Praxistest - Bologneserute Trabucco Energhia 2KS

  • von ct Redaktion
  • 28. September 2015 um 10:50
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Vor etwas mehr als 40 Jahren wurde die Bolognesemontage in Italien entwickelt. Angler, die sich wie Wolf Rüdiger Kremkus, darauf einließen, haben schnell Erfolge eingefahren. Auch heute ist die Angelei mit der langen Beringten oftmals sehr erfolgreich. Allerdings wird sie von vielen Anglern eher stiefmütterlich behandelt und nur dann herausgeholt, wenn es absolut notwendig ist.

Eine Veranstaltung, bei der die Bologneserute immer wichtiger geworden ist, ist das International Anglers Meeting in Brandenburg.

Wir haben das IAM zum Anlass genommen, um einen weiteren Bologneserutentest durchzuführen. Fündig sind wir diesmal bei unserem Partner Evezet geworden, der mit der Marke Trabucco neuerdings einen echten Hochkaräter aus Italien vertreibt.

Wie sich die Trabucco Energhia 2ks Competition im Langzeittest geschlagen hat, können Sie im Folgenden lesen.

Lieferumfang

Wie üblich wird die Trabucco Energhia 2ks Competition in einem Stofffutteral geliefert. Ein kleiner Beutel enthält Lauf- und Spitzenringe, die selbst montiert werden müssen. Zum Schutz der feinen Spitze liegt ein Kunststoffschutz bei.

Als die 2ks dem Futteral zum ersten Mal entnommen wird, herrscht große Verwunderung. Während eine Bologneserute mit einem Blank von knapp 25 mm bereits als dünn bezeichnet werden kann, unterschreitet die Trabuccorute diesen Wert mehr als deutlich. Nachdem ein kurzer Blick auf die Aufschrift bestätigt, dass wirklich die 7m Version geschickt wurde, erfolgt direkt der Griff zum Messschieber. Beeindruckende 21,8 mm zeigt der Messschieber an der stärksten Stelle der Rute im Griffbereich an. Ein Wert, der mit Sicherheit bei einer 5 m Bologneserute, aber nicht bei einem 7 m Modell zu erwarten gewesen wäre .

Nachdem sich die erste Faszination gelegt hat, erfolgt die Begutachtung der Rute.

Diese macht optisch einen wunderschönen Eindruck. Anders als viele italienischen Bologneseruten der Vergangenheit, die häufig durch knallbunte und fast schon geschmacklose Designs auffielen, kommt die 2ks mit einem schwarzen Blank und silbern-roter Schrift edel, aber sportlich daher.

Die Bologneserute Trabucco Energhia 2ks aus dem Hause Evezet 

Die Beringung ist zweckmäßig und akkurat erfolgt. Zwar verwendet Trabucco keine extrem dünnen Ringeinlagen, doch die insgesamt 9 SIC-bestückten Ringe verfügen über lang abstehende Stege, die ein Kleben der Schnur an der Rute effektiv verhindern sollten. Diese sind sauber gewickelt und verklebt worden. Wie üblich finden sich neben dem Firmen- und Modellaufdruck weitere Angaben zu Länge, Teilung und technischen Eigenschaften der Rute.

Weit abstehende Ringe halten die Schnur vom Blank fern.

Weit abstehende Ringe

Neben dem Firmen- und Modellaufdruck befinden sich weitere Angaben zu Länge, Teilung und technischen Eigenschaften.

Angaben zu Länge und technische Daten

Dieser bestätigt, dass es sich um eine 6-teilige und 7m lange Rute im Competition Design handelt. Dieses beinhaltet einen besonders dünnen Rutengriff und ein geringes Gewicht, um eine möglichst gute Handhabung beim Fischen zu garantieren.

