Snogefestival 2010 in Schweden

  • von Calle Rosslin & René Schulze (Einleitung & Übersetzung)
  • 24. Januar 2011 um 08:48
  • 5

Inmitten der reizvollen Landschaft Südschwedens und nur etwa eine Autostunde nordöstlich vom Fährhafen Trelleborg entfernt, befindet sich der Snogeholmsee. Besonders beliebt ist er als Austragungsort des allherbstlichen Snogefestivals, welches im letzten Jahr am 2. und 3. Oktober durchgeführt wurde und an dem insgesamt 42 Angler teilnahmen. Von diesen 42 Teilnehmern starteten 8 in der, wie sie die Schweden nennen, „begränsad klass“. In diesem Starterfeld gibt es Einschränkungen bezüglich der Futter- und Ködermenge sowie in der Angelausrüstung (z.B. begrenzte Rutenanzahl und Rutenlänge usw.). Auf diese Weise haben auch Teilnehmer eine Chance, die sich keine teure Ausrüstung leisten können oder sich nur mal im Hegefischen „ausprobieren“ möchten. Es gibt in Schweden sogar eine große Zahl Veranstaltungen, bei denen ohne Futter geangelt wird, aber dort sieht man dann meist nur Angler mit „Klappstuhl und Teleskoprute“. Ein solcher Angler ist Calle Rosslin gewiss nicht. Im letzten Jahr berichtete er bereits von den Scandinavian Fishing Masters, und auch beim Snogefestival war er äußerst erfolgreich, aber lest selbst, wie er die beiden Tage erlebte:

Es gibt nur wenige Hegefischen, auf die ich mich so freue, wie auf das Herbstangeln im Snogeholmsee vor Sjöbo, und ich war sehr froh, dieses Jahr dabei sein zu können. Letztes Jahr war ich aus beruflichen Gründen verhindert, aber dieses Jahr wollte ich mich revanchieren. Ich war nämlich in der glücklichen Lage, das Festival in der Vergangenheit bereits zweimal gewinnen zu können, und zwar 2006 und 2007, den beiden ersten Jahren seines Bestehens. In den zwei darauf folgenden Jahren gewann Vince Dowling jeweils mit neuem Rekordgewicht, allein 2009 fing er am zweiten Tag über 60 kg.

Die Vorbereitung auf das Festival ist nicht schwer, denn wir führen hier in Schonen oft Veranstaltungen an diesem Gewässer durch, so dass ich im Allgemeinen weiß, welche Ausrüstung und welche Köder gerade angesagt sind. Jahreszeitlich bedingt gab es aber doch einige Unterschiede zur schwedischen Mannschaftsmeisterschaft im August, was alle damaligen Teilnehmer merkten, denn jetzt im Herbst muss man sich fast gänzlich auf ein Brassenfischen einstellen. In neun von zehn Fällen bringt die Feederrute die höchsten Gewichte, aber auch mit anderen Methoden lässt sich mitunter ein gutes Gewicht an Brassen erreichen. Im Normalfall kann man einige Rotaugen und Güstern mit der Long-Long-Rute fangen, und auch mit Ukeleis kann man am ersten Tag weit kommen. Für ein gutes Endresultat gilt es aber, am zweiten Tag ein hohes Gewicht an Brassen zu erringen, was im Normalfall das Angeln mit der Rollenrute auf Grund notwendig macht.

Für das Angeln bestellte ich 2 kg Würmer, 1 Liter Caster, 2 Liter gefrorene, rote Pinkies und 1 Liter rote Maden. Ich rechnete mit 5 kg Futter und 2 kg Feederfutter pro Tag. An beiden Tagen verwendete ich das gleiche Futter, welches aus meinen Lieblingsmischungen Bream Fizz (3 kg) und Club Etang (2 kg) von Sensas zusammengesetzt war. Um die richtige Bindung für das Schießen mit der Schleuder zu erreichen, mischte ich das Futter ziemlich feucht an. Als Feederfutter nahm ich ca. 1 kg von dieser gut bindenden Mischung und fügte 1 kg 3000 Explosive Bremes hinzu, was eine sowohl in Duft als auch Konsistenz wunderbare Mischung für das Feederfischen ergibt.


