Anglertreff der Bundesländer 2008

  • von ct Redaktion
  • 03. Oktober 2008 um 22:30
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Im Jahr 2008 fand der Anglertreff der Bundesländer im Sachsen-Anhaltinischen Bülstringen am dortigen Mittelandkanal statt. Dieses war dieselbe Strecke, die schon Austragungsort des Anglertreffs der Bundesländer 2008 war. Wie auch 2006 sollte es sich um ein Fischen handeln, welches eines gewissen Quentchen Glücks bedarf um die beiden Durchgänge erfolgreich zu bestehen.


Der Mittellandkanal in Bülstringen

Der Mittellandkanal in Bülstringen ist circa 45m breit. Auf der 13m Bahn weist der Kanal eine Tiefe von circa 460cm auf, die 8m Bahn ist circa 350cm tief. Im „normalen“ Zustand ist die Strömung als sehr moderat zu bezeichnen. Da die Frequenz der durchfahrenden Schiffe aber sehr hoch ist, kommt es teilweise zu sehr heftigen Wasserbewegungen mit starken Wasserstandsschwankungen. Der Fischbestand im Mittellandkanal ist sehr gering. Der Hauptfisch ist der Fluss- und Kaulbarsch. Während der Flussbarsch durchaus Gewichte bis zu 200 Gramm erreichen kann, bleiben die Kaulbarsche kleinwüchsig und erreichen lediglich Gewichte bis zu 10 Gramm. Im Kanal kommen zusätzlich zu den Barschen noch große Weißfischen vor. Die Brassen erreichen Gewichte von bis zu 2 Kilogramm, die Rotaugen wachsen bis zu Gewichten von knapp unter 1 Kilogramm. Zusätzlich zu diesen beiden Fischenarten kommen teilweise Ukeleis im Gewässer vor, diese erreichen Gewichte zwischen 10 Gramm und 25 Gramm.


Solche Alande brachten nicht nur Bernd Becker aus Berlin nach vorne

Die Trainingsergebnisse der einzelnen Teilnehmer ließen auf ein noch schlechteres Beißverhalten als im Jahr 2006 schließen. Konnten in 2006 noch regelmäßig große Weißfische gefangen werden, so war es in 2008 nur noch wenigen Anglern vergönnt, einen der kampfstarken Fischen zu haken. Ihn auch zu landen war kein einfaches Unterfangen. Wer diesen Punkt im Training erkannte, suchte nach Alternativen die Durchgänge erfolgreiche zu bestehen. Diese Alternative sollten die Barsche sein, denn sie waren auf fast jedem Platz zu fangen. Gab der Platz keine Barsche her, so würde es sehr schwer werden.

Wie sollte jetzt die vermeintliche ideale Taktik aussehen? Nun, zum Einen galt es variabel zu sein. Wer nur stupide die 13m Bahn befischte, würde eine große Portion Glück benötigen, denn er war meist auf die vereinzelnd beißenden Bonusfische angewiesen. Welche Spur galt es also neben der 13m Bahn zu befischen? Die Matchrute, die kurze und die „mittlere“ Bahn standen zur Auswahl. Auf der kurzen Bahn, im MLK sind das 3-5m, konnten meist kleine Barsche gefangen werden. Bei den Barschen handelte es sich um Fluss- als auch Kaulbarsche die meist jedoch sehr klein blieben und kaum Gewichte von mehr als 10 Gramm erreichten. Je weiter man die Steinschüttung herabfischte, also in Längen zwischen 6m und 8m , desto größer wurden die Chancen einen der Bonusfische zu erwischen und trotzdem noch die wichtigen kleinen Barsche mitzufangen. Es schien also richtig, diese Bahn neben der 13m Bahn zu befischen. Im Allgemeinen setzten sich hier 6 Rutenteile durch, was einer Länge zwischen 7m und 8m entspricht.


