Im Praxistest - 4 Browning Feederruten

  • von ct Redaktion
  • 01. September 2017 um 13:00
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Wer aktuell eine Feederrute sucht, der wird mit einem riesigen Angebot in allen Preis- und Wurfgewichtsklassen konfrontiert. Wer sich dazu noch nicht ganz sicher ist, welche Rute benötigt wird, kann dabei schnell den Überblick verlieren. Warum kostet eine Rute z.B. 70-80 Euro, während die Rute nebenan im Regal gleich ein Mehrfaches davon kostet? Lohnt es sich überhaupt zum teuren Modell zu greifen?

Ein Anbieter mit besonders breitem Angebot an Feederruten ist unser langjähriger Partner Browning. Ein Blick in den Katalog offenbart, wie sich das Sortiment im Feederbereich in den letzten Jahren erweitert hat.

Wir haben uns deshalb an Browning gewandt und uns vergleichbare Ruten -jede um 3,60m lang und mit einem Wurfgewicht von ca. 80g- aus jedem Preissegment zum Vergleich schicken lassen. Ziel und Zweck war es einfach mal zu schauen, was in der jeweiligen Preisklasse zu bekommen ist. Wie immer sind wir die Sache eher praktisch angegangen und haben die Ruten natürlich auch eine ganze Weile gefischt.

Lieferumfang (Werte laut Katalog):

Rutenbezeichnung Black Magic® SLF Stillwater Feeder M Black Viper II MK12 Sphere Feeder King Feeder Medium/River
Länge: 3,60 m 3,60 m 3,60 m 3,60 m
Wurfgewicht: 90 g 80 g 80 g 100 g
Gewicht:
(Katalog/gemessen)
262 g/270 g 276 g/247 g 160 g/156 g 249 g/ 71 g
Spitzen: 0,75/1/1,5 0,75/1/1,5 0,75/1/ 1,5/2 1/ 1,5/2
Preis:
(Handel)
115 € 150 € 290 €> 145 €

Im Bereich um 100 € bietet Browning die Black Magic Stillwater Feeder an. Das Model M besitzt ein Wurfgewicht bis 90 g und ist, wie im Test vorgesehen, 3,6m lang.

Erster Eindruck:

Zusammen mit den anderen Ruten wird die SLF dem Lieferkarton entnommen. Das mitgelieferte Futteral entspricht den Erwartungen an eine preisgünstige Rute. Es besteht aus einem günstigen Kunststoffgewebe und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck. Es erfüllt die Funktion, mehr nicht. Das ist allerdings auch kein Beinbruch, werden die meisten Angler das Futteral sowieso in den Tiefen des Hobbykellers verschwinden lassen.
Richtig überraschen kann dafür der Rutenblank bzw. dessen Design. Die SLF macht optisch einiges her. Die Beschriftung ist in grau, silber und blau gehalten und wirkt stimmig. Der Blank ist dick mit Epoxy-Harz vergossen und somit gegen äußere Einflüsse gut geschützt. Unter dem Lack ist deutlich eine verstärkende Wicklung zu erkennen, die zudem ebenfalls sehr ansprechend aussieht und das Design prägt. Obwohl der Blank nur 13 mm dick ist, wirkt er kräftig und robust.

Die Ringwicklungen sind schick und erinnern ein wenig an das Spitzenmodell Sphere.

Die Ringe stellen eine absolute Überraschung dar. Die SIC-Ringeinlagen fallen hauchdünn aus und stellen die Ringe deutlich teurer Ruten in den Schatten. Das war in der Preisklasse um 100 € nicht zu erwarten.
Der Griffbereich fällt einfach aus, ist aber ordentlich verarbeitet. Er besteht durchgehend aus Kork, der qualitativ einen guten Eindruck macht. Die Korkringe sind sauber verklebt und geschliffen worden, und weisen kaum Einschlüsse auf. Am Griffende hat Browning einen Abschluss aus Gummikork verbaut. Dieser ist widerstandsfähig und passt zur Rute. Er bildet zudem eine Art Markierung für die zweite Wurfhand.

