Mosella Feeder Tandem Finale in Wehlen an der Mosel

  • von Achim Tomasits
  • 13. Oktober 2008 um 17:11
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Großflächige Weinberge stechen uns naturverbundenen Anglern sofort ins Auge, wenn man ins schöne Moseltal bei Wehlen einfährt. Doch interessanter für uns ist sicherlich der Blick auf die anmutige Mosel, welche sich gemächlich durch die Landschaft schlängelt. Das Anglerherz schlägt sofort höher bei diesem bildschönen Anblick.

Es war wieder soweit, 27 Tandems aus dem gesamten Bundesgebiet, Holland und Österreich trafen sich zum Mosella-Feederfinale in dem kleinen Stadtteil von Bernkastel-Kues, um gemeinsam den Fischen nachzustellen. Im  Vorfeld wurden insgesamt 6 Mosella Feeder Cups im gesamten Bundesgebiet abgehalten und hier wurden dann jeweils vier Einladungen für das Finale ausgesprochen. Ein ausgesprochenes Top-Teilnehmerfeld mit großen Namen der deutschen Angel- bzw. Feederscene wurde durch die Teilnahme eines holländischen und österreichischen Teams komplettiert. Schön war aber dennoch, dass so auch weniger bekannte Angler Die Möglichkeit hatten eine Einladung für dieses Finale zu erhalten und sich hier mit den "Großen" messen konnten. Spaß hatten auf jeden Fall alle Teilnehmer.

Bereits einige Tage vor dem Finale reisten einige Teams zu Trainings-Sessions an die Mosel und versuchten für die kommenden Tage die richtige Taktik zu finden. Stellenweise wurden für dieses Gewässer und Jahreszeit stattliche Gewichte erbeutet, 7-10kg konnte man in einer 5-stündigen Session schon erbeuten, vorausgesetzt es befanden sich nicht so viele Angler in näherer Umgebung. Hauptfisch war hier das Rotauge, vereinzelt wurden aber auch stattliche Barben und kleinere Brassen gefangen.


Stattliches Rotauge – Hauptfisch an diesem Wochenende

Unterschiedliche Angeldistanzen wurden ausgiebig getestet, die meisten Angler legten sich dann auf eine Entfernung von 18-40m fest. Einige Weitenjäger befanden sich aber auch unter den Teilnehmern und versuchten den Fisch jenseits der 60m zu überlisten. Bei den Futterkörben fand man Modelle zwischen 20-70g, drei oder vier Felder maximal hoch und für die weiten Distanzen kamen dann spezielle Speedkörbe zum Einsatz. Geflochtene Hauptschnüre waren Pflicht, schließlich wollte man die zaghaften Bisse der Rotaugen auch sehen bzw. umsetzen können. Vorgeschaltet wurden Schlagschnüre in den Stärken 0,25-0,30mm, diese sollten jedoch auch – analog zur Geflochtenen – eine geringe Dehnung haben.
Vorfächer mit den Durchmessern von 0,08-0,14mm erwiesen sich als die geeignete Wahl, kleine Rotaugenhaken in den Größen 20-14 komplettierten die Montagen. A propos Montagen, die einen setzten auf  Seitenarm-, andere wiederum auf Schlaufenmontagen und Michael Schlögl verwendete sogar eine Art Selbsthakmontage mit Shockabsorber/ Gummi für den Fall, das eine der gewichtigen Barben beißen sollte.
Die Futtermischungen waren bei den Anglern sehr unterschiedlich und auch die farblichen Nuancen unterschieden sich ungemein voneinander. Bis auf grelles Gelb fand man fast alle Futterfarben in den Behältnissen der Angler wieder. Spezielle Rotaugenmischungen mit den üblichen Sämereien waren Hauptbestandteil des Futters und wurden hier und da noch ein wenig modifiziert. Gerösteter Hanf oder auch ganzen Hanfkörner, Spergule, Mohnsaat, Pastoncino, Honigkuchen, Koriander, jeder hatte "sein" spezielles Futter im Einsatz und versuchte mit diesem die Fische zu überlisten. Als Köder wurden Maden, Maden-Caster, Pinkies und für die Barsche kleine Würmer eingesetzt.


