Ireland Worldpairs Angling Festival 2013

  • von ct Redaktion
  • 17. März 2014 um 09:51
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Ireland\'s Lakelands & inland Waterways

Geht es nur mir so, oder hat jeder Angler sein Idealbild von seinem perfekten Angeln? Ich probiere die Rahmenbedingungen für „Mein Event“ in Worte zu fassen und bin mir fast sicher, dass ich deckungsgleich mit vielen unserer Leser bin.

Was erwarte ich?

  • Fische – und zwar egal wohin ich ziehe, ich habe nicht den Anspruch zu gewinnen, möchte aber Fische fangen.
  • Ich will mich entspannen / erholen. Angeln ist für mich auch Erholung von meinem Alltag
  • Ich umgebe mich gerne mit netten Leuten, am liebsten mit Anglern
  • Fairness – ich möchte nicht das Gefühl haben, dass mich mein Nachbar anlügt, bzw. mich der permanenten Eindruck erschlägt, dass ich mich im „Krieg“ mit meinen Nachbarn befinde
  • Idealerweise ist das Ganze „drumherum“ schön und bietet nach dem Fischen „ein schönes Leben“.
  • Ich möchte nicht das Gefühl haben etwas illegales zu tun, ich fische gerne in den Setzkescher, das Töten von Fischen halte ich nicht für zeitgemäß, wenn es die Gesetze zulassen, dann würde ich die Fische gerne in das Gewässer zurücksetzen.
  • Ich möchte nicht „abgezockt“ werden. Wenn ich das Gefühl habe, dass ich mit vollkommen überzogenen Tageskartenpreise oder auch Startgeldern abgezogen werde, dann habe ich keine Lust mehr auf ein Event.
  • Das Fischen muss bezahlbar bleiben, hier sind Grenzen fließend und ich könnte keine konkreten Zahlen nennen, verlasse mich aber auf mein Bauchgefühl

Wenn es solche Randbedingungen gibt, dann bin ich auch gerne bereit viel Zeit und etwas Geld in die Hand zu nehmen ud wenn es Ihnen ähnlich geht, dann lesen Sie den folgenden Bericht, wir haben einen Tipp für den nächsten Angelurlaub.

Lakelands & Ireland Waterways

Irland – das grüne Land am Rande Europas

Wir haben in Deutschland eigentlich schöne Gewässer, es ist fast egal wo wir uns in Deutschland bewegen, fast überall gibt es reizvolle Gewässer zu befischen. Der Großraum Berlin – Potsdam – Brandenburg kann sich getrost als eine der besten Angelregionen in Europa bezeichnen. Ein Problem ist in Deutschland sicherlich die unsichere Gesetzeslage und die schwachen Verbände, welche den Anglern keinen sicheren, gesetzlichen Rückhalt bieten können

Im europäischen Ausland sind die Matchangler allerdings gerne gesehen und wer Lust hat „etwas anderes“ zu erleben, der sollte eine Reise nach Irland ins Auge fassen.

Irland hat eine große Tradition im Matchangeln. In den 80iger und 90iger Jahren pilgerten hunderte ausländische Angler an den nordwestlichen Rand des europäischen Kontinents um an den begehrten Festivals teilzunehmen. In den Jahren ist Begeisterung für diese Events auf dem Kontinent etwas eingeschlafen. Da Irland im Vergleich zu Deutschland die Matchangler aber schätzt, hat das staatliche Tourismusbüro sich auf die Fahnen geschrieben, die Festivals wieder zum neuen Leben zu erwecken.

Crom River

Festivals Angeln in Irland – was heißt das eigentlich?

  • Angeln in tollen, natürlichen Gewässern
  • Unvergleichliche Kameradschaft innerhalb der Angler. Die Iren und Engländer freuen sich über die Angler vom Kontinent.
  • Gemütliche Abende in den örtlichen Pubs
  • Geldgewinne, die viele tausend Euro betragen können. Man sollte sich allerdings keine zu großen Hoffnungen auf einen Gewinn machen!!

Den Gipfel der Festivalsaison in Irland bildet sicherlich das neu ausgerufene World Pairs. Dieses Angeln findet in mehreren Landkreisen im Nordwesten von Irland, sowie in einem kleinen Teil von Nordirland statt. Es fischen immer 2 Mann in einem Team, das Startgeld für eine solche Koppel beträgt 170 GBP und ist damit als durchaus moderat zu bezeichnen, gerade unter dem Aspekt, dass über 5 Tage gefischt wird und man an jedem Tag für einen Sektorensieg einen Geldpreis bekommt. Das Wetten ist auf der britischen Insel sehr beliebt und viele Angler können sich ein Angeln ohne Wetten kaum vorstellen. Aus diesem Grund kann man noch diverse zusätzliche Wetten abschließen, was eigentlich auch jeder Angler macht. Diese zusätzlichen Ausgaben belaufen sich auf 140 GBP pro Angler.

