Im Langzeittest - Cresta Blackthorne Feeder + Cresta EXT 6000 Feederrolle

  • von Markus Howanietz
  • 05. Dezember 2017 um 09:00
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Mit „Progress by Design“ als zentralen Ausgangspunkt, hat das Cresta Team über die letzten Jahre an den neuen und innovativen Produkten für die moderne Angelei mit Feeder-, Method- und Stippruten gearbeitet. Produkte, die von Cresta entwickelt werden, sind für alle Angler entwickelt worden. Egal ob Wettkampf oder Nicht-Wettkampf Angler, jeder findet im Cresta Programm die passenden Produkte für seine Angelei.
Einer der ersten Produkte im Cresta Sortiment waren die kürzeren Blackthorne Feederruten, die eindeutig die wachsende Feederszene und ihren stetig steigenden Materialanspruch im Fokus hat. Jetzt im Spätherbst kamen zwei weitere Ruten der Reihe in 4,05 Meter und 4,20 Meter hinzu, die für alle Weitenjäger und Flussangler interessant sein dürften.
 
Champions-Team hat sich die beiden Modelle frühzeitig organisiert und einem Langzeittest unterzogen. Dazu passend, wurde die beigelegte Cresta EXT 6000 Feederrolle gleich mitgetestet.

Cresta Blackthorne Feeder

Lieferumfang:

Rutenbezeichnung Blackthorne Feeder 4,05 Blackthorne Feeder 4,2
Länge: (Katalog/ermittelt)

4,05 m

4,2 m

Wurfgewicht:

< 100 g

< 125 g

Gewicht: (Katalog/ermittelt)

290 g/301 g

335 g/ 335 g

Transportlänge: (Katalog/ermittelt)

139 cm/ 139,5 cm

144 cm/ 145 cm

Spitzen:

2/3/4 oz

2/3/4 oz

Preis: ca. 160 € ca. 170 €

Erster Eindruck:

Das mitgelieferte Futteral ist gut beschriftet und wurde robust gefertigt. Es verfügt über mehrere Klettverschlüsse, so dass es mittig gefaltet werden kann. Für die 64,5 cm langen Spitzen wurde eine kleine Außentasche aufgesetzt, in die ein Transportrohr eingeschoben werden kann.

Cresta Blackthorne Feeder Futteral

Beide Ruten sind vom Aufbau und Design grundsätzlich identisch angelegt. Die Blanks fallen mit 15,2 mm und 16 mm für Ruten mit diesem Wurfgewicht schlank aus. Beide Ruten wurden komplett schwarz lackiert und sind dann mit einer dicken, schützenden Schicht Epoxy-Harz versiegelt worden. Das gesamte Design kann als dezent und ansprechend beschrieben werden. Der schwarze Dorn -so kann Blackthorne übersetzt werden- weist zudem eine praktische, mehrfarbige Beschriftung auf, die gut zum gradlinigen ersten Eindruck passt.

Farbige, dezente Zierwicklungen im Markentypischen Blau, durchbrechen das sonst schlichte Design.

Zu den verbauten Ringen lassen sich nur wenige Informationen finden. Bei beiden Modellen wurden jeweils 14 Stück verbaut, wovon sich 8 direkt auf dem Blank befinden. Der Durchmesser der Leitringe, die sich knapp 70 Zentimeter vom Rollfuß entfernt befinden, beträgt innen jeweils 19 mm.

Bei den Ringeinlagen hat Cresta auf mittelstarke Ausführungen zurückgegriffen, die allerdings nur plangeschliffen sind. Zumindest in der Theorie erzeugt diese Art Ringe mehr Reibung zwischen Schnur und Ringeinlage, was die Wurfweite negativ beeinflussen kann.

Leitringe

Davon abgesehen fühlen sich die Einlagen glatt und gut verarbeitet an. Die Montage der Ringe erfolgte tadellos und offenbar mit großer Sorgfalt. Sie wurden sauber vergossen und liegen gut am Blank an.