Der Hinweis „CX 2 NANO-TEK Carbon“ erklärt zudem die unglaublich dünn gestalteten Rutenteile. Trabucco hat das gesammelte Knowhow aus dem Kopfrutenbereich auf die Bologneserutenproduktion transferiert, um Ruten bauen zu können, die vor kurzem noch undenkbar waren. Ohne jetzt jedes technische Detail zu kennen, kann grob gesagt werden, dass es Ziel der Rutenbauer ist, Harze zu entwickeln, die das Karbon vollständig und möglichst bis in die letzte Pore durchdringen. Dabei soll so wenig Harzgemisch wie möglich eingesetzt werden, um leichte, flexible Rutenteile zu schaffen, die zusätzlich sehr stabil sind. Dies scheint bei der Trabucco Energhia 2ks Competition auf den ersten Blick sehr gut gelungen zu sein. Die Rute wirkt leicht und der Rutendurchmesser ist –wie bereits erwähnt— unglaublich dünn.

Direkt unter den Aufdrucken befindet sich der silberfarbene Rollenhalter der Größe 6. Er ist ausreichend dimensioniert, um selbst größere Rollen zu fassen, und macht einen leichten, aber trotzdem soliden Eindruck. Als Besonderheit wurde der Rutenhalter mit Gummieinlagen unterfüttert, um Kräfte im Drill gleichmäßiger verteilen zu können.

Im Rollenhalterbereich hat Trabucco außerdem den schlanken Griff mit einer zusätzlichen Lage unlackiertem Gewebe verstärkt. Dies macht das Material nicht nur besonders kräftig, sondern sieht dank des sichtbaren Webmusters auch sehr gut aus. Unterhalb des Rollenhalters ist der Rutengriff mit einer dünnen Schicht aus nicht sichtbarem, griffigem Gummi überzogen. Das Rutenende wird durch eine Alukappe vor Beschädigungen geschützt.

Die schöne Karbonverstärkung und der leichte Halter passen zur Rute. Hier sammelt sich allerdings auch Futter an.

Die schöne Karbonverstärkung und der leichte Halter...

Toll gemacht- Die Gummibeschichtung für sicheren Halt ist nicht zu sehen und fühlt sich gut an.

Toll gemacht- Die Gummibeschichtung für sicheren Halt.

Die Katalogangaben der Energhia 2ks Competition lesen sich nahezu rekordverdächtig. 265 g bei 7 m Länge klingen einfach zu schön um wahr zu sein. In der Realität werden diese Werte aber nicht erreicht. Die Länge liegt, nach leichtem Einkürzen der Spitze für die Ringmontage, bei 6,64 m, während das Gewicht der Rute bei 293g liegt. Warum die Katalogabgaben abweichen, verstehe, wer will. Das Phänomen ist nicht neu und tritt bei vielen Firmenkatalogen auf. Eventuell ist aber auch einfach der im Rutengriff montierte Schaumstoffkonus beim Wiegen nicht berücksichtigt worden. Er sorgt beim Transport für einen festen Sitzt der Rutenteile und schützt die Rutenringe vor Beschädigung. Die Länge ist durchaus im Rahmen des Üblichen. Die 2KS muss in den Punkten reale Länge und Gewicht keinen Vergleich scheuen.

Das Transportmaß beträgt 149 cm, ein Wurfgewicht gibt Trabucco nicht an. Markierungshilfen, um beim Aufbau alle Ringe in eine perfekte Flucht zu bringen, gibt es nicht.

Praxis:

Am Anfang des Praxistests ist nicht ganz klar, für welchen Einsatzzweck die Bologneserute geschaffen wurde. Das Wurfgewicht fehlt -wie erwähnt- und so erfolgt der erste Einsatz mit leichten Posen an einem sehr langsam fließenden Fluss. Nachdem die sehr leichte Magnesiumrolle der Größe 2000 (knapp über 200 g) montiert wurde und die 0,17 mm Schnur durch die Ringe gezogen sowie eine 4 g Pose montiert wurde – auf der Kopfrute hätten in etwa 0,8-1 g gereicht—, werden die einzelnen Segmente ausgefahren und in Reihe gebracht. Dies ist bei 9 Ringen nicht gerade schwierig und geht zügig vonstatten. Als alle Teile sitzen, wird unterhalb der Pose eine Schlaufe gebunden, und die fertig aufgewickelte Montageschnur, die auch die Bleie trägt, eingeschlauft. Dieses Vorgehen erlaubt einen schnellen Wechsel der Montagen, falls zum Beispiel stärkerer Wind aufkommen sollte. Außerdem können weitere Bebleiungen für ein und dieselbe Pose vorbereitet und bei Beschädigung bzw. Abriss schnell ersetzt werden.

