Im Langzeittest - die FTM Bolotech

  • von Markus Howanietz
  • 08. Dezember 2016 um 11:00
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Wie haben sich die Boloruten in den letzten Jahren eigentlich weiterentwickelt haben wir uns Anfang des Jahres vor Beginn der Messen gefragt. Mit den goldenen Zeiten am Silokanal erlebten die beringten Rollenruten eine regelrechte Renaissance und während die ersten Modelle vielfach schwer, schwabbelig und recht dick im Handteildurchmesser waren, so wurden die Ruten mit den Jahren immer dünner, schneller und dabei auch noch leichter.
Eine richtig schöne Bolorute wollten wir also mal über das Jahr bei den verschiedensten Gelegenheiten angeln und fündig geworden sind wir auf der Bremer Stippermesse am Stand von Fishing Tackle Max, die ganz frisch die FTM Bolotech mit zur Messe gebracht hatten.
Sofort wurde ein Testmodell gesichert und anschließend dem CT-Langzeittest unterzogen. Ob die Rute dem ersten Eindruck in der Praxis gerecht wurde, könnt Ihr nachfolgend lesen. Viel Spaß!

Lieferumfang:

  • Rute
  • Ringschutz

Erster Eindruck und Messwerte

Bei der FTM Bolotech handelt es sich um eine 7-teilige und 7m lange Bologeneserute. Sie verfügt über 10 weit abstehende Ringe, von denen 3 Stück als Schieberinge auf Carbonhülsen montiert sind. Die feinen Stege verfügen über mittelstarke Ringeinlagen, die in der Größe optimal ausgewählt erscheinen.

Geschützt werden sie durch einen handelsüblichen Ringschutz aus Kunststoff

Geschützt werden sie durch einen handelsüblichen Ringschutz aus Kunststoff.

Das Design der Rute ist modern und dennoch schlicht. Der schwarze Blank wird durch gelb-graue geometrische Figuren unterbrochen und erlangt dadurch einen gewissen Wiedererkennungsfaktor am Wasser.

Der Blank der FTM Bolotech

Der Blank der FTM Bolotech ist mit 24,9 mm als schlank zu bezeichnen und liegt sofort angenehm in der Hand. Der Rollenhalter aus dem Hause Tubertini –die komplette Rute wird für FTM bei Tubertini gefertigt— hält kleine Rollen, aber auch die häufig verwendeten 4000er Größen, fest im Griff.

Bei einem ersten Trockentest wirkt die Rute angenehm leicht und steif, weißt aber dennoch eine weiche, gutmütige Aktion im oberen Drittel auf. Die Rute sollte somit auch mit hohen Stückzahlen und größeren Fischen fertig werden.

Mit 314 g Gramm, bei real gemessenen 6,79 m, gehört die Bolotech zu den leichteren Modellen auf dem Bolomarkt. Das angegebene Wurfgewicht beträgt 0-15 g. Die Transportlänge liegt bei 1,42 m

Praxiseindruck

Die FTM Bolotech musste sich natürlich auch in der Praxis immer wieder beweisen. Eine Bolorute für unsere Breitengrade muss einerseits ein starkes Rückgrat besitzen, um mit guten, starken Fischen fertig zu werden, und trotzdem eine gewisse Aktion aufweisen, um diese auch sicher landen zu können. Gerade viele italienische High-End Ruten fallen bei diesen Kriterien raus! Entweder sind sie viel zu steif oder so weich im Rückgrat, dass sich ein Drill unnötig in die Länge ziehen würde und somit letztendlich weniger Fisch gefangen würde.

Der Höhepunkt unseres Testes findet zu Winterbeginn an einem Gewässer in Brandenburg statt, das traditionell viele und vor allem Fische in ordentlicher Größe verspricht.
Der Aufbau der Gerätschaften ist schnell erledigt. Mit 0,5 °C ist es kalt, und wir haben uns auf das Notwendigste beschränkt. Boloangeln erfordert sowieso nicht viel Material, so dass der Platz nach kurzer Zeit hergerichtet ist.

Die FTM Bolotech wird mit einer leichten 2000er Rolle bestückt und mit einer 12 g Posenmontage versehen. In Windeseile sind die Rutenteile herausgeschoben und die Ringe fixiert.

Die Angeldistanz wird relativ willkürlich auf ca. 30 m festgelegt, einfach ein paar Meter weiter raus als die anderen anwesenden Angler, und das Ausloten geht zügig voran. Dafür wird die Bebleiung zu einem Punkt zusammengeschoben und die Pose so lange nach oben geschoben, bis diese durch Kippeln oder Absinken signalisiert, dass das Blei am Grund kratzt. Anschließend wird wieder etwas Tiefe zurückgenommen und die Bebleiung verteilt.

5 gleichmäßig verteilte No. 4 Bleischrote sollen ein Arbeiten mit dem Köder erlauben und möglichst viel Fisch bringen. Kurz noch einen 12er Haken eingeschlauft, und die Angelei kann losgehen. Zu Beginn werden noch schnell 10-15 Bälle eines groben Rotaugenmixes eingebracht, um die Fische in Fresslaune zu bringen.

