IAM - Der Bericht vom Event Teil 3

  • von ct Redaktion
  • 23. November 2008 um 20:59
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In dem Gespräch mit Jean kamen wir sehr schnell auf das Thema Mücken im Futter. Jean ist der Meinung, daß die Mücke als natürliche und somit die bevorzugte Nahrung aller Friedfische, vor allem aber der Brassen ist. Aus diesem Grund hatten die Franzosen ihrem Futter einen großen Anteil Joker beigegeben. Die deutschen Champions-Team Angler und die Einheimischen hatten dies jedoch meist nicht gemacht. Jean war sich dieser Tatsache vor dem Fischen durchaus bewusst, sich aber gleichzeitig sicher, daß die Mücken die Brassen auf den Platz  ziehen würden. Während der 4 Stunden am ersten Tag des IAM ging die Rechnung von Jean jedoch nicht auf. Jean und auch das ganze französische Team fingen zwar viele Fische, doch waren diese einfach zu klein. Trotz allem war sich Jean nach dem Fischen relativ sicher, daß sich die Brassen am Ende auf seinem Platz eingefunden hatten und er in der 5. Stunde diese auch zu genüge gefangen hätte. Ein weiteres Problem für Jean war diese Art des Gewässers. Es gibt in Europa kaum noch Strecken, die über einen derartigen Fischreichtum verfügen und auf dieser ganz speziellen Art beangelt werden mussten. Auf die Frage, was er denn mit „ganz speziellen Art“ meinte, antworte er uns, daß das Fischen mit Castern, wie es am Silokanal üblich und notwendig ist, in Frankreich nicht bekannt ist. Ein Caster am Haken bringt in Frankreich keinen Fisch, war die glaubhafte Aussage von Jean. Am Silokanal dürfen es dagegen schon mal 3 bis 5 Caster am Haken sein. Damit sind wir beim nächsten Problem. Für die französischen Angler war es schwer zu begreifen, daß man derart viele Köder auf den Haken ziehen muß, um die großen Fische selektiv anzusprechen. Trotzdem nahm sich das Team vor, dieses am 2. Tag zu testen.


Peter Kasparek aus Österreich mit einer Brasse

Das Gespräch mit Jan van Schendel verlief ähnlich, nur der Mückenpart lag beim niederländischen Team etwas anders. Auf die Frage, ob er etwas enttäuscht über das abschneiden war, antwortet Jan, daß er natürlich etwas enttäuscht war, aber nicht gänzlich. Die Erklärung lieferte er dann in den folgenden Minuten ab. Das niederländische Team war mit einigen sehr jungen Anglern angereist. Diese Angler stehen zumeist noch am Anfang des Prozesses, um ihre anglerischen Fähigkeiten weiter auszubilden. Gerade der Silokanal ist ein Gewässer, welches für die jungen Niederländer ein ideales Ausbildungsgewässer darstellt und Jans Jungs die Möglichkeit gibt, diese Art der Angelei zu erlernen.


Karl-Heinz Tabaka vom Team Shimano kennt den Silokanal wie seine Westentasche

Und diesen Lernprozeß hatten sie am ersten Tag durchlaufen. Natürlich hätte Jan sich über ein besseres Abschneiden gefreut, doch er wußte die Qualität des Starterfeldes an diesem Gewässer einzuschätzen und hatte Verständnis für das Abschneiden seines Teams, gerade auch weil es in den Niederlanden kein vergleichbares Gewässer wie den Silokanal gibt. Es ist schwierig für einen Angler der typischerweise in 3 Stunden nur wenige Fische fängt, sich auf ein Gewässer umzustellen, in dem man bei jedem Einsatz einen Biss bekommt.+


