6 Länder Fischen Österreich 2007

  • von Stefan Posselt
  • 23. Juli 2007 um 13:51
  • 0
6-Länder-Kampf in Österreich

Das diesjährige 6-Länder-Fischen (Italien, Holland, Luxemburg, Schweiz, Österreich, Deutschland) fand in Österreich an einem kleinen Kanal bei Purbach am Neusiedler See statt. Für Deutschland waren Rene Brederik und Stefan Posselt aus dem champions-team sowie Frank Weise, Guido Hieke, Erwin Zange und Michael Weiß am Start.


Der Kanal

Dieser Kanal verbindet den örtlichen Yachthafen mit dem Neusiedler See, der durch einen 2 km breiten Schilfgürtel umgeben ist. Die beim Kanalbau ausgehobene Erde wurde als Weg für diesen Kanal genutzt, die gegenüberliegende Seite und das gesamte Gelände um die Angelstrecke herum ist nur Schilf. Ein Eldorado für die Fische und die Steckmücken…!
Der Kanal ist 10-13 m breit und bis 1,50 m  tief und wird von Sportbooten benutzt. Die Wurfruten konnten also bequem zu Hause bleiben.


Frank Weise während des Trainings

Im Vorfeld fragten wir uns, kann den an so einem schmalen Kanal, noch dazu wenn eine Woche lang täglich trainiert wird, ein vernünftiges Fischen stattfinden? Die Informationen, die wir von den Österreichern im Vorfeld erhielten, waren auch nicht sehr vielversprechend, bei einer Ausscheidung 6 Wochen zuvor waren 500g Fanggewicht schon gut. Aber meistens kommt es anders als man denkt… Wir reisten eine Woche zuvor sonntags an, um ab Montag das Gewässer in Augenschein zu nehmen. Bei der Streckenbesichtigung erzählten uns die Österreicher, das viel vom herrschenden wind abhängt. Wenn der Wind vom See kommt und das Wasser „weiß“ wird, dann kommen die Fische. Später sollten wir verstehen, was sie meinten. Wie bei internationalen Veranstaltungen üblich, wurden die Trainingsboxen im Vorfeld verlost. Am Montag konnten wir auf der seeseitigen Außenbox beginnen. Wir begannen auf 3 Bahnen zu fischen, vor den Füßen, in der Mitte und am Schilf. Die ersten Fische ließen nicht lange auf sich warten, kleinere Brassen, Güstern und Rotfedern konnten gefangen werden. Dann setzte eine kräftige Strömung vom See her ein und das Wasser wurde heller und heller… Aufgewühlte Tonsedimente geben dem Wasser des Neusiedler Sees eine fast weiße Farbe und mit der Strömung wurde das Wasser weiß…



In der Einladung waren 10 zu fangende Fischarten angegeben, und wir konnten sie am ersten Tag alle fangen! Brassen, Güster, Rotauge, Rotfeder, Karpfen, Karausche, Aal, Ukelei, Barsch, Sichel (Ziege) und als extra kamen noch Sonnenbarsche hinzu. Fanggewichte bis 5kg in 3 Stunden ließen uns richtig frohen Mutes auf die Woche blicken.


Tagesfang mit Sonnenbarsch

Am Dienstag ging es in die Mitte der Strecke, es gab wenig Wind und das Wasser trübte sich bestenfalls leicht ein. Nur noch kleinere Fische und kein Fanggewicht über 1kg, da sah die Welt schon wieder ganz anders aus… Allerdings konnten uns die Österreicher in der Nachbarbox trotz der schlechteren Bedingungen ganz schön vorführen. Sie fingen etliche gute Karauschen und einige Karpfen bis 1kg direkt am Schilf auf der anderen Seite.



Mittwoch dann Wetterwechsel, Bewölkung, leichter Regen und deutlich kühler, den Fischen hat’s nichts ausgemacht, wir fingen richtig gut, neben den allgegenwärtigen Güstern und Brassen von 3-15g auch etliche Fische dieser Arten über 100g und vor allen gute Karauschen bis 800g.


Bonuskarausche

Nach 3 Tagen Training kristallisierte sich die Taktik heraus. Sehr wichtig war die Platzwahl im 20m-Sektor. Man musste am gegenüberliegenden Schilfufer eine Stelle finden, wo man nah an die Schilfkante herankam und wo das Schilf etwas weniger dicht stand, denn dort fühlten sich die Bonusfische wohl.


Der Angelplatz

Dann galt es den richtigen Rhythmus zwischen sicherem Punktesammeln auf Brassen und Güstern und dem Zocken auf die Bonusfische (Karausche, Karpfen und Aal !) zu finden. Dazu wurden auf bis zu 2 Schilfplätzen 2-4 Kappen Futter mit Maden, Mais und Wurm geschoben, dazu kamen dann noch 1-3 Kappen Erde mit Wurm und roten Pinkys und noch eine Kappe lose Maden/Pinkys, Mais und ein paar Würmer. Als Futter kam entweder eine Mischung aus Competition Classic und Explosiv Stillwasser (Mosella) oder 3000 Etang und 3000 Gros Gardon (Sensas) zum Einsatz. Nachgefüttert wurde maximal 2x in den 3 Stunden. Geangelt wurde mit roten Pinkys oder kleinen Würmern, die Montagen reichten von 0,2 – 1,5g mit einer 2- bis 4-Punkt-Bebleiung am 2-teiligen Kit. Die Kopfschnur musste so kurz wie möglich sein, damit man so nah wie möglich am Schilf angeln kann.



