Juliana Classics 2017

  • von Dieter Liebert
  • 26. Oktober 2017 um 09:30
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Der mittlerweile alten Tradition folgend, trafen sich auch in 2017 wieder Stippangler aus 5 europäischen Ländern am letzten Septemberwochenende am Julianakanal um dort über insgesamt 4 Tage nicht nur unter der Leitung des van den Eynde Teams germany gegeneinander zu angeln, sondern auch, die persönlichen Kontakte zu pflegen und auszubauen. Dass holländische wie auch belgische Kanäle vergleichbar einer 7-köpfigen Schlange daher kommen, dürfte für Teilnehmer internationaler Veranstaltungen nicht neu sein. Zwar eröffnen die bei Stippern doch eher ungeliebten Grundeln meist eine neue Option, unter selbst noch so schlechten Bedingungen ein akzeptables Gewicht zu erzielen, doch ob die Angelei mit der 3m Rute und urzeitlich anmutenden Montagen wirklich die Zukunft des internationalen Stippangelns wird und Massen von Anglern ans Wasser bringt, darf wohl zu Recht in Frage gestellt werden.

Rotaugen im Gardemaß, gefangen an ausgefeilten und sensibelsten Montagen hingegen, sind der primäre Zielfisch, für den die Teilnehmer Anreisen von bis zu 1.000 km zur Kanalstrecke zwischen Illikhoven und Roosteren, gleich an der Deutsch Holländischen Grenze, auf sich nehmen. Dies zu bewerkstelligen erweist sich jedoch nicht selten als nobelpreisverdächtige Herausforderung und nicht umsonst gilt ohne Lokalpatriotismus oder Übertreibung in den Niederlanden der Grundsatz – „wer dauerhaft erfolgreich am Julianakanal angelt, der kommt überall auf der Welt zurecht“. Dennoch gilt es das in Deutschland oftmals das herrschende Bild vom „Angelparadies Niederlande“ zu revidieren. Zwar ist es nach wie vor so, dass der NL Verband über mehr denn ca. 2 Millionen Mitglieder aufweist, doch die Wahrheit bei den Veranstaltungen am Wasser gleicht mittlerweile durchaus der Monotonie an deutschen Gewässern. Einem Angler am Wasser, stehen mindesten 10 besserwissende Nationaltrainer bei den sozialen Netzwerken gegenüber und nahezu wöchentlich müssen auch hier Veranstaltungen abgesagt werden, da schlichtweg die Teilnehmer fehlen. Leider ein Trend, den auch wir bei der Classics hinnehmen mussten.

Ohne das Grundgerüst der einheimischen Angler also ging es am Donnerstag dann zum offiziellen Training. Ob es nun zum Training unbedingt der Kopfplatz an der Lostrommel sein muss ist zwar fraglich, dass Kristof Houbart aus Belgien diesen jedoch überdeutlich nutzte und mit ca. 5 kg das Höchstgewicht verbuchte, konnte bei seiner Klasse kaum verwundern. Mit Patrick Klasen und Orga Mann Dieter Liebert folgten zwei weitere Kandidaten, die man wohl auch in der Gesamtwertung auf dem Zettel haben musste.

Insgesamt ließen die Ergebnisse dennoch viel Platz für Spekulationen. Ein bis zwei Kg Grundeln sollten sich auf nahezu jedem Platz realisieren lassen – und damit wäre man gemessen an den Trainingsergebnissen gut im Rennen. So verwunderte es dann kaum, dass zum ersten Wertungsdurchgang insbesondere die Angler aus Luxembourgh, bei denen die Grundel in den letzten Jahren nahezu zum „Haustier“ mutierte, allesamt die typisch kurzen Ruten mit den tragkraftmassiven Boloschwimmern bereitlegten.

