Anglertreff Niedersachsen für Vereine 2007

  • von Frank Mahler
  • 26. Juli 2007 um 15:26
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Zum diesjährigen Niedersächsischen Anglertreff für Mannschaften trafen sich am 16. und 17. Juni 10 Vereine am Teltowkanal in Berlin an der Strecke am Stichkanal. Beim Teltowkanal handelt es sich um eine öffentliche Schifffahrtsstrasse mit einer durchschnittlichen Tiefe von ca. 400 cm und einer Breite die auf der beangelten Strecke zwischen 45m und 55m schwankt. Das Profil des Kanals ist relativ gleichmäßig und weißt zwischen der Kante auf 9m und der maximalen Tiefe in der Mitte der Strecke nur einen Unterschied von ca. 15cm auf, markante Strukturen können aber vorhanden sein und sollten durch sorgfältiges Loten gefunden werden. Der Schiffsverkehr ist innerhalb der Woche als mäßig bis stark zu bezeichnen und setzt sich aus Binnenschiffen zusammen, die das Wasser des Kanals bis zum Grund komplett aufwühlen. Am Wochenende ist der Güterverkehr bei weitem nicht so stark, dafür ist die Frequenz der Freizeitboote bei schönem Wetter aber beachtlich.


Der Teltow Kanal

Der Teltowkanal gilt als ein sehr schwieriges aber faires Gewässer. Neben den traditionell bevorteilten Außenplätzen ist die Strecke sehr gleichmäßig. Im Vorfeld wurde viel über die Reaktion des Kanals auf Niederschläge gesprochen, denn Niederschläge waren vorausgesagt. Der Tenor der einheimischen Angler war, dass nach starken Regengüssen der Kanal sehr schwierig zu beangeln sein würde und mit Nullfängern zu rechnen sei. Viele Teams fanden sich bereits innerhalb der Woche auf der Strecke ein, um die örtlichen Gegebenheiten kennen zu lernen. Die Fliessgeschwindigkeit des Kanals lag während der ganzen Woche bei circa 1,5-2 Gramm und wurde lediglich durch Schleusungen beeinflusst.


Anfangsfütterung

Während im Vorfeld es Angelns von sehr guten Brassenfängen ausgegangen wurde, gestalteten sich die ersten Tage des Trainings als sehr schwierig. Es gab einzelne Regionen, in denen gut (bis zu 15 Kilo) gefangen wurde, in vielen Regionen war es jedoch sehr schwierig Brassen zu fangen, so dass sich die Mienen vieler Angler mit Skepsis füllten. Im Training wurde das gesamte Spektrum der Matchangelei getestet. Neben den obligatorischen Kopfruten sah man die Matchrute, die Bolo und auch die kurzen Speedruten im Einsatz. Die Speedrute erwies sich jedoch relativ schnell als letzte Notfallvariante, denn die Hauptbeute auf der kurzen Bahn waren Barsche, die nicht gewertet wurden und die wenigen Rotaugen waren oft zu klein. Auf die Kopfrutenbahn wurde dann das Hauptaugenmerk gelegt. Hier wurde mit Posengewichten von 0,6 Gramm bis zu 6 Gramm gefischt. Da die Fische im Training oft sehr vorsichtig bissen, schien die erfolgreichste Methode das bündige Fischen mit 1,5-3 Gramm zu sein. Als Köder kamen vor allem Vers de Vase zum Einsatz, denn mit den großen Mückenlarven konnte man die gesamte Palette der vorkommenden Fischarten (Brassen, Rotaugen, Güstern) fangen. Ein Ködermix aus Pinki/Caster und Maden brachte vor allem Rotaugen, die Brassen schienen diesen Köder nicht zu akzeptieren. Einige Angler konnten auch mit Würmern als Köder und im Futter gute Ergebnisse im Training erzielen. So konnte Oliver Knak vom Mosella Team Niedersachsen in einem Trainingsdurchgang zwischen 15 und 20 Kilogramm Brassen auf Wurm fangen.