Europameister Günter Horler beim Befischen der 8m Spur

Die Matchrute war eine sehr interessante, wenn auch schwierige und unzuverlässige Alternative. Sollte man einen Fisch auf der Matchrutenspur fangen, so war es klar, dass dieser Fisch den Angler weit nach vorne bringen würde. Bedingt durch das hohe Schiffsaufkommen war diese Spur aber fast gar nicht zu berechnen, denn nach jedem Schiff war der angelegte Futterplatz für Minuten ruiniert. Durch diese schwierigen äusseren Bedingungen für die Matchrute ließen viele Angler die Option Matchrute in der Ecke „nur im Notfall“ verschwinden. Es würde also, wie zumeist, ein Fischen mit der Kopfrute werden. Hier jedoch hauptsächlich auf der mittleren Bahn mit einem hohen Maß an Flexibilität.


Roberto Mazzasette setzte auf die Matchrute

Welche Rolle spielte das Futter beim Anglertreff 2008? Auch wenn wenig Fisch auf der Strecke vorhanden war, so galt es einige wichtige Überlegungen zum Futter zu treffen. Zum einen waren da die Schiffe. Diese Schiffe verursachten eine sehr große Strömung und jeder Angler musste sich Gedanken machen wie sein Futterplatz nach einem vorbeifahrenden Schiff aussah? Bei einem festen Sanduntergrund würde sicherlich kein Futterkrümmel auf dem Futterplatz bleiben. Der Untergrund im MLK ist jedoch mit Steinen übersäht die das Fischen zwar sehr schwierig machen, aber dafür sorgen, dass ein Teil des Futters in den Steinen liegen bleibt. Man musste also von Zeit zu Zeit nachfüttern, nicht aber nach jedem Schiff. Außerdem war es wichtig zu beobachten, wie voll ein Schiff beladen war und wie viel Wasser es damit verdrängte. Unter diesen Umständen musste das Futter sehr schwer sein und trotzdem eine Aktivität aufweisen, um die Fische auf den Futterplatz zu locken. Um diesen Umstand zu erreichen wurden die verwendeten Futtersorten mit schwerer Flusserde vermischt. Hierbei konnte die Flusserde im Verhältnis deutlich mehr als das Futter sein. Die Barsche im Kanal reagierten meist gut auf eine Futterwolke. Aus diesem Grund wurde dem Futter auch etwas wolkenbildene Erde wie z. Bsp. Litou oder Terre de Somme beigegeben. Für die Barsche war es besser die Wolke dunkel zu halten, die größeren Fische sprachen dagegen auf eine helle Wolke an.

Bei der Wahl der Montage galt, wie so oft, „so fein wie möglich, so stark wie nötig“. Auf der 13m Bahn, wo die größeren Fische erwartet wurden, kamen Gummizüge zwischen 0,8mm und 1,0mm zum Einsatz. Die gewählten Posengewichte lagen zwischen 2 Gramm und 3 Gramm. Die Hauptschnüre besaßen die Stärken 0,10mm und 0,12mm, die Vorfächer passend dazu 0,09mm oder 0,10mm. Abgeschlossen wurden die Montagen mit Haken der Größe 18-20. Auf der 8m Bahn wurde dann eine Nummer feiner gefischt. Die Gummis waren meist 0,6mm stark, die Hauptschnüre waren 0,10mm, die Vorfächer zwischen 0,06mm und 0,08mm stark. Die Posen wurden aufgrund des geringen Windes meist kleiner als 1 Gramm gewählt.


Die Posen mussten nicht zu fein sein

Zum Anglertreff  2008 hatte jeder der DAV Landesverbände die Möglichkeit ein Damen-, Jugend und Herrenteam zu stellen. Zusätzlich zu den 16 Bundesländern wurden im Herrenbereich ein Team des Polizeiverbandes und eine Delegation des Champions-Team eingeladen. Somit traten insgesamt 18 Herrenteams, 4 Damenteams  und 8 Jugendteams an den Start. Zusätzlich nahmen 8 Einzelstarter im Jugendbereich und 5 Einzelstarterinnen im Damenbereich teil. Insgesamt 155 Angler und Anglerinnen, die an einer schwierigen, aber gleichmäßigen Strecke fischen konnten. An dieser Stelle ist es Zeit ein großes Lob an das Team des DAV Kreisverbandes Haldensleben auszusprechen. Das Team hat den Teilnehmern wirklich perfekte Bedingungen geboten. Nur durch solche fleißigen und selbstlosen Helfer ist es möglich, eine Veranstaltung wie den Anglertreff zu organisieren. Unser DANK dafür.