Die heutigen Bedingungen sind allerdings nicht optimal. Der Wasserstand ist gut und gerne mindestens 1 m unter Normalniveau, und der sonst leicht strömende Fluss plätschert nur ganz langsam vor sich hin.
Beim ersten Wurf mit der leichten Pose ist die Faszination über die filigrane Rute sofort wieder erwacht. Der dünne Rutendurchmesser zaubert augenblicklichwieder ein Lächeln ins Gesicht und die Beschleunigung der Rute lässt die leichte Pose spielend leicht auf die erforderliche Distanz von 22-23 m fliegen. Dabei zeigt sich, dass sich der Rutenblank auch bei leichten Posen sehr gut auflädt. Trotzdem ist die Rute als gesamtes sehr steif und kontrollierbar. Nach dem Wurf steht die Rute rasend schnell wieder in Ausgangsposition. Ein Nachwippen ist nicht feststellbar.

Als das erste kleine Rotauge beißt, zeigt sich zudem eine gute Spitzenaktion.

Da die Angelei bei nun extremen Temperaturen von über 30° Grad zur Quälerei wird und die Fische auch kein großes Interesse an dem gebotenen Festmahl zeigen, wird sie nach ein paar Stunden eingestellt. Auch das gehört zum Angeln!
Dennoch konnte ein erster Eindruck zur 2ks Competition gewonnen werden. Die Rute stellt beim Fischen eine echte Hausnummer dar. Sie ist extrem leicht, selbst mit leichten Rollen gut ausgewogen und weißt trotz einer hohen Steifigkeit eine gute Aktion auf. Punkte, die sich auf den ersten Blick eigentlich widersprechen.

Im Laufe der Zeit kam die 2ks Competition immer wieder zum Einsatz und konnte jederzeit begeistern.

Als sich das Wetter deutlich abgekühlt hat, stieg auch die Beißlaune der Fische schlagartig, und ein weiterer Angeltag an einem Fluss wurde geplant. Dieser ist knapp 60 m breit und fließt mit einer 2g Strömung ebenfalls eher gemächlich daher. Gewissenhaft wird auf circa 25 m eine Stelle ausgelotet, bis ein freier Trieb gewährleistet ist. Am Ende der Spur steigt der Grund schlagartig an und sorgt dafür, dass die untersten Bleie voll aufliegen. Die Wassertiefe beträgt fast 6,2 m. Da der Wetterbericht aufkommenden Wind vorhersagt, wurde eine eigentlich überdimensionierte 10 g Pose montiert. Am Anfang ist es der Plan die Hauptbebleiung hochzuschieben und in freier Drift nur 1-2 Beißschrote in der Strömung spielen zu lassen, während später mehr und mehr Blei aufgelegt werden soll, um vielleicht noch eine Brasse zu überzeugen.

Zu Beginn des Angeltages werden einfach ein paar kleine Ballen mit Mückenlarven und ein paar Dutzend Maden 5-6 m stromabwärts gesetzt. Die 10g Pose lässt sich hervorragend werfen und der verwendete Lineclip wird zuverlässig jedes Mal getroffen. Das Führen der Pose ist, dank des hervorragenden Stehvermögens der Rute, ebenfalls ein Kinderspiel. Die 2ks Competition fühlt sich fast schwerelos an und ist zudem leicht zu händeln. Der Abstand von Rutenhalter zu Rutenende ist gut gewählt und garantiert eine intuitive Handhabung der Rute. Die Rute kann vorm Bauch problemlos hin und her bewegt werden und lässt sich darunter auch angenehm abstützen.

