Die INTERPLOE 2015 bleibt Stippers Matrix

  • von Dieter Liebert
  • 12. Oktober 2015 um 10:00
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„Houston, wir haben ein Problem“... wüsste man nicht, dass dieser Kultsatz aus dem Filmklassiker „Apollo 13“ stammt, könnte es wohl ebenso gut der Buchtitel jedes Anglerlehrbuchs sein. Und auch zur INTERPOLE 2015 mag wohl der ein oder andere Teilnehmer ähnliches im Stillen vor sich hin gemurmelt haben. Denn dort, wo sich schon manch hoch dekorierter Stippangler der westeuropäischen Szene die Zähne ausbiss, gab es auch in diesem Jahr wieder die typischen Begleitumstände, wie wir sie bei größeren  Veranstaltungen in den anspruchsvollen Kanälen in Belgien oder den Niederlanden häufig antreffen. Und doch oder nicht zuletzt deshalb, ist die INTERPOLE am holländischen Julianakanal mittlerweile Kult für zahlreiche Stammgäste, die sich Jahr für Jahr zu diesem Stangenspektakel ins niederländische Zuid Limburg aufmachen bzw. die spezielle Herausforderung suchen und annehmen. Ein erholsamer Angelurlaub, das sei schon an dieser Stelle vermerkt, ist die INTERPOLE ganz sicher nicht.

Mancher Ortsansässige der kleinen holländischen Stadt Susteren staunte dann auch nicht schlecht, als am Freitagmorgen das Erscheinungsbild der Stationsstraat vor dem Saal Mirage von Fahrzeugen mit KFZ-Kennzeichen aus Belgien, Luxemburg, Österreich, Deutschland und natürlich Holland geprägt wurde. Dazu gesellten sich in diesem Jahr Einzelangler aus Italien, Ungarn, Kroatien und Großbritannien.

Die INTERPOLE am holländischen Julianakanal

Vorangegangen war am Tag zuvor bereits ein offizielles „Warm Up“, welches von den Teilnehmern sehr gut angenommen wurde und daher zukünftig sicher fester Bestandteil des Programms bleibt. Erwartet wurden aufgrund zahlreicher Trainingsergebnisse im 2-stelligen kg Bereich gute Fangergebnisse, doch heftiger Wind begleitete diesen Auftakt und erschwerte das Angeln auf der langen Bahn enorm.

Die INTERPOLE am holländischen Julianakanal Die INTERPOLE am holländischen Julianakanal

Dazu grüßte „Juliana“ wieder mal mit der ihr eigenen „Zickigkeit“ – was in Trainingsgruppen von 3 bis 5 Leuten noch leicht von der Hand ging oder erfolgversprechend schien, sollte sich heute recht schnell als No Go erweisen. Wieder mal galt es, den extrem hohen Ansprüchen der holländischen Fische gerecht zu werden und in den Interpolemodus zu schalten. Warten auf den Bonusfisch schien zumindest als Teamtaktik schnell vom Tisch – dem hingegen allerdings kam eine neue Option hinzu... „Ukels“ waren urplötzlich auf der Strecke – keine Massen, jedoch durchaus so viele, dass zahlreiche Teams daraus einen Plan B entwickelten.

Da der Wind zum Mittag nahezu Sturmstärke erreichte, fischte kaum jemand die 5 Stunden wirklich konzentriert zu Ende. Fazit: Um die kg Marke zu knacken, schienen Rotaugenfänge oder eine der seltenen Brassen Pflicht – Kleinfische waren ausschließlich eine Option zur Schadensbegrenzung. Wollte man also mit dem Team nach vorne, so mussten zwingend auf der langen Bahn Fische her. Dass es geht, zeigten an diesem Tag bereits D. Liebert (2,3 kg), G. Bleser (1,8 kg), R. Peeters (1,6 kg).

Geschäftiges Treiben dann nach dem Angeln – man wollte schnellstmöglich ins Quartier – Ukelmontagen bauen...

