5. Shimano-Cup am Silokanal

  • von Achim Tomasits
  • 27. Oktober 2010 um 12:45
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Kaum ein Kanal zieht in den Herbstmonaten mehr Angler in seinen Bann wie der Silokanal in Brandenburg, Grund hierfür ist das große Fischaufkommen und die erzielbaren Fangewichte. Die Firma Shimano und Jan Malecki vom Team Shimano Brandenburg organisieren ein Großevent der Spitzenklasse und zahlreiche nationale und internationale Spitzenangler scheuen nicht den langen Weg an dieses Topgewässer. Neben dem mehrmaligen Welt- und Europameister Alan Scotthorne lassen sich die deutschen Spitzenangler immer wieder gern auf dieses Highlight sehn und so traf man neben den CT-Mitgliedern Günter Horler, Harald Windel, Lutz Weißig, Claus Müller und Henric Plass weitere Top-Angler der internationalen und nationalen Friedfischszene.


Der Silokanal

Der 5,25 km lange Silokanal ist mit einer Wassertiefe von 4 m prädestiniert für einen fairen Wettkampf und bietet die Möglichkeit, auch mit einer großen Anzahl an Anglern, eine entspannte Veranstaltung durchführen zu können. Die 150 Startplätze für den Shimano-Cup waren binnen Stunden ausgebucht, auch ein Indiz für die Beliebtheit dieses Gewässers. Zielfische in den Herbstmonaten sind vornehmlich Rotaugen und Brassen und besonders erstgenannte bringen ordentlich Gewicht auf die Waage. Rotaugen bis 1 kg sind keine Seltenheit und Exemplare bis 1,5 kg werden auch des Öfteren auf die Schuppen gelegt. Die Kraftpakete verlangen optimal abgestimmtes Gerät und bieten großen Sport an den langen Poles.

Andreas Esslinger
Andreas Esslinger mit einem der kapitalen Silo-Rotaugen

Bereits Tage vor der Veranstaltung sah man viele Angler am Kanal trainieren, die Fänge hielten sich aber in Grenzen und so wurden die verschiedensten Techniken ausprobiert, 13 m Pole, Bolo oder auch Matchruten kamen zum Einsatz. Besonders fischarm zeigte sich im Training der A-Sektor direkt am Parkplatz Elisabethof. Hier wurde – wenn überhaupt -  nur sporadisch Fisch gefangen und dies vornehmlich mit der Bolorute. Selbst die kleinen Rotaugen, welche man direkt auf den Steinen auf 10-12 m gut fangen kann, waren wie vom Erdboden verschluckt. Hier sei noch angemerkt, dass der Silokanal seit einiger Zeit schon mit einem erhöhten Wasserstand versehen ist und es gestaltete sich äußerst schwierig mit der 13 m Rute über die Kante zu kommen. Selbst wenn die Plattform mit allen vier Beinen im Wasser stand fehlten noch gut 1-1,5 m auf besagte Kante.


Die Boloruten waren oft im Einsatz

Wesentlich besser verliefen die Trainingssessions in den Sektoren C und D, es dauerte hier zwar eine Weile bis Fisch auflief, jedoch konnte man dann in 1-2 Std. um die 8-10 kg fangen. Die verwendeten Strömungsposen reichten von 6-12 g, Lutscher- bzw. Tellerposen wurden bis 20g zum totalen Blockieren verwendet. Der Aufbau der Montagen für den Silokanal gestaltete sich bei dem erhöhten Wasserstand und der starken Strömung nicht ganz so einfach. Konnte im letzten Jahr noch mit einer Kette aus Schroten der Größe No.6 der Fisch zum Anbiss verleitet werden, musste man jetzt entweder die Schrote auf No.4 oder auch No.2 anpassen bzw. man versuchte sich in einer Zweipunktbebleiung mit einem etwas längerem – um die 40 cm – Vorfach. So konnte man die größeren Exemplare unter den Rotaugen selektiver ansprechen. Die Montagen für die Lutscherposen waren vorwiegend klassisch aufgebaut, Zweipunktbebleiung bis zu 10% davon aufliegend.

