Praxistest: Browning W Pole Roller

  • von Markus Howanietz
  • 17. Januar 2013 um 06:00
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Häufig sind es die kleinen Dinge beim Angeln, auf die es wirklich ankommt. Das richtige Loten, die passende Pose oder aber auch der richtige Haken entscheiden meistens über Erfolg oder Nicht-Erfolg beim Fischen. Wir Angler können auch wunderbar über Kleinteile sowie Taktiken philosophieren und tüfteln ständig an der besten Montage oder dem besten Futterrezept. Dabei werden aber auch Zubehörteile übersehen bzw. außer Acht gelassen, die eigentlich einen weiteren Blick verdient hätten. So ging es auch mir, als ich vor einiger Zeit vor der Wahl eines neuen Abrollers stand. Ich habe einfach eines der teuersten und schwersten Modelle genommen, die derzeit auf dem Markt waren. Erfreut habe ich mich an den leichtgängigen Rollen und den spiegelnden Edelstahlbeinen, die den V-Abroller zwar super schwer machten, gleichzeitig aber auch einen massiven, unzerstörbaren Eindruck vermittelten. Gerne habe ich ihn zum Wasser geschleppt. Bis zu dem Tag in diesem Jahr, als er im heftigen Wind einfach umkippte. Das Vertrauen und das 11m Handteil meiner Kopfrute waren dahin und eine neue, sichere Lösung musste her. Nach ersten Versuchen mit einem eher klapprigen Vierbeinabroller stand für mich fest, dass die Richtung zwar stimmte, aber eine sichere Lösung doch anders aussieht. Fündig geworden bin ich bei Browning, die einen passenden Helfer neu für 2013 herausbringen.
Viel Spaß beim Leser des folgenden Tests!

Lieferumfang:

  • Abroller
  • Transporttasche
Der Browning „W“ Pole Roller wird in einer schwarzen Transporttasche geliefert.


Der Lieferumfang ist diesmal schnell und einfach beschrieben. Der Browning „W“ Pole Roller wird in einer schwarzen Transporttasche geliefert.

Abroller:
Der in schwarz gehaltene Abroller selber wiegt 1658g und ist knapp 64cm breit. Er verfügt über zwei voneinander getrennte Rollen aus festem Schaumstoff, die jeweils 25cm lang sind und zur Mitte hin ansteigend gelagert sind. Dort befindet sich dann auch eine 7,5cm breite Mittelrolle. Seitlich wird ein Abrutschen durch ebenfalls gut gepolsterte Rollen verhindert, die 13cm hoch sind und sich nach oben hin ein wenig weiten.

Aus dieser Anordnung wird schnell ersichtlich, warum der Abroller „W“ Pole Roller genannt wurde. Die gepolsterten Rollen ergeben optisch ein leicht abgeflachtes W.

Das Grundgestell selber ist aus lackiertem, eckigem Aluprofil gefertigt, die Rollen- und Gelenkaufnahmen aus dickem, stabilem Kunststoff. Die Klappbeine sind teleskopierbar, verfügen über einen Auszuganschlag und können mit einem Drehverschluß fixiert werden.

Stabiler, wertiger Kunststoffrahmen   Drehverschluss der Teleskopbeine
Stabiler Kunststoffrahmen - schnell zu bedienen und packt sicher zu

Die Beinaufnahme verfügt außerdem über einen Einrastmechanismus am Grundgestell. Voll ausgezogen erreicht der Abroller eine Höhe von knapp 77cm, im Ursprungszustand sind es 52 cm (gemessen am tatsächlichen Auflagepunkt der Rute). Die Verarbeitung ist gut, es gibt keine scharfen Kanten oder andere Verarbeitungsmängel. Die griffigen Rollen schließen überall ohne größere Lücken aneinander an und kommen komplett ohne Plastikkappen aus. So läuft die Rute niemals Gefahr mit einem anderen Material als Schaumstoff in Berührung zu kommen.

Tasche:
Die Tasche ist aus reißfestem Material gefertigt. Ein Reißverschluss geht fast einmal komplett um die Tasche herum.