Am Freitagmorgen wurde es dann ernst. Schon auf den ersten Blick wurde deutlich, dass kaum ein Angler neben seinen hier üblichen 5-teiligen Kits ohne zusätzliche 1 bis 8 Kleinfischruten am Wasser saß. Trotz üblichem Futterbombardement aber, gab es doch immer wieder vereinzelte gute Standfische, die gleich in den ersten Minuten des Angelns bei einigen ins Netz wanderten. Taktisch also galt es permanent zu reagieren und die Fangergebnisse innerhalb des eigenen Halbsektors präzise im Auge zu halten bzw. einzuschätzen. Kleinfisch alleine war dabei lediglich in einem Sektor eine Option zur Topplatzierung – und wie üblich, hatten die auch längst den „Braten gerochen“ und die Sinne in Punkto Nahrungsaufnahme auf „höchst sensibel“ justiert. Trotz alledem zeigte sich, dass sich viele Teams mittlerweile mit diesen Verhältnissen angefreundet haben.

Nur wenige Nullen galt es zu notieren und die (Halb)Sektorensieger brachten durchweg Gewichte von ca. 1,5 bis 3 kg zur Waage. Im Klassement führte mit 12 Punkten das bereits im Vorfeld hoch gewettete  „Team pole doc“, für das in diesem Jahr mit Oliver Fackler und Sven Sittig die zwei Topplatzierten der Vorjahres-Einzelwertung an den Start gingen. Pole Doc Ralf Rosarius und Andreas Tuk komplettierten diese Riege. Punktgleich auf Platz zwei mit einer höchst beachtlichen Leistung, die Karpfenspezis von MAVER Austria mit Gerhard und Martin Otto, Franz Artmüller und aushilfsweise Rene Peeters aus Belgien. Dahinter dicht gedrängt und mit marginalen Abständen, zahlreiche Teams, die noch alle Chancen auf ihrer Seite hatten. Selbst bis Platz 10 betrug der Unterschied zur Spitze lediglich 7 Punkte.

Bei diesen Gewichten mag nun mancher fragen: „und was war mit den Grundeln, waren die keine Option“? Folgende Antwort mag nicht nur Insidern aufschlussreich sein: “wenn selbst ein Team aus Luxemburg sie nicht in ausreichender Zahl fangen kann, dann sind sie ganz fern.“

Mit großen Hoffnungen also gingen noch zahlreiche Teams in den 2ten Wertungsdurchgang. Wie bereits am Freitag, konnte man in Punkto Wetter nicht klagen... die Angelei aber blieb heikel. Bei den geringen Abständen alles auf eine Karte zu setzen, schien ein riskantes Spiel – Kleinfisch hingegen brachte kaum genug Gewicht ins Netz – ergo starteten viele auf der langen Bahn und hofften auf den einen oder anderen Standfisch in den ersten 30 Minuten, der neben dem Gewichtsvorteil gegenüber der Konkurrenz auch das eigene Nervenkostüm erheblich beruhigen konnte. Zu beobachten war, dass es nach diesen 30 Minuten meist eine Beißpause gab, während derer man das ein oder andere wichtige Gramm im Uferbereich sammeln konnte. Nach weiteren ca. 30 Minuten galt es dann, mit den Nachbarn um die wenigen noch hungrigen Fische zu fighten.

Außergewöhnlich übrigens auch die Tatsache, dass die Fische in diesem Jahr, gegen jede „Julianaregel“, sehr gut auf häufiges cuppen reagierten. Zudem wurden insbesondere im Bereich der Kopfplätze häufig Rotaugen mit Durchschnittsgewichten von ca. 100 g gefangen – vermutlich ist dies auf einen Rotaugenbesatz aus dem Frühjahr 15 zurückzuführen – denn ansonsten kennt man hier nahezu durchweg Rotaugen mit deutlich höheren Gewichten, wie sie an diesem Wochenende jedoch eher zur Sektorenmitte gefangen wurden.