Eine durchschnittliche Silokanalbrasse
Eine durchschnittliche Silokanalbrasse

Das verwendete Futter sollte auf jeden Fall zwei Eigenschaften mitbringen, starke Bindung und schwer sollte es sein. Die Bindung ist notwendig, um genügend Köder darin unterbringen zu können ohne dass die Futterballen sich zu früh auflösen und diese Köder langsam freigeben. Die Schwere des Futters kann durch zwei Hilfsmittel beeinträchtig werden, zum einem durch die Zugabe von schwerer Erde oder zum anderen durch das Einbringen von Kies. 10-20 % Erde sind im Normalfall ausreichend um dem Futter die gewünschte Schwere zu verleihen, bei dem Kies ist mit maximal 10% die oberste Grenze erreicht.
Erstmalig in diesem Jahr wurden die 4 Sektoren nochmals unterteilt und die französische Wertung angewendet, dieser Auswertungsmodus stieß bei allen Teilnehmern auf Begeisterung und machte die Veranstaltung vor allem noch interessanter.


Wo keine Fische sind, kann selbst der 5fache Weltmeister Alan Scotthorne keine fangen

Am Samstag war es dann soweit, bei tollem Herbstwetter begann der 1. Durchgang um 11:00 Uhr und schnell konnten die ersten Fische eingenetzt werden. Überall, nein nicht überall. Der im Training bereits sehr magere A-Sektor zeigte sich auch an diesem Tag von seiner schlechtesten Seite und brachte den ein oder anderen Teilnehmer fast zur Verzweiflung. Nur ein kleiner Bruchteil der Angler in diesem Sektor kamen überhaupt in den Genuss Fisch zu fangen. Sämtliche Versuche mit allen Angeltechniken schlugen fehl und schien fast so, dass die Fische sich gänzlich aus diesem Bereich zurückgezogen hätten. Und so hatte im Teilsektor AA Frank Bendig mit 2.923 g die Nase vorn und konnte Georg Wickerath mit 1.338 g und Marco von Holten mit 887g auf die weiteren Plätze verweisen. Im Teilsektor AB sah es nicht viel anders aus, Fisch Mangelware und so konnte Roman König mit 3.818 g Stehpane Fortun mit 2.633 g und Claus Müller mit 1.500 g auf die weiteren Plätze verweisen.

Im A-Sektor zählte jeder Fisch
Im A-Sektor zählte jeder Fisch

Im Teilsektor BA konnte Thomas Liebegut das höchste Gewicht mit 6.451 g zur Waage bringen, gefolgt von Ingo Frerichs mit 6.379 g und Wilfried Wittger mit 5.616 g. Den zweiten Abschnitt im B-Sektor entschied mit einem Fanggewicht von 11.008 g Heiko Krone vor Andreas Esslinger mit 10.475 g und Michael Schlögl mit 9.096 g für sich. Es konnte festgestellt werden, dass um so weiter man kanalaufwärts saß, immer höhere Fanggewichte erzielt wurden. Die Fische hatten sich also doch mehr auf die Kanalmitte festgelegt.

In Sektor C demonstrierte wieder einmal Lutz Weißig seine Extraklasse an diesem Kanal und verwies mit 13.959 g Achim Tomasits mit 10.548 und Jan Seipel mit 7.830 g auf die weiteren Plätze. Der zweite Teilsektor CB wurde von Dirk Alker mit 6.337 g vor Ralf Gericke mit 5.930 g und Peter Lahne mit 5.902 g gewonnen.