Feeder-Experte Michael Schlögl und ein weiteres Rotauge

Am Samstag war es dann soweit, die Teilnehmer trafen sich am Wehlener Angler-Treff zur Begrüßung und Verlosung der Angelplätze. Michael Schlögl übernahm diesen Part und dankte den anwesenden Teams für die stellenweise große Strapazen, welche sie auf sich genommen haben, um hier an der Mosel mit von der Partie zu sein. Das österreichische Tandem Hackl/Artmann reiste z. B. über 900km vom fernen Wien an, da gehört schon eine Menge Enthusiasmus bzw. Liebe zum Hobby mit dazu.
Pünktlich um 11:15 Uhr wurde der erste Durchgang gestartet, die Futterkörbe flogen schnell auf die gewünschten Bahnen und es wurde erst mal ein Futterplatz angelegt. Die erste Stunde des Durchgangs erwies sich als die beißfreudigste Zeit, denn mit zunehmender Angelzeit ließen die Bisse deutlich nach. Sehr vorsichtig nahmen die Rotaugen den Köder und es gestaltete sich recht schwierig, manche dieser Bisse auch erfolgreich zu verwandeln. Auch das Wechseln auf dünnere Vorfächer und kleinere Haken brachte nicht den gewünschten Erfolg und so wurde um jeden Fisch redlich gekämpft. Im B-Sektor waren die Aussichten auf Fisch wesentlich höher als im A-Sektor, obwohl im A-Sektor mehr Teilnehmer im Vorfeld trainierten.


Tandem Weigang/Lindemann warten konzentriert auf den ersehnten Biss

Wie es sich im Vorfeld bereits abzeichnete, brachte der erste Durchgang nicht die Ergebnisse die des Trainings. Obwohl die Plätze einen Abstand von 30-35m zueinander aufwiesen, war der Befischungsdruck am Beißverhalten der Fische zu spüren. 4 ½ Stunden wurde mit allen Tricks und Kniffen versucht, den ein oder anderen Fisch zu fangen. Bei Stückgewichten der Rotaugen bis zu 600g kam, und das auch schon bei wenigen Fischen, schnell ein Gewicht von über einem Kilo zusammen. Es musste hochkonzentriert zu Werke gegangen werden, wollte man die Kilo-Marke knacken. Das Tandem Schlögl/Windel konnte im 1. Durchgang ein Rotauge von 900g fangen, solch ein Trumm war an diesem Tag schon eine solide Basis und für den weiteren Verlauf des Angelns wichtig.

Die Wiegeteams machten sich umgehend nach Ende des ersten Durchgangs an die Arbeit und so ergab sich folgendes Bild nach dem ersten Durchgang (Top 3):

Sektor A:

Tandem
 Platz
Gewicht
PLZ
Diehl/Scheppach 
A11
2440g
1
Schwab/Lottig
A4
1300g
 2
Zammataro/ Kukielka
A6
 1180g  3

Sektor B:

Tandem
Platz
Gewicht
PLZ
Schlögl/Windel 
B2
3560g
1
Steinberger/Laukaistis
B8
1150g
 2
Tomasits/Esslinger
B3
 1050g  3

Hier sei vielleicht noch erwähnt, dass man sich im Vorfeld darauf festgelegt hat, Barben und Brassen maximal mit einem Gewicht von 600g zu werten. Das Tandem Schlögl/Windel hat in diesem ersten Durchgang eine Barbe von ca. 2.500g gefangen, gewertet wurden aber nur 600g.

Am Abend stand dann das gemütliche Beisammensein im Wehlener Angler-Treff an und die Fa. Mosella sponsorte das Abendessen. Ein geselliger Abend mit reichlich Gesprächstoff und sonst noch allem was eben zu solch einem Abend dazu gehört. Petra vom Angler-Treff hat sich hier mächtig ins Zeug gelegt, keiner musste Hunger oder Durst leiden.


Viel Spaß und ein geselliger Abend, auch das gehört zu unserem Hobby mit dazu

Am nächsten Morgen trafen sich die Teilnehmer um 7:00 Uhr zur Verlosung der Startplätze für den zweiten Durchgang. Dieses Mal wurde die Verlosung in umgekehrter Reihenfolge vom Vortag durchgeführt. Schnelle war auch dieses Prozedere vorbei und flugs starteten die Angler zu ihren Angelplätzen. Die Angelzeit wurde von 9:15 – 13:45 Uhr festgelegt, exakt die gleiche Angelzeit wie am Vortag.
Die Angelbedingungen gestalteten sich ebenso schwierig wie am Vortag und wurde in der ersten Stunde kein Fisch gefangen, gestaltete es sich mit zunehmender Angelzeit immer schwieriger, überhaupt noch Fische überlisten zu können. Auch der rege Schiffsverkehr – gerade im A-Sektor – machte das Angeln nicht leichter. Ein 100m Kahn kann ganz schön nerven, wenn er für eine halbe Stunde vor einem liegt und der eine Tandem-Partner die lange Spur nicht mehr beangeln kann. Aber dies sind Umstände, welche man im Vorfeld leider nicht abklären kann.