Rotaugenmix Die Rute liegt gut in der Hand

Bereits bei den ersten Würfen zeigt sich, dass die Aktion der Bolotech sehr gut gelungen ist.

Der Blank lädt sich hervorragend bis zum Rollenhalter auf und erlaubt spielend einfach weite und punktgenaue Würfe.

Das leichte Rutengewicht ist ebenfalls sehr positiv bemerkbar. Beim Boloangeln werden hunderte Würfe gemacht, so dass am Ende des Tages am eigenen Leib spürbar wird, wie gut eine Rute in der Hand liegt, oder auch nicht!

Die Montage landet nach dem ersten Wurf leicht gestreckt auf dem anvisierten Futterplatz. Hochkonzentriert erfolgt der erste Trieb.

Gutes Stehvermögen bei geringem Gewicht. Die Bolotech macht ihre Sache sehr gut.

Nach nur wenigen Sekunden geht die Pose auch direkt auf Tauchstation. Die Rute wird nach hinten gerissen. Dank der schnellen Aktion, gepaart mit der weicheren Rutenaktion im oberen Drittel, sitzt der Anhieb und der Drill beginnt!

Noch ein wenig skeptisch... Doch schnell wird klar, dass der erste Fisch des Tages sitzt.

Im Drill offenbart die FTM Bolotech dann ihre wahre Klasse. Die Rute arbeitet hervorragend mit und puffert so jeden noch so wilden Schlag des Fisches weg.

Wie beim Karpfenangeln wird die Rute nun zur Seite geführt und langsam, aber stetig der Fisch Richtung Ufer gepumpt.

beim Karpfenangeln wird die Rute nun zur Seite geführt

Dabei bleibt die Bremse weitestgehend zu. Auch als der Fisch noch einmal wilde Fluchtversuche startet und in Hochgeschwindigkeit von links nach rechts schießt, nimmt der Blank alle Stöße auf und sorgt dafür, dass er sicher gelandet werden kann.

Der erste Fisch des Tages ist ein Rotauge und beileibe kein schlechtes! Der erste Fisch des Tages ist ein Rotauge und beileibe kein schlechtes!

Nach diesem ersten Fisch geht es Schlag auf Schlag. Bei fast jedem Wurf erfolgt direkt der Anhieb und Fisch auf Fisch kann gekeschert werden.

Die FTM Bolotech erweist sich dabei als idealer Partner für diese Art der Angelei. Die Rutenaktion nimmt alle Kräfte auf und sorgt für einen sicheren, aber kraftvollen und damit schnellen Drill. Auch über Stunden hinweg kann mit der Bolotech ermüdungsfrei geworfen und geführt werden. Die Rute ist sehr gut ausbalanciert und steif genug, dass das Führen der Pose spielend einfach gelingt. Der geringe Durchmesser lässt die Rute gut in der Hand liegen und bereitet viel Freude.

Als nach drei Stunden reiner Angelzeit das Eis in den Rutenringen mehr und mehr wird, beenden wir zufrieden diesen Testdurchlauf. Der Angeltag hat sich gelohnt und die Bolotech konnte ihren Teil zu einem tollen Winterfang beitragen.

Der Angeltag hat sich gelohnt

Bei vorherigen Testeinsätzen hat sich exakt das gleiche Bild abgezeichnet. Hier stellte sich heraus, dass auch dünne Vorfächer um 0.08- 0,10 mm sicher gefischt werden können. Das angegebene Wurfgewicht passt sehr gut. Mit etwas Vorsicht kann dies aber auch überschritten werden. 20 g Posen waren kein Problem an der Bolotech.

Fazit

Fishing Tackle Max hat mit der Bolotech eine Rute entworfen, die für deutsche Verhältnisse optimal geeignet ist. Die Bolo zeigte ihre Stärken über das Jahr im Frühjahr bei der Angelei auf kleinere Rotaugen im tiefen Baggersee, konnte auch in der langsamen Strömung der Ems mit stark verzögerter Pose überzeugen und gerade weil am Silokanal mittlerweile jeder Fisch wichtig ist, konnte die Rute auch dort ihre Klasse unter Beweis stellen. Sie ist nicht nur steif, sondern verfügt auch über ein kräftiges Rückgrat. Viel wichtiger ist jedoch, dass die Rute auch in der Spitze weich genug ist, um mit guten Fischen in ansehnlicher Stückzahl klarzukommen. Sie kann mit dünnen Vorfächern, aber auch mit richtig dicken Leinen, gefischt werden und kapituliert auch nicht vor stark kämpfenden Fischen. Die Aktion der Rute ist im Drill sehr gut. Auch bei geschlossener Bremse können gewichtige Fische sicher an den Kescher herangeführt werden, ohne dass sie Ausschlitzen. Als großes Plus liegt die Bolotech zudem perfekt in der Hand. Sie ist leicht und kann über Stunden ermüdungsfrei gefischt werden.

Bei einem Ladenpreis von etwa 289€ für die 7m Variante bietet die Bolotech unglaublich viel fürs Geld und ist damit jeden Euro wert, so dass bedenkenlos zugegriffen werden kann.

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