Ein wichtiger Fisch kurz vor der Landung
Ein wichtiger Fisch kurz vor der Landung

Den Teilsektor DA konnte Oliver Nitze mit starken 14.814 g für sich entscheiden, dies bedeutete auch das Tageshöchstgewicht. Auf den weiteren Plätzen folgten Carsten Röschl mit 11.635 g und Fred Glockemann mit 8.662g. Im Sektor DB hatte Ingolf Stern mit 14.482 g vor Aik Weiß mit 13.053 g und David Krause mit 12.970g die Nase vorn.
Nach diesem 1. Durchgang sah man viele unzufriedene Gesichter, konnte doch bei den vergangenen Cups durchweg auf allen Plätzen Fisch gefangen werden, war es in diesem Jahr stellenweise wie verhext und man musste sich mächtig ins Zeug legen, um sich gut aus der Affäre ziehen zu können. Was wurde falsch gemacht? Diese Frage ist einfach zu beantworten: Nichts! Der Wetterumschwung und die zusammenhängende Luftdruckveränderung schlug den Fischen auf den Magen bzw. ließ diese nur in bestimmte Bereiche des Kanals verweilen. Guter Rat war also teuer, wie sollte man an den zweiten Tag rangehen. Defensiv füttern, weniger Köder, welche Angelmethode, ... die Teilnehmer machten sich zahlreiche Gedanken für den 2. Durchgang und hofften, dass sich die Fische besser im Kanal verteilen würden.


Johannes Böhm mit einem strammen Silokanal Rotauge

Die Wettervorhersage für Sonntag war nicht so berauschend, orkanartige Winde waren angesagt worden und was das am Silokanal heißt, kann sich jeder vorstellen der diese Strecke kennt.

Und pünktlich zu Beginn dieses Durchgangs fegte der Wind über den Kanal und ließ das Angeln mit den langen Stangen nur noch eine kurze Zeit zu. Wohl dem Teilnehmer welcher sich 2 oder 3 Boloruten zurecht gemacht hatte, nur diese Angelmethode konnte noch adäquat geangelt werden und brachte zugleich den meisten Fisch. Ob mit einer 10 g Pose kurz hinter der Kante oder mit einer 15 g Pose auf 20-25 m, der Fisch reagierte positiv und es konnten trotz der widrigen Wetterbedingungen doch noch schöne Gewichte erzielt werden. Das kontinuierliche Nachfüttern auf den Bolobahnen war sehr wichtig da fast alle diese Bahnen beangelten. Wer zu spät nachfütterte konnte die Fische nicht lange genug an seinem Platz halten und der Nachbar partizipierte von dieser Nachlässigkeit.


Die kampfstarken Fische sorgten für lange Gummizüge

Nach 3 Stunden war auch der 2. Durchgang beendet und schnell wurde bekannt, dass Lutz Weißig auch auf einem vermeidlich schlechteren Platz im A-Sektor souverän die 1 angelte. Er konnte somit auch die 5. Auflage des Shimano-Cups für sich entscheiden, gefolgt von Roman König vom Team Shimano CM-Lockstoffe und Ingolf Stern vom AV Plessa.
Auch wenn die Fische sich beim diesjährigen Shimano-Cup ein wenig zurück hielten und das Wetter nicht ganz den Wünschen der Teilnehmer entsprach, diese Veranstaltung ist und bleibt ein Highlight im Kalender der Matchangler und wird auch im nächsten Jahr wieder schnell ausgebucht sein.

1. Platz Lutz Weißig
1. Platz Lutz Weißig
2. Platz Roman König
  3. Platz Ingolf Stern
2. Platz Roman König
3. Platz Ingolf Stern
Sieger und Platzierte

Sieger und Platzierte

   
 
Ergebnisse

Für das IAM am kommenden Wochenende herrscht jedoch Zuversicht, das Wetter soll stabil bleiben und bei den zahlreichen Trainingssessions im Vorfeld werden die Fische sich gleichmäßig im Kanal verteilen und sicherlich für tolle Gewichte und zufriedene Angler sorgen.
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