20. Europäisches Polizeifreundschaftsfischen

  • von Harry Seifert
  • 20. Oktober 2007 um 22:05
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Nach einer Vorbereitungszeit von mehr als einem Jahr, mehreren hunderten Telefonaten und unzähligen Briefen war es am 27.09.2007 endlich so weit. Pünktlich zur offiziellen Begrüßungsfeier öffnete Petrus alle Schleusen und schickte einen wolkenbruchartigen Regen auf die ca. 150 internationalen Angler und ihre Begleiter in Lohr. Diese waren aus 7 Nationen angereist, um an dem zum ersten Mal in Deutschland ausgetragenen Freundschaftsfischen der europäischen Polizisten teilzunehmen. Als Schirmherr der Veranstalter hatte sich der Leiter der Bayerischen Staatskanzlei Herr Staatsminister Eberhard Sinner zur Verfügung gestellt. Ausrichter war die Polizeisportfischervereinigung Deutschland (PSVD) und der European Police Fishing Committee (EPFC).


Die Strecke im Sektor E

Gemäß dem Reglement der EPFC besteht das Fischen aus 2 Durchgängen zu je 5 Stunden Dauer, wobei am ersten Tag nur mit der unberingten Stipprute und am 2. Tag ausschließlich mit einer Rollenrute und einem Mindestabstand von 15 m zum Ufer gefischt werden darf.Bereits eine Woche vorher waren mehrere Mannschaften aus England, Belgien, Holland und Nordirland angereist und versuchten bei gutem Wetter die Geheimnisse des Mainfischfanges zu ergründen.


Auf das schöne Wetter in den Trainingstagen folgte der Regen

Die Strecke für das Freundschaftsfischen war in 3 schnelle Sektoren unterhalb einer Schleuse und 2 langsame Sektoren im Oberwasser der Schleuse eingeteilt. Viele der Gastangler taten sich augenscheinlich schwer in den stark strömenden Bereichen um an den Fisch zu kommen. Auch war das Wasser des Mains ungewöhnlicherweise über die Woche sehr klar und die Fangergebnisse ließen besonders in den langsamen Sektoren mehr und mehr nach, bis dahin, dass Angler keinen einzigen Fisch während einer Session fingen. Nicht gerade die besten Vorzeichen für das am Freitag und Samstag auszutragende Fischen. Die deutschen Angler hatten sich sehr gut vorbereitet und Ihre Strategie bereits weit im Voraus festgelegt.


Der A Sektor

Durch das Reglement war vor dem Ziehen der Startplätze für keinen der Angler klar, in welchem Sektor er später seinen Angelplatz finden wird. So musste man sich auf alle Gegebenheiten vorbereiten.
Durch den Dauerregen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag war das Wasser noch schneller und hatte sich leicht eingetrübt. Auch während des Fischens regnete es unablässig und manche zuvor gelobte Regenbekleidung versagte völlig.


Michael Schuster

Die Strategie der deutschen Mannschaft war im schnellen Wasser, zuerst die überall vorkommenden Rotaugen und Alande mit sehr leichtem Gerät zu fangen. Und dann später mit schweren Montagen (mind. 20 gr) den Köder stark verzögert direkt am Futterplatz anzubieten. Im langsamen Bereich war genaues Loten unbedingt wichtig und das A und O, da die Fische durch die rege Schifffahrt direkt am Ende der Steinschüttung, bei ca. 12,5 m das Futter suchten.


Pechvogel Ingo Macke fing seine einzige Barbe beim Ausloten und musste sie zurücksetzen.
Beim Drill zerbrach ihm dazu die Spitze.

In den schnellen Sektoren begannen die deutschen Angler, sehr zum Erstaunen ihrer Nachbarn mit Schwimmern von 4 – 6 Gramm Tragkraft, schnell mitgehend zu fischen, was auch relativ schnell zum Fisch führte. Darauf waren selbst die sonst so pfiffigen Engländer gar nicht vorbereitet. Einige Rotaugen und Alande in Stückgewichten von bis zu 1000 gr fanden ihren Weg in die deutschen Setzkescher. Auch in den langsameren Sektoren fanden die deutschen Angler schnell zum Fisch. Dort war die Durchschnittsgröße der Fische jedoch kaum größer als 20 cm. Die Italiener setzen voll auf geklebte Maden und bereiteten regelrechte „Madenkuchen“ mit viel Kies vor. Sie hatten es auf die vielbegehrten Mainbarben abgesehen, die sie im Training auch gefangen hatten.


