Die Aue lebt ...

  • von Jörg Heise
  • 21. Mai 2011 um 01:39
  • 3
Titelte ein bekannter, ehemaliger deutscher Kaderangler aus dem Westen unserer Republik vor einigen Jahren. Zu diesem Zeitpunkt bereiteten sich die Fische jedoch auf den Winter vor und frassen dementsprechend…

Auch in diesem Frühjahr fragte sich die Mehrheit der Angler rund um die Aue, wie sich der anfangs kalte Winter auf die Fangerfolge im Frühjahr auswirken würde. Niemand hatte das letzte Jahr, insbesondere den späten Frühling vergessen, wo ein „o.F.“ so das eine ums andere Mal unter Angelkollegen kursierte. Auch die ersten Fischen im Jahr 2010 waren gezeichnet von sehr wenig Fisch, denn wer ein oder gar zwei Fische im Netz hatte, durfte sich glücklich schätzen. Bis in den Juni hinein dauerte es, bis die Fische sich wieder vermehrt in den Netzen wiederfanden. 

Und was ist mit 2011? Der Winter war nicht ganz so lang, die Kälteperiode, zumindestens im norddeutschen Raum, erstreckte sich lediglich bis in den Januar hinein und bereits ab Februar taumelte das Quecksilber um den Gefrierpunkt. Folge waren bereits im März Brassenfänge und vereinzelt stattliche Rotaugen im Sulinger Raum, doch wie würden die Fische reagieren, wenn ein paar mehr Angler ihre Ruten schwingen würden?

Den Auftakt gab es bereits Mitte April in Diepenau an der Aue in Ströhen. Die Aue in Ströhen liegt oberhalb der Sulinger Strecke und ist vergleichbar, lediglich ein paar Brassen mehr treiben dort ihr Unwesen. Gefangen wurde deutlich besser als noch 2010 und so waren die Aussichten  für das Fischen in Ströhen und zwei Wochen später in Sulingen deutlich besser, als noch im vergangenen Jahr.

Eine Woche vor dem Fischen in Ströhen fand ein gut besuchtes Vereinsfischen auf benachbarter Strecke statt und die Pessimisten wurden lauter – so liessen sich Rotauge, Gründling und Kaulbarsch nur sehr zäh bis gar nicht fangen, lediglich die Brassen hatten Hunger. Die Verschlechterung des Wetters sollte es auch nicht unbedingt leichter machen, an den Fisch zu kommen.

Dennoch trafen sich am Sonntag, den 15.05. wieder stolze 33 Mannschaften á 5 Angler in Ströhen, um den einen oder anderen Fisch zu fangen. Dank einer vorbildlichen Organsiation mit zahlreichen Helfern und Streckenposten nahm der Morgen seinen Lauf und man fand sich schnell am Angelplatz wieder.  Gefischt wurde oberhalb des Tierparks (Sektor A) bis in den Sulinger Bereich – Hecke (Sektor E).
 
Gespannt war man auf das was kommen sollte, so ist der Ströher Bereich doch für seine Brassen bekannt, welche in 4 von 5 Sektoren immer zu erwarten waren. Lediglich der A-Sektor bringt nur sehr selten eines der gewichtigen Tiere hervor. Die ersten Triebe zeigten recht schnell, dass es doch Fische zu fangen gab. Allerdings waren die Sektoren teilweise unterschiedlich.

Sektor A

Sektor A
Konzentration über drei Stunden war das A und O

Der flachste Bereich der Aue, denn mit Tiefen unter einem Meter musste man sehr vorsichtig sein. Zu laute Bewegungen sollten vermieden werden und auch das Futter darf hier ruhig eine Ecke sparsamer ausfallen, als in den anderen Sektoren, denn meistens war der A-Sektor von der Masse der Fische der Ärmste. Sauberes Loten war der Knackpunkt um je nach Wetterlage und Sonnenschein die jeweiligen Spuren zu legen. Manchmal fängt man in Bereichen, welche 20cm flacher sind, besser bei Sonnenschein, denn dort treiben sich bei wärmeren Temperaturen doch mehr Kleinstlebewesen und damit Nahrung für die Fische rum. Schnell wurden die paar Standfische gefangen – wenn es denn welche gab und bereits nach einer halben Stunde begann das Suchen und Kämpfen um jeden Fisch. Karl-Heinz Bollmann, welcher in der letzten Woche das Bezirksfischen von NRW an der Aue mitfischte, verstand es, aus der Mitte heraus die Fische zu Suchen und gewann seinen Sektor.
  1. Karl-Heinz Bollmann (Sensas NRW) – 596gr
  2. Franz Dargel (Stipper Espelkamp) – 544gr
  3. Patrik Hille (Team Grebenstein) – 352gr
Sektor B

