Praxistest - Die Shimano Super Ultegra und Shimano Exage

  • von ct Redaktion
  • 09. April 2015 um 11:00
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Angelfirmen verfolgen in Punkto Produktstrategien komplett unterschiedliche Konzepte. Die einen bringen möglichst jedes Jahr neue, spannende Produkte heraus, während andere auf Konstanz und Beständigkeit setzen. Beide Ausrichtungen haben ihren Reiz. Es macht mir großen Spaß Kataloge auf Neuigkeiten zu durchstöbern und neues Angelgerät anzuschauen. Dennoch versprüht auch ein langes Produktleben und hohe Beständigkeit einen großen Charme. Ersatzteile sind lange verfügbar, und die neue Rute gehört nicht schon nach wenigen Wochen zum alten Eisen.

Eine Firma, die mit einer besonders großen Beständigkeit besticht, ist Shimano.

Eine Angelmethode, die bei vielen Anglern eher Stiefmütterlich behandelt wird, aber trotzdem jedes Jahr im Herbst, passend zum IAM und der Saison am Silokanal plötzlich akut wird, ist das Bologneseangeln. Da Boloangeln aber grundsätzlich nicht nur am Silokanal eine gute Methode darstellt, haben wir uns dazu entschieden passend zur neuen Saison einen Produkttest einer Bolorute herauszubringen. Die Wahl fiel hierbei auf die Shimano Super Ultegra, die auch im neuen 2015er Katalog einen Platz gefunden hat, und somit eine ideale Voraussetzung bietet frühzeitig auch eigene Gewässer damit zu ergründen.

Überraschenderweise stellte Shimano nicht nur die Super Ultegra für einen Langzeittest zur Verfügung, sondern legte auch gleich die neue Shimano Exage TE 5 700 GT mit ins Paket. Wir haben die Gelegenheit genutzt und den anvisierten Einzeltest in einen Vergleichstest umgewandelt. Wie sich die beiden Ruten geschlagen haben, können Sie im Folgenden lesen.

Super Ultegra

Die Shimano Super Ultegra TE 5-700GT

Lieferumfang:

  • Hardcasefutteral
  • Rute

Der Lieferumfang der Super Ultegra ist schnell erklärt. Die Rute wird in einem schwarzen Hardcasefutteral geliefert, das neben einem einfachen Tragegriff über eine Kunststofföse zum Aufhängen an einem Wandhaken verfügt. Das Futteral verfügt über einen Reißverschluss, der mit zwei Schiebern ausgestattet ist. Im Ringbereich der Rute ist es von innen zusätzlich mit weichem Schaumstoff gepolstert.

Die Shimano Super Ultegra TE 5-700 ist eine 6,85 m lange Bologneserute mit einem Wurfgewicht von 4 bis 20g und deckt somit genau die Anforderungen ab, die die meisten Angler in Deutschland an eine Bolo stellen dürften.

Direkt nach dem Öffnen des Hardcases fällt der Rutengriff ins Auge. Dieser fällt mit 25 mm schmal aus und ist wunderschön lackiert. In blauer/aquamariner- Metallicoptik gehalten, macht er optisch eine tolle Figur und vermittelt sofort einen hochwertigen Eindruck.

Aufdrucke geben Auskunft über die Besonderheiten des verwendeten Carbons. Einerseits sind für ein kräftiges Rückgrat Biofasern in den Blank eingearbeitet – Shimano nennt das Biofibre —, andererseits weist der Aufdruck HPC 200 auf einen speziellen Herstellungsprozeß hin. HPC steht für high pressure carbon (Hochdruckkarbon) und verweist darauf, dass das Karbon unter hohem Druck im Ofen gebacken wurde. So wird möglichst viel Luft aus den mit Harz vorlaminierten Matten gezogen, und das Harz kann sich homogen verteilen. So behandelte Rutenteile sind dünner, leichter, aber auch belastbarer als welche aus dem Standardherstellprozess.

Als der Blick zur Beringung hoch wandert, kommt es zu einem Schreckmoment. Fehlen die Ringeinlagen? Erst auf den dritten Blick wird klar, dass diese extrem dünn ausfallen und der Übergang von der Ringhalterung zur Einlage kaum sichtbar ist.

Ultradünne Ringeinlagen machen die Ultegra zum Schmuckstück.Ultradünne Ringeinlagen machen die Ultegra zum Schmuckstück.

