Im Praxistest - Die Browning CC Silverlite 10-08

  • von ct Redaktion
  • 15. Juni 2015 um 10:00
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Angeln am Carpodrom liegt mittlerweile auch in Deutschland im Trend. Es macht einfach Spaß, große Fische an der Kopf- oder Feederrute zu überlisten und dabei das anglerische Können auszutesten. Allerdings gibt es sie nach wie vor: Spezialisten, die an feinsten Schnüren Rotaugen und Brassen nachjagen und viel Freude daran finden, diese heiklen Fische zu überlisten. Kurzum, die Karpfenjagd am künstlich angelegten Gewässer ist nicht jedermanns Sache.

Ein Blick über den Ärmelkanal verrät, dass dies bei unseren englischen Freunden nicht anders ist. Die Wettkämpfe an natürlichen Gewässern werden wieder immer beliebter, und die Freude über 2-3 Kg Kleinfisch ist häufig mindestens genauso groß wie über einen 200 Pfund Karpfenfang.

Dies hat die Firma Browning erkannt und hat ihr bereits hervorragendes Kopfrutensortiment mit zwei reinen Silberfischruten ergänzt. Zugeschnitten auf die Kleinfischangelei, sollen die Kopfruten der Silverlite-Reihe die Silberfischspezialisten begeistern und genau das Material bieten, was für die feine, schnelle Angelei notwendig ist.

Champions-Team konnte sich eine Rute der ersten Lieferung für einen Langzeittest sichern. Die Wahl fiel auf die CC Silverlite 10-08, die seit Monaten auf Herz und Nieren getestet wird. Wie sie sich dabei geschlagen hat, können Sie nachfolgend lesen.

Viel Spaß!

Lieferumfang:

  • 13m Rute
  • 2 vierteilige SL-Kits in 5,7 m Länge
  • Cuppingkit
  • „Adjusta“ Pole Protector
  • Rutenfutteral

Futteral

Das mitgelieferte Rutenfutteral stammt aus der aktuellen Xitan-Reihe. Wir konnten wir uns bereits beim Test der Xitan Z10 und auch beim Begutachten der Xitan-Taschenserie von der Qualität der Reihe überzeugen und waren mehr als zufrieden.

Das mitgelieferte Futteral ist 1,85m lang und fasst bis zu sechs Rutenrohre. Wie der große Bruder, ist es bequem zu tragen und überzeugt durch Optik, Qualität und Verarbeitung. Es ist sehr handlich und findet, anders als die Langversion, in jedem Kombi bequem Platz. Dank der hochwertigen Ausführung wird kein anderes Futteral benötigt, es kann sofort losgehen.

Rute:

Die CC Silverlite 10-08 ist eine achtteilige Kopfrute und weist laut Katalog ein Gewicht von nur 814g auf. Diesen Spitzenwert erreicht die Silverlite auch auf der Waage und gehört damit zu einer der leichtesten Ruten auf dem Markt. Die gemessene Länge beträgt allerdings nur 12,24 m, so dass die 13 m Marke nur inklusive Pole Protector erreicht wird. Da Kopfruten produktionsbedingt  immer um ein paar Zentimeter in der Länge variieren können, hat Browning den Adjusta Pole Protector entwickelt. Dieser kann einfach per feiner Metallsäge zurechtgesägt werden, so dass die Rute auf den Millimeter genau auf CIPS-konforme 13 m gebracht werden kann.  So kommt es nicht zum Regelverstoß, und trotzdem wird kein Zentimeter verschenkt.

Die Silverlite 10-08 ist eine komplett neu gestaltete Rute und wurde auf Leichtigkeit und Steifheit hin optimiert. Am deutlichsten wird dies bei den mitgelieferten Kits. Selbst das erste und zweite Rutenteil sind neu entwickelt worden und weichen von den normalen SL-Kits in Punkto Teilung und Durchmesser komplett ab. Insbesondere das erste Rutenteil ist sehr schlank und mit 1,61 m auch außergewöhnlich lang.

Eine Kopfrute für die Silberfischangelei muss besonders leicht und steif sein. Letzteres kann im Rutenbau auf zwei Arten realisiert werden. Die erste Methode ist der erhöhte Materialeinsatz, der Kopfruten aber gleichzeitig auch schwerer macht. Die zweite Methode, für die Browning sich hier entschieden hat, ist, den Durchmesser und somit den Querschnitt einer Rute zu erhöhen. Als Resultat kann eine steife und auch leichte Rute entwickelt werden.