Björn Bauersfeld mit einem guten Rotauge auf der long-long

Am Sonntagmorgen trafen sich dann die Teilnehmer des IAM zum 2. Durchgang. Das Wetter war, wie von der Vorhersage gemeldet, sehr diesig und es lag ein Nebelfilm über dem Silokanal. Zusammen mit den immer noch niedrigen Temperaturen ein eher ungemütlicher Tag zum Angeln. Aber den meisten Anglern schien dies jedoch egal und sie marschierten mit einem Lächeln auf ihre Plätze. Interessant würden die Taktiken der Teams für Tag 2 werden, welche Lehren zog man nach dem 1. Tag und wie wollte man das eigene Abschneiden verbessern? Im Sektor Grebenstein waren am ersten Tag noch die Brassen auf der Kopfrute eingelaufen, und das mitten im Sektor. Würde dies am zweiten Tag wieder so sein, oder würde das Fischen mit der Bolo Trumpf sein? Sicherlich waren mit dem starken Italiener Andrea Boni auf einem verheißungsvollen Platz A2, Nico Matschulat vom Team Mosella, Harald Windel, Thomas Pruchnowski vom Champions-Team und Eddy van der Hoogen die richtigen Angler im Sektor, um dies herauszufinden. Hier begann das Fischen dann auch mit der obligatorischen, kräftigen Startfütterung. Fast alle Angler begannen das Fischen auf der Kopfrute, um zu schauen ob die Brassen über Nacht in den Sektor gezogen waren und sich am Futter des Vortages zu laben. Schnell war klar, daß dies nicht der Fall war. Nun galt es flexibel zu sein und die richtige Taktik zu entwickeln. Bei den meisten Anglern im Sektor Grebenstein sah die Taktik so aus, daß man nach spätestens einer Stunde auf die Bolorute wechselte, um dort die großen Fische zu beangeln. Lediglich Andrea Boni und Jerome Riffaut blieben auf der Kopfrute und zur Mitte des Fischens sah es so aus, daß diese Entscheidung falsch war. Dann liefen aber die größeren Fische auf der Kopfrute ein und Andrea Boni holte mit jedem Fisch an Gewicht auf. Neben Andrea Boni zeigte aber auch wieder eine deutsche Anglerin wozu sie fähig sind. Gisela Wenzel vom Team Colmic fischte ganz souverän und wies den italienischen Spitzenangler Andrea Boni in seine Grenzen. Sicherlich hatte an diesem Tag bei Gisela einfach alles gepasst, aber nichts desto trotz möchten wir auch Gisela unseren Respekt und unsere Anerkennung aussprechen. Am anderen Ende des Sektors kreuzten Harald Windel, Thomas Pruchnowski und Nico Matschulat die Klingen. Nico setzte nach einer Stunde auf die Bolorute und konnte auf der Bolobahn (Nico fischte eine der weitesten Bolospuren der Teilnehmer auf 40-45m) wie am 1. Tag sofort wieder die größten Fische im Bereich seines Sektors fangen. Jeden 3. Trieb schoss Nico einen Futterball auf seine Bolospur und stellte sich die großen Rotaugen auf seinen Futterplatz. Thomas und Harald befischten flexibel die Bolo- und Kopfrutenspur und sammelten ihre Fische ein. Thomas begann dazu regelmäßig große Mücken auf die Kopfrutenspur zu cuppen und wurde gegen Ende des Durchgangs mit 2 Brassen auf der Kopfrute belohnt. Mosella Angler Nico Matschulat hingegen befischte ausnahmslos die Bolo und konnte vermutlich durch diese Konstanz Gisela Wenzel um 32 Gramm in die Schranken verweisen. Platz 3 mit nur 98 Gramm Rückstand ging an Frank Weise vom Team Sachsen Anhalt. Der in der letzten Stunde furiose fischende Andrea Boni belegte schlussendlich den 5. Platz.


Peter Fritzsche vom Team Maver Germany

Im Sektor Angelshop Deutschland saß Champions-Team Angler Marco Beck auf dem Platz B30 nur 3 Plätze von seinem Platz des Vortages entfernt. Marco setzte voll auf die Bolorute, baute keine Kopfrute auf und legte 2 Boloruten hinter sich in die Packlage. Dieser eher spartanische Aufbau hatte nichts mit Demotivation zu tun, sondern mit Marcos Gewissheit daß jede Minute mit der Kopfrute eine verlorene Minute war und so fischte Marco 180 Minuten lang die Bolo. Und das tat Marco HERVORRAGEND! In etwa 30m Entfernung fütterte Marco seinen Platz an und befischte diesen zu beginn mit leicht aufliegenden Vorfach. Nach einigen Minuten stellte Marco seine Montage immer flacher und fischte dann bündig und zum Schluss über dem Grund. Alle 5 Minuten warf Marco einen mit Caster gespickten Futterball mit der rechten Hand, um mit der linken Hand anzuschlagen und ein weiteres Rotauge zu keschern. Als einer der wenigen Teilnehmer, fütterte Marco mit der Schleuder lose Pellets auf die Bolospur. Auf die Frage nach dem Sinn, antwortete Marco mit dem Fakt, daß die Pellets auch nach einem vorbeifahrenden Schiff auf dem Futterplatz liegen bleiben würde und er so immer Köder auf seinem Angelplatz hat. Sicherlich etwas ungewöhnlich aber eventuell ein Modell für die Zukunft. Marco dominierte den Sektor während des gesamten Fischens. Lediglich Harald Seifert vom Team Illex konnte, wie Marco die 10.000 Gramm Grenze durchbrechen, erreichte das Ergebnis von Marco jedoch um knapp 2 Kilogramm nicht.