Im Laufe des Angelns zeigte der Kanal dann ein bislang ungekanntes Gesicht. Der Kopfsektor A, in dem gestern nicht trainiert und gefüttert wurde, schien heute beinahe frei von Rotaugen – diese schienen im gestern befischten Sektor B eingelaufen zu sein, wo vom Start weg Fisch gefangen wurde. Im Sektor C wiederum gingen die Plätze 1 und 2 an die zwei hinteren Startnummern. Zudem spielten die Grundeln gleich in zweierlei Hinsicht eine entscheidende Rolle. Zum Einen lagen die „Grundelangler“ mit Ihrer Taktik meist im Vorderfeld – zum Anderen scheint die Grundel eine essentielle Rolle als Futterfisch für die Raubfische Barsch und Zander zu spielen. Beide gehen in die Wertung ein und machten heute den vielleicht entscheidenden Unterschied. Der als Karpfenspezi mit eigener Boilieproduktion bekannte Dürener Bernd Hahne (cockbaits) setzte wie bereits im Vorjahr erfolgreich auf das Füttern von Würmern und fing erneut gute Barsche. Darko Lovric hingegen hatte neben dem nötigen Glück auch das Können, einen massigen Zander (Mindestmass in NL 42 cm) mit einem Gewicht von ca. 1,5 kg ins Netz zu bringen. Dieser Fisch sollte letztlich noch entscheidenden Einfluss in der Gesamtwertung haben.

Die Sektorensieger gingen die Sache höchst unterschiedlich an und hiessen am Ende:

  1. Bernd Hahne – 1.476 gr (nahezu ausschliesslich Barsch)
  2. Darko Lovric – 3.478 gr (Rotaugen plus Zander)
  3. Marc Haliniak – 3.361 gr (nahezu ausschliesslich Grundeln!!! – Durchschnittsgewicht ca. 7 bis 10 gr)

Beinahe selbstverständlich dürfte nach diesem Ergebnis sein, dass an Tag 2 kaum ein Angler auf die kurze Bahn mit den Grundeln verzichtete. Gleich zum Start am Samstag wurde also meist fleißig Stückzahl gemacht. Doch, erneut hatte „Juliana“ Ihren eigenen Kopf und strafte die Stückzahlakrobaten beinahe mit Höchststrafe ab. Schon nach wenigen Minuten mussten die kurzen Ruten der long Pole weichen – denn die Rotaugen waren plötzlich über den gesamten Parcours verteilt in Beißlaune. Besonders in der ersten Stunde konnte man Gewicht machen. Wer hier zu lange auf die Grundeln setzte, verlor schnell den Anschluss. Gewichte zwischen ca. 4,5 und 6 kg waren in allen Sektoren nötig um vorne zu landen. Auch der Barsch spielte heute nur eine untergeordnete Rolle.

In den Wiegenetzten der Sektorensieger fanden sich durchweg gute Rotaugenfänge:

  1. Wolfgang Müller – 5.945 gr
  2. Kristof Houbarth – 4.360 gr
  3. Dieter Liebert – 4.489 gr

Rotaugen

Das Finale der Classics bildete auch in diesem Jahr das Marcel van den Eynde Memorial am Sonntag und wie zu jedem Tag, waren auch hier Angler für die Tageswertung zugelassen, die das Feld füllten. Die Ergebnisse der Vortage hätten unterschiedlicher nicht sein können und an der Spitze der Gesamtwertung ging es noch extrem knapp zu. Lovric, Müller und Liebert allesamt mit 3 Punkten – dahinter lauerten mit 4 bzw. 5 Punkten der Belgier Houbarth und der Luxembourgher Haliniak - mithin galt es mit einem Auge auf die Gesamtwertung und mit dem anderen auf den prestigeträchtigen Tagessieg zu schielen.  Beides zu verknüpfen schien wiederum nur dann möglich, wenn Rotaugenfänge in allen Sektoren möglich sein würden. Bei böigen, teils stürmischen Bedingungen, ging es dann „ans Werk“. Die Startphase gestaltete sich in den Sektoren A und C ähnlich spektakulär wie am Vortag. Sektor B hingegen fiel heute deutlich ab und die Grundel, heute nicht in der Wertung, war somit ebenfalls keine Option. So wurde schnell klar, dass das Rennen um die Gesamtwertung der Classics zwischen Darko Lovric und Wolfgang Müller in Sektor C entschieden würde – wobei Wolfgang erheblich mit einem „Hänger“ auf der langen Bahn haderte - während Kristof Houbarth dem Vorjahressieger Jos Bastiaans lange Paroli um den Tagessieg in Sektor A bot.