Praxistest:
Am Wasser angekommen baue ich wie üblich meinen Angelplatz auf. Nachdem die Sitzkiepe sicher steht und das ganze Zubehör passend aufgestellt bzw. angeschraubt ist, greife ich in das vordere Fach meiner Angeltasche. Dort habe ich, dank des kleinen Packmaßes, den Abroller samt Transporttasche unterbringen können. Das Entpacken wird durch den großen, langen Reißverschluss der Transporttasche erleichtert und schnell habe ich das eigentliche Zielobjekt in der Hand.

großer Reißverschluss fürs einfache Verstauen
Großer Reißverschluss fürs einfache Verstauen


Beim ersten zaghaften Versuch die Beine auszuklappen hadere ich noch mit deren Festklemmmechanismus. Sie lassen sich bis zur Kunststoffführung fast ohne Widerstand ausklappen, müssen dann allerdings mit ein wenig Kraft in die Führung gedrückt werden. Diese verfügt über eine Art keilförmigen Stopper, der mit Kraft überwunden werden muss. Dabei verformt sich der Kunststoff und klemmt das Bein anschließend fest.

eine Sache der Eingewöhnung- erst bis zur Arretierung umklappen   dann fest hineindrücken
Eine Sache der Eingewöhnung - erst bis zur Arretierung umklappen, dann fest hineindrücken


Das ganze wiederhole ich an der Gegenseite. Nach mehreren Wiederholungen weicht meine anfängliche Skepsis. Auch der Kunststoffmechanismus ist stabil und muss nicht mit Samthandschuhen angefasst werden. Bei den Beinen hat Browning sowieso keine halben Sachen gemacht und gleich Profile mit großzügig dimensioniertem Durchmesser gewählt. Die angeklappten Seitenrollen sind sehr einfach umzulegen. Eine starke Feder zieht die Rollen fast schon automatisch in eine Führung und stellt sie auf. Ein erstes Rütteln und Schütteln am entfalteten Abroller bringt ein positives Ergebnis ans Licht. Da wackelt nichts. Die Beine sind durch das Klemmsystem fest arretiert und sind somit auch gegen versehentliches Einklappen geschützt. Mein heutiger Angelplatz liegt an einer kleinen Böschung. Hier sind die langen, teleskopischen Beine von Vorteil. Ich ziehe einfach die vorderen ein wenig heraus und schon steht der Abroller eben und sicher.

lange Teleskopbeine ermöglichen perfekte Anpassungsfähigkeit
Lange Teleskopbeine ermöglichen perfekte Anpassungsfähigkeit


Das Angeln kann beginnen.
Der Browning „W“ Pole Roller bietet mit seinen breiten Rollen eine große Auflagefläche, und das nach hinten Schieben der Kopfrute kann deshalb beinahe blind erfolgen. Bedingt durch das besondere Bauprinzip gleitet dabei die Rute immer zur äußeren Seitenrolle. Die Rute liegt jetzt sicher an zwei Rollen an und rutscht auf dem Abroller nicht ständig hin und her, was, besonders bei starkem Wind, sonst schon einmal auftreten kann. Somit wird die Wahrscheinlichkeit einer herunterfallenden Rute oder ein Umkippen des Abrollers deutlich reduziert, wenn nicht sogar komplett vermieden.

Im Laufe des Angeltages fasse ich immer mehr Vertrauen in den Abroller.  Dieser vereint alle Vorteile aus V- und Vierbeinabroller. Dank der V-förmigen Rollen liegt die Rute sicher auf und kann zielgerichtet nach hinten geschoben werden, was besonders sinnvoll ist, falls einmal zwei Abroller verwendet werden sollten. Die vier Beine bieten stets festen Stand und eine hohe Kippsicherheit ist gegeben.