Ringwicklungen Das Griffende aus Gummikork

Der Rollenhalter kommt von Fuji. Das einfache Markenmodell ist weit erprobt und hält Rollen jeder Größe sicher fest.
Bei den Spitzen erlaubt sich Browning zum ersten Mal eine kleine Unsauberkeit. Die großzügig dimensionierten Ringe hätten deutlich weniger Harz vertragen können und insgesamt sauberer verarbeitet sein können. Der Übergang zwischen Spitzen und Rutenblank ist nicht perfekt, aber der Preisklasse voll angemessen.

Praxis:

In der Praxis hat sich der positive Eindruck fortgesetzt. Wer meint, dass mit einer 100 € Rute beim Fischen große Abstriche gemacht werden müssen, wird schnell eines Besseren belehrt. Körbe bis 80 g plus Futter können bis 40-45 m zum anvisierten Futterplatz relativ genau geworfen werden, obwohl sich der Blank beim Wurf nicht ganz so straff anfühlt wie der einer Oberklasserute. Im Drill offenbart sich, wie dies zustande kommen kann. Der Blank scheint aus einer Mischung aus Kohle- und Glasfaser zu bestehen und zeigt bereits im Drill eines Rotauges der 400g Klasse eine sehr gutmütige parabolische Aktion. So können auch größere Fische sicher gedrillt und gelandet werden.

Tolle Drillaktion; sehr schön sind auch die ultradünnen Ringe

Die mitgelieferten Spitzen fallen eher weich aus und zeigen Bisse sauber an. Mit 3,6 mm passen sie so gerade eben nicht in die anderen Ruten.

Fazit:

Es ist erstaunlich, wie gut günstige Ruten der 100 € Klasse geworden sind. Zwar müssen im Bereich Blank kleinere Abstriche gemacht werden, doch ist die Browning Black Magic SLF eine Rute, die im Alltag hervorragend gefischt werden kann. Sie besitzt eine tolle Aktion und lässt sich sauber auf mittlere Distanzen werfen. Die Ausstattung der Rute ist für diese Klasse sehr gut und dürfte auch anspruchsvolle Angler überzeugen. Die SLF ist eine passende Rute für alle, die gerne Feedern, aber den Schritt zu teuren Oberklassemodellen scheuen. Sie zeigt, dass man diesen Schritt auch nicht unbedingt gehen muss. Das Preis- Leistungsverhältnis ist ausgesprochen gut; die Rute bietet verdammt viel fürs Geld!

Eine Preisklasse höher, für etwa 150 €, hat Browning die Black Viper 2 im Sortiment.
Der Blank der Viper sieht optisch edel und dennoch aggressiv aus. Das Design spricht eine deutliche Sprache: Die Black Viper kann jederzeit vorschnellen und zubeißen. Die sorgfältig ausgeführte Zierwicklung in Rot mit Goldrand unterstützt diesen Eindruck.

Black Viper 2

Der Blank der MK 12 wirkt schon beim ersten Trockentest sehr „bissig“. Der hochmodulierte, 12,3 mm schlanke Kohlefaserblank wurde zudem mit einer Kreuzwicklung verstärkt und mit Epoxy-Harz versiegelt. Er ist insgesamt sehr straff und wirkt im Rückgrat sehr kräftig.

Im Griffbereich setzt Browning auf einen eher ungewöhnlichen Rollenhalter. Der hier verbaute erinnert eher an Modelle aus dem Spinnrutenbereich und liegt erst einmal ungewohnt in der Hand. Aussparungen erlauben einen Blick auf den „nackten“ Blank und ermöglichen den direkten Fingerkontakt zu diesem. Der Griff ist mit Vollkork in guter Qualität ausgerüstet, der zudem ergonomisch geschliffen wurde. Im unteren Griffbereich wird dieser von einem Designelement unterbrochen, dass den Bereich für die Wurfhand abgrenzt. Die Abschlusskappe gliedert sich gut in das restliche Design ein.

Der Griffbereich Der Griffbereich
Der Griffbereich

Die Verarbeitung der Rute ist sorgfältig und hochwertig ausgeführt. Dies setzt sich bei den Ringen bzw. deren Wicklungen fort. Die SIC-Weitwurfringe sind von sehr guter Qualität und wirken sehr solide. Von der Größe her passen sie optimal zu einer Rute mit 80 g und einer erwarteten Reichweite von ca. 50 m. Die roten Akzente der Wicklungen sehen nicht nur edel aus, sondern passen auch sonst in das hochwertige Gesamtbild.