Das Fischen begann am Samstag, wie nach CIPS Regeln üblich, mit einer 5 minütigen Periode des Fütterns. In dieser Phase warfen die meisten Angler einige Bälle aus einem Futter-Erde Gemisch und bauten somit einen Futterteppich auf. Auf diesen Teppich setzten die meisten Teilnehmer dann einige Köder in Erde gebunden mit dem Pole Cup auf dem Futterplatz ab. Dann begann das Fischen und es passierte erstmal...... nichts! Man sah nur lediglich den ein oder anderen kleinen Kaulbarsch. Größere Fische waren in den ersten Minuten nicht auszumachen. Die wenigen großen Fische, die gefangen wurden, konnten übrigens oft mit der guten, alten Made überlistet werden. Für die Masse der Angler galt es jedoch die kleinen Fische einzusammeln, und die größeren Fische (Rotaugen und Barsche bis 150 Gramm) nebenbei zu erbeuten. Und genau bei dieser Art der Angelei war die 8m Spur eine wichtige Option, denn auf dieser Bahn konnte man die kleinen Barsche fangen und dazu noch den wichtigen Bonusfisch fangen. Den Biss eines Bonusfisches konnten einige Angler verzeichnen, verwerten konnten diesen Biss aber bei weitem nicht alle Angler. Und so konnten viele mit den Barschen nach dem ersten Durchgang einen respektablen Platz im Sektor belegen. Abschließend, nach dem erste Durchgang, konnte man sagen, dass die wenigen großen Brassen (bis zu 1600 Gramm) die Sektoren ausnahmslos entschieden hatten. Diese Angler hatten den großen Fisch gehakt und auch gefangen! Die Matchrute spielte übrigens auch eine Rolle und spülte das Team aus Hamburg in der Länderwertung nach dem ersten Durchgang weit nach vorne. Dieses Team hatte auf die Matchrute gesetzt, und die Rechnung war aufgegangen. Es führte nach Tag 1 das Team von den Stipperfreunden, allerdings nur mit hauchdünnem Vorsprung, vor den Teams aus Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und dem DAV Team.


Jan Willi Kupperschmidt lag nach Tag 1 gut im Rennen

Was würde nun der Tag 2 bringen? Würde sich das Beissverhalten durch das eingebrachte Futter verbessern, oder würde das Fangergebnis noch schlechter ausfallen? Viele Angler waren unsicher und setzten daher auf die gleiche Futtertaktik wie am ersten Tag. Als das Fischen dann begann, passierte noch weniger als am ersten Tag. Viele Angler waren nach 30 Minuten noch ohne Fisch, denn selbst die Barsche schienen nur noch vereinzelnd aktiv zu sein. Fische über 50 Gramm waren an diesem Tag die Bonusfische, die es zu fangen galt. Dazu mussten kleine Barsche eingesammelt werden, um mit diesen eine gesunde Basis aufzubauen falls die grossen Fische dem Angelplatz fernblieben.


Roland Wittwer aus Bremen beim Einsammeln der kleinen Fische

Während des Fischens verdeutlichte sich den Betreuern und Zuschauern immer mehr, dass an diesem Tag die Fanggewichte noch deutlich hinter den Ergebnissen des ersten Tages zurückbleiben würden. Für die Angler war dieser Fakt nicht einfach zu erkennen, da viele Angler von den Nachbarn isoliert zwischen Bäumen und Sträuchern saßen. Der Angler, der die Lage dabei falsch einschätzte, und die wenigen kleinen Fische nicht einsammelte, wurde unweigerlich nach hinten durchgereicht. Der Irrglaube einiger Angler, dass ein Gewicht von 200 Gramm niemals reichen würde um in den vorderen Plätzen zu landen, ließ diese Angler auf den großen Fisch setzen und zerstörte damit ein gutes Ergebnis. Die großen Fische waren an diesem Tag nicht auf der Strecke. Am Ende des zweiten Tages war der Schlusspfiff für viele Angler eine Erlösung, denn im letzten Drittel des Fischens blieben die Fänge auf der Strecke fast komplett aus.