Objekt der italienischen Begierde- ein Maintorpedo von Harry Seifert

Dies erwies sich aber als die absolut falsche Taktik, da die Fische mit gut klebendem Futter, das zusätzlich mit viel Kies beschwert wurde, zum Angelplatz gelockt werden wollten.
So bestand das Futter der deutschen Angler für die schnellen Sektoren aus Futtermischungen der Firma Sensas:

3 kg River Vanille
2 kg Gros Gardon
1 kg Spekulatiusmehl
1 kg 3000 Club Karpfen

Neben dem Transport der vielen Lebendköder löste sich das Futter mit den vielen groben Partikeln langsam und kontrolliert auf und so war es trotz des schnellen Wassers und der Futterbegrenzung von 17 Litern möglich die Fische während den gesamten 5 Stunden am Platz zu halten.


Die Strecke im Sektor C

Nach 3 Stunden kräftezehrendem dauerndem neuen Einsetzen der Montage, war die Zeit gekommen, schwerer zu Fischen und den Köder stark verzögert mit Lutscherschwimmern zwischen 18 und 25 Gramm anzubieten. Nur in einem Sektor war dies der Schlüssel zum Erfolg, da sich die Barben am Futterplatz eingefunden hatten. Harald Seifert im Sektor C, war es dann, dem es gelang insgesamt 5 Barben, davon eine jenseits der 60 cm und eine über 70 cm zu verhaften.


Harry Seifert im Drill

14700 gr waren neben dem Sektorensieg auch das höchste Tagesfanggewicht. Was für ein Drill mit einer 13m Stipprute in solch schnellem Wasser. Jetzt weiß er warum diese Fische auch „Maintorpedos“ genannt werden.


Geschafft!!!

Die anderen mussten weiter fein und leicht fischen um erfolgreich zu sein.
Mit einer Mannschaftsplatzziffer von 18 Punkten führte das deutsche Team nach dem ersten Tag mehr als souverän. Abends wurde in der „Buchenmühle“ in Lohr-Steinbach gegrillt und bei einigen Gläsern Bier und Frankenwein wurde bis spät in die Nacht international gefachsimpelt. Erstaunlich und einem Wunder gleichend, welch ein Verständnis und Spaß zwischen mehreren Vertretern unterschiedlicher Nationen nach dem 10. Bier eintritt und das ohne jegliche Kenntnis der anderen Sprache. Einfach schön.


Hermann Proffitlich am zweiten Tag bei noch höherem Wasser

Die Bedingungen wurden am 2. Tag nicht besser und das Wetter hatte neben Sturmböen auch ein paar starke Regenschauer auf Lager. Durch den anhaltenden Regen war der Pegel des Mains über Nacht um bis zu 15 cm gestiegen und die Strömung hatte auch noch etwas zugelegt. Die einzige Methode, die erfolgreich erschien, war das Feedern mit richtig schweren Futterkörben im Super-Heavy-Format von bis zu 150 Gramm in einem Abstand von etwas mehr als 15 Metern. In den beiden langsameren Sektoren wurden sehr große Weiten von bis zu 65 m versucht, aber auch die Bolorute auf der 15 Meter Spur wurde ausprobiert. Wie zu erwarten war es noch einmal schwerer geworden Fische zu fangen. Einige Angler in den langsameren Sektoren D und E konnten nicht einen einzigen Fisch fangen.


Thomas Engert vom Promi-Team mit einer schönen Barbe

Einzig in den Sektoren a und C hatten fast alle Angler richtig Fische am Platz und viele Barben und einige der berühmten Mainbrassen konnten gekeschert werden. Leider wurden aber auch viele Fische im Drill wegen der Muschelbänke und der schlecht erkennbaren Bisse verloren. Hier ist anzumerken, dass es Michael Schlögl gelang im 2. Durchgang im Sektor A mehr als 33 kg Brassen, Alande und Barben zu fangen. Michael fischte mit Thomas Engert, Gerrit Michelhans, Holger Beil und Reinhard Eder in einem Team der Sponsoren außerhalb der Konkurrenz mit und konnte inoffiziell an beiden Tagen seinen Sektor gewinnen. Diese fünf Angler waren eine wirkliche Bereicherung für die Veranstaltung. Sie zeigten eindrucksvoll, dass nicht nur das Angeln wichtig ist, sondern zeigten sich als wahre Botschafter des deutschen Angelsports in der 2. Halbzeit.