Gute Angler haben meist gut Lachen

Im Browning Sektor herrschte das gleiche Bild wie am 1. Tag. Auf den kleinen Platznummern im Sektor bemühten sich unter anderem Champions-Team Angler Ralf Herdlitschke um jedes Rotauge, während auf den hohen Nummern der Fisch wieder massiv einlief und den Anglern auf den kleinen Platzziffern kaum eine Chance ließ. Auf den hohen Plätzen entwickelte sich ein spannendes Duell zwischen dem jungen Niederländer Luc die Verd und Ramon Willig vom Team Brandenburg. Mit im Bunde war dann noch der Italiener Marco Coraza, der zusammen mit Ramon den jungen Niederländer in die Mitte nahm. Während Ramon und Luc kaum Fische im Drill verloren, hatte Marco mit sehr viel verlorenen Brassen zu kämpfen. Es gab Passagen da verlor Marco 3 Fische und fing eine Brasse. Doch Marco schien dies nicht zu stören und er genoss das Angeln in vollen Zügen. Woher wir das wissen? Nun ja, Marco saß auf seiner Sitzkiepe und rief ständig „Fantastico Rivere“ und „Fantastico Breama“ und verabschiedete dabei seinen nächsten Brassen im Drill.


Marco Corazza mit einem "fantastico Breama"

Trotz der unglaublich vielen verlorenen Fische konnte Marco am Ende des Fischens mit über 16.000 Gramm noch einen 9. Platz erfischen. Bei Luc und Ramon sah es etwas besser aus und es gab ein langes Kopf an Kopf Rennen zwischen den Beiden. Am Ende setzte sich dann doch die bessere Gewässerkenntnis von Ramon durch und er konnte mit über 29.000 Gramm Luc um über 5.000 Gramm in den Schranken verweisen. Hinter diesen beiden stark fischenden Anglern tat sich eine kleine Lücke zum Platz 3 auf. Dieser konnte mit über 19.000 Gramm vom Polen Kacper Ziolkowski erfischt werden.


Ramon und Luc nach dem 2. Durchgang

Im Sektor Sensas war es am 2. Tag wesentlich ausgeglichner als am 1. Tag der Veranstaltung. Auf Platz D1 hatte der sympathische Däne Peter Braasch die schwere Bürde des Endplatzes zu tragen.  Peter tat sich schwer mit dieser Bürde und fischte sich in das hintere Drittel des Sektors. Wie schon eingangs beschrieben, war der Sensas Sektor an diesem zweiten Tag wesentlich ausgeglichener und so durfte man gespannt auf das Duell von zwei Topanglern dieser Veranstaltung sein. Günter Horler saß auf Platz D16 und der italienische Topangler Ferrucio Gabba auf D13. Dies war sicherlich eines der Duelle am Tag 2 des IAM. Im Sektor Sensas wurde fast ausschließlich mit der Kopfrute gefischt. Nur vereinzelnd sah man die Bolo und long-long Ruten im Einsatz. Beide Angler fütterten äußerst präzise und stellen sich die reichlich vorhandenen Brassen massiv auf den kleinen Futterplatz. Dies hatte zur Folge, daß die Pause zwischen den Bissen bei beiden sehr klein war. Ferrucio Gabba hatte aber wie eigentlich alle Angler im Sektor mit vielen verlorenen Fischen zu kämpfen, konnte aber trotzdem ein ansprechendes Gewicht erreichen, da er extrem kurze Intervalle zwischen den einzelnen Bissen hatte. Günter Horler demonstrierte in diesem Durchgang einmal mehr seine unglaubliche Form des Jahres 2008 und konnte diesen Sektor mit 6.000 Gramm Vorsprung für sich entscheiden. Man könnte jetzt denken, daß Günter den Silokanal wie seine Westentasche kennt, dem ist aber nicht so. Die beiden Durchgänge des IAM waren ungefähr Günters Durchgänge 6 und 7 am Silokanal!


Jan Malecki vom Team Shimano - für dieses Rotauge könnte man auch Lächeln!

