Das International Anglers Meeting 2015 - der Bericht

  • von ct Redaktion
  • 27. Oktober 2015 um 19:00
  • 2

Das International Anglers Meeting (IAM) 2015 ist Geschichte und es fällt uns schwer das IAM in Worte zu fassen. Sicherlich ist bei allen Teilnehmern die Enttäuschung über die miserablen Fänge noch präsent und auch wir als Oganisator sind zusammen mit dem DSAV noch dabei die Ergebnisse zu verdauen. 

Unsere Berichte über das IAM waren immer von den anglerischen Aspekten geprägt gewesen und auch zum IAM 2015 werden wir mit diesem Part beginnen. Dies gebührt schon der Respekt den Gewinnern gegenüber, denn auch bei diesen schwierigen Bedingungen haben sich am Ende die besten Teams und Einzelangler durchgesetzt. 

Im Training konnten noch Fische gefangen werden

Am International Anglers Meeting 2015 haben 47 Mannschaften aus 9 Nationen teilgenommen und wie üblich waren viele Teams bereits am Montag vor dem Event an der Strecke um zu trainieren. Die Trainingswoche war geprägt von extrem schlechtem Wetter, es regnete quasi permanent und die Temperaturen lagen bei 5-7 Grad. Diese Umstände verhagelten vielen Teilnehmern die Lust auf ausgeprägte Trainingsessions und so war die Strecke über die Tage nicht komplett gefüllt. Die Trainingsergebnisse waren dazu nicht sonderlich gut und auch sehr wechselhaft. Lediglich in Sektor E wurde „eigentlich" die ganze Woche brauchbar bis sehr gut gefangen. Am Donnerstag und damit beim offiziellen Training konnten hier z.B. die Matrixangler bis zu 20 Kilogramm fangen, das Ganze dazu noch mit „angezogener Handbremse" . Das Team Stipp Profi trainierte am Mittwoch am D Sektor und konnte zielsicher Fische fangen, wenn auch nicht viel. Man rechnete damit, dass man ca. 10 Brassen fangen könnte und man mit 15 Brassen diesen Sektor gewinnen würde. Der A-Sektor war leider die ganze Woche sehr schwierig und fischarm. 

Die Strömung im Kanal war sehr gering und teilweise blies der kräftige Wind mit der schwachen Strömung, so dass man in diesem Jahr beim IAM viele Matchruten im Einsatz sah. Gefischt wurden meist Zoomermodelle um die 10-12 Gramm, bei den Boloposen sah man ähnliche Gewichte. Die Kopfrute wurde wenig gefischt und brachte im Training auch keine nennenswerte Erfolge, die Fische hatten sich bei dem niedrigen Wasserstand scheinbar in die Mitte des Kanals zurückgezogen. 

Mike Thinnes - Sieger der Einzelwertung

Im 1. Durchgang brachen die Fänge dann regelrecht zusammen, selbst im E-Sektor gab es Nullfänger. Ein Umstand der im Training oder auch in den Vorjahren noch fast undenkbar war. In den anderen Sektoren sah es noch schlechter aus, im kompletten 2. Teilsektor A gab es nur einen einzigen Fänger. Das war wirklich extrem bitter für die Angler, Organisatoren, die vielen freiwilligen Helfer und natürlich auch für die Zuschauer, die sich trotz des miesen Wetters auf den Weg zum Silokanal gemacht hatten. Nach dem ersten Tag führte das Team Allianz Unger das Teilnehmerfeld mit 36,5 Punkten und knappen 3600 Gramm Mannschaftsgewicht an. Es folgten die Stipp-Profis mit Team 2 mit 38,5 Punkten und 1370 Gramm!!! Dritter war das Team SPP87 France aus Frankreich bei seiner ersten Teilnahme mit 6700 Gramm und 42,5 Punkten. Es gab kein Team, das 5 Fänger verbuchen konnte! Die Teilnehmer waren sich einig, dass es nur noch besser werden konnte und nehmen wir das Ende der Geschichte vorweg - es wurde nicht besser! 

Das siegreiche FTM Team

Am Ende eines frustrierenden IAM 2015 wurde aber natürlich trotzdem standesgemäß gefeiert. Das Team von Fishing Tackle Max konnte sich mit einem starken 2. Durchgang ganz nach oben angeln, gefolgt von dem Team Stipp-Profi 2 und den wie immer starken holländischen Nationaleam 2 von Jan van Schendel. Im Einzelklassement konnte Mike Thinnes zwei Sektorensiege für sich verbuchen und hielt am Ende den Pokal für den besten Angler in Höhe. Auf Platz 2 folgte Marco von Holten vom Team Matrix vor Roberto Filetti vom Team Fishing Attack. Unsere Glückwunsche gehen natürlich an die erfolgreichen Angler und Teams beim IAM 2015, doch unser besonderer Dank gilt auch den fairen Teilnehmern, die sich zusammen mit den Organisatoren mit einem großen Sportsgeist durch das IAM geangelt haben. Auch nach vielen schlechten Fängen, nassen Klamotten und viel Frust war die Strecke am Samstag noch komplett gefüllt. Das nennt man Sportsgeist und Respekt gegenüber den anderen Anglern. 

