Walterland Cup 2012 in Szeged

  • von ct Redaktion / Bilder: Maros Mix / ct
  • 30. Mai 2012 um 13:40
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Das IAM wurde vom DAV und champions-team.de unter anderem ins Leben gerufen, um einen Kontakt zwischen den deutschen Anglern und den befreundeten Angelnationen aufzubauen. Nach 4 Jahren IAM konnten hier bereits Erfolge erzielt werden, namenhafte Angler aus Frankreich, England, Holland, Italien, Polen und Ungarn konnten am Silokanal begrüßt werden. Im letzten Jahr konnte ein Kontakt zum ungarischen Topangler Tamas Walter hergestellt werden, der vom IAM schwer begeistert war und im Gegenzug zu seinem Walterland Cup im ungarischen Szeged eingeladen hatte. Schon während des IAM kamen wir in lockere Gespräche bezüglich der ehemaligen WM Strecke in Szeged (Weltmeister damals Bob Nudd) und laut Tamas und seinem Begleiter Laszlo Szillag geht es bei diesem Event um circa 10-20 Kilogramm Karpfen und Karauschen in 4 Stunden Angelzeit. Sicherlich sind Karpfen und Karauschen im Süden Europas alles andere als eine deutsche Spezialität und zusätzlich hatte sich ein großer Teil der ungarischen Elite, plus einiger starker Serben, Rumänen, Tschechen und Slowaken zum Fischen angesagt, doch wenn wir die Einladung annehmen würden, sah das Projekt also nach einer ganz schönen Herausforderung aus!

Hier begann unsere Reise - Tamas Walter beim IAM 2011 am Silokanal
Hier begann unsere Reise - Tamas Walter beim IAM 2011 am Silokanal

Im Januar/Februar nahm die Reise nach Ungarn konkrete Formen an. Der Zusage unserer Teilnahme folgte das Organisieren des Teams, eines fahrbaren Untersatzes, der Unterkunft sowie passendem Futter und Köder. Zusätzlich musste das vorhandene Equipment auf „Karpfentauglichkeit“ geprüft werden, es wurden also entsprechende Posen auf der Stippermesse, Haken im Versandhandel und vieles mehr gekauft.

Das Team bestand aus den drei champions-team Redakteuren Jayson Greatorex, Michael Borchers und Henric Plass und als vierter Mann konnte Rene Schmidt gewonnen werden, der viel internationale Erfahrungen in seiner Karriere sammeln konnte, unter anderem an den Clubweltmeisterschaften in Kroatien, Serbien und Bosnien teilnahm und dementsprechend auch entsprechend viel Erfahrung mit dem Beißverhalten der Zielfische mitbrachte – sicherlich eine gute Wahl für den Cup in Ungarn.

Damit stand das Team, wir waren angemeldet und alle weiteren Randbedingungen waren ebenfalls geklärt – jetzt galt es zu warten und den Wetterbericht für Südungarn zu verfolgen.

Anfang April – der Wetterbericht für Ungarn ist seit Wochen stabil und gut, alle Mann waren gesund und das Angelgerät sortiert und gepackt... Juchu, es konnte losgehen!

Mittwoch der 11.April
Ungarn, nach ca 10 Stunden Fahrzeit auf dem Buckel sind wir am vereinbarten Treffpunkt angekommen. Ab hier fahren wir in einem kleinen Konvoi den Rest der Strecke nach Szeged. Als netter Nebenaspekt war der gemeinsame Treffpunkt einer von Tamas Angelläden. Die Geschäfte tragen den Namen „Walterland“ und sind Namensgeber für das kommende Fischen.

Die Walterland Filiale am Stadtrand von Budapest
Die Walterland Filiale am Stadtrand von Budapest

Gespannt gehen wir in den Laden um zu schauen, wie das geschäft ausgestattet ist. Der Laden ist wirklich groß und beherbergt eine unglaubliche Anzahl unterscheidlichster Angelruten. Was uns verwundert sind die Preise in Ungarn. Dazu sollte man wissen, dass das Lohngefüge in Ungarn mit dem Deutschen nicht zu vergleichen ist, sind die Einkommen in Ungarn doch um ein vielfaches geringer als bei uns. Trotzdem sind die Artikel im Allgemeinen genauso teuer, bzw. teurer als in Deutschland! Zu unserer Verwunderung war der Laden an einem Mittwochabend dazu noch sehr gut gefüllt und wir können uns nur schwer vorstellen, wie es an einem Tag am Wochenende aussieht.

