Bericht zum Anglertreff der Einzelangler 2006 am Mittellandkanal bei Bülstringen in Sachsen-Anhalt

  • von Björn Bauersfeld, Ralf Gehrke
  • 08. September 2006 um 19:24
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Mit zwei Tagessiegen entschied Günter Horler von den Stippfreunden 2005 den Anglertreff für Einzelangler am vergangenen Wochenende am Mittellandkanal bei Bülstringen für sich. Ohne Training und Gewässerkenntnis, nur mit einigen Informationen und seiner ganzen Erfahrung im Gepäck, holte sich Günter einen weiteren Titel in seiner eindrucksvollen Karriere und zeigte, dass er nach wie vor zu den besten Anglern in Deutschland gehört.

Doch der Reihe nach. Im Vorfeld wurde viel von einem Glücksangeln gesprochen und die Bedingungen waren sicherlich nicht einfach, denn um vorne zu landen galt es einen Bonusfisch zu fangen, doch im Endeffekt zeigte die Ergebnisliste, dass wieder einmal viele der erfahrenen und variablen Angler auf den vorderen Plätzen zu finden waren. Rainer Wenzel aus Berlin wiederholte seinen Vizetitel vom Vorjahr und auf dem dritten Platz folgte mit Jörg Huhnhäuser aus Baden Württemberg und für die Angelunion Bremen startend ein Angler, der national schon seit vielen Jahren immer gute Leistungen gebracht hat.

 

Die Angelei gestaltete sich sehr schwierig und die Trainingsergebnisse ließen nichts Gutes ahnen, auch wenn in einigen Bereichen am Donnerstag vor der Veranstaltung doch ganz gut gefangen wurde und die Hoffnung aufkam, dass das Futter mehr Fische auf die Strecke gezogen haben könnte. Insbesondere auf Flussbarsche mit einem Durchschnittsgewicht von immerhin 80 Gramm im 5 bis 8 Meter Bereich konnte man hoffen, doch auch die Stachelritter waren in den Durchgängen nur noch vereinzelt zu fangen und wurden durch Kaulbarsche unterhalb der 5 Gramm Marke ersetzt.
Da die Steinpackung bis zu 15 Meter in den Kanal ragt und auf dem Mittellandkanal ein reger Schiffsverkehr herrscht, war es eine Frage der Taktik, wie viele Futterspuren jeder Teilnehmer anlegte, denn diese galt es durch den vorbeifahrenden Sog der Schiffe immer unter Futter zu halten. Interessant waren die 5 Meter- / die 8 Meter-/ und die 13 Meter-Bahn, zusätzlich wurde mit langer Schnur oder der leichten Bolorute auch im Kanalbett geangelt.

Sinnvoll war es jedoch maximal 3 Futterplätze anzulegen, da der ständige Schiffsverkehr ein stetiges Nachfüttern erforderte und bei zu vielen Futterplätzen kaum Zeit für die Angelei geblieben wäre. Beim Futter entschieden sich die Teilnehmer für zwei Varianten. Sehr schwere, stark klebende Futterbälle, die sich zwischen den Steinen der Packlage verkeilten und nur langsam lösten, sowie leichtes Futter, welches sich schnell löste, die Steine schon im Absinken bedeckte, allerdings auch mit jedem Schiff weggespült wurde.
Erfolgreich waren beide Varianten, es galt beim Loten einen halbwegs beangelbaren Platz im Sinne eines kleinen Plateaus zu finden und dort sein Futter genauestens zu platzieren. Dies galt sowohl für die 8-Meter als auch für die 13 Meter-Spur, wobei durchaus auch etwas kürzer gefischt werden durfte, Hauptsache man hatte eine relativ ebene Stelle gefunden, die einigermaßen beangelt werden konnte. Das Futter war bestenfalls von grober Struktur, um die wenigen großen Fische wenn sie denn mal am Platz waren auch dort ein bisschen zu halten, sofern man vielleicht gerade eine andere Spur befischte. Zur Hälfte mit schwerer Erde gemischt konnte man doch einige Kugeln (5 -6) werfen, ohne zu befürchten, die Fische gleich zu sättigen.
Die Fische waren nicht scheu, es waren einfach nur zu wenig und somit konnte das Futter ruhig etwas auffälliger sein und eine hellere Farbe haben. Auch beim Gerät musste man nicht zu ängstlich sein. Fehlbisse gab es selten und wenn am Köder genuckelt wurde, dann war wieder einer der 5 Gramm Kaulbarsche am Werk.