Dies ändert sich auch nicht, als ich die Beine probeweise vollständig heraus ziehe. Zwar wird jetzt deutlich, dass diese in ihrer Halterung ein wenig Spiel besitzen, doch können sie nach wie vor nicht ungewollt einklappen und die Kippsicherheit ist auch in diesem Extremzustand noch immer sehr gut. Um die Standsicherheit zu erhöhen, kann der Abroller allerdings zusätzlich beschwert werden, indem Gewichte an die dafür vorhandene Öse eingehängt werden. Damit kann dann auch dem stärksten Wind getrotzt werden.

Bei weiteren Testeinsätzen werden dann weitere Stärken des Abrollers deutlich. Durch die Bauart bedingt erhält man mit dem W-Roller, mit seinen beiden voneinander unabhängigen Längstrollen, quasi zwei autonome Abrolleinheiten. Dies ist besonders nützlich, als ich an einem Angelplatz direkt hinter mir eine sehr hohe und steile Böschung habe. Hier habe ich schon häufiger geangelt und immer wieder eine praktikable Lösung beim Abstecken gesucht. Entweder habe ich bis dato, eher verkrampft als geschmeidig, versucht die Rute über die fast schon zu hohe Böschung zu hieven -und dabei regelmäßig Schmutz und Sand mit der Rute aufgesammelt- oder ich habe doppelt über einen Abroller abgesteckt. Den zweiten habe ich ja so oder so wieder einmal nicht eingepackt und in der Garage vergessen.

Diese Idee war aber auch nicht der Weisheit letzter Schluss und ich musste enorm aufpassen um Beschädigungen an der teuren Rute zu vermeiden. Ständig rutschten bereits abgesteckte Teile beim erneuten Abstecken einfach gleich mit vom Abroller auf den Boden. Dieses Problem ist mit dem W-Roller perfekt gelöst. Die unabhängige Lagerung der Rollen, in Kombination mit der Mittelrolle, erlaubt es schnell und sicher zweimal abzustecken. Ein weiterer Vorteil der separat gelagerten Rollen ist die Möglichkeit weitere Gegenstände darauf abzulegen und trotzdem die volle Funktionalität zu erhalten. Gerade, wenn ich mal nur kurz nach dem Feierabend zum Stippen los gehe, schleppe ich so wenig Gerät wie möglich mit. Da ich meine Hausgewässer kenne, reicht meistens ein zusätzliches Kit oder Polecup, die ich neuerdings einfach auf der anderen Seite des „W“ Rollers ablege.

Perfekte Ablagemöglichkeit, die Funktionalität bleibt voll erhalten!
Perfekte Ablagemöglichkeit, die Funktionalität bleibt voll erhalten!



Einfacher kann angeln wirklich nicht mehr sein!

Fazit:
Der Bau eines Abrollers ist keine Hochtechnologie. Dennoch durfte ich in der Vergangenheit die Erfahrung machen, dass es einige gute und -weitaus häufiger- weniger gute am Markt gibt. Der Browning „W“ Pole Roller gehört definitiv zu ersteren. Schon durch seine Bauart bedingt steht er stabil und kippsicher. Er ist Verwindungssteif aufgebaut, was für ein weiteres Plus an Sicherheit sorgt. Trotz des geringen Gewichts steht er bombenfest auf seinem Platz. Dafür sorgen auch die weit ausziehbaren Beine, die einen Einsatz an beinahe jedem erdenklichen Ufer ermöglichen.

Im Endeffekt tut der Browning „W“ Pole Roller genau das, was ein guter Abroller tun soll. Er erleichtert das Angeln mit der Kopfrute, ist absolut kippsicher und beugt  Beschädigungen an den teuren Ruten vor. Nur darauf kommt es an!

Das innovative Konzept der Kombination aus V- und Vierbeinabroller stellt in der Praxis einen tatsächlichen Mehrwert dar und funktioniert in der Praxis tadellos und intuitiv. Aus diesem Grund erachte ich den anvisierten Verkaufspreis von ca. 100€ (Ladenpreise waren zum Testzeitpunkt noch nicht vorhanden) für angemessen.
Der Browning „W“ Pole Roller erhält hiermit eine klare Kaufempfehlung.

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