Anglertreff für Einzelangler 2009 in Torgau

  • von ct Redaktion
  • 06. November 2009 um 15:21
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Man konnte die Strecke in Torgau durchaus als abwechslungsreich betrachten, denn es gab verschiedenste Bereiche und nach einem Blick auf das Wasser oder mit dem Lotblei auch unter Wasser konnte man schnell erahnen, ob es mit dem Fangen heute was werden würde. Das war vorher bekannt, so dass sich keiner wundern, sondern nur einen guten Platz ziehen musste. Es war zwar noch einmal Kurze-Hosen-Wetter, doch der Wasserstand war teilweise mit unter einem Meter auf der 13 Meter Bahn sehr niedrig und der strahlende Sonnenschein verbesserte die Fangaussichten natürlich nicht.


Anfangsfütterung beim Anglertreff an der Elbe in Torgau

So stellten sich zwei Taktiken als erfolgreich heraus. Sofern der Platz es hergab, konnte man kräftige Brassen und Barben fangen, die das Gerät bis aufs Äußerste strapazierten und dann gab es noch die Ukeleis. Während die Teilnehmer, die ohne Ambitionen auf eine Einladung zum champions-team auf den großen Fisch setzten, so konnte man sich mit Ukeleis doch teilweise ganz nach vorne angeln. Stellenweise standen die bis zu 30 Gramm schweren Oberflächenfische massiv in Rückströmungen, stellenweise musste man aber auch froh sein überhaupt ein Exemplar zu überlisten.


Ukeleis waren mehr als eine Alternative und wohl dem, der die kurzen Ruten eingepackt hatte

Interessant waren daher eher die Plätze mit einer Wassertiefe über einem Meter, einem beangelbaren Grund und einer relativ gleichmäßigen Strömung. Wer nun das Glück hatte einen dieser Plätze zu befischen, der musste natürlich auch das anglerische Geschick in der doch teilweise sehr starken Strömung unter Beweis stellen. Lutscher bis 90 Gramm wurden aufgebaut, wobei 50 Gramm vielleicht eher die sinnvolle Obergrenze waren, um überhaupt noch einen Biss zu sehen und kontrolliert zu angeln. Günter Horler erwischte im ersten Durchgang einen dieser guten Plätze und zeigte wie man auch die stärksten Barben in starker Strömung in den Kescher bekommt, denn in Bezug auf die optimalste Driltechnik gingen die Meinungen auseinander.


Güstern dieser Größe waren in der starken Strömung noch gut zu kontrollieren

Eine weit verbreitete und dabei aber die schlechteste Möglichkeit ist es zu versuchen den Fisch bei voller Rutenlänge an die Oberfläche zu bekommen. Ersten strebt die Barbe vehement zum Grund und zweitens ist die Strömung an der Wasseroberfläche eines fließenden Gewässers immer am größten. Der Fisch wird sehr stark beunruhigt und ist bei zunehmendem Strömungsdruck kaum mehr zu kontrollieren. Der Verlust des Fisches nur eine Frage der Zeit.


Dicht an dicht saßen die Teilnehmer, doch jeder Platz war anders

Eine Variante ist es, der Barbe die erste Flucht bei voller Rutenlänge zu lassen und zu hoffen, dass die Schnur und der Gummizug nicht reißen, der Haken nicht ausschlitzt. Beruhigt sich die Barbe dann aber und stellt sich ruhig in die Strömung, so kann die Kopfrute langsam über den Abroller zurückgeschoben werden. Erreicht man das Topset, so wird vorsichtig abgesteckt, denn nun droht der Rute die größte Gefahr. Setzt die Barbe beim Auseinanderstecken der Rutenteile noch einmal zu einer vehementen Flucht an, so kann man die Teile schnell verkanten und erleidet Rutenbruch. Hat man aber das Topset in der Hand, so kann man die Barbe im ruhigen Uferwasser nun in Ruhe ausdrillen und keschern. Die Gefahr ist bei dieser Variante, dass sich die Barbe mit ihrer ganzen Kraft in die stärkste Strömung stellen kann und unkontrollierbar wird und das Material nicht standhält.
Eine zweite Möglichkeit ist die Überrumpelung des Fisches. Sofort nach dem Biss wird die Rute blitzschnell nach hinten geschoben, in das Topset gegriffen und abgesteckt. Die Barbe ist nun im ruhigen Uferwasser und kann dort besser kontrolliert werden. Der Drill im seichten Uferbereich kann dann noch einmal nervenaufreibend werden, da die Barbe sich noch nicht verausgabt hat und volle Stärke besitzt. Der kritische Punkt ist die Absteckphase, denn je schneller die Barbe den Braten riecht, desto schneller wird sie die Flucht nach draußen in die Strömung antreten. Während die Rute nun schnell Richtung Ufer geschoben wird und die Barbe entgegensetzt Reißaus nimmt wirken auf Gummizug, Schnur und Haken maximale Kräfte und das Material entscheidet über den Fang.

