasi Pflicht ist, nicht vollständig verzichtet. Wie geschrieben, ich würde mir dieses öfter in solch einer Ausführung wünschen, aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten.

Fazit:
Diese Rute verfügt über ein völlig neues Entwicklungskonzept, das mir bislang unbekannt war. Die Kombination aus Schnelligkeit und sanfter und gleichmäßiger Biegekurve im Drill ist einzigartig. Die Rute ist ideal fürs Stillwasser geeignet. In der Strömung (Main) biegt sie sich, aufgrund des Strömungsdrucks, leicht durch und ist daher nur ein Kompromiss. Sie deckt ein sehr großes Wurfspektrum ab. Ich möchte sie für Wurfweiten von 35m bis hin zur maximalen Wurfweite, wofür sie auch entwickelt wurde, empfehlen. Die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers liegt, für die Testrute, bei 289 Euro. Sicher, ein stolzer Preis, aber dafür bekommt man auch ein Gerät auf höchsten Qualitäts- und vor allem Entwicklungsniveau. Sie wird neben den Spezialisten auch diejenigen Feederangler ansprechen, die gerne hochwertiges Material auf dem neuesten Stand der Technik einsetzen. Aus meiner Sicht ist die Rute für den Einsatzzweck „große Stillwasser“, ein klare Kaufempfehlung.

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9 Kommentare
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  • elbbrasse
    aus Uelzen
    Rutenkauf
    habe mir die Rute gekauft ( in den Niederlanden - wo bekomme ich Preston Ruten in Deutschland?). Die Rute ist ein Traum, ich hätte niemals gedacht, das eine solch feine Rute Wurfweiten über 100m ermöglicht. Mit einem 50 Gramm Speedkorb habe ich an einem Privatsee auf 70m Entfernung Brassen mit einem 8er Vorfach gefangen. Bisher ein Ding der Unmöglichkeit für mich.....
  • Praxx
    doch, der Händler vetreibt auch Preston.Ich denke, man versucht die CT Seite schlecht zu machen, da diese die Möglichkeiten besitzen, und nutzen, neue Medien in Szene zu setzen. Neid und Missgunst ist eine starke Antriebsfeder bei diesen Leuten
  • Der_Martin
    Bei 150 Gramm Gewichten vom Korb darf sicher die stärkere Version dieser Feederrute gewählt werden - mit 160 Gramm Wurfgewicht. Die Lästerer aus dem Forum sind vernutlicher weise aus dem Dunstkreis von dem Händler aus Bührstadt zu zuordnen. Die Verkaufen kein Preston und dann ist dass schon mal nicht gut
  • Charly
    Rutentest
    Sehr geehrter Herr Orth, liebes Champions-Team, ich bin eigentlich ein "nur Leser" von Internetseiten. Da aber gerade ein kleine Hetzkampagne ( in einem anderen Forum) gegen diesen Rutentest betrieben wird, möchte ich Ihnen, Herr Orth, sagen: "Machen Sie weiter so". Die Art und Weise wie sie diesen Rutentest aufgezogen haben gefällt mir sehr gut und es würde mich freuen mehr von Ihnen zu lesen/hören. Ich fische sehr viel am Rhein, dort meist mit Korbgewichten um die 150 Gramm. So wie ich Sie verstanden habe, sollte ich diese Rute dort nicht einsetzen, oder? Welches Modell würden Sie dort empfehlen? Grüße Karl Heinz B P.S. Machen Sie sich keinen Kopf um die Lästerer aus einem anderen Forum. Ich komme aus der Nähe von Darmstadt, und hier in der Region gibt es viele Angler die "diese" Leute nicht mehr sehen und hören können
  • Tommi
    Dutch Feeder
    Habe die Rute nun schon seit 5 Monaten im Einsatz und bin nach wie vor begeistert. Habe die Rute mit 120 Gramm Körben + Futter ohne Probleme voll durchgezogen. Keine Probleme. Thomas
  • elbbrasse
    aus Uelzen
    @KlauBa
    Kritik hat meist die Absicht konstruktiv zu sein, und ich unterstelle Dir mal, das Du ebenfalls lediglich konstruktive Kritik anbringen möchtest... Das Korbgewicht beim 108m Wurf steht doch im Test, die Spitzen sind in dem Video beschrieben... Die Art und Weise wie der Praxisbericht aufegzogen wurde ist sicherlich neu, und wie jeder Bericht ist der Gefallen subjektiv. Ich würde mich da eher Kilobrassen anziehen.. Ich habe genug von Produktvorstellungen die mit Features und Fremdwörtern gespickt sind, ich diese aber kaum verstehe. Wenn z.B. im Bericht steht, das die Rutenringe unter anderem dafür verantwortlich sind, das man weit werfen kann, dann interessiert mich persönlich der Durchmesser nicht. Danke und weiter so....
  • Kilobrassen
    aus Langenhagen
    Praxistest
    Ich denke man muss unterscheiden zwischen Praxistest (und die Rute wurde wohl vom Autor ausführlich geangelt) und Produktvorstellungen. Mich interessiert weniger mit welchem Lack die Rutenringe lackiert sind, aus welchem Urwald der Kork kommt oder auch welche Durchmesser die Ringe haben. Von diesen Trockentests habe ich echt genug. Daher Daumen hoch von mir für diesen ausführlichen Test einer Rute am Wasser, das macht Lust auf mehr und wenn ich die Rute mal irgendwo sehe, dann werde ich sie mir mal genauer anschauen. Reicht doch, wenn der Autor schreibt, dass die Ringe groß genug sind für jeden Knoten und er keine Probleme hatte. Was mich allerdings auch interessieren würde ist das vom Autor maximal empfundene Wurfgewicht. Was geht maximal und macht noch Sinn? Also, mehr davon. Gruß Michael
  • KlauBa
    aus Büttelborn
    Test
    Hallo Nichts gegen Stefan, ABER: - hättest du nicht mal dein Korbgewicht bei deinen Würfen angeben können. - hast du Rute nachgewogen oder Glauben geschenkt? -wieviele Ringe hat die Rute mit welchen Durchmessern? -welche Spitzen werden mitgeliefert? -welche Spitzen passen zur Rute? -usw. Nichts für ungut, aber zu einem ordentlichen Test gehört etwas mehr als nur "Lobeshymnen"! Bitte mehr Details und etwas geplanter an die Sache rangehn!!! Gruß KlauBa
  • elbbrasse
    aus Uelzen
    Korbgrösse
    was wäre denn das ideale und was das maixmal Korbgewicht um mit der Rute weit zu werfen? Ich angele oft in Gartow, und diese Rute scheint für Gartow quasi ideal zu sein? Ich angle in Gartow mit 50-60 Speedkörben, Wurfweite ist bisher max 80m....