Vorsicht! Jeder Fisch zählt und da hilft lieber mal der Partner mit

Auch nach diesem 2. Durchgang ging das Wiegenteam flugs an die Arbeit und die Teams konnten nach zwei angelreichen Tagen ihr Tackle entgültig im Auto verstauen.


Jens Fuller beim genauen Ablesen des Gewichtes, jedes Gramm zählt

Die Teilnehmer trafen sich anschließend zur Stärkung und zur Auswertung am Wehlener Angler-Treff wieder und schnell wurden die Ergebnisse des diesjährigen Mosella-Feederfinale preisgegeben.

Sieger und damit für die weiteren Mosella-Finale bereits qualifiziert ist das Tandem Zammataro/ Kukielka mit der Platzziffer 5 und einem Gesamtgewicht von 2.040g.
 
Das Siegerteam Zammataro/Kukielka

Den zweiten Platz sicherte sich das Tandem Tomasits/Esslinger mit der Platzziffer 6 und einem Gesamtgewicht von 2.840g.


Tandem Tomasits/Esslinger – 2. Platz in der Gesamtwertung

Den dritten Platz belegte das Tandem Diehl/Scheppach mit der Platzziffer 7 und einem Gesamtgewicht von 3.400g.


Tandem Diehl/Scheppach – 3. Platz der Gesamtwertung


An dieser Stelle möchte ich im Namen aller Teilnehmer Michael Schlögl, Petra Beucher vom Angler-Treff, der Fa. Mosella und allen Mitwirkenden einen herzlichen Dank aussprechen. Reibungslos ging alles über die Bühne und bis auf die Fangausbeute - da suchen wir noch den Schuldigen – war es eine sehr angenehme Veranstaltung mit einem tollen Flair.

Ergebnisse


Nach dem Mosella Feeder Tandem Finale sprach die ct Redaktion mit den zwei Erstplazierten über ihre Taktik:

Aus der Sicht des erstplatzierten Teams Zammataro/Kukielka:

Champions-Team: Wie waren die Gesamteindrücke Eurer Teams vom Mosella Feederfinale 2008?

Wir hatten uns zum Finale 2008 mit 3 Tandems qualifiziert:
Zammataro-Kukielka/Kricke-Czajka/und Bougé-Czyborra sollten in Wehlen an den Start gehen.Wir wussten natürlich aus der Erfahrung der letzten Jahre,dass es eine heikle,sensibele Fischerei wird bei der sich jeder Fehlbiss in der Gesamtwertung mit einigen verlorenen Rängen auszeichnen kann.Die Fänge des
letzten offenen Wehlener Fischens bestätigten zudem noch die allgemeine Beissunlust der Moselrotaugen in diesem Abschnitt.An dieser Stelle soll gerne noch mal auf unsere gut funktionierende Teamarbeit hingewiesen werden.Wir fangen alle gerne grosse Fische und hohe Gewichte,können aber auch bei mageren Ausbeuten viel Spass und ein schönes geselliges Wochenend haben.Unser Spassfaktor war mit Sicherheit genau so gross wie die Erwartung auf vordere Ränge der Platzierung !

Champions-Team: Wie habt Ihr Euch auf die Durchgänge vorbereitet und was waren die Erkenntnise des Trainings?

Mathias und ich konnten nur alleine einen kurzen Trainingsdurchgang absolvieren.Die 2 weiteren Tandems reisten erst spät am Vorabend bzw.am Wettkampfmorgen an.Leider konnte man nicht sehr viel testen,denn diverse Veränderungen brachten nicht gleich immer erneute Bisse.Sicher war eindeutigder sparsame Umgang mit Ködermaterial,denn jede Made oder jeder Caster zuviel im Futter konnte die wenigen Fische dort unten nur noch eher sättigen. Also setzte ich für den Wettkampf mein volles Vertrauen auf gutes Grundfutter mit Langzeitwirkung und das Glück einige wenige Fische in der Nähe des Angelplatzes anzutreffen.

Champions-Team: Welche Taktik hattet Ihr Euch für die Durchgänge zurecht gelegt?

Leises Aufbauen der Geräte und unbedingtes Vermeiden von lauten Quirlgeräuschen. Ein gutes Sieb (siehe www.zammataro.de) tut es in solch einem Falle auch. Genaues Ausloten der Tiefen und Bodenwellen. Weiche Vorfächer in Verbindung mit grobmaschigen Edelstahlkörben 3 x 9 Maschen. Wolkenbilung war eindeutig von Vorteil und die Verwendung von leichten Feederruten mit 1 Oz extrem langen Carbonspitzen.Ich fischte beide Tage mit dem Prototypen der neuen Balzer Masterpiece Light Feeder in 3,77 m und hatte kaum einen Fehlbiss.