  

Die Antennen also klar sichtbar, nahmen die Fische den Köder vertrauensvoll, der dann ruhig am 10er Vorfach mit einem 16er bis 18er Haken angeboten werden konnte. Roberto Mazassette bekam im 2. Durchgang 20 Minuten vor dem Ende noch seinen Bonusfisch an den 24er Haken, verlor ihn aber nach kurzem Drill. Meist waren tropfen- oder zwiebelförmige Posen von 1 bis 3 Gramm zu sehen, denn gerade beim Sog der vorbeifahrenden Schiffe wurde das Futter aufgewirbelt und die Fische schnappten nach den abtreibenden Ködern.
Wer hier zu leicht fischte, verpasste die besten Gelegenheiten. Mückenlarven (2-4) erwiesen sich dabei am fängigsten, wahlweise brachte auch ein zugesteckter Caster oder ein Pinkie einen besseren Erfolg.

Am interessantesten war es vor dem Beginn des Durchganges am Samstag im A Sektor. Stefan Posselt schien auf der A 7 mit den Gedanken wohl schon auf der WM in Portugal zu sein und vergaß dabei drei entscheidende Dinge. Erstens begann die Futterkontrolle um 9.30 Uhr und nicht erst um 10.00 Uhr, zweitens wurde die Kontrolle im A Sektor gestartet und drittens hatte er sein Futter noch nicht ausgelitert, zudem nicht gesehen, dass der Nachbar die Kontrolle schon hinter sich hatte und so nahm das Schicksal seinen Lauf, als die Kontrolleure wie aus dem Nichts hinter ihm auftauchten und Stefan sofort wusste, dass das Angeln für ihn gelaufen war.
Platzziffer 18 war die logische Konsequenz. Bei Günter Horler verhielt sich die Sache etwas anders. Obwohl die Kontrolleure keinen Verstoß vermerkten, wurde durch mündliche Proteste am späteren Abend das Schiedsgericht einberufen. Einstimmig wurde entschieden, dass kein Verstoß vorlag. Einen dritten Fall in Bezug auf die Futtermenge, das sei hier vorweggenommen, gab es auch am zweiten Tag im A Sektor, denn Claus Rometsch und Christian Dobmeier von den Polizisten hatten zwar zusammen die erlaubten 34 Liter angerührt, doch Claus nahm sich nur knappe 14 Liter mit, so dass Christian erst bei der Kontrolle feststellte, dass er zu viel Futter hatte. Diese Unaufmerksamkeit kostete ihn leider eine der später vergebenen Einladungen an die Mosel zum Angeln des champions-teams B.

  

Wer den Beteiligten hier Vorsatz unterstellte war also entweder nicht anwesend oder sieht die Schwerpunkte mittlerweile in der Suche nach Skandalen und nicht in der Angelei. Denn trotz der knappen Fänge war wieder einmal ein Teilnehmerfeld der nationalen Klasse am Start und es gab für die zahlreichen Zuschauer einiges zu sehen.

Lustiger als bei den Futterkontrollen ging es dagegen zumindest für die Zuschauer auf der A 5 zu. Beim Wasser holen auf der kippeligen Packlage verlor Rainer Österreich das Gleichgewicht und schaffte es nur noch den Kopf trocken aus dem Kanal heraus zu bringen. Rainer nahm die Abkühlung sportlich und konnte auf den bekannt schlechten Plätzen A 1 bis A 7 immerhin einen 12ten Platz erkämpfen.