Sektor B
Malerische Kulisse – einer der vielen Reize der Aue

Sektor B ist etwas fischreicher und die Erfahrung der letzten Jahre hatte gezeigt, dass es immer Ecken gibt, wo 1000 gr Kleinfisch gefangen werden können. Brassen sind hier eher selten und wenn dann meistens auf den höheren Nummer zu fangen. Auch in diesem Jahr gab es einige Angler, welche den richtigen Riecher hatten und um die 30 Fische zur Waage brachten. Nicht immer muss es die 13m Spur sein, denn auch die kurze Bahn um 8m bringt Weissfische hervor. Erstaunlich war, dass auf den niedrigen Nummer, also im flacheren Bereich, Brassen gefangen wurden.
  1. Thum Armin (Team Generali) – 3364gr
  2. Hans-Jürgen Bach (SFV Drebber) – 2197gr
  3. Willi Borchding (Team BASF) – 993gr
Sektor C

Sektor C
Hier galt es den Weissfisch zu befischen

Von der Breite und Tiefe vergleichbar mit dem B-Sektor. Zwar wurden hier in den letzten Jahren immer mehr Brassen gefangen, aber handelte es sich sonst immer um Einzelfische, welche auf manchen Plätzen einfach auftauchten. Gezielt die Brasse zu befischen, war daher nicht sinnvoll, gab es doch zu viele Weissfische. Jens Nietfeld vom ASV Sulingen I verstand mit 33 Weissfischen und rund 800gr jenen nachzustellen und musste sich lediglich den „Big Fish“ Fängern stellen – Platzziffer 8 stellt ein solides Mannschaftsergebnis dar. Dieses Jahr trieben aber einige Brassen mehr ihr Unwesen im Sektor und so kamen hier stattliche Gewichte zu Stande.
  1. Johann Meier (FSV Alfhausen) – 8570gr
  2. Andreas König (Browning Bielefeld) – 7200gr
  3. Marco Seitz (Stipper Espelkamp) – 5102gr
Sektor D
Sektor D liegt oberhalb von „Hespos Stau“ und ist immer für eine Überraschung gut. So kommen hier nicht nur jedes Jahr die höchsten Gewichte her, sondern auch die Artenvielfalt scheint hier grösser zu sein. Oftmals werden hier Schleien um die 3 Pfund gefangen und auch von Hechten, welche die Fische beim Einholen attackieren, wird jedes Jahr berichtet. Nicht zu vergessen auch die zahlreichen Brassen, denn in der Regel benötigt man schon eines dieser Wasserschweine um in die Top 6 zu kommen. Doch zu Beginn ist Kleinfischangeln angesagt, denn auch diese sind hier vermehrt anzutreffen. Ab der zweiten Stunde lohnt es, schonmal ein halbes Gramm schwerer zu fischen, als angedacht. So ist es nicht verwunderlich, dass man es in diesem Jahr nicht mal in die Top 10 schaffte, ohne einen „Big Fish“. 800 Gramm waren lediglich für Platz 13 gut – selbst mit 7 kg konnte man hier nicht gewinnen. Hauptspur der Brassen lag bei 13m und zwei Caster durften es schonmal sein. Viele Angler haderten mit sich und den aueüblichen Minihaken und verloren zahlreiche, bessere Fische. Denn wer zu grob an die Sache ging, wurde mit gähnender Langeweile  und einem leeren Kescher gestraft. Haken der Grösse 18 – 22 und Schnüre um 0,08mm, an einer 1-2gr Pose waren das Maximum, um die Brassen zu fangen. Nach dem Fischen berichteten viele Angler, ihren Kescherkopf gewechselt zu haben während des Fischens, denn die Brassen wiegen im Schnitt etwas über 2kg und passten wohl nicht in jeden Kescherkopf hinein.
  1. Bernd Schweers (ASV Huntetal) – 5604gr
  2. Mark Gromm (ASV Kirchdorf) – 4125gr
  3. Maik Schmetz (ASV Ströhen) – 3618gr
Sektor E
Jener Bereich liegt in Sulingen, direkt unterhalb von „Hespos Stau“ und wird beim Aue-Pokal den A-Sektor darstellen. Von den Sulinger hörte man von spektakulären Brassenfängen im hinteren Bereich des Sektors in den Vorwochen, so dass sich der eine oder andere wünschte, eine möglichst hohe Nummer zu ziehen. Das Ergebnis jedoch war ein Anderes. Der Sektor gestaltete sich sehr zäh, lediglich die hohen Nummern konnten etwas mehr Fisch fangen. Allerdings fischten sich auch Angler mit einer niedrigen Nummer in die vorderen Platzierungen. Jugendnationalkaderangler Kevin Ebner konnte hier zeigen, welches Potenzial in ihm steckt und erreichte mit rund 800gr Kleinfisch einen hervorragenden zweiten Platz. Lediglich eine gehakte Brasse schaffte es, sich vor Kevin zu drängen. Auffallend waren die Fischarten, welche gefangen wurden. So sah man entweder Rotaugen und vereinzelt Gründlinge oder eher mehrere Gründlinge und Kaulbarsche in den Netzen. Die Rotaugen wollten den Köder einfach nicht vom Grund aufnehmen und mussten im Mittelwasser oder kurz über Grund gesucht werden. Wer am Grund suchte, fing ausschliesslich Gründlinge oder Barsche, welche aber längst nicht reichten, um ein respektables Mannschaftsergebnis zu erreichen.
  1. Uwe Wicher (Sensas NRW) – 2435gr
  2. Kevin Ebner (Hansestipper Bremen) – 894gr
  3. Felix Mela (Sensas Dammer Berge) – 774gr
Was machte also den Unterschied zwischen den Anglern? Wichtig war es, die Minifische links liegen zu lassen und dafür die Grösseren zu selektieren, denn in Ströhen entscheidet das Gewicht. Dabei war Geduld gefragt und einige bekannte Angler, darunter auch Nationalkaderangler, schafften es einfach nicht an den besseren Fisch zu kommen. Unbekanntere, regionale Angler zeigten, dass auch sie in der Lage sind zu lernen und rundeten das Teilnehmerfeld zu einem spannenden Fischen ab. Das Niveau gleicht sich langsam an und es wird immer schwieriger, an der Aue zu überzeugen. Wer Geduld besaß und dazu noch feine Montagen zwischen 0,1-0,6 gr fischte, konnte die begehrten Schuppenträger überlisten. Variables Fischen auf zwei bis sogar vier Spuren, arbeiten mit dem Köder und wenig Futter, besser nur Lebendköder cuppen, brachte den gewünschten Erfolg. Dabei musste man schauen, ob man an die Aländer kam, welche das meiste Gewicht brachten, oder lieber die vereinzelten Rotaugen von 20 bis 100gr sammelte. Die Gründlinge wogen nur zwischen 3 und 10gr, sodass diese zwar eingesammelt werden konnten, aber keine alleinige Option darstellten. Auch waren die sonst zahlreichen Kaulbarsche einfach nicht zum Fressen bereit oder nicht vorhanden. Einige Angler schafften es mit der Matchrute ein paar Fische zu fangen, aber auch diese reichten alleine nicht für eine gute Platzierung. In zwei Wochen in Sulingen wird es die Punktewertung geben, so dass sich das Blatt hier wieder ändern kann, aber jeder weiss, dass sich innerhalb zwei Wochen viel ändern kann und vielleicht sind die Rotaugen dann fertig mit dem Laichgeschäft und lassen sich vermehrt fangen.