Das Siegerduo bei der "Arbeit"

Champions-Team: Wie verliefen die Durchgänge? Was war richtig und was war falsch währenddes Fischens?


In beiden Durchgängen musste man eine gewisse Wartezeit in Kauf nehmen.Wer ständig seinen Futterplatz wechselte und kein Vertrauen hatte zerstörte selbst seinen Angelplatz und vergrämte die wenigen Fische. Der ca. 1 stündige Angelversuch mit der Weitwurfrute auf ca. 90 m brachte auch keinen einzigen Fisch an den Haken. Höchste Konzentration auf die gewählte Angeldistanz und wenig Fehlbisse waren aus meiner Sicht ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg.

Champions-Team: Welches Futter und welche Köder waren beim Fischen der Schlüssel zum Erfolg?

Die meisten die mich kennen wissen,dass ich dem Thema Lockfutter gegenüber sehr konservativ eingestellt bin.Ich vertraue zu 100 % auf frische Zutaten,Sämereien und appetitanregende Gewürzzusammenstellungen. Nach kurzer vorheriger Absprache entschieden wir uns für folgende Mischung pro Durchgang:

1,5 Liter Zammataro Rotauge Fertigfutter
1,0 Liter Feedermix Gold ( Extrem grobe Bestandteile zuvor aussieben ! )
1,0 Liter frisch gequetschtes Hanfmehl ( extrem fettig und arbeitend )
10 Teelöffel Rotaugen Spezial Aroma ( Zammataro )
1/2 Teelöffel Mega Colour schwarz
1/2 Teelöffel Mega Colour rot

Diese Mischung brachte eindeutig die grösseren Rotaugen auf den Futterplatz!

Die Köder wurden des öfteren in Fisch - Dip eingetaucht! Das brachte den einen oder anderen Bonusfisch.

Champions-Team: Wo wird man Euch im Jahr 2009 beim Fischen treffen können?

Die Planung für´s kommende Jahr ist noch nicht ganz durch.Es finden viele interessante Veranstaltungen statt.Leider werden nur eine begrenzte Zahl an Anglern zugelassen und da muss man schon eine Menge Glück haben um dort unterzukommen.
Ich denke es werden mit Vorliebe die Gewässer sein, wo es grosse Brassen zu fangen gibt.Diese Art der Fischerei lieben ich und mein Team nun mal:z.B. inGartow, Eixendorf, Hockenheim, unser eigenes Event in Lith und viele Veranstaltungen in der Maas.


Aus der Sicht des zweitplatzierten Teams Tomasits/Esslinger:

Das Team Sensas Jagsttal reiste mit drei Tandems bereits am Donnerstag an und verbrachte vier tolle Tage in dieser schönen Landschaft an der Mosel. Leider spielte der Fisch in dieser Zeit nicht so mit, jedoch fingen wir alle unsere Fische. Mit dem Team Schwab/Lottig konnten wir ein zweites Team in die Top-Ten platzieren und mit etwas Glück hätte ihr 6. Platz noch besser ausfallen können. Aber so ist halt unser Hobby, vorausrechenbar ist hier gar nichts und "es kommt wie es kommt".
Wir verwendeten folgende Futtermischung für unsere beiden Durchgänge, da werden zwar wieder Diskussionen losgehen, aber diese Futtermischung fischten wir:

1kg     Gros Gardons
1/2kg     Match-Blend
1/2kg    Etang
150g    gekochten Hanf
50g    Koriander gemahlen
abgedunkelt mit schwarzer Futterfarbe

Wir angelten auf zwei Distanzen, eine Spur bei 53m und eine Spur bei 25m. Wir hatten das Glück, zweimal die B3 zu ziehen und so konnten wir im zweiten Durchgang unsere Clips vom Vortag angeln. Gerade die lange Bahn brachte den meisten Fisch und fing auch noch nach der ersten Stunde. Wir verwendeten Schlaufenmontagen mit einer Schlaufengröße von 20cm und einem 1m langem Vorfach. Gingen wir mit der Vorfachstärke unter 0,12mm, verwendeten wir einen Doppel-Mikowirbel um die Verdrallung des Vorfachs auszuschließen. Mit den Seitenarmmontagen kamen wir im Training nicht so zurecht, die Bisse kamen bei weitem nicht so sauber durch und so entschlossen wir uns auf die genannte Seitenarmmontage. Genaues Werfen war auf jeden Fall auch ein wichtiger Aspekt, ein oder zwei Meter vom Futterplatz entfernt und schon konnte man mit längeren Beißpausen rechnen. Das war ein kleiner Einblick, wie wir dieses Finale angegangen sind.

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