Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin!!!

  • von Steffen Quinger
  • 10. August 2006 um 17:40
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Was war das Besondere an dem diesjährigen Vereinstreffen?

Wohl noch nie gab es ein so großes Favoritensterben im Vorfeld und damit die Chance für neue junge Teams sich in der "Szene" zu etablieren.

Deutsche Topteams wie das Werksteam von Mosella, das Team um Claus Müller aus dem Saarland, die Schnockis aus Berlin oder der AV Greppin aus Sachsen-Anhalt scheiterten bereits im Vorfeld und machten so Platz für Vereine, die damit teilweise so zum ersten Mal an einer Veranstaltung dieses Kalibers teilnehmen konnten.

Das tat der Qualität der Veranstaltung keinen Abbruch, im Gegenteil, oft entschieden in den Sektoren nur wenige Gramm Unterschied über Abstände von 5 – 6 Platzziffern und es blieb die Erkenntnis, dass die Spitze in Deutschland breiter geworden ist.


  

Natürlich war allen klar, das dass "Heimteam" vom CDA Stralsund um Marco Beck und Ralf Herdlitschke zu den Favoriten zählte, aber insgeheim machten sich doch etliche Teams Hoffnung auf vordere Ränge, da ja einerseits der Havelkanal für seine sehr mühevolle Kleinfischangelei berühmt- berüchtigt ist, man aber auch immer mit Bonusfischen rechnen kann, die letztendlich doch alle Wertungen durcheinander würfeln können.

Wie gewohnt fanden sich schon fast alle Teams weit vor dem entscheidenden Wochenende in Alt-Brieselang ein, um ihre Technik und Taktik abzustimmen und sich damit optimal vorzubereiten.
Die Trainingstage zeigten deutlich, dass der Havelkanal mit eines der ausgeglichensten Gewässer der letzten Jahre ist und ca. 1500 Gramm für eine vordere Platzierung reichen müssten. Da die im Kanal stark vertretenen Ukeleis nicht mit in die Wertung fielen, bestand die Kunst darin, sie zu umgehen und Grundfische in Form von Minibarschen, -plötzen und brassen zu überlisten.

Am Samstag ging es an die Strecke und zum ersten Wertungsdurchgang. Die Strecke war hervorragend präpariert und der heimische Verein aus Falkensee stellte insgesamt 8 Abfänger, um die Endplätze nicht unnötig zu bevorzugen. Für eine Bewirtung an der Strecke war gesorgt und die strenge Futter- und Köderkontrolle brachte diesmal keine Probleme mit sich.

  

Das mag einerseits sicher an den zu erwartenden geringen Fangmengen (und damit zum Einsatz kommende Futtermengen) gelegenen haben, aber auch die Ereignisse der letzten Zeit haben in dieser Hinsicht zu einem faireren Umgang miteinander geführt.

Was leider nicht passte, war das Wetter, wolkenbruchartiger Regen und eine deutliche Abkühlung sorgten dafür, dass so mancher Teilnehmer Mühe hatte Futter und Köder trocken zu halten.

Nach dem Startschuss wurden konzentriert vor den Füßen Minibarsche gefangen, aber immer mit dem Blick zum Nachbarn, ob sich größere Fische auf der 13 m Bahn oder in Wurfweite einstellten. So wurden im Wechsel auf 3, 8 oder 13 m regelmäßig Kleinfische gefangen, Fische um die 100 Gramm zählten schon als Bonusfisch und wurden von den Betreuern der Teams bejubelt.

Erwartungsgemäß konnte Fisch auf allen Bahnen gefangen werden, wichtig war hier, kontinuierlich Fische egal welcher Größe zu fangen und die relativ häufigen Fehlbisse zu vermeiden. So konnten Willi Kupperschmidt vom Browning Team Schleswig Holstein und Rainer Österreich vom Colmic-Grebenstein Team NRW ihre Sektoren mit überwiegend kleinen Barschen auf Entfernungen zwischen 5 und 8 Metern fangen. Allerdings waren die Barsche nicht an allen Plätzen gleich stark vertreten, insbesondere am zweiten Tag, konnte an einigen Plätzen kaum ein Barsch im Uferbereich gefangen werden.

Die Matchrute oder auch Bolorute wurden sehr sparsam eingesetzt. In der Teamtaktik überwog am Ende doch die Sicherheit ohne "Risiko" auf die Kleinfische zu setzen und keine Zeit mit der Matchrute zu vergeuden. Zudem war erkennbar, dass auf der Kopfrute sehr präzise und teilweise auch sehr leicht mit sehr sensibel ausgebleiten Posen geangelt werden musste, um die zaghaften Bisse umzusetzen. Mit Matchrutenmontagen war diese Genauigkeit kaum möglich und die wenigen Bonusfische am gegenüberliegenden Ufer verteilten sich natürlich auch mit der Befütterung aller Plätze.

Von Anfang an machten die "Stralsunder" klar, dass ihr Team am besten mit der Materie vor Ort vertraut ist, es war schon eine Augenweide Ralf Herdlitschke zuzusehen wie er innerhalb kürzester Zeit z.B. seinen Polecup fast ohne abzusetzen belud und zielgerichtet einsetzte.