Nach ca 1,5 Stunden ging es dann zusammen mit Tamas Richtung Szeged und damit an die letzten 1,5 Stunden Fahrt. Leider war es bei unserer Ankunft schon dunkel, so dass wir uns keinen umfassenden Überblick von der Strecke verschaffen konnten, der erste Eindruck war aber schon mal super. Gemeinsam sind wir dann noch zu einem mexikanischen Restaurant nach Szeged gefahren (Szeged ist übrigens eine wirklich schöne Stadt!). In diesem Restaurant bestellten wir, wir hatten ja Hunger, 4 Hauptgerichte. Dies war ein Fehler, denn die Portionen in Ungarn sind riesig und dazu unglaublich günstig. Fehler korrigiert und dann mit 2 Personen jeweils ein Gericht gegessen. Neben dem wirklich guten und scharfen Essen plauderten wir mit Tamas und sprachen über die WM in Velence 2007, über Ostellato, Szeged und den Silokanal. Das Wissen von Tamas ist wirklich enorm und wir konnten bereits viel über das kommende Angeln erfahren.

Donnerstag morgen, der erste Trainingstag
Zusammen mit Tamas und einem seiner Kollegen suchten wir uns einen Platz im ersten Drittel der Strecke aus. Da der Weg für die Autos nur wenige Meter hinter der Strecke verläuft, waren die Plätze schnell aufgebaut. An diesem Tag setzte sich Jayson neben den zweimaligen Einzeleltmeister und es ging erstmal darum ein bisschen Gefühl für den Ruderkanal zu bekommen, einige Fische zu fangen, zu schauen, ob die Montagen passen, die Gummizüge perfekt eingestellt sind. Da die Strecke für Veranstaltungen exklusiv gemietet werden kann und sonst in diesem Teil des Kanals nicht geangelt wird, sind die Fangergebnisse erfahrungsgemäß am ersten Trainingstag am niedrigsten und steigern sich dann mit zunehmender Fütterung bis zum Sonntag. Vor dem Donnerstag durfte noch nicht gefischt werden, es galt mit dem Training also auch die Fische auf die Angelstrecke zu ziehen.

In Deutschland eher unbekannt - Henrics Kopfrute von Verpa - die Champion 4001
In Deutschland eher unbekannt - die Verpa Champion 4001

Vielleicht noch ein paar Worte zum Tackle, welches in Szeged vom Team genutzt wurde:

Jayson:  Kopfrute Colmic 510 / 4er Kits mit grauen und weißen Daiwa Hydros
Schmiddl: Sensas 3694 / 4er Kits mit Sensas Hollows
Henric:  Verpa Champion 4001 / 4er Kits mit Preston Hollows
Michael: Sensas PM774 / 4er Kits Daiwa Hydros und Sensas Vollgummis 1,4 – 1,8mm
Unsere Posenauswahl für das Angeln an der Ruderstrecke in SzegedUnsere Posenauswahl für das Angeln an der Ruderstrecke in Szeged

Die Montagen wurden auf Hauptschnüre 0,165mm und 0,18mm gebunden (Colmic Fendreel, Sensas und Preston), die Posen waren die Timar/Exner Carp 1 in 1 bis 4 Gramm.

Die Vorfächer bewegten sich zwischen 0,10mm (eigentlich zu dünn für einen Karpfen) und 0,15mm. Als Haken kam der Gamma 1310N in den Größen 12 und 14, sowie der Sensas 3080 in den Größen 12-16 zum Einsatz. Die Haken mussten stabil genug sein um die kampfstarken Karpfen zu bändigen und durfte beim Hakenlösen im harten Karauschenmaul nicht verbiegen, allerdings durfte der Haken auch nicht zu schwer sein, würde zuviel Gewicht eine erfolgreiche Köderpräsentation doch stark erschweren.

Das Bebleiungsschema für das Fischen auf Karauschen und Karpfen
Das Bebleiungsschema für das Fischen auf Karauschen und Karpfen

Die Ruderstrecke in Szeged ist nicht sonderlich tief (ca 2,5m), trotzdem fischen die Ungarn 4er Kits mit einer sehr langen Kopfschnur. Die lange Kopfschnur hängt mit dem Beissverhalten der Karauschen zusammen, denn diese Fischart ist um einiges aktiver als unsere einheimischen Arten, welche meist zentral auf dem Futter stehen. Mit der langen Kopfschnur kann man die Umgebung des Futterplatzes absuchen und die Fischen dort beangeln, wo sie gerade vagabundieren.