Top 3 Paare (l to r) Lee Addy, Paul Keeley, Cathal Hughes, Phil Jackson, Steve Ringer, Phil RingerTop 3 Teams (l to r) Lee Addy, Paul Keeley, Cathal Hughes, Phil Jackson, Steve Ringer, Phil Ringer

Das Siegerteam konnte in diesem Jahr einen Scheck von 16.000 GBP entgegen nehmen, ein Preisgeld, welches viele bekannte Namen nach Irland locken. In 2013 fischten unter andere die Ringer Brüder, Daren Cox, Tom Pickering, Mark Pollard oder auch Bob Nudd das Event. Die Vorstellung neben einem dieser Topangler zu sitzen ist sicherlich sehr reizvoll und für viele von uns auch eine ernüchternde Standortbestimmung!!

Siegerteam Cathal Hughes (l)- Phil-Jackson (r) mit Robin Morley/Daiwa-Sports (mitte)Siegerteam Cathal-Hughes(l) - Phil-Jackson(r)- Robin-Morley/Daiwa Sports (mitte)

Wir wollen jetzt aber nicht zu viel vom Startgeld schreiben, sondern lieber auf das Fischen eingehen. Wir wurden in diesem Jahr eingeladen um das Fischen zu begleiten, einer unserer Redakteure durfte einen kleinen Einblick in einen typischen, irischen Festivaltag genießen. Nach der Rückreise nach Deutschland bestand er darauf, dass wir im nächsten Jahr ebenfalls teilnehmen. Unser Redakteur ist anglerisch schon weit rumgekommen und die Vehemenz, mit der er auf eine Teilnahme drängt, lässt uns erahnen, wie gut es ihm in Irland gefallen haben muss. Unsere Aufgabe ist es jetzt die Eindrücke vor Ort in solche Worte zu fassen, die Sie veranlassen ebenfalls über eine Teilnahme nachzudenken.

Um eines klar zu stellen, die Anreise nach Irland ist beschwerlich und wir können keine Empfehlung aussprechen, wie man am besten nach Irland reist. Unser Bericht startet also mit dem Zeitpunkt, wo man in Irland ankommt. Es empfiehlt sich übrigens einen möglichst zentralen Ort für die Unterkunft zu wählen – eine Unterkunft in der Nähe von Ballinamore. Von hier aus kann man jedes Gewässer, an dem das World Pairs ausgetragen wird, in maximal 75 Minuten per Auto erreichen. Die Distanz hört sich gigantisch an, ist sicherlich auch groß, ABER es lohnt sich.

Willkommen in Ballinamore

WARUM? Die Region in der das Festival ausgerichtet wird, umfasst ein Gebiet, welches die Größe von mehreren Landkreisen umfasst. Diese Region ist durchzogen von großen Gewässern und einigen Flussläufen, die Gewässer sind bekannt für die gute Angelei. In dieser Vielzahl von Gewässern sitzen immer nur wenige Angler, fast immer ist die Anzahl der Angler kleiner als 20. Diese kleinen Sektoren sind in den jeweils besten Plätzen der Seen platziert, ein gutes Angeln ist damit garantiert. Die Anreise lohnt sich also garantiert. Der Faktor Zeit spielt bei der Anreise keine Rolle, es ist immer genügend Zeit eingeplant. Die Zeit ist so ausreichend bemessen, dass auch zwei Angler in einem Auto fahren können, welche in benachbarten Gewässern angeln. Die Ausschilderung der Sektoren ist unglaublich gut und auch eine Anreise über 80 Kilometer ist problemlos, noch dazu kann man sich Adressen für ein Navigationssystem besorgen. Die Gewässer sind malerisch und wenn man nicht die Fähigkeit verliert beim Angeln die Umwelt wahrzunehmen, sollte man Aufpassen, dass man vor lauter Staunen das Angeln nicht vergisst.

Die Ausschilderung der Sektoren ist unglaublich gut
Die Ausschilderung ist sehr gut...