Mit den Brassen wurden auch die Gummizüge länger

Die Rollenruten wurden im Training eher stiefmütterlich behandelt. Da teilweise der Wind sehr  böig von der Seite einfiel, vertrauten fast alle Angler auf ihr Können an der Kopfrute. Fischte man die Matchrute sauber auf circa ¾ des Kanals, dann konnte man dort Brassen und Rotaugen fangen, ließ der Wind etwas nach, dann war die Bolo Rute aufgrund der doch hohen Fliessgeschwindigkeit die bessere Wahl, da man mit der Bolo den Köder langsamer über den Futterplatz schleifen lassen konnte. Hauptsächlich sah man schwere Slider Montagen zwischen 14 und 25 Gramm auf der Matchrute mit bis zu 7 Gramm Blei auf der Schnur, die Bolo wurde meistens zwischen 12 und 15 Gramm gefischt. Als Köder war der Wurm auf den Rollenruten Trumpf, aber auch ein Ködermix aus Made und Caster brachte Erfolg. Das Fazit der Trainingsdurchgänge war geteilt. Während einige Angler auf  das feine Angeln mit leichtem Geschirr und exakter Köderpräsentation setzten, um so jeden Fisch einzusammeln, setzen andere Angler auf den Wurm als Köder und viel Lebendfutter- und Futtereinsatz, um die Brassen auf den Platz zu locken und dort auch zu halten. Die Bolo/Matchrute würde jeder aufbauen und bei Bedarf einsetzen. Eine große Unbekannte war allerdings das Wetter. Nach den teileweise hochsommerlichen Temperaturen in der Trainingswoche zog sich der Himmel am Freitagabend zu und der Wetterbericht gab eine Unwetterwarnung für den Großraum Berlin heraus...


Dirk Glinka mit einem der typischen Brassen

Samstag, 16. Juni

Morgens um 10:00h trafen sich die Mannschaften (hier ein herzliches Willkommen an das erstmalig teilnehmende MiloTeam Niedersachsen) an der Strecke am Stichkanal. Über Nacht hatte es ein heftiges Gewitter über Berlin gegeben und auch morgens zum vereinbarten Treffpunkt regnete es noch. Regen, das war der worst case Fall für den Kanal, so dass viele Teams nicht wussten wie man diesen Durchgang angehen sollte. Fest stand nur, dass fast alle Teams eine eher defensive Taktik fahren würden. Übermäßig fettes Futter und viele Lebendköder würden nach den Prognosen bei diesen Umständen tödlich sein und waren tabu.
Nach einer Begrüßung durch Frank Mahler bezogen die einzelnen Teilnehmer ihre Plätze und bauten das im Training erfolgreiche Material auf. Bei den Kopfrutenmontagen bauten allerdings viele Angler noch zusätzliche eine leichte Montage auf, um jeden kleinen Fisch einzusammeln. Die Anfangsfütterung bestand bei fast allen Mannschaften aus 6-10 apfelsinengroßen Futterbällen mit Futter und Caster, einige vertrauten dazu lieber dem Polecup und brachten so die Anfangsfütterung punktgenau hinaus. Der Einsatz kleiner Mücken wurde von vielen sehr skeptisch gesehen, da Kaulbarsche in den Trainingsdurchgängen ein großes Problem darstellten und teilweise nicht mehr vom Platz zu vertreiben waren.. Auf die Matchruten/Bolo Bahn schossen die Angler zwischen 8 und 20 mit Maden, Castern, Würmern und Mückenlarven durchsetzten Bällen. Diese Spur sollte den etwaigen Bonusfisch bringen.


"Brassenwilli" Willi Wittger fing seine Brassen

Fast alle Angler begannen mit der Kopfrute und leichten Montagen um die Standfische zu fangen. Man war sich sicher, dass die erste halbe Stunde über den Ausgang des Fischens entscheiden würde. Schnell wurden auf der ganzen Strecke die ersten Fische gefangen. Wer sauber fischte konnte in ersten Minuten regelmäßig kleine Rotaugen und Güstern fangen, nach weiteren Minuten hörte man dann auch die ersten schweren Fische an der Oberfläche schlagen, die Brassen bissen also doch. Diese Situation hielt dann die ersten zwei Stunden an, die Fische bissen entgegen den Prognosen und wer sauber angelte, konnte neben Rotaugen und Güstern auch den einen oder anderen Brassen fangen. Auf einigen Plätzen bissen die Brassen nun immer besser und in der letzten Stunde konnte einige Teilnehmer regelmäßig Brassen fangen, so dass es am Ende noch recht ordentliche Gewichte gab. Aufgrund der gut beißenden Fische wurde im Feld fasst nur noch mit der Kopfrute gefischt, die Matchrute blieb meist unbenutzt. Einzig Oliver Knaak konnte den Mittelsektor C durch den Einsatz der Matchrute souverän für sich entscheiden. Oliver hatte in ca. 30m Entfernung eine Kante gefunden und fischte diese mit der Matchrute sauber ab.