Tag 1
Am ersten Tag führte mich mein Los weit nach rechts auf der Strecke, auf einen Platz rechts neben meinem Gewinnerplatz von 2007, also nicht ganz schlecht. Außerdem wurde dieser Platz als „goldener Platz“ ausgelost, der mir 5500 Kronen einbringen würde, wenn ich auf ihm das Tageshöchstgewicht erzielen könnte. Was das Angeln extra erschwerte, war ein kräftiger Gegenwind, der kalt und lästig zugleich war. Außerdem bestand der Grund auf diesem Platz aus großen Felsblöcken, die das Angeln beinahe lebensgefährlich machten.

Es wehte ein kräftiger Wind an beiden Tagen.
Es wehte ein kräftiger Wind an beiden Tagen.


Die Grundfütterung bestand aus 20 kleinen Futterbällen auf ca. 35 m und 6 – 7 Würfen mit einem Jumbofutterkorb, der mit Naschereien gefüllt war für mein späteres Feederfischen. Gewöhnlich fülle ich eine Dose mit verschiedenen Ködern, dieses Mal mit Mais, Castern, toten Pinkies und geschnittenen Würmern. Je nachdem, welche Köder auf der Feederrute am besten genommen werden, fülle ich die Dose während des Fischens entsprechend nach. Ich hatte auch eine 5,5 m Long-Long-Rute aufgebaut, die ich mit einem 4g-Waggler bestückte, um sie im Wind leichter kontrollieren zu können. Auf dem zugehörigen Futterplatz brachte ich 8 apfelsinengroße Bälle ein, während des Angelns wollte ich hier ausschließlich mit losen Maden nachfüttern.

Das Angeln begann ziemlich verhalten. Hinzu kam, dass es schwierig war, bei diesem starken Wind das Gleichgewicht zu halten. Die Bisse auf der Feederrute waren im Wind extrem schwer zu sehen, und ich wechselte ziemlich schnell zu meiner Drennan Matchpro-medium Feederrute mit einem 30g-Grundblei, um aktiver fischen und vielleicht einen Fisch festmachen zu können. Wie erwähnt, kamen insgesamt kaum Fische auf, ich fing jedoch gegen Ende des Angelns einige kleine Brassen. Zwei Minuten vor dem Abpfiff bekam ich noch einen Biss von einem größeren Brassen, der 30 Sekunden vor Schluss sauber im Kescher landete.

Beim Verwiegen zeigte sich, dass meine 6 Brassen und mehr als 20 Rotaugen die Waage auf klare 9 kg drückten, was zu einem „Minisektorensieg“ reichte. Gut, die Startgebühren waren damit gedeckt, aber an einen „Goldenen-Platz-Gewinn“ war nicht einmal zu denken, weil der Führende Dan Rasmussen im B-Sektor 22425 g zur Waage brachte. Das Höchstgewicht in meinem Sektor fing Jesper Höegh auf dem rechten Außenplatz mit 20875 g, mein Gewicht war in jeden Fall das zweithöchste. Der A-Sektor fischte erstaunlicherweise sehr schlecht, das höchste Gewicht war hier 10400 g mit der Long-Long-Rute auf dem Außenplatz A1 gefangen. Das war bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der Wind geradewegs in die Bucht wehte, in der der A-Sektor lag. Mein Gewicht reichte für einen 9. Platz nach dem ersten Tag, und die Führenden lagen ca. 10 –12 kg vor mir, was ohne Probleme aufzuholen ist, wenn man auf dem richtigen Platz sitzt.