Die mitgelieferten Spitzen fallen sehr straff aus und weisen eine ungewöhnliche Lackierung in weiß, silber und orange auf. Die Ringe sind groß genug für den Einsatz von Schlagschnüren und wurden offenbar mit Sorgfalt angebracht. Der Durchmesser beträgt wie bei der King Feeder Medium/River knapp 3,5 mm.

Der Übergang zwischen Spitze und Rutenblank ist sehr gut gelungen. Die Spitzen integrieren sich perfekt in die Rutenaktion.

Praxis:

Die ersten Würfe mit der Black Viper 2 bestätigen den Eindruck. Der Blank erzeugt beim Wurf richtig Druck. Zielgenaue Würfe bis zu 50 m und vielleicht auch darüber hinaus sind damit absolut kein Problem. Der straffe Blank macht die Viper zu einer Rute, mit der „richtig Gas“ gegeben werden kann. Sie wirkt unzerbrechlich und ist auch für grobe Aufgaben geeignet. Das angegebene Wurfgewicht von 80 g passt sehr gut zur Rute, wobei im Testverlauf auch große, schwere Körbe zum Vorfüttern -bei gefühlvollem Werfen- bis bestimmt 100-120 g auf 32 m verwendet wurden. Beim Wurf arbeitet der Blank gut mit, bleibt insgesamt aber ebenfalls sehr straff.

Im Drill zeigte sich ein ähnliches Bild. Die Rute verfügt über ein kräftiges Rückgrat, das eher zur Angelei auf viel Fisch oder auf große Fische passt. Der Blank ist sehr straff. Vielleicht sogar ein wenig zu straff für die feine Brassenangelei mit dünnen Schnüren. Mit etwas Gefühl und einer gut eingestellten Bremse wurde dies aber auch gut gemeistert. Im Endeffekt kommt es sowieso auf den persönlichen Geschmack an, ob eine weiche oder harte Rute bevorzugt wird.

Die ungewöhnlich gefärbten Rutenspitzen konnten überzeugen. Sie sind bei jeder Lichtsituation sehr gut sichtbar und haben das Phänomen von Phantombissen beim langen Starren auf die Spitzen minimiert. Insgesamt kam im Test das Gefühl auf, dass die ungewöhnliche Lackierung dank der hohen Sichtbarkeit, zu einem entspannteren Angeln beiträgt.

Der erst ungewohnte Rollenhalter hat sich in der Praxis als sehr gut herausgestellt. Ob die Möglichkeit, den Blank zu berühren, bei Feederruten sinnvoll ist oder nicht, mag an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Dennoch kann festgestellt werden, dass der eckige Rollenhalter perfekt in der Hand liegt und die Rute eine sehr gute Rückmeldung im Drill bietet.

Fazit:

Die Black Viper 2 ist eine hervorragende Rute für alle Angler, die regelmäßig viel Fischkontakt haben und dafür eine kräftige Rute benötigen. Der Blank ist straff und schnell. Weite Würfe mit leichteren Körben sowie der gelegentliche Einsatz von schwereren Körben leicht über der Wurfangabe sind kein Problem.

In der Klasse um 150 € liegen Verarbeitung und Ausstattung auf sehr hohem Niveau und machen die Black Viper zu einem echten Schmuckstuck. Die Beringung ist Top und der hochmodulierte Kohlefaserblank bietet eine noch höhere Präzision und Schnellkraft beim Werfen als das günstigste Modell im Test. Das macht sie zu einer guten Rute für Hegeangler. Der Käufer erhält für den aufgerufenen Preis eine schöne Rute zum sehr fairen Preis.

Mit knapp unter 300€ liegt das Spitzenmodell von Browning in einer Region, in der vor wenigen Jahren höchsten handgebaute Feederruten für Enthusiasten angeboten wurden. Folglich sind die Erwartungen besonders hoch, als die Rute zum ersten Mal montiert wird. Der erste Eindruck ist gut. Die Rute wird in einem gepolsterten Futteral in Carbon-Optik geliefert, auf dem Taschen für jede einzelne Feederspitze aufgenäht wurden.