Oliver Knak

Nach drei Stunden Angelzeit ging dieser erfreulich positive Durchgang zu Ende und die gefangenen Fische wurden notiert. Der AC Okertal kam mit den Bedingungen am besten klar und führte das Feld mit der Platzziffer 13 knapp vor dem Sensas Team Cornau mit der Platzziffer 15 an. Es folgte das Team dess SFV Cornau mit der Platzziffer 18.


Sonntag, 17. Juni

Nach dem überraschend guten Durchgang am Samstag war die Verwirrung komplett. Viele Teams rätselten nach dem richtigen Konzept für den Sonntag. Würden die Brassen wieder beißen oder würden die Fänge schlechter werden? Viele Teams waren der Meinung, dass die Brassen verstärkt auflaufen würden und gingen von einem Durchgang mit guten Fanggewichten aus. Resultierend aus diesen Prognosen sah man in der Anfangfütterung dann massive Futterorgien von bis zu 25 Bällen auf die Kopfrutenspur. Die Matchrute wurde teilweise gar nicht befüttert. Das Fischen begannen dann viele Angler in Erwartung auf Brassen mit den schweren Brassenmontagen des Vortages.


Am Samstag hatte Dirk Didenken noch reichlich Brassen

Doch es tat sich nichts.... Über die Strecke konnte man sehen, dass alle Kopfruten still gen Wasseroberfläche zeigten. Schnell stellten einige Angler auf die leichten Rotaugenmontagen um und begannen Fische einzusammeln. Nachdem der Standfisch gefangen wurde, reduzierte sich die Fangfrequenz auf der Strecke weiter rapide. Schnell war klar, dass die Brassen heute nicht so massiv auflaufen würden. Wer jetzt seinen Futterplatz bei der Anfangsfütterung überladen hatte, der stand vor einem Problem. Wenig Fisch und viel Futter ist eine unglückliche Konstellation die sich nun für diese Angler aber nicht mehr ändern lies und ein größeres Schiff, dass den Futterplatz säuberte war auch nicht in Sicht. In der Mitte der Strecke wurden so gut wie keine Fische mehr gefangen. Ab und zu ein Rotauge oder eine kleine Güster stellten die Beute der Angler da, Alande die auch gefangen wurden mussten zurück gesetzt werden und waren nicht in der Wertung.


Ein schöner Aland bei Thorsten Pohl

 In den Endsektoren sah es etwas besser aus. Hier wurden Fische gefangen, doch je weiter man in die Mitte kam, desto schlechter wurde es. Schnell war klar, dass man in den Aussenktoren gegen die Außenplätze keine Chance hatte und in diesen Sektoren das Platzglück entscheidend war. Zum Ende des Fisches, nach circa 2.15h wurden dann langsam mehr Brassen auf der Strecke gefangen. Es galt diese jedoch sehr sauber zu befischen und den Köder genau auf den Futterplatz einzusetzen. Eine richtige Montage oder ein richtiges Posengewicht gab es dabei nicht, es galt die Montage zu finden mit der man seinen Platz am effizientesten befischen konnte. Für den einen war es die 0,8 Gramm Montage, für wieder andere eine 4 Gramm Montage. Auch schien die Rutenlänge keine große Rolle zu spielen. So gewann Jörg Schwerdtfeger vom Hunte Team seinen Sektor mit der 11,5m Rute gegen den neben ihm sitzenden Andreas Pleuß vom AC Okertal, einem der stärksten Angler in Niedersachsen. Carsten Röschl konnte in seinem Sektor mit der 11,5m Rute die Platzziffer 2 fischen.


Carsten Röschl

Die Fanggewicht des 2 Durchganges am Ende jedoch weit hinter den Ergebnissen des 1 Durchganges zurück. Jede Mannschaft hatte mindestens einen Ausreißer, so dass das Endklassement eine spannende Sache zu werden versprach.


AC Okertal

Am Ende befischte der AC Okertal die Strecke am erfolgreichsten und konnte sich als bestes Team küren lassen. Den zweiten Platz belegte der SFV Cornau der sich am zweiten Tag noch an dem Team Sensas Cornau vorbeiangeln konnte.


Sensas Cornau, AC Okertal, SFV Cornau


Mannschaftsergebnis

Einzelergebnis


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