Tag 2
Am zweiten Tag loste ich mich geradewegs auf den Platz A1, der am weitesten in der Bucht lag, auf die der Wind voll draufdrückte. Das Szenario, was ich im ersten Jahr erlebte, spielte sich wieder vor meinem geistigen Auge ab. Damals saß ich auf einem Außenplatz, auf den der Wind direkt zuwehte und gewann am Ende nach einem guten Brassenfischen. Nun stellte sich die Frage, ob sich auf meinem Platz einige Brassenschwärme eingestellt hatten, da der erste Tag hier eher wenig brachte. Oftmals jedoch kommen die Brassen über Nacht auf die Strecke. Wenn die Fische nur nicht zu weit in den Sektor hineingeschwommen sind, was am zweiten Tag durchaus passieren kann, und dann sind die Außenplätze nicht immer die besten. Nun denn, ich mischte etwas weniger Futter, denn ich hatte vom ersten Tag noch etwas übrig. Danach baute ich drei Feederruten auf, meine Matchpro-medium und meine Superfeeder sowie eine Rute zum Füttern mit einem Jumbo-Futterkorb. Auch die Long-Long-Rute mit dem Waggler wurde aufgebaut, auch wenn ich nicht so viel auf sie vertraute. Um sich gut zu platzieren, ist am zweiten Tag immer ein hohes Brassengewicht notwendig, und das erreicht man selten mit der Long-Long-Rute.

Ein größerer Brassen an der empfindlichen Feederrute mit Grundblei.
Ein größerer Brassen an der empfindlichen Feederrute mit Grundblei.


Die Startfütterung betreffend hatte ich ein wenig die Qual der Wahl, aber entschied mich dann dafür, 20 Bälle mit der Schleuder auf 35 m einzubringen und danach 10 Jumbofutterkörbe zu entleeren, um einen mit viel Futter bestückten Bereich zu erzeugen. Hier kam der Wind von rechts und blies möglicherweise noch kräftiger als am Vortage, was ein präzises Füttern sehr erschwerte, aber ich glaube, es gelang mir  trotzdem ganz gut. Ich begann mit dem Futterkorb, und die Würfe landeten ein wenig hier und da in dem pfeifenden Seitenwind, aber nach einer Weile ging es besser. Auch die Long-Long-Rute probierte ich aus, was aber nicht funktionierte. Kurz danach fing ich zwei kleine Brassen, hatte aber dasselbe Problem, die Bisse zu erkennen wie am Vortage und wechselte zur Grundblei-Montage mit der ich noch einige Fische fing. Nur Brassen, und das war schön, denn dann sind sie in der Nähe. Es kam mir in den Sinn, dass nach einer Weile Fischen mit dem Grundblei zu wenig Futter eingebracht wird und machte einige Würfe mit dem Jumbofutterkorb, um etwas mehr zu füttern. Wie nach dem Läuten der Essenglocke standen nun die Fische Schlange, um sich meinen wurm- und madenbestückten Haken einzuverleiben. 

Auf dem Weg zu Ruhm und Ehre.
Auf dem Weg zu Ruhm und Ehre.


In den letzten 40 Minuten beruhigte es sich, und ich fing nur noch drei Brassen sowie einige Güstern und Rotaugen, ein typisches Zeichen, dass sich die Brassen zurückgezogen haben und die Kleinfische eingelaufen sind. Andererseits hat es in den mittleren drei Stunden hysterisch gebissen und ich hatte mindestens 40 „Pfannkuchen“ im Setzkescher, von denen die größten fast 2 kg wogen.

Beim Verwiegen half man mir beim Heben des Setzkeschers, und die 4 Teilwägungen ergaben ein Gesamtgewicht von 52825 g. Kommentare, nach denen ich gewinnen könnte, hagelten herab. Ich selbst gebe nie viel auf solche vorab geäußerten Vermutungen und verfolgte etwas nervös das Verwiegen. Als Vince jedoch 41175 g zur Waage brachte, hatte ich das Gefühl, dass es stimmen könnte. Kurz zuvor hörte ich, dass Jimmy Johansson vom VBMK 36000 g hatte plus seine 19100 vom Vortage, und nach einem kurzen Überschlag im Kopf sollte mein Gewicht ohne große Probleme zum Gesamtsieg reichen.