Die mitgelieferten Wechselspitzen bestehen bei beiden Ruten aus Kohlefaser und wirken sehr straff. Der Durchmesser beträgt 3,4 mm. Die Passung zum Rutenblank ist perfekt, der Übergang ist gut.
Der Rutengriff verfügt über einen Screw-Down Rollenhalter und ist ansonsten mit leicht zu reinigendem Kunstkork versehen worden. Robustes Korkgummi bildet den Abschluss der Rute. Mit 51 cm und 53 cm fallen die Rutengriffe zudem eher lang aus, was beim Werfen einen guten Hebelarm ermöglichen sollte.

Cresta EXT 6000 - Rolle

Den neuen Ruten hat Cresta jeweils eine Feederrolle beigelegt.

Ausstattung:

  • Rolle
  • Ersatzspule
  • Stoffbeutel für Rolle
  • Preis: um 80 €

Erster Eindruck:

Nachdem die EXT 6000 dem mitgelieferten Stoffbeutel entnommen wird, fällt direkt die Rollenform ins Auge. Die mitgelieferte Metallspule wirkt extrem groß, was durch den vergleichsweise kleinen Rollenkörper besonders auffällt.

Cresta EXT 6000 - Rolle

Optisch in grauschwarz gehalten, macht die EXT 6000 einen schicken Eindruck. Carbonoptik und ein „luftiger“ Griff an der Bremse bilden weitere Designelemente, die der Rolle einen kühlen, technischen Charakter verleihen.

Sie verfügt über 6 Kugellager und 1 Walzenlager, die einen ruhigen Lauf sicherstellen sollen. Der Rollenbügel ist verwindungssteif; der runde Schnurclip ist zudem federnd gelagert. Die Übersetzung der EXT 6000 liegt bei 4,6:1. Es werden 90 cm pro Kurbelumdrehung eingezogen. Die robuste 5 mm starke Achse passt zum ersten kraftvollen Eindruck.

Im Vorfeld des Tests werden die Spulen der Rollen natürlich zuerst mit Schnur gefüllt. Etwas ärgerlich ist dabei der Umstand, dass die Rollen, trotz des Hinweises eine extra flache Spule zu besitzen, immer noch eine Schnurfassung von 380 m einer 0,25 mm Schnur aufweisen. So gehen bei zwei Rollen (4 Spulen) gleich über tausend Meter Füllschnur verloren, die nie wieder das Tageslicht sehen werden.

Nachdem die Spulen vorbereitet sind, erfolgt das Befüllen mit der eigentlichen Angelschnur. Fürs Fließgewässer werden knapp 150 m einer 0,22 mm Schnur und fürs Weitenfeedern 150 m einer 0,08 mm Geflochtenen verwendet. Die Schnurverlegung kann zwar nicht ganz mit teils doppelt oder dreifach so teuren Oberklasserollen mithalten, ist aber für eine Rolle dieser Preisklasse sehr gut.

DIE EXT 6000 ist perfekt für weite Würfe geeignet und bietet eine gute Schnurverlegung.

Praxis:

Als erstes werden die Fähigkeiten der Kombinationen im Fluss getestet. Die Ijssel in Holland bietet guten Angelsport, stellt mit ihrer teils schnellen Strömung allerdings auch besondere harte Anforderungen an das Material. Um den Strömungsdruck zu minimieren, wird hier die monofile Schnur verwendet und eine 30er Schlagschnur montiert. Die EXT 6000 passt von der Größe und dem Gewicht hervorragend zu den Ruten und balanciert diese gut aus. Schnell wird ersichtlich, dass der Leitring nicht zu klein ausfällt. Der Abstand zur Rolle ist optimal gewählt, so dass die Schnur in einem flachen Winkel und ohne große Reibung hindurchgleiten kann.
Die Wahl der Futterkörbe fällt heute nicht ganz so leicht. In der Kehrströmung am Rande der Buhne bleiben selbst leichtere 60-80 g Körbe liegen, während nur wenige Meter weiter die mächtige Ijssel zeigt, wie viel Kraft in ihr steckt, und alles mit sich reißt.

Erste Würfe mit der 4,05m zeigen, dass mit einem großen Schnurbogen 80 g Körbe irgendwann zum Liegen kommen. Hier, auf knapp 22 m, wird ein erster Futterplatz angelegt. Nachdem reichlich Wurm geschnitten wurde, wird die Startfütterung ausgebracht. Inklusive Futter sind nun bestimmt die 100 g des maximalen Wurfgewichtes ausgeschöpft, was der Rute allerdings kein bisschen schadet. Die Würfe gelingen spielend einfach, und es kommt zu keiner Zeit das Gefühl auf, dass die Rute am Limit gefischt wird. Das Verhalten des Blanks ist hervorragend. Er verfügt über ein kräftiges Rückgrat und vereint in Kombination mit den steifen Kohlefaserspitzen optimale Eigenschaften, Bisse im harten Strom zuverlässig anzuzeigen.