Am ersten Trainingstag war ein sehr kräftiger Wind an der Strecke. Dieser erzeugte ein zusätzliches Phänomen, welches wir an unseren Kanälen und tiefen Seen kaum kennen. Im See entstand eine Unterströmung entgegen der Windrichtung, die die Pose damit gegen den Wind trieb. Bei diesen Bedingungen ist es wichtig, dass man sich Gedanken macht, was unter Wasser passiert - was macht die Montage, was macht das Futter und wie agieren die Fische? Da Tamas uns aber am vorherigen Abend mit Informationen versorgt hatte, wussten wir was zu tun war und kamen nach einigen Anläufen gut mit der Strecke klar. Je nach Windstärke und entsprechender Unterströmung musste die Köderpräsentation angepasst werden. Morgens war das Wasser meist spiegelglatt, dann kam der Wind und mit ihm die Strömung. Montagenwechsel waren nötig, das Verschieben der Schrote erforderlich und das Einsetzen der Montage mussten ständig angepasst werden.

Zwar hatten die Tschechen links und die Ungarn rechts neben uns mehr Gewicht, aber wir waren mit unserem Ergebnis nicht weit weg und damit für den ersten Tag sehr zufrieden. Die Gewichte an diesem Tag lagen übrigens zwischen 4 und 13 Kilogramm (auf dem Außenplatz). Die prognostizierten Fangergebnisse für die nächsten Tage versprachen höhere Gewichte von Tag zu Tag, also kein schlechter Start von unserem Team. Wir versuchten trotzdem unsere Taktik für den nächsten Tag zu verbessern und sprachen leichte Änderungen durch. Änderungen die wir durch Eindrücke an der Strecke gewonnen hatten. Ein Weg war dabei das Gespräch mit anderen Anglern zu suchen (hierzu mussten wir Angler finden, die Englisch sprechen – die deutsche Sprache wird in Ungarn kaum gesprochen) und Blicke auf deren Angelstil sowie deren Resultate zu richten. 

Michael mit dem Fang des ersten Trainingstages - es war warm in Szeged
Michael mit dem Fang des ersten Trainingstages - es war warm in Szeged

Freitagmorgen
An diesem Tag hatten wir zu Beginn das Problem, dass wir kaum einen Platz finden konnten. Die Strecke war gesäumt von Anglern und wir mussten schauen, wo wir einen Platz für uns und das Team von Tamas finden würden. Es ging dieses Mal ziemlich genau in die Mitte der Strecke, auf die Plätze 84 bis 91 (die Tamas längst für uns reserviert hatte uns aber erstmal losrennen ließ). An diesem Tag war Michael der Außenangler zum Team Walterland, es folgten Henric, Rene und Jayson. Zusammen mit dem Teams um uns herum begannen wir um 11 Uhr mit dem Fischen. Nach dem 10 minütigen Anfüttern von Futter, Maden, Mais, Würmern und Mückenlarven begann der Trainingsdurchgang.

Nach einigen Minuten kamen die ersten Fische in Richtung Kescher. Neben Karauschen überraschte die Anzahl der gefangen kleinen Skimmer. Diese Fische waren klein (80 bis 120Gramm), aber zahlreich im Verhältnis zu den Karauschen. Für uns als Team stellte sich nun die Frage, ob wir die Skimmer gezielt beangeln sollten? Dies klärten wir aber erst nach dem Trainingsdurchgang.

Der letzte Trainingsdurchgang startete wie folgt - Henric fing gut und auch bei Jayson baute sich eine gute Frequenz auf, bei Michael und Rene lief es mau. Das Team Walterland fing dagegen sehr gut, der Nebenmann von Michael (übrigens der Führende der CIPS Weltrangliste mit einer durchschnittlichen Platzierung von 4 pro Durchgang bei den letzten CIPS Fischen) netzte nach circa einer Stunde Karausche für Karausche ein. Auch der 3. Mann im Team fing sehr gut, dazu hatte dieser Angler noch einige schöne Karpfen landen können. Tamas telefonierte an diesem Tag, übrigens genau wie am ersten Tag, mehr als er angelte und trotzdem bekam er genau mit was „Sache“ war.