Die Landschaft einmalig - Das Crom Estate
...die Landschaft einmalig

Vor der Anfahrt zum Angelplatz steht in Irland das Losen – ein paar Worte zum Ablauf des Losens. Die Angler treffen sich in mehreren zentralen Punkten und Losen dort für Ihre Region. Nachdem man seinen Platz gelost hat, ist es nicht wie in Deutschland, dass alle Angler sofort losrasen und im Wege stehende Angler umfahren, nein, in Irland geht es deutlich gelassener zu. Da die „nicht Einheimischen“ die Gewässer nicht kennen, kann man die Einheimischen um Rat fragen. Welche Methoden sind zu bevorzugen, auf welche Distanzen muss geangelt werden? An dieser Stelle werden jetzt viele deutsche Leser denken „Wie jetzt, ich frage einen Konkurrenten wie ich Fischen soll, der erzählt mir doch sowieso nur Unsinn“. VIELLEICHT mag dies für Deutschland gelten, nicht jedoch in Irland. In Irland gilt der Sportsgeist und man wird den Teufel tun und dem Gast etwas Falsches sagen. Sie können also den Informationen der Einheimischen hundertprozentig trauen.

Die Verlosung des Angelplatz Die Verlosung des Angelplatz

Die Verlosung des Angelplatzes

Nachdem Sie jetzt wissen, wo Sie angeln und wie Sie angeln müssen, geht es immer noch nicht los, denn jetzt kaufen Sie Ihre Köder. Die Köder können Sie jeden Tag kaufen, je nach Bedarf und zu erwartender Fischerei. Die Preise sind durchaus normal und die Qualität der Köder (besonders der Caster) ist hervorragend.

Plätze sind gezogen, die Methoden bestimmt, die Köder gekauft. Jetzt trinken die britischen Angler noch einen Tee und dann geht es los.

Nach der Anfahrt zum Platz wird aufgebaut. Je nach Platz stellen viele Angler Ihre Kiepen ins Wasser, hier gilt die Faustregel, dass das Wasser in dem die Kiepe steht, nicht tiefer als „knietief“ sein darf. Als nächstes sind die Ruten dran, hier stellt sich die Frage, welches Tackle man in Irland braucht?

Lakelands Region
Carrick on Shannon Mud Flats

Nach unseren Informationen ist man mit dem folgenden Tackle gut aufgestellt:

  • Kopfrute 13m
  • 3 x 5 teilige Kits
  • Cupping Kit
  • 6m und 7m Whip
  • 2 Feederruten ( maximal 80 Gramm Körbe, meist jedoch 20-30 Gramm – Distanzen bis max. 40m)
  • 1 Matchrute für das leichte Wagglerfischen auf Distanzen bis max. 25m

Sie können sehen, dass die Anforderung an das Tackle nicht allzu groß sind. Die klare Nummer 1 bei den Angelarten ist die Feederrute, aber auch die Kopfrute ist sehr wichtig.

Kevin Leach Feeders - von den meisten Teilnehmern genutztKevin Leach Feeders - von den meisten Teilnehmern genutzt

Auf die Köder sind wir ja schon eingegangen, kommen wir jetzt zu dem liebsten Kind des deutschen Anglers, dem Futter. Wenn Sie einen Iren fragen welches Futter er fischt, ob es nach Zimt, Koriander oder Vanille riechen sollte, dann wird er sich sicherlich fragen, ob die Frage ernst gemeint ist, denn Futter spielt bei den Iren keine Rolle. Vor jedem Durchgang werden 2 Kilo angemischt, und nach dem Durchgang meisten 1 Kilo weggeworfen. Wenn das Futter Richtung vandenEynde Turbo geht, dann ist alles gut und Sie müssen sich keinen Kopf machen. Das Futter können Sie übrigens auch zusammen mit den Ködern vor Ort kaufen.

Das Grundfutter von Cathal Hughes Die Maden von Philip Jackson

Die Feederrrute wird quasi auf jeden Platz aufgebaut, die Angeldistanz können Sie bei ihrem Nachbarn erfragen. Er wird Ihnen dann sagen, auf wie vielen Kurbelumdrehungen (Turns) sie angeln sollten. Für die Kopfrute gilt die Faustregel, dass 2m Wassertiefe auf der Kopfrutenbahn super sind, aber auch in einer Tiefe von 1,5m können Sie gute Fänge erzielen.

Steve Ringer in Aktion Steve Ringer casting on Garadice Lake

Steve Ringer in Aktion

Der Hauptfisch bei der Angelei sind meistens Hybrids, eine Mischung aus Rotauge und Brasse, welche in unseren heimischen Gewässern nicht vorkommt. Die Hybrids sind ausgesprochen gute Kämpfer, im Durchschnitt 300 Gramm schwer, die dicken Jungs erreichen bis zu einem Kilo. Natürlich werden auch Brassen und Rotaugen gefangen, der Zielfisch ist aber meist der Hybrid.