Die Schnüre gingen von 12/10er Montagen bis zur 18er durchgehend, die Haken von 20 bis 10, die Gummis von 0,7 bis 2,5mm hohl! Am Donnerstag wollten wir uns dann einschießen auf die Wettkämpfe, aber meistens kommt es anders … Sturm!, aber richtig aus den Bergen raus zum See, Angeln fast nicht möglich. Kein Team hat bis zum Ende des Trainings durchgehalten, am sichersten war noch das Fangen von kleinen Rotfedern im Mittelwasser. Die Vorhersage für Freitag war kaum besser, was nun? Wir entschieden uns, nicht von unserer Taktik abzuweichen, allerdings auch keine „strengen Vorgaben“ zu machen. Zu vielseitig waren die Angelmöglichkeiten und jeder Angler sollte für sich entscheiden, was an seinem Platz das beste ist – Punktesammeln oder Zocken.



1. Durchgang:

Der Wind ist immer noch stark, hat aber leicht gedreht, so das die Strecke zeitweise durch den Schutz des Schilfes ruhiger ist.
Sektor A – Losglück, Stefan erwischt den Außenplatz und kann durch konsequentes Brassen- und Güsternangeln mit dem Tageshöchstgewicht von ca. 4400g den Sektor gewinnen.
Sektor B – Rene fängt gleich mit einem Karpfen an, fängt danach konstant seine Fische, allerdings sind 2 größere Bonusfische bei anderen am Platz, 3.
Sektor C – Guido angelt ganz solide seine Schilfkante ab, hat zwei Karauschen dabei und fängt konstant mittlere Brassen und Güstern, ebenfalls Platz 3.
Sektor D – Bei Frank ist alles anders…, an der Schilfkante fängt er keine kleinen Fische, dafür fängt er diese mit der kurzen Rute, die über die Woche eigentlich immer schlechter geworden ist. Beim Wechsel an die Schilfkante kommen dann die nötigen Bonusfische, 2 Aale und eine Karausche, damit erreicht Frank Platz 2.
Sektor E – Erwin hat mit der E1 Pech beim Losen und fängt zwar konstant, aber nur kleinere Fische. In der letzten Stunde setzt Erwin alles auf eine Kappe, setzt noch mal Würmer, Maden und Mais nach und fängt noch eine Karausche und einen Aal, was ihm noch Platz 3 einbringt.



Nach Ende des ersten Durchganges liegen wir mit 12 Punkten vor Italien (15) und Luxemburg (16) vorn. Es hat sich gezeigt, das fast jeder in der Lage ist, einen Bonusfisch zu fangen, da diese aber unterschiedlich groß sind, mischt es das Feld in allen Sektoren ganz schön durcheinander und jedes Team hatte Ausreißer nach unten (PZ 5,6). Für uns war klar, die Taktik, die kleineren Fische mitzufangen ist aufgegangen, dadurch konnten wir die Ausreißer vermeiden.

2. Durchgang:

Aufgrund des guten Mannschaftsergebnisses verzichtete Michael auf seinen Einsatz am 2. Tag und widmete sich auch am 2. Tag der (ausgezeichneten) Betreuung.
Sektor A – Frank erwischt mit der A5 nicht den optimalen Platz und hat auch Probleme an größeren Fisch zu kommen, was sich bis zum Ende nicht ändert, Platz 6.
Sektor B – Guido erwischt es noch schlimmer, die kleinen Fische sind bei ihm nicht vorhanden, weder vorn, noch am Schilf. Es bleibt ihm nur das Zocken auf die Großen, der eine Karpfen, der beißt, verschwindet im Schilf, zu groß! Ebenfalls Platz 6.
Sektor C – Rene hat einen schönen Schilfplatz und nutzt ihn gnadenlos, zwei Karpfen und einige Karauschen, dazu die üblichen Skimmer, mit über 4 kg Sektorsieger!


Bonuskarpfen

Sektor D – Zwei Plätze weiter als Rene, auf der D1 hat Erwin ebenfalls gute Bedingungen und starke Nerven, als ein gut 2kg schwerer Karpfen beißt. Normalerweise ist dieses Kaliber schnell im Schilf verschwunden, doch Erwin bändigt ihn und legt den Grundstein für seinen Sektorsieg mit 3,8 kg!
Sektor E – Stefan auf der E2 diesmal ohne Losglück, fängt aber einen richtig guten Rhythmus an mittleren Skimmern (30-100g), nach gut der Hälfte werden die Fische immer kleiner, das Zocken auf Bonusfische bringt nur eine kleine Karausche. Also angelt er weiter auf Sicherheit und fängt die kleinen Fische Stück auf Stück. Sein Fanggewicht von 1,9 kg hätte am 1. Tag in E gewonnen, doch am 2. Tag kamen die größeren Fische von außen, Platz 4.


Michael Weiß beim Siegerbad

Es wurde noch knapp, ganz knapp! Die Schweiz gewinnt den 2. Tag mit PZ 13 und schiebt sich damit von Platz 5 auf Platz 3, Luxemburg wird Tageszweiter mit PZ 14 und Deutschland 3. mit PZ 18. Also Deutschland und Luxemburg beide mit 30 Punkten, doch die hohen Einzelgewichte von Rene, Erwin und Stefan gaben letztendlich den Ausschlag für uns. Italien stürzt am 2. Tag (24) noch auf Platz 5 ab und Holland wird zur allgemeinen Überraschung 6.
Es kennzeichnet die Streckenbedingungen, das Rene und Erwin mit Platzziffer 4 die Plätze 1 und 2 in der Einzelwertung belegen, Stefan wird 6.


Die deutsche Mannschaft bei der Siegerehrung

Die Veranstaltung fand ihr würdiges Ende beim Abschlussbankett mit allen Teilnehmern und die deutschen Teilnehmer wurden noch alle ihre T-Shirts im Austausch an die Italiener los.

Galerie

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