In drei der vier Sektoren waren dann auch min. 2 bis 2,5 kg nötig, was nicht selten auch einer Rotaugen-Stückzahl von um die 20 Fische entsprach. Lediglich der Sektor gelb machte weiterhin Kummer. Bei Kleinfisch oder Großbrasse ging die Schere hier weit auseinander. Mitte vorderer Halbsektor gab es zwei Brassenfänger, die bis zu 4 kg fingen – im hinteren reichten nur 969 Gramm zur Eins. Dass es auch anders gehen kann, bewies M. Haeltermann vom Team der Belgischen Polizei. An beiden Tagen setzte er auf eine absolut statische Köderpräsentation am „Lolly“ und fing seine Fische. Mit Doppeleins und insgesamt 11,899 kg ließ er den Rest des Feldes weit hinter sich. Die weiteren Gruppensieger hießen: Thomas Gier von den Bisttalstippern (4 Pkt), O. Fackler vom Team Pole Doc (2 Pkt) und D. Liebert vom Team Maver / van den Eynde (2 Pkt). Die im Fokus stehende Teamwertung war wie üblich ein enges Rennen, bei dem sich letztlich 3 deutsche Teams durchsetzen konnten. Mit sehr soliden 2 Tagen und insgesamt 27 Punkten wiederholte das Team HJG bream team, in diesem Jahr mit R. Schroll, D. Mager, W. Wehner und D. Arendt, den Vorjahressieg. Auf 2 landeten die Gastgeber vom Team Maver / van den Eynde (28,5 Pkt) mit A. Achterath, A. Feld, R. Kettenberger und D. Liebert gefolgt vom führende Team nach Tag 1, pole doc, (31,5 Pkt). Bestes nicht deutsches Team wurde auf Platz 4 die Besetzung von Maver Austria (33 Pkt).

Organisator Dieter Liebert fischte eine starke Interpole

Folgender Aspekt mag das enge Rennen um die Teamkrone unterstreichen: an Tag 1 trennten Platz 3 und den geteilten Platz 4,5 in Gruppe A lediglich 4 Gramm!!!

Die Schlacht um die Teamwertung war geschlagen – Samstagabend traditionell die Nacht der Nachtschwärmer und am Sonntagmorgen mit zumeist „Alles oder Nichts“ Einstellung ran an das Marcel van den Eynde Memorial… Grundeln nicht in der Wertung, sieht man nach den Strapazen des Vorabends hier nicht selten die Frontbar im Dauereinsatz, doch die Fische kamen so langsam wieder in Fresslaune. Zumindest im Bereich Sektor grün „Gelderhaven“ gab‘s fast durchweg Gewichte zwischen 2 und 4 kg mit teils tollen Rotaugen von bis zu 800 g. Das Tageshöchstgewicht fing dort der Holländer Jos Bastiaans (4,335 kg). Die weiteren Sektorensieger: rot: D. Liebert (3,214 kg) – hc: I. de Coster (1,821 kg) und gelb: J. Bukkems (1,406 kg).

Sieger Marcel van den Eynde Memorial

Zeit, Fazit zu ziehen:

Die INTERPOLE 2015 konnte die berechtigten Erwartungen an die Fanggewichte ganz sicher nicht erfüllen! Dennoch bleibt festzustellen, dass es auch unter diesen Umständen verdiente Sieger / gar Titelverteidiger gab, welche die „Matrix der Juliana“ erneut knacken konnten. Gleich drei Teilnehmern gelang das Kunststück einer Doppeleins, auch dies spricht für sich. Wer nach einem erholsamen Angelurlaub mit viel Fisch bei geringem Einsatz sucht, der wird hier ganz sicher auch in den kommenden Jahren nicht glücklich. Wer jedoch die Herausforderung eines internationalen Starterfeldes unter meist schwierigen Bedingungen liebt, neben dem Angeln auch gerne neue Kontakte knüpft oder ganz einfach mal über den Tellerrand blicken möchte, der kann hier auf ganzer Linie sein Glück finden.

Die drei erfolgreichsten Teams

In diesem Sinne:

Deaktivieren Sie Ihre Großfischmontagen und aktivieren Sie ihr Backup für sensibles Kanalfischen. Recovern Sie ihre Hakenbox mit allem, was unter Grösse 18 noch zur Verfügung steht. Datensicherung Futterrezepte einspielen – dabei Strömung bei Schiffsverkehr beachten. Schon sollten die lebensnotwendigen Systeme für den Julianakanal funktionstüchtig sein und einer erfolgreichen INTERPOLE Teilnahme 2016 steht nichts mehr im Wege.

Unser spezieller Dank gilt allen Teilnehmern für das „Fair play“ sowie den Sponsoren und Unterstützern: Sportvisserij Limburg, M. v.d. Eynde, Maver, MenM, Andy Berteyn und champions team!

Houston Over

Ergebnisse - INTERPOLE 2015 (PDF)

Ergebinsse - Marcel van den Eynde Memorial 2015 (PDF)

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