Nachdem die Rute dem Futteral entnommen wurde, herrscht erst einmal Sprachlosigkeit. Auch eine gehörige Portion Zweifel tritt zu Tage, als der Blick auf den ungewöhnlichen Blank trifft. Die Sphere besitzt mit 11,1 mm einen unglaublich dünnen Rutenblank und ist ultraleicht. Ohne den ansprechenden Aufdruck in hellem Blau würde niemand auf die Idee kommen, eine Feederrute mit sogar 80 g vor sich zu haben.

Die Sphere

Das Carbon der Rute stellt eine Besonderheit dar und erinnert viel eher an das Carbon teurer Kopfruten, statt an das einer Feederrute. Es ist fein gewickelt und wurde nur geschliffen. Auf einen dicken Überzug aus Epoxy-Harz wurde komplett verzichtet. So wird das extrem hochwertige und fein verarbeitete Toray-Carbon, das sonst nur im Rennsport und in der Luftfahrt verwendet wird, sichtbar. Als Folge wiegt die Sphere mit 156 g erheblich weniger als andere Feederruten.

Die Rutenringe der Sphere Feeder verdeutlichen, dass Browning das Ziel hatte eine Rute auf den Markt zu bringen, wie sie zuvor noch niemals da gewesen ist. Erst im direkten Licht wird sichtbar, dass die Rutenstege überhaupt Ringeinlagen besitzen. Diese unglaublich leichten SIC-Einlagen gehören laut Browning zu den besten am Markt und sitzen in Ringstegen in Skeletbauweise.

Die Ringwicklungen sind sauber verarbeitet und sehen mit den hellblauen Zierwicklungen toll aus.

Beim Rutengriff ist die Entwicklungsabteilung von Browning ebenfalls eigene Wege gegangen und hat einen komplett neuartigen Griff entworfen. Das verwendete Duplon liegt schlank an und ist auf weiten Teilen des Griffes sogar noch beschnitten worden, um den schönen Blank freizulegen. Dadurch wirkt die Rute nochmals eine Spur filigraner.

Erste Erwartungen, dass sich Duplon und Rutenblank mit der Zeit trennen könnten, haben sich nach der mehrmonatigen Testphase nicht bestätigt. Der Griff sieht so toll wie am ersten Tag aus.
Das Ende des Griffes hat Browning zudem so geformt, dass die einzelnen Finger guten Halt finden sollen.

Der Rollenhalter kommt von Fuji und stammt, wie der der Viper Ruten, aus dem Spinnrutenbereich.

Damit der Griff gut am Arm anliegt, wurde das Duplon begradigt. Die Spitzen der Sphere M weisen die gleiche Lackierung wie die der Viper und River auf. Allerdings sind diese nicht mit denen der anderen beiden Ruten kompatibel, da sie noch dünner ausfallen. Auffällig ist, wie harmonisch sie sich in die Rutenaktion einfügen. Hier wird schnell deutlich, wie viel Mühe sich Browning gemacht haben muss, um diesen fast perfekten Übergang zu realisieren.

Praxis:

Vor dem Praxiseinsatz war die Skepsis zugegebenermaßen sehr groß. Die Sphere wirkt einfach zu filigran und zierlich um auf die Idee zu kommen damit wirklich Körbe bis 80 g zu werfen.
Getreu dem Motto: „Dafür sind Tests da“ und: „Wenn Sie bricht, dann lieber hier“, wird sie mit zur Brassenjagd an den Kanal genommen. Beim Fischen folgte dann eine regelrechte Offenbarung. Nachdem der Kopf ausgeschaltet wurde, wird die Rute durchgezogen und der 30 g Korb zum ersten Mal ausgeworfen. Der feine Blank lädt sich gewaltig auf und schleudert diesen quasi von alleine auf den Futterplatz. Nach ein paar Würfen sind die ersten Bedenken erloschen und das Genießen beginnt. Korb für Korb wird auf den Futterplatz befördert und extrem punktgenau platziert. Der Blank ist eine Wucht und macht die Angelei zum Vergnügen! Im direkten Vergleich zu den anderen Testmodellen wirkt die Sphere beinahe gewichtslos.