In unserem Team entwickelte sich das Fischen weiterhin in zwei Richtungen, Jayson und Henric fingen weiterhin gut und auch Rene bekam seinen Platz zum Laufen, bei Michael ging aber gar nichts. Hatten die Nachbarn geschätzte 10 Kilo im Kescher, waren es bei Michael kaum 1000 Gramm. Zusammen mit dem Rest des Teams versuchten wir herauszufinden, was bei Michael schief lief, konnten aber bis auf einen Tiefenunterschied zwischen dem Platz von Michael und Henric nichts feststellen. Die Mannschaft tat ihr Bestes, bekam den Platz aber nicht zum Laufen. Während dessen lief es bei Jayson immer besser. Er hatte seinen Stil für die Strecke gefunden und fing wirklich hervorragend. Rene passte seine Köderpräsentation Jayson entsprechend an und siehe da, auch er fing jetzt besser. Jaysons Köderpräsentation ist schwer zu beschreiben, der wichtigste Part war aber das Anheben der Montage um den Köder "richtig" auf dem Gewässergrund abzulegen. Er zog hierzu die Rute langsam um circa 20cm nach hinten und lies dann die Montage ab. Das war es, was die Karauschen an diesem Tag wollten und es kamen auch ein paar karpfen hinzu

Die Fanggewichte bewegten sich an diesem Tag zwischen 10 Kilogramm bei Jayson und 1,2 Kilogramm bei Michael. Sah man von Michaels Ergebnis ab, so waren wir aber in Schlagweite zu den anderen Teilnehmern. Im Team mussten wir jetzt beurteilen, was die richtige Taktik für den nächsten Tag sein sollte. Um die Taktik bedingt durch die Trainingsergebnisse auslegen zu können, war es wichtig die Ergebnisse des Trainings korrekt zu interpretieren. Warum hatte Jayson am Ende so gut und warum Michael so schlecht gefangen? An einer scheinbar ausgeglichen Strecke musste es anglerische Gründe dafür geben. Wir trafen unsere Entscheidung, legten unsere Taktik für den ersten Durchgang fest und waren gespannt was unsere Konkurrenz machen würde, denn laut Tamas war dieses Angeln das am stärksten besetzte Fischen in ganz Ungarn.

Unsere Taktik für den ersten Durchgang sah wie folgt aus:

Futter: Wir fischten eine abgedunkelte Mischung aus dem Hause Sensas (wird am Ende des Berichtes vorgestellt), die sehr trocken angerührt wurde. Die Bälle sollten bereits auf der Oberfläche auseiandergehen und dann einen größeren Futterteppich bilden. Das lockte zwar anfangs sehr viele Ukleis auf den Platz, der Ukelspuk war aber meist nach spätestens 15 Minuten vorbei

Köder: Mais, Maden und Mückenlarven waren unsere Hauptköder, zusätzlich hatten wir einige Würmer für den Haken in unseren Köderboxen.

Montagen: Die Gewichte der eingesetzten Montagen hingen stark vom Wind ab, am erfolgreichsten waren Posengewichte zwischen 2 Gramm und 3 Gramm, hier galt es aber flexibel zu sein. Die Montagen wurden für die Karauschen bündig gelotet, für die Karpfen das komplette Vorfach (25cm) aufliegend.

Anfangsfütterung: 3 geworfene Bälle mit Maden und Mais, dann 6 Bälle mit abgebundenen Futter und sehr vielen kleinen Mückenlarven, Maden und Mais. Am Ende, und das war der wertvolle Tipp von Tamas, eine Cup voller Maden als "Kickstart" für den Beginn.

Nachfüttern: Nach einer Stunde mit geklebten Maden (beschwert mit Kies um genau zu wissen, wo die Köder liegen) nachfüttern, dann alle 20 Minuten einen Ball geklebter Maden. Sollten die Karpfen einlaufen, würden wir einen Cup voller Mais nachschieben. Laufen die Skimmer heftig auf, dann würden wir noch mehr Mücken mit Futter cuppen. Geht es ohne Skimmer, wird kein weiteres Futter eingebracht.

Henric und Jayson mit dem Trainingsfang vom Freitag
Henric und Jayson mit dem Trainingsfang vom Freitag

Samstag - der erste Durchgang:
Der Wind hatte über Nacht aufgefrischt und es regnete beim Aufbau. Dazu war es merklich kühler geworden. Da wir nicht ortskundig waren, wussten wir nicht, welche Auswirkungen dieser Wetterumschwung auf das Verhalten der Fische haben würde. Wir beschlossen aber unsere Taktik nicht abzuändern, denn unsere Taktik war eher defensiv ausgerichtet und dazu am Abend auch mit Tamas Team abgestimmt, die ähnlich verfuhren.