Günter Horler gewann den Sektor mit einigen guten Fischen und Erik Jung erreichte mit ausschließlich kleinen Fischen in einer guten Stückzahl und ohne Bonusfisch den zweiten Platz.

Den B Sektor konnte Ralf Lösch von den Stippfreunden 2005 für sich entscheiden und im C Sektor reichte Dietmar Heil ein Brassen der 2 kg Marke, um den Sektor zu gewinnen.

Im D Sektor freuten sich die Zuschauer über eine starke Besetzung. Nenad Sasic, Harald Seifert, Henric Plass, Peter König zwischen Harald Windel und Rene Bredereck, Oliver Knak, Jörg Huhnhäuser und Thomas Engert saßen hier zusammen. Nachdem Henric Plaß schon zwei 1,5 kg Brassen verloren hatte, fing er doch noch den Dritten und sicherte sich den Sektorensieg.

Andy Maier brauchte im E Sektor hingegen nur 5 Minuten und fing in dieser Zeit zwei Brassen, die ihm mit 2780 Gramm das höchste Sektorengewicht brachten. Ralf Töpper wurde mit ebenfalls zwei besseren Fischen zweiter und Ralf Herdlitschke auf dem 6. Platz war der erste Angler im Sektor der keinen Bonusfisch fing.

Die Ergebnisse zeigten, dass man ohne einen der wenigen Kilofische kaum eine Chance auf eine vordere Platzierung hatte und nicht jeder Teilnehmer brachte überhaupt einen Fisch zur Waage.

Am zweiten Tag gelang es nur Günter Horler sein V

ortagesergebnis zu wiederholen. Am relativ frühen Morgen fuhren kaum Schiffe und Günter setzte in der Anfangsfütterung in dem doch relativ klaren Wasser auf eine im Wasser stehende und von der Oberfläche bis zum Grund reichende Futtersäule. Diese sollte die wenigen in der Gegend umherschwimmenden größeren Fische aufmerksam machen und auf den Futterplatz bringen. Die Taktik ging auf und nach 15 Minuten hatte Günter seinen ersten Kilobrassen eingenetzt. Auf anderen Plätzen begann das Favoritensterben.
Ralf Töpper verlor im C Sektor seinen Bonusfisch als ein Schiff den Strömungsdruck erhöhte und der Brassen ausschlitzte. Ohne nennenswerte Kleinfische verschwand er im Niemandsland und lieferte ein klassisches Beispiel wie dicht Sieg und Niederlage beieinander lagen, doch so erging es nicht nur ihm. Insgesamt wurde natürlich offensiver auf den Bonusfisch geangelt, denn viele hatten nichts mehr zu verlieren und andere mussten schon unter die ersten drei im Sektor angeln, um noch eine reelle Chance auf einen Platz unter den ersten zehn in der Gesamtwertung zu bewahren.

Lutz Haarstrich fing im E Sektor als einer der wenigen mit der Bolorute hinter der Packlage zwei Rotaugen und erreichte damit einen hervorragenden 2. Platz im Sektor, der ihm letztendlich auch eine Einladung zum Sichtungsfischen an der Mosel einbrachte.


Jörg Huhnhäuser, Günter Horler, Rainer Wenzel

Am Ende hatte Günter Horler seine Klasse demonstriert und die nächsten 4 Teilnehmer warteten bereits mit jeweils 5 Punkten auf und ein bisschen mehr Glück oder Pech entschied über die Treppchenplätze.

 
Sieger Jugend: Tim Hagedorn
 
Die erstplazierten Frauen

Insgesamt hatte der veranstaltende Verein aus Haldensleben wieder einen gut organisierten und harmonischen Anglertreff ins Leben gerufen. Das Fehlen einiger Teilnehmer und die Unruhe bei der Siegerehrung fielen dagegen negativ auf. Hier wäre es wünschenswert gewesen, wenn jeder bis zum Schluss geblieben wäre und den Gewinnern den nötigen Respekt und die Ehre erwiesen hätte.

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