C1 war der beste Platz beim IAM 2015 und brachte an beiden Tagen zusammen 16 kg. Hier keschert Günter Horler gerade ein Rotauge.

Kommen wir jetzt zu der großen Frage des IAM 2015. „Was ist/war mit dem Silokanal los"? 

Auf diese Frage gibt es keine eindeutigen Antworten, es gibt lediglich einige Fakten und viele Vermutungen. Fassen wir als erstes die Fakten zusammen 

Lufttemperatur / Luftdruck: Im Vorfeld des Angeln änderte sich das Wetter schlagartig, von milden Spätsommerabenden schlug das Wetter in kalte Winternächte um. Am Wochenende des IAM gab es erste Nachtfröste mit bis zu -4C. 

Wassertemperatur: Durch die kalten Nächte und den kalten Regen (Lufttemperaturen im Training um die 6 Grad) kühlte das Wasser innerhalb von einer Woche von 12 Grad auf 6 Grad ab. Da Fische Kaltblüter sind, wurde der Stoffwechsel rigoros heruntergefahren, die Fische hatten also sicherlich keinen großen Hunger.

Wasserstand: Im Silokanal fehlten circa 50cm Wasser, dazu herrschte kaum Strömung im Kanal. Die Fische konnten also nicht ihren gewohnten Instinkten folgen und durch den Kanal „getrieben" werden

Wasserqualität: Es ist ein bekanntes Phänomen in den Berliner Kanälen, dass der erste Regen nach langen Trockenperioden zu sehr schlechten Beißverhalten führt. Vor dem IAM hat es in Brandenburg in den letzten Monaten nicht wirklich geregnet, es sammelte sich in der Kanalisation viele Schadstoffe, die vom Regen beim IAM in den Silokanal gespült wurden, dies verändert das Wasser so gravierend, das die Fische die Nahrungsaufnahme einstellen. Wir kennen dieses Phänomen auch vom Teltowkanal.

Muscheln und Sichtigkeit im Wasser: Das Wasser im Silokanal ist sehr klar und die Steinpackungen sind mit Muscheln übersät. Dies ist vor allem für das Fischen mit der Kopfrute ein Problem. Allerdings ist das Wasser bereits seit einigen Jahren sehr sauber, hier wird keine große Änderung mehr eintreten. Die Muscheln filtern die Schwebstoffe aus dem Wasser, dies macht zum einem das Wasser klar, zum anderem sind die Schwebstoffe Nahrung für die Fische. Ein weiterer negativer Punkt des klaren Wassers ist der Fakt, dass die Kormorane bei klaren Wasser deutlich besser jagen können und die Komorane haben leider auch den Silokanal als Jagdrevier entdeckt.

EIn hochklassiges, internationales Angeln - das ist das IAM


Fischbestand:
In den letzten Jahren gingen die Fangergebnisse am Silokanal immer weiter zurück, obwohl die Fangergebnisse auf den angrenzenden Seen eher besser wurden. Dies kann nur bedeuten, dass nicht mehr so viel Fisch in den Kanal zieht. Die einheimischen Angler sind der festen Meinung, dass dies nicht mit dem Angeldruck zusammen hängt. Wir haben hier jedoch unsere Zweifel und sind der Meinung, dass ein geringerer Befischungsdruck dem Kanal sehr gut tun würde. Letztendlich beginnt bei diesem Punkt aber bereits der Punkt der Vermutungen und wir wollen uns lieber an Fakten halten!

Wie geht es mit dem IAM weiter? Das International Anglers Meeting geniesst international ein enormes Renommee und genau dafür wurde es vor 8 Jahren auch aus dem Boden gestampft. Die Organisatoren wollten eine international erstklassige Veranstaltung für Angler aus ganz Europa auf die Beine stellen und wir denken, dass man mit Stolz sagen kann, dass dies geschafft wurde. Ein solches Event bedarf vieler Randbedingungen. Das fängt bei der Angelstrecke an und hört bei einer passenden Location für die Abschlussfeier auf und zwischen diesen beiden Punkten liegen dutzende von Faktoren, die bedacht werden müssen. Der Silokanal und die Stadt Brandenburg sind aus Sicht der Veranstalter dafür ideal. Allerdings nur, solange man am Silokanal ausreichend bzw. veranstaltungsattraktiv Fische fangen kann. Aus diesem Grund werden sich die Organisatoren zum Ende des Jahres an den Tisch setzen und an einem Maßnahmenkatalog arbeiten, der das IAM 2016 wieder zu einem einzigartigen Erlebnis machen soll. Drücken wir uns allen die Daumen, dass wir gute Lösungen finden und wir dieses einzigartige Event weiter in Deutschland zelebrieren können.