Es folgte die Verlosung der Plätze. Da die Strecke sehr ausgeglichen ist und wir wenig Streckenkenntnisse hatten, nahmen wir die „Geschichte“ relativ emotionslos hin, wir wollten nur nicht auf Michaels Platz vom Vortag sitzen. Am Ende der Verlosung kamen folgende Plätze für das Team heraus:

Sektor A: Henric
Sektor B:  Michael
Sektor C:  Rene
Sektor D:  Jayson


Michael hatte das Glück, dass er auf dem Trainingsplatz von Jayson sitzen würde. Er wusste also, dass dieser Platz gut war. Rene saß auf einem Platz, an dem das Walterland Team am Freitag gesessen hatte, also nur wenige Plätze von Michael entfernt. Da bis zum Betreten der Sektoren noch Zeit war, trafen sich Rene und Michael und sahen sich die unmittelbaren Teilnehmer um ihre Plätze herum an. Und da saß er, dieser eine Angler den wir alle kennen. Spartanische Ausrüstung, günstige Kleidung und eine uralte Sitzkiepe – also der typische Angler der von allen unterschätzt wird und dann den Sektor gewinnt. Rene und Michael machten dementsprechend Scherze und beiden war klar, dass Rene diesen Mann nicht schlagen konnte.

Das Signal zum Füttern wurde gegeben und unser Team fütterte die vorgegebene Taktik sauber durch. Für Rene begann das Fischen wie ein Alptraum. Der eben genannte Angler, drei Plätze weiter links, begann auf Ukeleis zu angeln. Laut Tamas sollten die Ukeleis an diesem Tag nicht mehr fressen, doch leider hatte er sich geirrt und die Ukeleis waren da und zwar massiv und sie hatten HUNGER. Links neben Rene begann ein Stakkato der Ukeleiangelei. Dieses „Ratsche-Bumm“ begleitete Rene während des ganzen Angelns. Er selber durfte bei dieser Angelei nicht die Geduld verlieren und musste weiter sauber und konzentriert fischen. Rene konnte sich auf aufgrund seiner Routine aber im Feld behaupten. Mit über 8200 Gramm konnte er seine Untermänner schlagen, musste aber die Nachbarn auf den hohen Plätzen passieren lassen. Am Ende reichte es für gute 7 Punkte im Sektor. Der Ukeleiangler konnte übrigens mit ca. 900 Ukelei und über 9000 Gramm den 4. Platz im Sektor belegen, der Sektorensieg ging mit über 15 Kilogramm weg.

Dem Team stellte sich im Durchgang die Frage, ob man das Ukeleiangeln zumindest teilweise mitmachte, oder weiter auf die eigene Taktik vertraute. Da uns aber bewusst war, dass wir beim Ukeln keine Chance hatten, setzten wir weiter auf die Karauschen und Karpfen. Wir angelten also das, was wir vermeintlich „konnten“ und setzten nicht auf die unbekannte Variable „Ukelei“.

Konzentriertes Fischen durch Michael
Konzentriertes Fischen durch Michael

Einige Plätze weiter rechts saß Michael auf den Trainingsplatz von Jayson. Beim Loten des Platzes konnte er vermutlich herausfinden, warum Jayson so extrem gut gefangen hatte. Auf dem Platz gab es eine kleine Mulde in der sich das Futter sammelte, hier standen sicherlich Fische und hier würde Michael Fischen.

Das Fischen begann jedoch schleppend und die Nachbarn konnten Karauschen vorlegen. Nach ca. einer halben Stunde schnellte nach einem Anhieb das Gummi aus der Rute und Michael konnte seinen ersten Karpfen des Durchgangs fangen. Während des Drills halfen hierbei die Tipps von Will Raison, welche Michael während der Englandreise 2010 vermittelten bekommen hatte. In kurzer Folge konnte er drei Karpfen landen und dies in einer Geschwindigkeit, die seine Nachbarn aufblicken ließ. Die Reise nach England hatte sich ausgezahlt. Michael dominierte mit diesen Karpfen das Feld und konnte in den nächsten 20 Minuten einen weiteren guten Karpfen fangen und wähnte sich in Sicherheit. Doch dieser Eindruck trügte, denn zwei Plätze weiter konnte ein Angler aus dem Walterland Team sehr flüssig Karauschen fangen. Anstatt sauber auf die Karauschen zu angeln, setzte Michael auf die Karpfen was am Ende ein Fehler war. Mit 9300 Gramm hatte er deutlich das Nachsehen gegen den Walterland Mann mit über 11600 Gramm. Sicherlich wäre hier mehr für Michael drin gewesen. Für den Sektorensieg reichte es beim Walterland Mann aber trotzdem nicht, denn dieser ging an einen Ukeleiangler mit ca. 1200 Ukelei und über 12000 Gramm… WAHNSINN!!! Für Michael reichte es zur Platzziffer 3, alle weiteren Nachbarn waren mit ihrem Gewicht deutlich dahinter. Alles in allem eine gute Performance von Michael, konnte er den einheimischen Walterlandangler an den Rande der Niederlage bringen.