Bei der CC Silverlite wird gerade dies deutlich. Wird die Rute im Gesamten betrachtet, verfügt sie über sehr dünne erste Teile, die ab Ende des kurzen zweiten Teils auf Normalniveau ansteigen, um dann ab Teil 4 schnell auf einen erhöhten Durchmesser überzugehen. Der maximale Durchmesser der Rute wird am Ende des 13 m Handteils erreicht und beträgt 47,5 mm.

Wie die Ruten der Xitan-Reihe verfügt die Silverlite über speziell verstärkte Bereiche. Überall, wo kritische Belastungen auftreten könnten, sorgt eine zusätzliche Lage Karbon für mehr Stabilität. Dies sind insbesondere die Enden der Rutenteile sowie der Bereich des fünften Teils, an den beim Auf- und Abstecken Hand angelegt wird.

Das Design der Rute ist schlicht und sehr unauffällig. Nur schmale Schriftzüge weisen auf das Rutenmodell und deren spezielle Eigenschaften hin.

 Die Browning CC Silverlite 10-08

Die im Set enthaltenen Kits sind 5,7 m lang und ebenfalls komplett neu entwickelt worden. Anders als bei der Rute –hier wurde ein Ultra Match Kit samt 3,0 mm Teflonbuchse verbaut- verfügen die beigelegten Match Kits über größere 3,9 mm interne Buchsen. Beide Kits verfügen über zusätzlich verstärkte Bereiche, die für den Einbau von Sidepullern angebohrt werden können.

Das Cuppingkit ist mit 2,75 m den Kits in der Länge angepasst und macht einen stabilen Eindruck.

Wie bei Browning üblich, sind alle Rutenteile perfekt beschriftet, so dass ein Teilechaos ausgeschlossen ist. Im Falle der Fälle kann so die Ersatzteilbeschaffung selbst vom Wasser problemlos durchgeführt werden. Natürlich fehlen Markierungen der Jointline genausowenig wie Precision Points fürs präzise Cuppen.

Markierungen der Jointline fehlen genausowenig wie Precision Points Die CC Silverlite 10-08 ist für Gummizüge bis Stärke 10 freigegeben

Freigegeben ist die CC Silverlite 10-08 für Gummizüge bis Stärke 10.

Vorbereitungen:

Bereits ab Werk sind die Kits mit Teflonbuchsen versehen worden, so dass das Zurechtsägen der Rutenspitzen beim Gummizugeinbau entfällt. Dank der langen Spitze von 1,6m ist die Entscheidung, die Gummis auch nur dort einzubauen, schnell gefallen. Dies hat sich bereits bei anderen Rutentest bewährt und in der Praxis als hervorragend herausgestellt.

Dennoch gestaltet sich der Einbau unerwartet kompliziert. Das Spitzenteil der Kits ist mit nur 11,3 mm so schmal, dass selbst die kleinste verfügbare Endhalterung aus dem Hause Browning auf Anhieb einfach nicht passen möchte. Auf ein Maximum gekürzt, müssen sogar noch die Kunststoffbügel nach innen gebogen werden, damit die Spitzen die Halterung aufnehmen können. Danach können Gummizüge der Stärke 5 (0,8 mm) für die Rotaugen- bzw. Stärke 8 (1,2 mm) für die Brassenangelei montiert werden.

Praxis:

Die Silverliteruten sind, laut Katalog, Kopfruten, die für erfahrene Angler und für den Fang kleinerer Friedfische vorgesehen sind. Deshalb startet die Testphase zuerst beim Rotaugenangeln an Kanal und See.

Am Gewässer angekommen, erfolgt der erste Aufbau der Rute. Alle Teile werden nochmal genau geprüft und das Material näher begutachtet beziehungsweise per Hand abgedrückt. Dabei ergibt sich, dass die einzelnen Rutenteile eher weich und elastisch ausfallen. Die Rutenwände geben, im Unterschied zu Materialstarken Allroundern, spürbar nach. Ein wenig Vorsicht ist somit beim Angeln bestimmt nicht fehl am Platz.

Beim Fischen selbst machte sich dieser Umstand allerdings weniger bemerkbar. Die Silverlite 10-08 steht in 11 m hervorragend, wirkt nahezu schwerelos und ist unfassbar schnell. Besonders der Einsatz des Ultra Match Kits ist bei dünneren Gummis ideal. Es ergänzt die bereits schnelle Aktion der Rute perfekt und Anhiebe werden sofort in Bisse verwandelt. In 13 m (ohne Pole Protector) kann die Silverlite mehr als nur glänzen. Gerade in Punkto Leichtigkeit und Schnelligkeit kann sie sich im Vergleich zu vielen Oberklasse Ruten weit absetzen und vollkommen überzeugen.