Bereits in der ersten Drift geht die Pose auf Tauschstation und nach einem schnellen Anhieb zeigen kurze Rucke an, dass ein Fisch hängt. Leider hat eine Grundel von knapp 20 cm den Köder genommen. Die sollte es an dieser Stelle eigentlich nicht geben! Weitere Triebe bringen erneut Fische, doch es ist zum Verzweifeln. Grundel auf Grundel folgt und scheinen auch diesen Angeltag zu ruinieren. Die Rute indes präsentiert sich fantastisch. Der extreme Blank ist einfach hervorragend gelungen. Er vereint Leichtigkeit, Schnelligkeit, Steifigkeit und dennoch Sensibilität. Kurzum macht es einfach richtig Spaß mit so einer gut konstruierten Rute zu fischen!

Nachdem eine ganze Weile die Grundeln keine Ruhe geben, wird einfach nicht mehr nachgefüttert und gründlich überlegt, was zu tun sei. Dem Futter wird gekochter Hanf und eine winzige Menge kleiner Mücken zugefügt. Maden scheinen die Quälgeister besonders zu lieben und werden deshalb einfach weggelassen. Nachdem 3-4 Bälle nachgefüttert werden, tut sich eine ganze Weile gar nichts. Die Pose wird gefühlt zum hundertsten Mal eingeworfen und der Trieb langsam verzögert, bevor sie endlich wieder auf Tauchstation geht. Anhieb, der Fisch sitzt! Kräftige Schläge ziehen die Pose immer wieder unter die Wasseroberfläche, und die Rutespitze biegt sich ordentlich. Das kann keine Grundel sein!
Kurz darauf signalisiert ein erstes silbernes aufblitzen, dass endlich die Rotaugen den Futterplatz gefunden haben.

Vorsichtig wird das kleine Rotauge gelandet.

Die Trabucco Energhia 2ks Competition puffert bei geschlossener Bremse alle Schläge über die feine Aktion der Rute ab und sorgt auch bei diesem dünnen 10er Vorfächern für einen sicheren Drill. Vorsichtig wird das kleine Rotauge gelandet.

Nach und nach können jetzt auch bessere Fische an der tollen Rute gedrillt werden. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass die 2ks auch mit dünnsten Vorfächern –heute werden 0,08 mm und 0,10 mm gefischt— in der Lage ist, Fluchten auch besserer Fische komplett abzufangen. Die Bremse kann selbst in sehr heiklen Situationen, wenn jeder Fisch zählt, geschlossen bleiben, und trotzdem können feinste Vorfächer verwendet werden. Die gummiartige Beschichtung am Rutengriff hat sich in der Praxis als großer Pluspunkt herauskristallisiert. Selbst Futter und Erde verschmierte Hände fanden hier festen Halt.

Am Ende des Tages konnten einige schöne Fische gefangen werden, und die Begeisterung über die außergewöhnliche Rute ist nach wie vor ungebrochen.

Am Ende des Tages konnten einige schöne Fische gefangen werden

Das Wurfgewicht der Rute kann mit 4-20 g angegeben werden.

Fazit:

Die Trabucco Energhia 2ks Competition verrät schon im Namen, auf welche Zielgruppe es Trabucco bei der Konstruktion der Rute abgesehen hatte. Wirklich alles an dieser Rute ist auf die Teilnahme an Wettkämpfen ausgelegt. Der dünne Blank, die verstärkten Bereiche, das geringe Gewicht und natürlich die hervorragende Haptik sorgen dafür, dass die Handhabung der Rute während des Angels einfach perfekt ist. Obwohl die Kennzahlen eher auf eine dünne und zerbrechliche Rute schließen lassen, ist es Trabucco gelungen der Rute eine nicht vorher angenommene Stärke und Stabilität zu verleihen.

Preislich wird im Einzelhandel in etwa 300€ für diese Rute verlangt werden. Ein Preis, der absolut gerechtfertigt ist. Trabucco hat wahrhaftig eine Traumrute für den Wettkampfangler gebaut. Die Trabucco Energhia 2ks Competition setzt neue Maßstäbe!

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