Ein Mann, 3m Whip, 16er Schnur - in 4 Stunden ca.1200 Ukelei
Ein Mann, 3m Whip, 16er Schnur - in 4 Stunden ca.1200 Ukelei

Im Sektor D kreuzte der Team Captain vom Team CT Germany seine Ruten – Jayson Greatorex. Jayson angelte auf dem Platz 143 und damit auf dem ungefütterten Ende der Strecke. Er fischte hier stark, konnte alle Nachbarn schlagen, hatte aber gegen den befütterten Anfang der Strecke keine Chance und musste sich fast allen Anglern mit den kleinen Startnummern geschlagen geben. Trotzdem ein richtig gutes Angeln von Jayson mit am Ende 6400 Gramm reichte es zu Platz 7. Was am anderen Ende des Sektors für ihn gegangen wäre, wäre sicherlich interessant geworden. Trotzdem waren wir natürlich für den Anfang mit jedem einstelligen Ergebnis zufrieden, es musste sich erstmal zeigen, ob und wie gut unsere Taktik sich im Match behaupten würde.

Der Boss auf seinem Thron - Jayson Greatorex
Der Boss auf seinem Thron - Jayson Greatorex

Vom Ende der Strecke zum Anfang und damit Sektor A. Hier saß Henric auf dem Platz 47 nur einem Platz neben Stefan Posselt, welcher für das Timar Team fischte. Henric musste während des ganzen Durchgangs um seine Fische kämpfen, ständiger Montagenwechsel sowie Köderwechsel brachten hier Erfolge. Henric konnte sich am Ende gegen die meisten seiner Nachbarn durchsetzen, es reichte allerdings nur für einen 7. Platz im Sektor. Die besseren Platznummern kamen hier fast ausschließlich vom anderen Ende des Sektors. Besser machte es Stefan Posselt mit einer anderen Futtertaktik. Diese brachte Stefan den Sektorensieg – ein tolles Ergebnis. Stefan ist sicherlich einer der besten deutschen Angler wenn es um Karpfen und Karauschen geht. Dies hat er während der WM in Merida (bester deutscher Einzelangler) sowie den Merida Masters eindrucksvoll bewiesen. Henric konnte 8300 Gramm zur Waage bringen, Stefan hatte am Ende des ersten Durchgangs 11480 Gramm fangen können.

Henric mit einem Karpfen am Samstag
Henric mit einem Karpfen am Samstag

Am Ende des ersten Durchgangs lag das Team damit  mit der Platzziffer 24 auf einem unerwarteten 6. Platz. Es führte das Walterland Team mit unglaublichen 6 Punkten und damit 10 Punkten vor dem Zweitplatzierten. Für unser Team ging die Taktik voll auf, von 8 direkten Nachbarn konnten 6 zum Teil deutlich bezwungen werden. Das Team war happy und gespannt auf den Sonntag, für diesen Tag wurden von den Einheimischen wesentlich umfangreichere Karpfenfänge prognostiziert.

Samstag - der erste Durchgang:
Die Auslosung brachte die deutschen Angler dann wieder in die gleichen Sektoren wie am Samstag. Die Angler saßen wie folgt:

Sektor A:  Henric  Platz A35
Sektor B: Michael  Platz B70
Sektor C:  Rene Platz C103
Sektor D:  Jayson  Platz D 146


Schnell wurde noch gecheckt wie die Ergebnisse der Plätze am ersten Tag waren.

A35 = Pz 8
B70 = Pz 12
C103 = Pz 9
D146 = Pz 15

Sicherlich eher ernüchternd – aber egal, es musste erstmal gefischt werden, die Strecke war gleichmäßig, alle Plätze waren gefüttert und dementsprechend sollte es auch keine schlechten Plätze geben. Das Team baute sein Tackle auf, die Taktik wurde nur leicht abgeändert zum ersten Tag gefischt. Mückenlarven wurden am Anfang nicht mehr gefüttert, mit 12 Kugeln wesentlich mehr Futter gefüttert und dazu auch mehr Mais und Maden eingebracht.