Jos Bastiaans

Durchsetzen konnten sich letztlich mit Rotaugen dominierten Fängen:

  1. Jos Bastiaans  – 4.240 gr
  2. Sascha Kiefer – 1.117 gr
  3. Darko Lovric – 3.428 gr

In der Gesamtwertung der Classics über alle 3 Tage belegten mit Lovric, Müller und Houbart  Julianakanalerfahrene Angler aus der näheren Region die Plätze 1 bis 3. Sascha Kiefer vom Team Browning Rheinland Pfalz überzeugte bei seiner zweiten Teilnahme bereits mit Rang 4 – der Sonderapplaus der Teilnehmer gebührte jedoch Martin Otto. In seiner Heimat, Österreich, ist ein Kanalangeln in dieser Form schlichtweg nicht existent. Umso höher ist zu bewerten, dass er sich mit Platz 6 in diesem internationalen Feld „ins Geld“ fischte. Jos Bastiaans gewann nach 2015 erneut den Titel des M. v.d.Eynde Memorials.

Wie immer bildete die Siegerehrung im Saal Mirage mit tollen Sachpreisen den Abschluss der Veranstaltung. Eine Sonderehrung erhielten dabei für Ihre bereits 10te Teilnahme die Browning Angler KaDe Klasen, P. Klasen und G. Bleser.

Top 6 die Browning Angler KaDe Klasen, P. Klasen und G. Bleser

Mit Ihnen und gerne auch neuen Sportfreunden freuen wir uns auf eine weitere Ausgabe der Classics am Wasser der „7-köpfigen Schlange“ in 2018.

Auswärtige Anglern, die sich mit dem Gedanken einer Teilnahme beschäftigen, möchten wir nochmals motivieren, Bedenken hinsichtlich der Unterkunftsfrage, Köderbeschaffung, Angellizenz usw usw im „Ausland“ bei Seite zu schieben. In Niederländisch Limburg spricht man nahezu überall Deutsch – die Unterkunft lässt sich schnell, einfach und preiswert im Ferienpark Hommelheide gleich mit der Meldung über das ORGA Team buchen – auch Pensionen oder Hotels stehen im Umfeld zur Verfügung – die Wege zum Wasser sind kurz - ein täglicher Köderservice wird durch das örtliche Angelgeschäft geboten – die Angellizenz liegt bei Ankunft abholbereit (15,00 Euro pro Woche) an der Rezeption oder wird mit der Post zugestellt und die Gesamtkosten halten sich schon aufgrund der nicht zugelassenen Mückenlarven und der günstigen Unterkunftspreise im Rahmen. Fanggewichte können durch uns sicher nicht garantiert werden – jedoch wird das Flair der Veranstaltung, der organisatorische Rahmen, das fair play miteinander und das Preis- Leistungsverhältnis, durch Angler aus zahlreichen Nationen, die gerne immer wieder kommen, seit Jahren lobend hervorgehoben.

Special thanks to:

  • Fa. Marcel van den Eynde b.v. Belgien
  • Fa. Gerhard Otto – MAER (Moby Hofmann) – Austria
  • Hengelsport Bokoi – Susteren NL
  • HSV Ons genoegen Rolduc – NL
  • Sportvisserij Limburg - NL

Die Ergebnisse 2017 im Detail:

Tag 1 (PDF) Tag 2 (PDF) Tag 3 - Memorial (PDF) Gesamtwertung Classics (PDF)

Parallel zum Kanalangeln fand in diesem Jahr an einem nahegelegenen Carp O Drome eine weitere Veranstaltung für die Freunde dieser Angelei statt. Mit Tagesfanggewichten von bis zu 1.200 KG!!! (ca. 66 kg im Mittel) wurden die Erwartungen dort absolut erfüllt. Gerne erwarten wir auch dort in 2018 neue Angelfreunde.

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