Die Super Ultegra verfügt über 10 Ringe, die auf den 7 Segmenten der Rute klassisch verteilt wurden und vom Blank weit abstehen. Alle Wicklungen sind sauber ausgeführt und geben keinen Grund zur Beanstandung. Des Weiteren verfügt die Rute über spezielle Markierungen namens S.A.S (Shimano Alignment System), die beim Auseinanderziehen der Rute dabei helfen alle Teile in einer sauberen Flucht zu montieren. Der chromfarbene Rollenhalter stammt aus dem eigenen Haus und ist der feinen Rute angemessen. Eine Probe mit verschiedenen Rollen ergibt, dass kleine sowie große Rollen fest montiert werden können.

Ausgestattet mit dem S.A.S. - Shimano Alignment System Schlanker und leichter Rollenhalter.

Ein erster Trockentest zeigt, dass die Rute über eine sehr feine und lange Spitze verfügt, die eine ausgeprägte Spitzenaktion erwarten lässt. Die Balance ist auch ohne Rolle bereits gut, und die Rute ist nur geringfügig Kopflastig. Die Technischen Daten im Katalog stimmen relativ genau mit den gemessenen Werten überein. Die Rute ist genau 6,82m lang und bringt 303g auf die Waage. Das Transportmaß beträgt samt Hardcase 1,47m.

Shimano Exage:

Shimano Exage TE 5 700 GT

Lieferumfang:

  • Rute samt Ringschutz

Im direkten Vergleich zwischen Super Ultegra und Exage sind einige markante Unterschiede feststellbar. Während die Super Ultegra mit ihrem schlanken Blank und faszinierend filigraner Beringung auffällt, ist die Exage insgesamt ein klein wenig robuster und massiver ausgestattet. Der Griffdurchmesser ist mit 26,3mm durchaus noch als schlank zu bezeichnen, während die Beringung, zumindest im direkten Vergleich, fast ein wenig einfach wirkt.

Der Leitring der Exage (links) ist nicht nur deutlich größer und massiver, sondern besitzt auch deutlich stärkere Ringeinlagen.
Der Leitring der Exage (links) ist nicht nur deutlich größer und massiver,
sondern besitzt auch deutlich stärkere Ringeinlagen.

Wie bereits in vergangenen Tests, kann festgestellt werden, dass Shimano sehr genaue Katalogangaben tätigt. Die Exage ist 6,84m lang und ist mit 327g nur unwesentlich schwerer als die deutlich teurere Super Ultegra. Wie die große Schwester besitzt sie 10 weit abstehende Ringe und weist insgesamt 7 Rutenelemente auf. Der Rollenhalter ist funktionell und fasst Rollen jeder Größe.

Funktioneller RollenhalterFunktioneller Rollenhalter

Mit einer Metalliclackierung in Silber/Champagner und einigen Detailverzierungen macht die Exage eine gute Figur und sieht mindestens so gut wie die große Schwester aus. Das Wurfgewicht wird mit 4-20g angegeben.

 Beide Ruten machen optisch einiges her. Die Exage wirkt im Handteil stämmiger als die Ultegra.
Beide Ruten machen optisch einiges her. Die Exage wirkt im Handteil stämmiger als die Ultegra.

Ein erstes Aufbauen zeigt, dass die Exage insgesamt ein anderes Bild als die Super Ultegra abgibt. Der Blank und die Rutenspitze wirken deutlich kraftvoller. Obwohl ersterer nur 1,3mm stärker als der der großen Schwester ist, wirkt die Rute insgesamt deutlich massiver. Eine gewisse Kopflastigkeit ist vorhanden, hält sich für eine Rute aus dem Einsteigersegment aber überraschend in Grenzen. Auf das nützliche S.A.S verzichtet Shimano bei der Exage leider.

Praxis:

Wie beim Ct-Langzeittest üblich werden die Shimano Super Ultegra und Exage über einen längeren Zeitpunkt in der Praxis unter die Lupe genommen. Dies wird an den heimischen Ruhrgebietskanälen allerdings zur Geduldsprobe. Das Beißverhalten ist sowieso selten besonders gut, und die Stellenweise stark präsenten Grundeln rauben Friedfischanglern schier das letzte Quäntchen Geduld. Als der Winter mit großen Schritten naht, droht der Test am Wasser vollkommen zur Trockenübung zu werden.