Michael Schlögl mit dem Fang vom zweiten Tag


Nach dem Wiegen stellte sich schnell heraus, dass die deutsche Nationalmannschaft abermals ein sehr gutes Mannschaftsergebnis erreicht hatte. Jetzt galt es bis zur Fangmitteilung gespannt zu warten.
Der Tradition folgend, hatte der PSVD am Samstagabend zu einer festlichen Galaveranstaltung geladen. Neben den Vertretern der Stadt Lohr und der örtlichen Polizei waren alle die eingeladen, die durch ihr Engagement die Veranstaltung überhaupt ermöglicht haben. Ein kaum zu übertreffendes warm-kaltes Gala-Buffet, Live Musik, das schmackhafte Lohrer Bier und der vorzügliche Frankenwein bildeten den Rahmen für eine unvergessliche Feier, die bis in die frühen Morgenstunden des Sonntages andauerte.
Fast hätte man vergessen diejenigen zu ehren, die sich beim Angeln am geschicktesten angestellt hatten. Erfolgreichster Angler wurde Volker Schulze (Bundeskriminalamt) mit der Platzziffer 4, vor Harald Seifert (Polizei Saarland) mit der Platzziffer 5 und Ludwig Fröschl (Polizei (Nieder-) Bayern) mit der Platzziffer 6, knapp gefolgt von Wesley van der Linden und Johan De Langhe aus Belgien.


Volker Schulze war der erfolgreichste Angler

Erfolgreichste Mannschaft wurde die deutsche Nationalmannschaft vor den Nationalmannschaften aus England und den Niederlanden.


Die deutsche Mannschaft

Die örtliche Presse berichtete sehr positiv und ein Kommentar fragte, wie man besser seine Heimatregion in Europa vorstellen und bekannt machen könnte.
Der Präsident der EPFC, Herr John Steel lobte die Organisation der Veranstaltung, die Herzlichkeit mit der die ausländischen Gäste in Lohr empfangen wurden, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft mit der man ihm wie selbstverständlich begegnet ist und scherzte, dass er es von den gründlichen Deutschen auch nicht anders erwartet hatte. Die Ehefrau von Herrn Steel ist in Lohr plötzlich so schwer erkrankt, dass sie letztendlich nach England zurückgeflogen werden musste. An dieser Stelle noch mal die besten Genesungswünsche.
Wie bereits im Vorbericht kurz erwähnt dankt der PSVD den Vielen, die durch Ihre selbstlosen Spenden, ihre direkte Arbeit oder ihr Engagement diese Veranstaltung erst ermöglich haben. 3 Personen sind hier besonders hervorzuheben. Der Präsident des PSVD, Herr Martin Koch, der in der Endphase der Vorbereitungen neben seinem Fachhochschulstudium fast 2 Wochen rund um die Uhr im Einsatz war. Gerüchten zu Folge haben seine 3 Kinder bereits gefragt, wer der Onkel ist, der da jeden Morgen aus dem Haus geht. Als nächstes ist Herr Matthias Schneider zu nennen, der als Mitglied des Stadtrates und als Vorsitzender des Angelclubs Lohr viele wichtige Wege und die notwendigen Kontakte für die Organisation durchgeführt hat. Weiter Herr Alfred Höfling, als Vorsitzender der Fischerzunft Lohr, Pächter der Mainstrecke, der gegen alle Widerstände diese Veranstaltung in diesem Streckenabschnitt des Mains möglich machte.
Diese Veranstaltung zeigte, dass es, entgegen aller Unkenrufe, möglich ist in Deutschland ein internationales Freundschaftsfischen durchzuführen, dass letztendlich eine positive Werbeplattform für unser schönes Hobby und unser Heimatland war.
Nach Florenz 2006 wird diese Veranstaltung im nächsten Jahr in Belgien durchgeführt werden.

Ergebnisse und Informationen zum
www.psvd.de/europafischen





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