Cathal Hughes in Aktion    Cathal Hughes netzt einen Fisch    Cathal Hughes big Hybrid
Cathal Hughes mit einem schönen Hybrid
Rüdiger Hansen netzt einen Hybrid ein   Rüdiger Hansen netzt einen Hybrid ein   Rüdiger Hansen netzt einen Hybrid ein

Rüdiger Hansen netzt einen Hybrid ein

Zu Beginn des Fischens werden meist einige Ballen Futter mit Maden und Castern auf die Kopfrutenbahn geworfen, oder gecuppt. Danach wird die Feederrute mit einigen Körben befüttert, damit hat sich das Thema Futter für eine lange Zeit erledigt, denn ab diesem Zeitpunkt füttern die Einheimischen fast nur noch lose Köder. Auf der Kopfrute werden sie geschossen, oder bei viel Wind gecuppt, auf der Feederrute wird ein Windowsfeeder eingesetzt um die losen Köder einzubringen. Bis zu diesem Zeitpunkt des Angelns sind wahrscheinlich 90% der Angler auf dem selben Level, doch jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Die wirklich guten Angler fangen jetzt an zu „Arbeiten“ und schießen in hoher Frequenz die RICHTIGE Menge Köder, sind beim Angeln unglaublich schnell und bauen Ihren Platz immer weiter auf.

Rod Scott netzt einen Skimmer    Ryan Kersley pulls into a fish    Phil Ringer mit kleinem Barsch
Rod Scott

 

Ryan Kersley   Phil Ringer

Wenn man als Deutscher jetzt nicht durch Zufall instinktiv alles richtig macht, dann hat man eigentlich keine Chance die Localheros einzuholen. Die Jungs bauen Ihren Platz einfach etwas besser auf, holen etwas mehr Fisch auf den Platz und sind etwas schneller. Am Ende haben diese Jungs dann 18 Kilo im Kescher und wir Deutschen vielleicht 12 Kilo. 12 Kilogramm machen immer noch Spaß und dass sollte das wichtigste sein, denn wer sitzt schon gerne 5 Stunden an einem Gewässer und hat keinen Spaß? Und wenn es mal richtig gut läuft, dann kann man auch mal mehr als die Einheimischen fangen.

Bob Nudd mit Hybrid
Bob Nudd

Ron Van De Voort mit Brassen
Ron Van De Voort

Simon Fry mit 2 Hybrids
Simon Fry

Michael Buchwalder mit Skimmer
Michael Buchwalder

Das World Pairs besteht aus 5 solcher Durchgänge, am Ende gewinnt nicht der, der 5 Mal seinen Sektor gewonnen hat, sondern der, der am Ende das höchste Gesamtgewicht hat. Das ist typisch britisch und hat den Charme, dass wenn man irgendwann mal auf „dem“ Platz sitzen sollte, man sich ganz nach vorne angeln könnte. Beim diesjährigen World Pairs wurden einige Gewichte von über 40 Kilogramm gefangen, hier saßen dann die „richtigen“ Leute auf den „richtigen“ Plätzen. Was aber sicherlich sehr interessant ist, dass ist der Fakt, dass man auf 90% der Plätze 10 Kilogramm und mehr fangen kann. In einem natürlichen und nicht besetzten Gewässersystem wie in Irland ist dies sicherlich ein bemerkenswerter Fakt und ein Zeichen, wie gut die Angelei in Irland / Nordirland ist.

Dean Barlow mit einem Rotauge und einem Hybrid
Dean Barlow mit einem Rotauge und einem Hybrid

Wir schließen diesen Bericht aber nicht mit rein anglerischen Aspekten, sondern mit dem Versprechen, dass Ihnen das Gesamtkonstrukt aus Angeln, Fairness, Flair und Natur in Erinnerung bleiben wird, nicht Ihr bestes Tagesergebnis. Im Redaktionsteam sind wir uns sicher, dass wir an diesem Event teilnehmen werden. Die Planungen für Transport und Unterkunft laufen bereits und wir hoffen, dass sich unser kleiner Traum „World Pairs 2014“ für uns realisieren lässt.

 

Wer sich schon mal etwas Appetit, oder auch die Antwort auf weitere Fragen, holen möchte, der kann sich auf der Seite der Veranstaltung www.worldpairsangling.com informieren. 2014 findet das Worldpairsangling Angling Festival vom 8. bis 12. September statt.

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