Kurzerhand wird dieser dann nicht ganz uneigennützig – der Autor benötigte dringend mal wieder ein paar Angeltage mit tollen Fischen — in die Berliner Region verlegt, wo aufgrund des Wintereinbruchs sehr schöne Rotaugen in Massen zu fangen sein sollen.

Boloangeln auf winzige Grundeln macht einfach kein Spaß! Es musste dringend Abwechslung her.Boloangeln auf winzige Grundeln macht einfach kein Spaß! Es musste dringend Abwechslung her...

So kommt es, dass der Test am letzten Novemberwochenende an einer Verengung zweier Havelseen einen krönenden Abschluss finden soll.

Als mein Gastgeber Pascal und ich mich auf dem Parkplatz am Gewässer treffen, sind die Bedingungen mit 0° Grad und leichtem Seitenwind nicht gerade optimal. Wir ziehen uns warm an; packen unser leichtes Gerät und machen uns auf den Weg zum Wasser. Dort angekommen bereiten wir zügig unseren Angelplatz vor.

Nachdem die Rollen montiert sind, werden die Montagen per Schlaufe in Schlaufe-System mit der 0,20mm Hauptschnur verbunden. Erste Würfe mit der Super Ultegra versetzen mich in Staunen. Der Blank lädt sich sehr gut auf und arbeitet beim Wurf hervorragend mit. Würfe bis 40m gelingen spielend. Jetzt, mit einer verhältnismäßig leichten Rolle (250g), ist von der Anfangs festgestellten Kopflastigkeit kein bisschen mehr zu spüren. Die Super Ultegra ist sehr gut ausbalanciert und liegt sehr gut in der Hand. Der Blank ist dabei sehr straff und steht nach jedem Wurf ohne spürbares nachwippen innerhalb von Sekundenbruchteilen wieder perfekt gerade da.

Die Super Ultegra beim Wurf. Der Blank lädt sich gut auf.Die Super Ultegra beim Wurf. Der Blank lädt sich gut auf.

Die Gewässertiefe beträgt an der heutigen Stelle ca. 3m, und die Strömung fällt moderat aus. Die gewählte 10g Pose stellt sich als ausreichend heraus. Das Loten ergibt zudem einen verhältnismäßig glatten Grund, der nur durch wenige Steine durchbrochen wird. Nachdem die Wurfweiten beider Ruten auf ca. 25m abgeglichen und die Montagen so eingestellt wurden, dass das letzte Schrot knapp über Grund schwebt, kann mit der Fütterung begonnen werden. 5 Bällchen, gespickt mit Mais, werden auf ca. 25m ein wenig stromab platziert, um dann entweder in voller Drift oder stark verzögert darüber geführt zu werden.

Voller Spannung und aufgrund des Wetters mit leichten Zweifeln behaftet, erfolgt der erste Wurf samt Köder. Das Angeln kann beginnen.

Bereits nach wenigen Herzschlägen der Ungewissheit wird der letzte Funke des Zweifels aber bereits beseitigt. Die Pose geht auf Tauchstation, und es wird klar, wie die heutige Devise lauten wird: Volldampf!

Der Anhieb erfolgt und sofort biegt sich die Super Ultegra bis ins vierte Teil. Ein gut und gerne 300g schweres Rotauge hat sich direkt auf die drei Maiskörner gestürzt und veranstaltet an der Bolo ein Spektakel. Nach kurzem Drill wird es vorsichtig am 0,16mm Vorfach aus dem Wasser gehoben, abgehakt und vorsichtig ins kühle Element zurückgesetzt. Danach geht es Schlag auf Schlag weiter. Wunderschöne Fische mit einem unglaublich guten Durchschnittsgewicht lassen Wind und Wetter vergessen. Der Umgang mit der Super Ultegra wird dabei immer sicherer. Das Vertrauen ins Gerät wächst und mittlerweile schlittern die Rotaugen im Drill über die Wasseroberfläche und fahren bei geschlossener Bremse nahezu Wasserski.

Ausgeprägte Spitzenaktion und starkes Rückgrat. Die Zuversicht ins Testgerät wächst und die Rotaugen werden zügig gelandet.Ausgeprägte Spitzenaktion und starkes Rückgrat. Die Zuversicht ins Testgerät wächst
und die Rotaugen werden zügig gelandet.