Allerdings tut sich leider auf dieser kurzen Distanz nicht viel, so dass diese ungeplant verlängert werden muss. Auf jetzt 30 m sind die Rahmenbedingungen allerdings komplett anders. Der 80 g Korb bleibt nur sporadisch, nämlich an Hindernissen, hängen. Da der Blank keineswegs überlastet wirkt und Gewaltwürfe nicht notwendig sind, wird der Rute einfach ein 110 g Blei plus Futter zugemutet. Auch hier gibt es keine Probleme. Die Blackthorne macht wirklich einiges mit und verfügt über genügend Sicherheitsreserven. Nach nur kurzer Zeit erfolgt in der harten Strömung ein deutlicher Biss, und ein Rotauge von ca. 300-400 g bringt weder Rute noch Rolle ins Schwitzen. Die Aktion im Drill kann als typisch progressiv beschrieben werden. Das starke Rückgrat garantiert nicht nur eine gute Bissanzeige in der Strömung, sondern bietet ausreichende Kraft auch große Fische landen zu können. Eine gutmütige Spitzenaktion sorgt hingegen dafür, dass ausreichend Feingefühl vorhanden ist und Fische nicht ausschlitzen.
Nach und nach wird die Strömung -warum auch immer- allerdings schneller. Jetzt erfolgt der Griff zur 4,2 m Rute, die ein Wurfgewicht von 125 g aufweist. Im Grunde genommen ähnelt die längere Version der kürzen in fast allen Punkten kann allerdings ein wenig stärker belastet werden und hält ein klein wenig mehr Schnur über der Wasseroberfläche. An diesem Angeltag muss nach ein paar Versuchen bis zu einem 140 g Krallenkorb hochgegangen werden. Inklusive Futter ist mit einem Gewicht von 160-170 g das Maximum jetzt spürbar erreicht. Würfe auf die vergleichsweise kurze 30 m-Bahn sind dennoch möglich. Korb um Korb kann nun mit gefühlvollen Würfen in der Hauptströmung platziert werden. Dabei zeigt sich, dass die verwendete EXT dafür optimal geeignet ist. Zwar mag es Rollen geben, die generell feiner laufen, doch gibt es an der EXT 6000 nichts auszusetzen. Sie ist robust genug um mit den schweren Gewichten in der schnellen Strömung souverän fertig zu werden, und der Schnurclip beschädigt auch bei den wuchtigen Einschlägen der schweren Körbe nicht die Schnur. 

Der heftige Wetterumschwung mit einem Temperaturabfall auf 6 Grad macht die Angelei allerdings nicht einfach, so dass nach ein paar wenigen, aber schönen Rotaugen eine Beißflaute einsetzt.
Genügend Zeit um die Weitwurffähigkeiten kurz anzutesten.
Hier zeigt sich mehr als deutlich, dass sich unter der schwarzen Farbe und dem Epoxy-Harz ein offenbar sehr hochwertiger Blank versteckt, der beim Werfen richtig Spaß macht. Die Blackthorne ist eine echte Wurfmaschine!
Selbst mit den eigentlich zu schweren Körben von 110 g (bei der 4,05 m Version) sind Wurfweiten von 65 m spielend einfach möglich. Als der unpassende Korb dann gegen einen 50 g Speedkorb getauscht wird, kann die Blackthorne zum ersten Mal zeigen, was wurftechnisch in ihr steckt. Trotz der montierten 0,22 mm dicken Monofilen, landet der Korb Wurf für Wurf und ohne Anstrengung zielgenau auf fast 70 m. Die Blackthorne katapultiert ihn einfach nach vorne und lässt das Werfen dieser Weiten einfach erscheinen.