Nach einem leckeren und üppigen Essen sah man dann aber doch ein paar alte Bekannte vorne und so mauschelte man, dass das Sensas Team NRW mit zwei Idealplatzierungen das Fischen für sich entscheiden würde. Umso erstaunter waren die Angler, als jene bereits bei Platz drei nach vorne gehen durften. Platz zwei ging an das Team aus Kirchdorf, welche eine gute Mischung aus Kleinfisch und Brassen fand.
 
Nettes Beisammensein - nach guter Verpflegung

Doch wer stand oben auf dem Treppchen? Mit nur einer einzigen Platzierung in den Preisen schaffte es der ASV Sulingen I sich durch konstantes Kleinfischangeln an die Spitze zu fischen. Platziffer 4 – 7 -7 – 8 – 13 brachten zwar nicht eine einzige Basse hervor, dafür aber im Schnitt über 30 Kleinfische und damit keinen Aussreisser.

Von links nach rechts: Sulingen, Sensas NRW, Kirchdorf
Von links nach rechts: Sulingen, Sensas NRW, Kirchdorf
  1. ASV Sulingen I - (4-7-7-8-13) 39 Punkte
  2. ASV Kirchdorf - 43 Punkte
  3. Sensas Team NRW - 44 Punkte
Angemerkt sei, dass noch ein paar Teams Platz gefunden hätten und so hofft man im nächsten Jahr auf eine handvoll Teams mehr, die erfischten Gewichte laden hierzu gerne ein.

Fazit:
Soviel Fisch, sowohl Qualität, als auch Quantität wurde selten in Ströhen gefangen und die meisten Angler sind jetzt schon gespannt, was in zwei Wochen in Sulingen passieren wird, wenn es wieder heisst: Auf geht’s zu Deutschlands grösstem Fischen – denn... Die Aue lebt!
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3 Kommentare
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  • borchi
    Aue
    wenn das jemand schafft jayson, dann du... viel glück und immer schön das machen was der sportwart sagt
  • Jayson
    Keine?
    bin ich alleine? verliere ich trotzdem :-)
  • Jayson
    Aue Pokal
    mach echt bock auf nächste woche! wer fährt alle hin?