Besonders die Aktion der Super Ultegra überrascht immer wieder. Anders als zuerst gedacht ist diese im Drill relativ weich und erinnert eher an eine gute Lang-Lang Rute. Selbst große Fische gehen dank der ausgeprägten Spitzenaktion nicht verloren und können aufgrund des kräftigen Rückgrats, ohne dass nur ein einziger Fisch ausschlitzt, rasch gedrillt werden. Am starken Gerät werden einfach alle Fische bis knapp über 300g zügig aus dem Wasser gehebelt.

Fische bis 300g wurden gehoben     größere dann doch gekeschert
Fische bis 300g wurden gehoben, größere dann doch gekeschert.


Das Material hält, und so kann noch einmal eine Schippe nachgelegt werden. Fisch auf Fisch wird zum Landgang überredet. Die Beringung bzw. deren Verteilung stellt sich in der Praxis als optimal heraus. Obwohl der Rutenblank mittlerweile mit einer dünnen Eisschicht überzogen ist und immer wieder welches aus den Ringen entfernt werden muss, klebt die Hauptschnur nie am Blank. Als dann der Wechsel zur Exage stattfindet, ist bereits eine zuvor nicht für möglich gehaltene Anzahl toller Fische zusammengekommen.

Alles in Allem verläuft das Angeln mit der Shimano Exage ähnlich Erfolgreich. Unterschiede finden sich im Wurfverhalten und der Aktion der Rute. Der Blank der Exage fällt deutlich kräftiger aus und lädt sich beim Wurf nicht ganz so gut wie der der Super Ultegra auf. Er ist einfach deutlich kräftiger und weist somit auch ein komplett anderes Wurfverhalten auf. Die Exage ist deshalb eher für Posen von 8 bis 20g geeignet. Obwohl die Rute nach dem Wurf ein wenig in der Spitze nachschwingt und bei weitem nicht so straff abgestimmt wie die Super Ultegra ist, macht sie einen sehr ordentlichen Eindruck. Die gröbere Beringung ist in der Praxis ohne größeren Einfluss und verhindert ebenfalls zuverlässig ein Festkleben der Schnur am Blank bei Feuchtigkeit. Die Anfangs festgestellte leichte Kopflastigkeit ist auch mit einer etwas schwereren Rolle zwar noch vorhanden, wurde aber deutlich minimiert. Wer die Bolo am Bauch abstützt wird sowieso kaum noch etwas davon bemerken. Ein entspanntes Angeln, auch über Stunden, ist problemlos möglich.

Am Ende des Tages macht ein Blick auf den Fang deutlich, dass es sich gelohnt hat, die nette Einladung in den Berliner Raum angenommen zu haben. Die Bolos konnten endlich mit ordentlich Fisch in Kontakt gebracht werden. Zu guter Letzt ist mit knapp 22kg Rotaugen ein mehr als ansehnlicher Fang gelungen, und die qualvolle Angelei auf kleine Grundeln ist vergessen.

Die Bolos brachten ordentlich Fisch

Fazit:

Die Shimano Exage besticht durch ein kräftiges Rückgrat und einem stabilen Blank. Die Beringung verrät sie zwar als Einstiegsmodell, was am Wasser aber kaum ins Gewicht fällt. Die Exage steht gut, ist ordentlich ausbalanciert und verfügt über genügend Kraft um auch Situationen mit viel Fisch zu meistern. Für 170€ erhält der Käufer eine vernünftige Bolorute, die über Stunden ohne Ermüdungserscheinungen fischbar ist und dabei noch eine Menge Spaß bringt.

Sie ist für jeden Angler gut geeignet, der nicht ganz so viel für eine Bologneserute ausgeben möchte, aber trotzdem keine großen Abstriche machen möchte. Mit Sicherheit auch für die großen Angeln am Silokanal geeignet!

Die Shimano Super Ultegra ist eine Rute für anspruchsvolle Boloangler, die nur mit dem Besten zufrieden sind. Die ultradünne Beringung begeistert schlichtweg und macht zusammen mit der schönen Lackierung aus der Super Ultegra eine Rute für Enthusiasten. In der Praxis konnte sie mit ihrer weichen Spitzenaktion und dem trotzdem kräftigen Rückgrat begeistern. Fische konnten so schnell und sicher gelandet werden, während der Fischverlust deutlich reduziert werden konnte. Dank der feinen Spitze können auch dünne Schnüre und Vorfächer gut gefischt werden.

Für 290€ erhält der Käufer eine Rute, die in der Praxis vollkommen überzeugen konnte und auch optisch ein echtes Highlight ist.

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