Im Sektor IAM gab es dann eine Schulung im „old school“ Brassenangeln. Das Berliner Urgestein Uli Lehmann zeigte seinen Mitstreitern, daß man auch ohne Hightech-Sitze und Lutscherpose dem Silokanal die Brassen entlocken kann. Uli fischte mit der guten alten Tropfenpose einen sauberen Stil und konnte so einen ganz souveränen Sektorensieg erfischen, und dies aus der Mitte des Sektors heraus! Beleuchten wir dabei den Sektor ohne Uli dabei zu berücksichtigen, dann bleiben unglaublich viele verlorene Fische. Die Quote der verlorenen Fische lag teilweise bei 60% und höher. Trotzdem mußte man über 20.000 Gramm fangen um einen Platz in den niedrigen 20er Platzziffern zu ergattern. Jean Desque hatte das Pech einen der 4 schlechten Plätze im Sektor zu erwischen, und hatte keine Chance sich auf einem der Plätze mit extrem unsauberem Untergrund zu wehren. Trotz der knapp 15.500 Gramm reichte es nur zu einem 28. Platz im 31 Sektor. Jedoch konnte man erkennen, über welch außergewöhnliche Technik Jean Desque verfügt. Platz 2 ging an den Ungarn Attlia Erdei mit 27.880 Gramm. Platz 3 ging dann an einen anderen alten Herrn der deutschen Matchangelei, Jürgen Opladen vom Team Angelshop Deutschland. Er zeigte einmal mehr seine Klasse und konnte mit 27.250 Gramm einen Platz auf dem Sektorenpodium erangeln.


Jürgen Opladen - frei nach Hemmingway "der alte Mann und die Brassen" - einfach zeitlos gut

Auch im IAM Sektor konnte eine der deutschen Damen ein Ausrufezeichen setzen. Steffi Bloch konnte mit 24.370 Gramm einen starken 7. Platz erangeln. Uli Lehmann beendete den Durchgang stellvertretend für den IAM mit den Worten „Danke meine Herren, im nächsten Jahr mehr dazu!“

Im 2. Durchgang kristallisierte sich kein klares Bild heraus. Für den Gesamtsieg der Mannschaften kamen nach dem ersten Tag nur noch die Mannschaften Champions-Team und Brandenburg in Frage. Beide Mannschaften würden jedoch an diesem Tag zwei schlechte Sektorenergebnisse in die Waagschale werfen. Wer letztendlich die Oberhand behalten würde war bis zur Proklamation nicht klar. Klar war aber, daß das Team aus Ungarn den 2. Tag dominierte und mit der Platzziffer 25 deutlich für sich entscheiden konnte. Ein katastrophaler 1. Durchgang verhinderte jedoch ein gutes Abschneiden in der Gesamtwertung. Diese konnte das Champions-Team 1 für sich entscheiden.


Die Sieger - Team Champions-Team I

Bedingt durch einen guten Durchschnitt in den Teamwertungen und einem Günter Horler, der aus seinen Plätzen zumeist das Maximum herausholte, sowie einem Ralf Herdlitschke, der auf dem Platz C1 Schadensbegrenzung betreiben konnte, reichte es zu einem Heimsieg für das Champions-Team 1. Platz 2 ging an die starken Lokalmatadoren aus Brandenburg, die stark fischenden Ramon Willig und Uli Lehmann.


Der starke Landesverband Brandenburg landete auf Platz 2

Platz 3 konnte sich das beste Werksteam vom Team Mosella sichern.


Platz 3 ging an das Werksteam von Mosella

In der Einzelwertung musste die Idealplatzziffer 2 herhalten. Diese konnte Nico Matschulat mit zwei starken Vorstellungen an der Bolorute erfischen. Nico gilt als Kenner des Silokanals und konnte dies eindrucksvoll unter Beweis stellen. Platz 2 ging an Ramon Willig aus Brandenburg. Ramon konnte in beiden Durchgängen über 53.000 Gramm Fisch fangen, dies reichte für die Gesamtplatzziffer 3. Die Gesamtplatzziffer 3 erreichte auch Uli Lehmann, jedoch mit dem geringern Gesamtgewicht von knapp über 40.000 Gramm.


Die drei Besten der Einzelwertung- Willig- Matschulat- Lehmann

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Ergebnisliste Mannschaften

Ergebnisliste Einzel

Der IAM wird im Jahr 2009 eine Fortsetzung erfahren. Bei den Teilnehmern und Organisatoren überwiegten deutlich die positiven Aspekte der Veranstaltung. An dieser Stelle möchten wir uns bei den Unterstützern des 1.IAM bedanken, Browning, Sensas, Grebenstein, Mosella, Shimano, Match-Tackle, Maver, Colmic, Setzkescherfreunde, Shock, Angelshop Deutschland, Illex, Fishing Tackle Max, Kingdom of Sports sowie Die Dresdner

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