In Punkto Leichtigkeit und Schnelligkeit kann sie sich zu vielen Oberklasse Ruten weit absetzen

Selbst kurze und spitze Bisse kleinster Rotaugen können perfekt pariert werden, und jedes noch so zaghafte Anheben der Rute resultiert sofort in einem schnellen Anhieb. So macht die Rotaugenangelei riesigen Spaß!

Das Cuppen, auch schwerer Futterbälle mit einem hohen Anteil an Erde, gelingt problemlos. Hierbei ist allerdings Besonnenheit angesagt. Die Steckverbindungen fallen vom Material her ein wenig dünner aus, und ein Verkanten der Teile wird mit Sicherheit in der Beschädigung derselben resultieren. Bei besonders schweren Bällen und voller Kitlänge macht sich zudem das spezielle Konzept der leichten Friedfischrute bemerkbar. Das Material verformt sich ein wenig unter der schweren Last.

Sehr gelungen ist die Konstruktion der Kits an sich. Dank des reduzierten Durchmessers der vorderen Teile weist die Rute selbst auf voller Länge eine sehr gute Balance auf und fühlt sich deshalb angenehm leicht an.

Der Einsatz des Pole Protectors verändert das Gesamtbild der 10-08 natürlich ein wenig. Wie bei jeder anderen Rute auch, wird sie gefühlt etwas schwerer und auch ein wenig langsamer. Dies bleibt erfreulicherweise aber sehr im Rahmen, so dass die Kleinfischangelei nach wie vor hervorragend gelingt.

Die nächste Testphase erfolgt am Brassenkanal in Holland, wo die Fische im Durchschnitt immerhin 1,7 kg auf die Waage bringen. Montiert wurde deshalb ein 8er Gummizug.

Bereits wenige Minuten nach Angelbeginn geht die 3g Pose auf Tauchstation, und der Anhieb kann gesetzt werden. Das Ultra Match Kit biegt sich unter dem Druck des Fisches spürbar, während die Rute im Drill erstaunlich steif ist und nur wenig Aktion aufweist. Das Drillgefühl ist gut, und die Rute macht trotz der filigranen Konstruktion einen unerwartet soliden Eindruck. Die Brasse kann gefühlvoll, aber doch schnell gedrillt und gelandet werden.

Im Laufe des Tages gelingt dies noch ganze 15 Mal und ein toller Angeltag findet langsam ein Ende. Fest zu halten ist, dass die Silverlite einen deutlich kräftigen Eindruck vermittelt, als das Datenblatt vermuten ließ. Kraftvoll, leicht und steif ist sie ideal für die Brassenangelei geeignet und wird mit Bonusfischen bis knapp über fünf Pfund spielend fertig.

Bei den SL-Kits hat sich gezeigt, dass sich das Ultra Match Kit hier nicht ganz so zuhause fühlt, wie bei der schnellen Kleinfischangelei. Aufgrund der ausgeprägten Aktion entsteht im Ruteninneren ein wenig Reibung und der Gummizug arbeitet nicht perfekt. Das ebenfalls mitgelieferte Match Kit hingegen erweist sich als wahrer Traum für den dickeren Gummizug. Supersteif und mit großer Öffnung könnte dieser nicht besser seine Arbeit verrichten.

Das super schnelle 3,0 mm Ultra Match Kit (unten) weist unter Last eine deutlich größere Aktion als das sehr steife 3,9 mm Match Kit auf (oben)

Als in den Folgetagen der Wind immer stärker wird und nicht mehr auf voller Länge gefischt werden kann, fällt zum ersten Mal auf, dass der Adjusta Pole Protector nur für das 13m Handteil vorgesehen ist und nicht auf das 11m Teil passt. Ein schnelles ausprobieren der Pole Protectoren anderer Ruten ergibt, dass diese, aufgrund des höheren Durchmessers der Rute, ebenfalls leider nicht passen. Die 10-08 ist nun einmal als 13 m Rute für Spezialisten entwickelt worden, die größtenteils auf voller Länge fischen werden.

Als der Wind dann Geschwindigkeiten von knapp 50km/h erreicht, arbeitet das hochwertige Karbon spürbar im Wind. Selbst das „ins Wasser tauchen“ der ersten Teile hilft nicht mehr, und der Blank beschreibt ein „S“. Das Material verformt sich spürbar in den Händen bis die Vernunft endgültig siegt. Die Grenzen der Rute sind erreicht und das Angeln mit der Kopfrute muss (überall) eingestellt werden.