Die Grifflänge ist bei den Ruten sehr gut gewählt und bietet beim Werfen einen guten Hebel. Die Ringe passen ebenso optimal zur Rute, so dass der Schlagschnurknoten ohne Hakeln durch die gut dimensionierten Ringe der Spitze (3 mm bei der 2 bzw. 3 Oz Spitze und 4 mm Innendurchmesser bei der 4 Oz Spitze) gleitet. Nach ein paar schnellen Würfen mit der 4,2 m Variante ergibt sich ein ähnliches Bild. Der Korb landet zuverlässig auf dem gleichen Platz, kommt aber trotz des etwas längeren Hebels nicht deutlich weiter hinaus. Trotzdem, das Ergebnis ist exzellent und unerwartet gut. Die Blackthorne Ruten mit ihrem hervorragenden Blank machen das Werfen großer Entfernungen sehr einfach.

Im weiteren Testverlauf werden die Weitwurfeigenschaften der Blackthorne Ruten im Stillwasser genauer untersucht. Dafür wurde an einem Kanalknotenpunkt gefischt, der reichlich Wasserfläche selbst für weiteste Würfe bietet. Zum Einsatz kam diesmal die 0,08 mm geflochtene Schnur, die mit einer monofilen Schlagschnur versehen wurde.

Um es kurz zu machen: Die Blackthorne Ruten konnten die hervorragenden Wurfeigenschaften bestätigen. Mit der geflochtenen Schnur konnte dieses Mal die 80 m Marke geknackt werden. Dabei war auffällig, dass diese Marke im Sitzen und mit jeder Korbart sowie fast jedem Korbgewicht erreicht werden konnte. Es machte keinen Unterschied, ob ein 40 g Flachbettkorb oder ein 80 g Speedkorb zum Einsatz kam. Die 80 m Marke wurde ohne großen Aufwand erreicht. Die Blackthorne bietet einfach hervorragende Wurfeigenschaften.
Leider muss an dieser Stelle dann auch eingestanden werden, dass die 90 m Marke nicht geknackt werden konnte. Dies lag aber eher an den limitierten Fähigkeiten des Testers beim Distanzfeedern, als an den Ruten selber. Ein erfahrener Weitenjäger hätte bestimmt die 90 oder gar 100 m Marke erreicht.
Trotzdem ist dieser Test absolut aussagefähig. Reale Wurfweiten zwischen 80-90 m sind kein Pappenstiel. Dass diese Weiten ohne Mühe auf der Kiepe sitzend immer wieder akkurat erzielt wurden, spricht eindeutig für die Qualitäten der Blackthorne Feederruten!

Fazit:

Bei der Cresta Blackthorne Feeder in 4,05 m und 4,2 m handelt es sich um sauber verarbeitete und hochwertig gestaltete Ruten für die Fluss- und Distanzangelei. Während das 4,2 m Modell besonders für den fließenden Strom optimiert wurde, kann das etwas handlichere 4,05 m Modell zusätzlich besonders gut für Distanzen von 40-100 m eingesetzt werden. Beide Ruten besitzen einen überdurchschnittlich gelungenen Rutenblank, der weite Würfe zum Kinderspiel werden lässt.
Bei einem Preis von 160 € bzw. 170 € sind beide Modelle vergleichsweise günstig und bieten ein sehr gutes Preis-/Leistungsverhältnis. Darüber hinaus ist es Cresta gelungen hervorragende Wettkampfruten für jede Situation zu schaffen. Auch Feederenthusiasten werden ihre Freude an der Blackthorne haben.

Die Cresta EXT 6000 ist eine Rolle der Mittelklasse. Sie bietet eine große Spule für weite Würfe und ist für den harten Einsatz im Still- und Fließgewässer bestens geeignet. Der Schnurclip arbeitet perfekt und die solide Achse garantiert Zuverlässigkeit auch bei hohen Korbgewichten. Gerade, wer eine solide, gute Rolle sucht und nicht ganz so viel Geld ausgeben möchte, ist hier bestens bedient. Auch wenn gewisse Unterschiede zu teuren Oberklassemodellen bestehen, kann dennoch festgehalten werden, dass die Schnurverlegung gut ist und der Rundlauf absolut ok für den täglichen Angeleinsatz ist. Die Abstriche zur Oberklasse fallen in der Praxis kaum ins Gewicht.
Mit gerade einmal 80 € stellt die Cresta EXT 6000 ein echtes Schnäppchen für den ambitionierten, aber preisbewussten Angler dar.

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