Ein volles Netz, ein Gewicht von 50kg+
Wer würde sich nicht über ein 50+ Gewicht freuen?


Erhobenen Hauptes ging ich zur Siegerehrung und holte meinen Pokal, 600 Kronen für den Minisektorensieg, 3200 Kronen für den Gesamtsieg sowie meine Gratis-Einladung für das nächste Jahr ab. Alles in allem Preise im Wert von 5000 Kronen und eine sehr große Ehre.

Dieses Jahr wurde die Veranstaltung zum 5. Mal ausgetragen, und die Teilnehmerzahl steigt ständig. In den letzten 2 Jahren hatten wir vor allem großen Zuspruch aus Dänemark. Ich warte nach wie vor darauf, dass wir noch mehr Teilnehmer werden, aber ich nehme an, dass wird passieren, denn mehr und mehr entdecken, welches verdammt coole Fischen der Snogeholmsee Jahr für Jahr bietet. Wenn ich tippen sollte, wer im nächsten Jahr gewinnt, so würde ich Jimmy Johansson vom VBMK sagen, der nun zum zweiten Mal in Folge Zweiter geworden ist, auch wenn Vince zu ihm nach der Siegerehrung sagte: „Ich hoffe, du verstehst, dass ich im nächsten Jahr wieder an der Reihe bin, das Festival zu gewinnen …“.

Calle Rosslin FK Balans

P.S. Unter www.metaiskane.se/result/snoge2010slutresultat.pdf findet ihr die vollständige Ergebnisliste. 

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5 Kommentare
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  • der-meister
    Links zur Info
    Hier ein paar Links: http://www.champions-team.de/berichte/cups/2010/Scandinavian_Masters.php http://www.splashfishing.com/thescandinavianfishingmasters/default2.asp?active_page_id=113 http://www.splashfishing.com/thescandinavianfishingmasters/default.asp http://www.splashfishing.com/thescandinavianfishingmasters/default3.asp?idX=131&active_page_id=57 http://www.splashfishing.com/thescandinavianfishingmasters/default3.asp?idX=130&active_page_id=57
  • BenniSR
    aus Bremen
    Snogge
    hallo Meister, die Scandinavian Master interessieren mich irgendwie gar nicht. Kann nicht sagen warum, aber dieses Event übt so gar keine Anziehungskraft an mich aus. Habe auch schon lange nichts mehr von dem Event gelesen, gibt es das noch?
  • der-meister
    Alternative zum Snogefestival
    @benniSR Dann fahr doch aufs Scandinavian Masters im April. Ist auch ganz im Süden Schwedens und in der Nähe Trelleborgs. wenn du Infos willst, einfach mailen.
  • BenniSR
    aus Bremen
    Schöner Bericht
    in der angellosen Zeit versüßen solche Berichte die Zeit aufs Warten. Es geht mit wahrscheinlich wie den Meisten hier, beim Lesen des Berichtes fängt man automatisch an darüber nachzudenken ob man zu der Veranstaltung fährt. Für die Nordlichter müsste das ja wesentlich dichter sein, als z.B. Cheb
  • der-meister
    Snoge-Festival
    Wieter so mit den Berichterstattungen aus Schweden. Es ist und bleibt, neben England, das Land der Angler. Es ist der helle Wahnsinn, welchen gigantischen Fischbestand diese Gewässer haben, und das OHNE Besatzmassnahmen. Ich selbst kenne Calle persönlich und muß sagen, dass er echt ein klasse Typ ist. Ihm ist dieser Erfolg zu gönnen.