Das IAM ist DIE deutsche Vorzeigeveranstaltung



Unsere Leser sind herzlichen Willkommen mit der Kommentarfunktion ihre Ideen für die Verbesserung des IAM einzubringen.

Das Teamklassement

Das Einzelklassement

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P.S. AM Wochenende nach dem IAM fanden zwei Angeln statt. Beim Angeln am Samstag konnte das Siegerteam über 35.000 Gramm fangen, beim 2. Fischen musste man über 16.000 Gramm fangen um vorne zu sein. Nullfänge gab es an beiden Tagen nicht. Sicherlich ist dies für alle Angler ein gutes Zeichen, trotzdem gilt es das IAM besser zu machen und die oben aufgeführten Punkte zu bewerten und anzugehen. 

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2 Kommentare
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  • Diaflash
    aus Leipzig
    Sicherlich ist das mit eine Ursache. Ich persönlich denke, es war die Kombination aus vielen Faktoren. Vorlaufende Angeln und nachfolgende Angeln haben völlig unterschiedliche Fangergebnisse am Silo hervorgebracht. Von sehr viel Fisch bis hin zu IAM ähnlich. Wir werden den IAM 2016 noch einmal angehen. Diesmal früher, geplant ist es gemeinsam mit CT vom 30.9. bis 1.10.2016 das Meeting durchzuführen. Im Fazit einer Fragebogenauswertung der Teams werden wir uns Gedanken machen zur Futter- und Köderlimitierung. Tendenz: weniger. Jahrelang wurden Fische am Silo totgeschlagen und als Müll entsorgt, erst das IAM hat mit gezeigt, dass es einen großen Bedarf an Besatzfisch aus dem Silo gibt und eine Hälterung mit Umsetzen gesetzlich möglich und tierschutzgerecht machbar ist. Also auch wenn der Fischbestand in der Masse, wie in fast allen Gewässern Deutschlands, rückläufig ist, leben die bisher entnommenen Fische aus dem Silo "froh" und "glücklich" weiter. Es mag zwar für den Gewässerverbund um den Silo ein Verlust sein, aber für viele Gewässer in Niedersachsen, Sachsen-Anhalt oder auch Sachsen ein Gewinn für die Fischfauna. Am Rande: Ich denke mit Schmerzen an die Anglertreffs an der Elbe (Rosenfeld) , Saale (Calbe) Elbe-Havel-Kanal in Parey oder jetzt am Elbe-Lübeck-Kanal in SH. Wo sind die Fische von "früher" alle hin? Veranstaltungen sind überall rückläufig, daran kann es hauptursächlich nicht liegen. Ich denke, es hat viel damit zu tun, dass unsere Gewässer immer sauberer werden und sich das Gewässer von einer "trüben fischreichen Brühe" in klare Gewässer wandeln. Das Artenspektrum passt sich den Gewässerverhältnissen an. Dazu kommen unsere speziellen Freunde die Kormorane, die jetzt endlich den richtigen Durchblick haben und sich den Bauch voll schlagen können. Wir werden sehen, wie die Bereitschaft ist, gerade aus den Ausland, noch einmal den Weg nach Brandenburg 2016 anzutreten. An uns sollte es nicht liegen das IAM 2016 zu einem schönen Event werden zu lassen.
  • breamer
    Fangergebnisse IAM
    Hallo, ein schöner und vor allem ehrlicher Bericht! Ich denke die Fangergebnisse haben verschiedenen Ursachen, auf jeden Fall aber den Wetterumschwung. Allerdings spielt die Entnahme der Fische meiner Meinung nach ebenfalls eine große Rolle, dieses war bei uns ähnlich-- die Fische wurden bei Veranstaltungen entnommen und nach ein paar Jahren wurden im Gegensatz zu früher nur noch wenige Fische gefangen. Nun werden die Fische umgesetzt aber es könnte natürlich sein, dass die Fische durch Verbindungen mit anderen Gewässern wieder zurück ins ursprüngliche Gewässer wandern......und schon passen die Fangergebnisse wieder. Vielleicht sollten die Veranstalter am Silokanal darüber mal nachdenken? Wenn man bedenkt, dass ein Brassen von ca. 1 kg ungefähr 10 Jahre alt ist, ein Rotauge von ca. 25 cm 11 Jahre, dann ist es logisch, dass die Fischbestände bei Entnahme irgendwann zurück gehen. Auch am Silokanal. Ich hoffe, das IAM bleibt auch weiterhin die wichtigste Veranstaltung in Deutschland! Grüße