Im Drill zeigt sich, wie hochwertig der Blank wirklich ist. Die Aktion ist kreisrund und passt unglaublich gut zur Brassenangelei. Jeder Kopfstoß wird perfekt abgefangen und kann vom Angler getrost ignoriert werden. Dennoch verfügt die Sphere über genügend Kraftreserven um auch gute Fische über 5 Pfund zügig auszudrillen. Während der Testphase wurde, dank der Sphere, keine einzige Brasse im Drill verloren. Das ist schier Unglaublich! Dabei liegt sie unheimlich gut in der Hand und wird fast zum integralen Bestandteil des Arms.

 

Ihre Wurffähigkeiten konnte die Rute dann immer wieder an verschiedenen Gewässern beweisen. Dabei hat sich herauskristallisiert, dass das Wurfgewicht von 80 g auch besser das absolute Maximum darstellen sollte. Richtig wohl fühlt sie sich mit einem 40 g Korb plus Futter.

Im direkten Vergleich mit den anderen Ruten haben gerade das unglaublich leichte Rutengewicht und das perfekte Wurfgefühl immer wieder überzeugt. Zwischen der Sphere und anderen Ruten liegen zum Teil Welten! Der Blank lädt sich extrem gut auf, und Körbe werden ohne Anstrengung immer wieder perfekt auf den Futterplatz gebracht. Für Würfe bis 45 m muss kaum Kraft aufgewendet werden, der geniale Blank erledigt alles fast von alleine. So lässig fischt sich kaum eine andere Rute!

Einzig Grobmotorikern sei an dieser Stelle zur Vorsicht geraten. Das hochwertige Carbon will gut behandelt werden. Stark unsaubere Würfe und „Herumkratzen“ in der Steinschüttung werden früher oder später zum Bruch führen.

Fazit: 

Für fast 300 € erhält der Käufer bei Browning eine Rute, die in allen Bereichen Maßstäbe setzen möchte und auch kann. Die faszinierende Beringung, der selbstentwickelte tolle Griff und der absolut hochwertige Rutenblank liegen weit über dem, was selbst bei hochwertigen Ruten üblich ist. Für die Entwicklung der Sphere wurde spürbar viel Zeit und Geld investiert. Das Ergebnis ist atemberaubend und macht eine Menge Spaß. Das Preis-/ Leistungsverhältnis ist nur schwierig zu beurteilen. Die Sphere Feeder ist allerdings derzeit wahrscheinlich die beste Brassenrute die für Geld erhältlich ist!

Etwas aus dem Rahmen fällt die letzte Rute in unserem Test. Die King Feeder Medium/River ist zwar ebenfalls 3,60 m lang, weist aber ein Wurfgewicht von 100 g auf. Mit einem Preis von ca. 145 € liegt sie eher im Mittelfeld. Das Design der King Feeder ist einfach und Schnörkellos gehalten. Der 12,9 mm starke Blank wurde schwarz lackiert und mit Epoxy-Harz versiegelt. Die Beschriftung der Rute fällt unauffällig und vergleichsweise einfach, aber dennoch ansprechend, aus.

Die King Feeder Medium/River

Weitere Details wie die Rutenringe und -wicklungen reihen sich perfekt in dieses Design ein. Bei den hier verbauten SIC-Ringen handelt es sich um Weitwurfringe, die aufgrund ihrer Form ein Verwickeln der Schnur beim Wurf verhindern sollen.  Insgesamt wirkt die King Feeder mit ihren wenigen Farbakzenten durchaus elegant.

Der Griffbereich der King Feeder fällt mit 29 mm überraschend kräftig aus. Während sonst die Bemühungen dahin gehen möglichst dünne Durchmesser zu realisieren, setzt Browning bei der Medium/River offenbar gezielt auf einen sehr kräftigen Durchmesser. Wie bei der Viper wird der Kork durch ein Designelement unterbrochen.

Beim Rollenhalter setzt Browning den Trend fort Spinnrutenhalter zu verbauen. Der Screw-Down-Halter fasst Rollen jeder Größe.

Die Feederspitzen weisen das gleiche, sehr praktische Design wie die Viper und Sphere auf, sind aber nur mit der Viper kompatibel.