Im Sektor A saß Henric nicht weit weg von Tamas Walter. Sicherlich ein guter Gradmesser für Henric, konnte man doch davon ausgehen, dass Tamas nach seinem Sektorensieg am Vortag wieder den richtigen Draht zum Fisch finden würde. Das Fischen entwickelte sich super für Henric, lediglich Tamas konnte ihm folgen. Während Henric hauptsächlich Karauschen fing mit einem Beifang von 3 Karpfen konnte Tamas bei wesentlich weniger Aktionen bzw. Fischen 6 Karpfen fangen und behielt damit im Duell die Oberhand. Tamas brachten die 10760 Gramm auf Platz 4, Henric landete mit 9550 Gramm auf Platz 6. und konnte beide Nachbarn schlagen sowie die Nebenleute dieser Nachbarn ebenfalls. Gegen die kleinen Nummern des Sektors war aber kein Gras gewachsen, von dort kamen mit zweistelligen Gewichten die Plätze 1-3.

Henrics Fangergebnis vom Sonntag - eine gute Platzziffer 6
Henrics Fangergebnis vom Sonntag - eine gute Platzziffer 6

Michael saß im Sektor B auf dem Platz 70 neben einem Angler aus dem Walterland Team der die B 71 gezogen hatte. Das Fischen begann in diesem Teil der Strecke sehr zäh, lediglich der rechte Nebenmann konnte schnell einen guten Karpfen einnetzen und war damit vorne in diesem Bereich der Strecke. Danach blieb in diesem Teil des Sektors der Karpfensegen aus. Jeglicher Versuch von Michael einen Karpfen „anzuleinen“ war erfolglos, so dass er wieder auf die Karauschenangelei umstellte. Aber auch dieses war nicht erfolgreich. Die Strecke brachte in der ersten Stunde nur vereinzelt Fische und für diese musste man hart kämpfen. Anders sah es beim Ukeleiangler auf den Plätzen oberhalb von Michael aus. Dort fingen die Angler permanent ihr Ukelei und 3 Ukelei pro Minute waren kein Problem. Damit lagen die Ukeleiangler deutlich vor den Karauschenanglern. Was also tun? Der Walterland Angler neben Michael wechselte enbenso auf die Ukelei und fing diese auch sofort in guter Frequenz, bei den Karauschen ging dagegen weiterhin nichts. Also weiter sauber durchgefischt und immer wieder nachgefüttert, mit den Montagen gearbeitet und darauf geachtet was die Nachbarn machen, die erfolgreicher waren.

Nachdem Michael dann einige Modifikationen an der Tiefe, der Bebleiung und der Köderführung vorgenommen hatte, lief es auf einmal. Es waren ca 2 Stunden geangelt und er lag weit abgeschlagen im Sektor. Aber von nun an fing er permanent Fische und holte Kilo um Kilo auf. Die Nachbarn kopierten die Köderführung, hatten aber in den Beissflauten die Plätze falsch befüttert und damit den Platz zerstört bzw. ineffizient gemacht. Michael fischte sich schließlich auf den 5. Platz vor und wurde lediglich von Karpfenanglern in den kleinen 60iger Nummern geschlagen. Hätte er einen Platz weiter links gesessen und damit im zweiten Teil des Sektors, hätte es zu einer 3 im Sektor reichen können.

Ein Karuschendrill in Ungarn - macht Spaß
Ein Karuschendrill in Ungarn macht Spaß...

Weiter geht es zum C-Sektor – hier saß Rene auf dem Platz 103. Im Sektor C waren am Sonntag die Karpfen unterwegs und ohne einige von diesen Karpfen konnte man in diesem Sektor nichts werden. Das Problem war aber, dass Rene in der ganzen Woche keinen Karpfen fing, den Rest der mannschaft aber damit beruhigte, dass er sich die Karpfen für das Wochenende aufheben würde. Und da Rene ein braver Angler ist, hat er das dann im 2. Durchgang auch getreu dem Motto“ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss“ gemacht. Rene konnte am Sonntag 3 Karpfen fangen, dazu noch viele gute Karauschen. Am Ende sprangen 10760 Gramm heraus und er fast alle seine Nachbarn schlagen. Lediglich sein Nachbar auf der 102 konnte ihn um 210 Gramm in die Schranken weisen. In diesem Sektor zähle jeder Fisch, 2 Karauschen mehr und Rene wäre 2. im Sektor geworden, 2 Karauschen weniger und es wäre Platz 6 gewesen, so war es am Ende Platz 4.