Durch diese positiven Erfahrungen angespornt, erfolgen die nächsten Einsätze an einem Carpodrom in den Niederlanden. Die Fische werden hier maximal 8 Pfund (im Schnitt 4 Pfund) schwer, sind sehr kampfstark und bieten hervorragenden Angelsport. Eine gute Gelegenheit die Belastbarkeit der Silverlite, obwohl sie eigentlich nicht für diese Angelei vorgesehen ist, genau auszuloten.

Dies kann allerdings nur mit angepasstem und abgestimmtem Material erfolgreich sein. Ein weißes Hydrolastic, welches am oberen Ende der Gummizugfreigabe Brownings kratzt, wird am Pullerbung eingebaut und mit einer 0,3 g Montage an einer 0,16 mm Hauptschnur kombiniert. Das 0,14 mm dünne Vorfach ist an diesem hindernisfreien Gewässer ausreichend.

Auch wenn die Rollenrute während der Testphase deutlich besser fing, konnte die Silverlite 10-08 durchaus einen guten Eindruck am Karpfensee hinterlassen. Natürlich ist sie aufgrund der Materialoptimierung nicht zur reinen Karpfenrute prädestiniert, doch hat sie auch wilde Drills guter Fische gemeistert. Allerdings war eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl angesagt, und die eine oder andere Flucht der starken Fische hat uns den Schweiß ins Gesicht getrieben. Das Auf- und Abstecken der Rutenteile erfordert unter Druck einen umsichtigen Umgang mit der Rute und „richtiges“ Drillverhalten ist unumgänglich. Wer meint große Fische durch Heben der gesamten Rute drillen zu müssen, wird schnell feststellen, dass dies zwar interessant aussehen mag, aber mit Sicherheit, gerade bei einer so feinen Rute, mit Bruch enden muss. Wird hingegen mit Verstand und Gefühl gedrillt –also die Rute langsam und vorsichtig, flach nach hinten geschoben- und der Fisch mit dem kurzen Kit ausgedrillt, kann im Grunde kaum etwas schiefgehen. Selbst die 3,9mm Matchkits meistern diese Aufgabe mit Bravour und sorgen für ein optimales Arbeiten des dicken Gummizuges.

Am Ende des Testzeitraumes konnte eine Reihe toller Fische mit der CC Silverlite 10-08 gelandet werden.

Trotzdem gilt: Die CC Silverlite 10-08 ist ein Spezialist, der für die schnelle Friedfischangelei, und eben nicht für die Großfischangelei, konzipiert wurde. Den CT-Belastungstest, bei dem die Rute bis ans Limit getestet wird, hat sie gut gemeistert. Auf Dauer sollten Sie dies einer so feinen Rute aber bitte nicht zumuten.

Von einem Einsatz am schnellen Fließgewässer wurde zu guter Letzt abgesehen. Dafür ist die Silverlite mit Sicherheit nicht geeignet.

Fazit:

Die Browning CC Silverlite 10-08 ist eine Rute für Spezialisten, die auf der Suche nach dem Besonderen sind und optimales Material für die Angelei auf voller Länge benötigen. Die Rute ist unheimlich schnell, besonders leicht und besticht mit einer hervorragenden Balance.

Obwohl sie natürlich nicht auf die Karpfenjagd ausgelegt ist –hier gibt es geeignetere Ruten- besitzt sie genügend Kraftreserven, um auch größere Fische sicher zu landen. Dennoch ist die Silverlite 10-08 keine Rute für Jedermann. Das Material ist ein wenig dünner und insgesamt auch empfindlicher als das von Allround- oder Flusskopfruten.

Wer dies in Kauf nimmt und erfahren im Umgang mit Kopfruten ist, erhält im Gegenzug ein perfekt optimiertes Sportgerät, das auf dem Markt deutlich hervorsticht. Der derzeitig aufgerufene Preis von circa 2000€ stellt kein Schnäppchen dar, ist aber einem Hochleistungsgerät angemessen.

Anmerkung: Wer es wirklich wissen möchte, sollte sich die Silverlite 10-12 ebenfalls genauer ansehen. Auf den ersten Blick ist sie noch eine Spur leichter und steifer, doch dürfte der Spielraum für Fehler im Umgang mit der Rute auch deutlich geringer als bei der 10-08 ausfallen.

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