Praxis:

Der erste Einsatz der Medium/River Feeder erfolgt im Buhnenbereich eines stark fließenden Flusses. Beim Wurf fällt direkt auf, dass der starke Korkgriff angenehm in der Hand liegt. Als Folge davon sind die typischen Bedenken beim ersten Wurf wie weggefegt, und die Rute wird direkt voll durchgezogen. Der Blank lädt sich –nicht nur für eine Flussrute— erstaunlich gut auf und beschleunigt den Korb mal eben lockere 20-30 m zu weit hinaus. Nachdem die passende Wurfweite von knapp 35 m gefunden ist, wird die Schnur eingeclippt und das Füttern kann beginnen. Ein 80 g Korb plus Futter bleibt so eben knapp vor der Kante zur Hauptströmung liegen. Die King Feeder überrascht beim Werfen allerdings immer wieder. Wer eine harte, kaum biegsame Flussrute erwartet hat, wird jetzt eines Besseren belehrt. Bis ins starke Rückgrat des Blanks arbeitet die Rute mit und sorgt somit für angenehmes und punktgenaues Werfen. In der Ablage hingegen wird ein großer Unterschied zu den anderen Feederruten im Test sichtbar. Der Blank bleibt relativ steif, während die Spitzen und das obere Rutenteil der Rute eine wunderbar progressive Aktion verleihen. Bisse werden in der Strömung deutlich angezeigt.

Im Drill zeigt die King Feeder ein ähnliches Verhalten. Schon bei Güstern zwischen 200 und 600 g arbeitet die Rute hervorragend mit. Das starke Rückgrat verleiht der Rute genügend Reserven um auch mit größeren Fischen zurechtzukommen, während die doch ausgeprägte Spitzenaktion jeden Schlag der Fische sicher abfängt. Auch dünne Schnüre können deshalb gefahrlos eingesetzt werden.

Nach dieser ersten Erfahrung wird die Medium/River auch im Stillwasser bzw. am Kanal eingesetzt. Hier setzt sich der positive Eindruck fort. Fische werden auch am 10er Vorfach ohne Probleme gelandet. Eine weitere, nicht erwartete Stärke offenbart sich, als das Beissverhalten bei einem Einsatz sehr schwierig wird und auf der vorgesehenen 43 m Bahn kaum Bisse zu bekommen sind. Der 40 g Speedkorb fliegt jedes Mal ohne Anstrengung auf die neu angelegte 57 m Bahn und schlägt punktgenau ein. Als die Strömung stärker wird -der Kanal hat Kontakt zu einem Fluss und es wird geschleust- wird diese Entfernung auch mit 60 g und 80 g spielend leicht erreicht. Die King Feeder Medium/ River ist für ihre 3,60 m tatsächlich ein „Wurfmonster“.

Fazit:

Mit der King Feeder Medium/ River hat Browning eine echte Überraschung im Sortiment. Für 145 € erhält der Käufer eine Universalrute, die nicht nur gut Ausgestattet ist, sondern mit dem starken Griff und einer progressiven Aktion eigentlich für jede Angelei geeignet ist. 

Gesamtfazit:

Am Anfang erschien die Vielzahl von verschiedenen Ruten in gleicher Länge und mit gleichem Wurfgewicht ein wenig übertrieben. In der Praxis hat sich gezeigt, dass dies dem Angler ganz einfach die Möglichkeit bietet, die für ihn passende Rute zu finden. Bereits die günstige SLF ist gut fischbar und kann durch eine gute Ausstattung überzeugen. Mit Sicherheit wird sie den Geschmack vieler Angler treffen, die dann damit viele Jahre tolle Angelstunden am Wasser verbringen werden.
Wer mehr Geld investiert, bekommt mit der Viper oder Medium/River eine Rute, die in Details eine Spur besser ist. Gerade beim Blank macht sich jeder Euro bemerkbar, da hochmodulierte Kohlefasern einfach weitere und präzisere Würfe erlauben. Obwohl sich beide Ruten in Ausstattung und Preis sehr nahe sind, handelt es sich dennoch um komplett verschiedene Ruten. Auch hier entscheidet der persönliche Geschmack, ob es die harte, zubeißende Viper oder die steife, gutmütige Medium/ River mit progressiver Aktion sein soll.

Einzig die Sphere sticht in jedem einzelnen Punkt hervor. Sie zeigt auf, was derzeit technisch machbar ist, und demonstriert dies mit jedem Bauteil der Rute. Dünnste Ringe, leichtestes Carbon und ein superangenehmer Griff machen sie zum derzeitigen Klassenprimus.

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