Rene mit einen schönen Spiegelkarpfen
Rene mit einem schönen Spiegelkarpfen

Im Sektor D dann der Teamkapitän  Jayson auf Platz 146. Jayson hatte alle Plätze bis zur 140 im Griff und dort saß Josef Varga, der führende der FIPS Weltrangliste und nur diesem (einheimischen) Angler musste sich Jayson mit einem knappen Kilo geschlagen geben. Am Ende reichte es zu einem Platz 5, die Plätze 1-2 kamen wieder einmal vom anderen Part des Sektors. Jayson fischte dermaßen stark, dass sämtliche Betreuer und Väter der nebensitzenden Jugendkonkurrenz ganz genau schauten, wie Jayson fischte und was er fütterte. Im nachhinein war aber Jaysons Köderführung der Schlüssel zum Erfolg, diese konnte keiner der benachbarten Angler entsprechend kopieren - gut für das CT Team Germany, schlecht für die anderen Angler.

Am Ende des zweiten Tages sprang der Gewinn der Tageswertung für das Team CT Germany heraus, ein Erfolg der uns alle stolz wie Bolle machte. Führt man sich vor Augen, das ein Großteil der ungarischen Angelelite vor Ort war und dass das Fischen auf Karpfen und Karauschen nicht unser täglich Brot ist, so ist dieser Tageserfolg noch höher einzuschätzen. Besonders haben wir uns darüber gefreut, dass wir fast alle direkten Duelle gegen unsere Nachbarn gewonnen haben und wenn wir das Nachsehen hatten, dann immer nur um einige wenige Platzziffern auf hohem Niveau.

In der Gesamtwertung reichte es leider nur zum undankbaren 4. Platz, zum Podium fehlten uns knappe 4 Kilogramm bei gleicher Platzziffer – ärgerlich, aber trotzdem ein großer Erfolg.

Wie kam unser Erfolg zustande?
Sicherlich spielten hier viele Faktoren eine Rolle, der mit Abstand wichtigste war jedoch unser gutes Verhältnis zu Tamas und den damit verbundenen Informationen. Diese Informationen waren der Schlüssel zum Erfolg! Vielen Dank an dieser Stelle noch einmal an Tamas, wir werden uns beim IAM am Silokanal revanchieren!

Ein kleines, aber feines Team zusammen mit dem Organisator Tamas Walter
Ein kleines, aber feines Team zusammen mit dem Organisator Tamas Walter

Was war noch wichtig?
1. Das Team - Sicherlich war unser intaktes Team ein wichtiger Baustein, ob es Jaysons Köderführung war oder die Bemühung das Rätsel um Michaels bescheidenes Trainingsergebnis vom Freitag zu ergründen. Niemand hatte Geheimnisse vor dem Anderen und wir teilten alle Erkenntnisse offen miteinander.

2. Köder und Futter - Das Futter ist beim Fischen auf Karpfen und Karauschen ein wichtiger Faktor! Wir setzten auf Tamas Empfehlung auf Futter der Firma Sensas und fuhren damit genau richtig. Zum Einsatz kam ein Gemisch aus 2 Teilen Sensas Karpfen grob und 1 Teil Sensas Carp Black, zusätzlich fügten wir etwas TTX Mais bei. Bei den Ködern waren Mückenlarven zumindest am ersten Tag sehr wichtig. Wir fütterten diese im Futter und angelten sie genauso am Haken. Wenn nichts ging, war die Mückenlarve immer einen Versuch wert. Zusätzlich waren Maden, Mais und auch mal ein Wurm ein Versuch wert. Es galt flexibel zu sein und die Karauschen immer wieder zu reizen, den Köder und die Montagen immer wieser zu verändern.

Ein erfolgreiches Futter am Ruderkanal in Szeged - made by Sensas
Ein erfolgreiches Futter am Ruderkanal in Szeged - made by Sensas

Am Montagmorgen ging es dann für uns zurück Richtung Heimat, sicherlich der beschwerlichste Part der Reise, gerade wenn man weiß, was für einem tollen Gewässer man dem Rücken zukehrt!

Im Jahr 2013 wird der Walterland Cup eine Modifikation erfahren. Es wird dann mit 5er Teams gestartet. Für die Teams, die Beabsichtigen an diesem Fischen teilzunehmen ist es wichtig zu wissen, dass Englisch als Kontaktsprache unerlässlich ist. Für uns gehört der Walterland Cup zu den Top 5 Veranstaltungen in Europa und ist sicherlich einen Besuch wert. Es lohnt sich also einen der begehrten Startplätze zu ergattern.

Mannschaftsergebnisse

Einzelergebnisse

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