Futtertechnisch wurde überwiegend sehr dunkles Futter mit einem hohen Lehmanteil genutzt, ergänzt durch tote oder lebende Futtermücken, einige Pinkies und Caster. Als Köder kamen meist große Mückenlarven oder Pinkies zum Einsatz.
Große Überraschungen blieben nach dem 1. Tag (leider) aus, alle Teams hatten so ziemlich die gleiche Taktik. Vorne im Sektor platzierten sich die Angler, die ihr Gerät am besten abgestimmt hatten. 0,6 Latexgummi und 22 Haken waren schon Pflicht, große Haken oder zu feste Gummizüge wurden mit zu vielen Fehlbissen und Aussteigern bestraft.

Nach dem Wiegen konnten sich Ralf Herdlitschke, Henric Plass, Marco Beck, Eric Jung und Lutz Schenke jeweils unter die ersten 4 ihre Sektoren platzieren und damit mit einer Platzziffer von 14,5 sicher den Grundstein für den nächsten Tag legen. Auf Platz 2 folgte das Saarland mit Platzziffer 30 vor den Berlinern mit 32 Punkten.


 
  
 


Am Rande sei hier erwähnt, dass hier sehr genaue mechanische Waagen zum Einsatz kamen (Salter) und die Ergebnisse auf 5 Gramm genau anzeigten.

Jetzt konnte eigentlich nur noch ein kollektiver Rutenbruch oder eine Lebensmittelvergiftung das Team vom CdA Stralsund am Sonntag gefährden.

Erwähnt werden sollt hier noch am Rande, dass erstmalig zu einem Vereinstreff ein neues Lossystem zum Zuge kam. Auf WM oder EM längst etabliert, wird nur noch durch das einmalige Ziehen des Sektors dem Angler der Platz zugeordnet, eine erhebliche Zeiteinsparung vor dem Fischen und somit mehr Ruhe für die Aktiven. Hoffen wir, dass diese Neuerung auch in Zukunft für ähnliche Veranstaltungen übernommen wird.

Am Sonntag dann besseres Wetter, aber die gleichen Fische!! Es ist schon erstaunlich mit welcher Wucht manch 4 cm langer Minifisch die Pose wegtauchen lassen konnte und dem Angler am anderen Ende einen hungriege Großbrasse vorgaukelte. In den ersten 1 ½ h sah man zwar die Betreuer des Küstenteams hektisch am Ufer agieren, doch der Verein toppte sein Vortagsergebnis und legte mit einer satten 9,5 ein einstelliges Ergebnis hin, das am Ende mit der Gesamtplatzziffer von 24 sicher etwas zu deutlich den Abstand zwischen Platz 2 (62 !!) manifestierte.

Das saarländische Team konnte leider seinen 2. Platz nicht halten und machte so den Vereinstreff zu einem 2. Treffen der neuen Länder, da sich nach Mecklenburg Vorpommern und Berlin (PZ 62) der Verein aus Brandenburg den 3 Platz (PZ 66) sichern konnte. Sicherlich auch ein klares Indiz für den Heimvorteil dieser Mannschaften. Den undankbaren 4. Platz erreichte die Mannschaft aus Hessen, die damit allerdings einen Achtungserfolg erzielte und mit Reinhold Dörr auch den besten Einzelangler stellte.

Was war dass Geheimnisse des überragenden Erfolges der Jungs vom CDA Stralsund?

Sicher die sehr gute Streckenkenntnis und die Möglichkeit sich schon lange auf dieses Event direkt vor Ort vorbereiten zu können. Wichtig war aber die hohe Konzentration und Genauigkeit mit der vor Ort agiert wurde, der dosierte Einsatz des Futters, das perfekt abgestimmte Gerät und letztendlich die ordentliche Portion Abgebrühtheit zeigten ihren Erfolg.


  
  Platz 2 und 3 des Anglertreffs 2006 - Links Berlin und Rechts Brandenburg

Wünschen wir dem Team im nächsten Jahr viel Erfolg zur Weltmeisterschaft in Bosnien und hoffentlich künftig etwas knappere Zieleinläufe als im diesen Jahr!

Um den Erfolg komplett zu machen, sicherte sich übrigens auch das Damenteam des CdA Stralsund den 1. Platz unter den 6 angetretenen Damenteams. Sie angelten etwas abseits im Bereich der Schleuse Schönewalde und brachten durch 2 Tagessiege den Titel souverän nach Hause. Platz 2 ging an das sehr junge Team von Brandenburg II, hier wächst Konkurrenz nach, endlich wieder mal einige neue Gesichter bei den Damen, hoffen wir auf spannende Angeln in der Zukunft. Platz 3 belegten die Damen aus Sachsen- Anhalt.


  
 Die Gewinner des Anglertreffs 2006 - CDA Stralsund / Mecklenburg Vorpommern

Bedankt werden sollte sich hier noch einmal bei den Organisatoren des Treffens und den Firmen Grebenstein, Colmic, Sensas und Mosella für die Bereitstellung von Ehrengaben für die Leistungen am Wasser.

In einem weiteren Artikel in den nächsten Tagen, werden wir noch einmal genauer auf das Team des CdA Stralsund eingehen und hinterfragen, wie es zu diesem deutlichen Erfolg kommen konnte.

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