Stephane Fortune mit einem 1,6 Kilogramm schweren Brassen

Nach den zwei Durchgängen gab es dann sicherlich die ein oder andere Überraschung in den Platzierungen, und doch waren wieder viele bekannte Namen aus der deutschen Stipperszene in den Top 20 zu finden. Sicherlich eine Frage, die man sich stellen sollte wenn man sagt, dass der Mittellandkanal ein reines „Glücksgewässer“ ist. Gewonnen hat das Fischen mit Thomas Liß ein Berliner Angler, den man sicherlich nicht auf den vorderen Plätzen erwartet hatte. Wer die beiden Durchgänge mit der Idealplatzziffer 2 abschließt, der hat sicherlich gut geangelt und den Sieg verdient.


Der Gesamtsieger Thomas Liß mit einem MLK Brassen

Platz 2 ging an Benjamin Hoffmann aus Niedersachsen. Benjamin hat sich an beiden Tagen gegen starke Konkurrenz in seinen Sektoren behaupten können und konnte am Tag 2 unter anderem den amtierenden Europameister Günter Horler in die Schranken weisen. Der 3. Platz ging dann nach Bayern. Bernhard Eiglmeier hatte sich nach zwei Durchgängen still und leise auf den 3. Platz vorgeangelt und konnte damit Günter Horler vom Podium verdrängen.


Benny Hoffmann - Thomas Liß - Bernhard Eiglmeier

Die prestigeträchtige Mannhschaftswertung der Herren konnte das Team der Stipperfreunde für sich entscheiden. Bereits am Tag 1 in Führung liegend, konnte das Team seinen Vorsprung verteidigen und sogar etwas ausbauen.

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Das Team der Stipperfreunde

Durch einen guten Tag 2 konnte sich das DAV Team auf den 2. Platz vorangeln,


Platz 2 ging an das  DAV Team

gefolgt vom Team Brandenburg, dass sich durch eine beeindruckende Leistung am zweiten Tag von Platz 15 auf Platz 3 vorangelte.


Durch ein tolle Aufholjagd auf Platz 3 - das Team Brandenburg

Galerie der Herren

Einzelergebnisse der Herren

Mannschaftsergebnisse der Herren

Die Damenkonkurrenz

Werfen wir nun einen Blick auf das Fischen der Frauen.  Bei den Damen reduzierte sich das Feld von 7 teilnehmenden Mannschaften in 2007 auf 4 Mannschaften in 2008. Ansonsten änderte sich aber nicht viel. Wie 2007 gewann das Team aus Brandenburg die Teamwertung. Platz 2 ging an das junge Team von Brandenburg 2 vor dem Team aus Sachsen-Anhalt.


Die erfolgreichen Damen aus Brandenburg

Auch in der Einzelwertung konnte die Siegerin von 2007 ihren Titel verteidigen. Diana Ellmer gelang dieses Kunststück der Titelverteidigung mit der Idealplatzziffer 2. Platz 2 ging hier an Regine Becker vor Uta Megow, Marjana Driemel aus Hessen und Lisa Marie Erdmann aus Brandenburg.


Marjana Driemel - Lisa Marie Erdmann - Diama Ellmer - Uta Megow - Regina Becker

Bei den Damen gestaltete sich das Fische genauso schwierig wie bei den Herren. Allerdings konnte Uta Megow am Tag 1 mit über 7,2 Kilogramm Fisch das mit Abstand höchste Gewicht der Angler an beiden Tagen erbeuten.


Konnte das absolute Höchstgewicht der Veranstaltung fangen - Uta Megow

In der Gesamtwertung erreichte Uta mit der Platzziffer 5 den 3. Platz. Zwischen Diana und Uta konnte sich Regina Becker aus Berlin schieben. Insgesamt ein schöner Erfolg für die beiden Starterinnen aus Berlin. Es bleibt zu hoffen, dass in 2009 wieder mehr Damenteams den Weg zum Anglertreff finden werden.

Galerie der Damen

Einzelergebnisse Damen

Mannschaftsergebnisse Damen

Im zweiten Teil zum Anglertreff der Länder 2008 wird Mathias Scholz auf das Fischen der Jugend eingehen. Dieser Teil wird in Kürze folgen.

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