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 Günter Horler zeigte an der Elbe in Torgau wie man Barben drillt


Die vielleicht beste Methode zeigte Europameister Günter Horler. Nachdem die Barbe gehakt ist, steckt er von seiner 13 Meter Kopfrute 2 Rutenteile ab und verlässt die Sitzkiepe umgehend im Rückwärtsgang. Die Rute im 90 Grad Winkel noch oben gehalten kann er nun die Barbe mit Hilfe des Gummizuges kontrollieren. Indem er sich nun immer weiter vom Ufer entfernt, kommt die Barbe nach und nach in den Uferbereich. Dort wird sie nicht durch den normalerweise auf der Kiepe sitzenden bzw. agierenden Angler verschreckt und kann erst einmal in Ruhe ausgedrillt werden. Erst wenn der Fisch sichtlich ermüdet ist nähert sich Günter Horler mit dem langstieligen Kescher dem Angelplatz und keschert den matten Fisch sicher ein. Meist wird das Material bei dieser Methode in keiner Phase überstrapaziert und der Fisch wird durch den Angler ständig kontrolliert. Kommt die Barbe ans Ufer, so sieht sie weder den Angler, noch irgendwelche Bewegungen, die sie verschrecken und zu einer weiteren unkontrollierbaren Flucht ansetzen lassen kann. Vorrausetzung ist natürlich, dass der Angler nach hinten genügend Platz für seinen vorübergehenden Rückzug hat.

Insbesondere auf der Damen- und Herrenstrecke machte der richtige Platz einen wesentlichen Teil des Erfolges aus, was die Einzelerfolge allerdings keinesfalls schmälern sollte, denn auch auf guten Plätzen mussten die Fische erst einmal in den Kescher oder die Taktik auf Kleinfische zu angeln rechtzeitig angepasst werden.
Sven Ruland aus Hessen hatte das Glück am ersten Tag auf dem Endplatz A 1 zu sitzen, im zweiten Durchgang saß er jedoch im E Sektor auf einem Platz auf dem am Vortag kein Fisch gefangen wurde und dort schaffte er es in den letzten 45 Minuten zwei Barben zu überlisten, die den Sektorensieg bedeuteten und ihn zum erfolgreichsten Angler des Anglertreffs 2009 werden ließen.

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 Am Ende waren es doch einige sehr schöne Fische

Bei den Damen gab es kaum Nullfänge, doch dafür traf es unsere Einzelweltmeisterin Steffi Bloch, die im ersten Durchgang auf verlorenem Posten saß und keinen Fisch in den Kescher führen konnte. In der Vergangenheit hatte Steffi in Torgau mehrfach dominiert, doch diesmal war einfach nichts zu machen. Ein Sektorensieg im zweiten Durchgang rückte ihr Gesamtergebnis allerdings wieder zurecht.


Alexandra Schulz kam in der Strömung bestens zurecht

Ganz glücklich war am Ende ihre Mannschaftskolleging Alexandra Schulz, die mit zwei Sektorensiegen und dem höchsten Gesamtgewicht bei den Damen den Titel holte. Genau wie Marjana Driemel, die den zweiten Platz belegte zeigt die Formkurve der beiden Mädels in den letzten Jahren nur noch nach oben und unsere Damen sind so gut aufgestellt wie lange nicht mehr. Uta Megow aus Berlin bewies ebenso Konstanz und wiederholte ihren dritten Platz vom letzten Jahr.


Marjana Driemel während des zweiten Durchgangs

Nebenbei bemerkt:

Vor der Ehrung der besten Anglerinnen und Angler gab es dann noch zwei tolle Aktionen abseits des Wassers. Sicherlich auch im Interesse der meisten Angler wurde auf die Vergabe von Erinnerungsgaben in Form von Angelgeräten verzichtet, ein Andenken in Form eines Pokals und eines Blumenstraußes sollte auch für die Zukunft richtungsweisend sein.
Dafür wurde die Behindertenhilfswerk Deltitzsch mit einem Scheck über 500 Euro bedacht. Eine lobenswerte Aktion, die einmal mehr zeigte, dass das Referat Angeln im DAV e.V. auch über den Tellerrand hinausblickt.


500 Euro wurden an das Behindertenhilfswerk Delitzsch übergeben

Was dann folgte war einerseits längst überfällig und andererseits doch nicht unbedingt selbstverständlich. Friedel Richter, der Referent für das Angeln im DAV e.V. bis Ende 2007, zollte seinem Nachfolger Steffen Quinger Respekt und Anerkennung für die Arbeit der vergangenen 18 Monate. In seiner kurzen Amtszeit hat Steffen Quinger das Referat Angeln im DAV e.V. professionell ausgebaut und einen mittlerweile beachtlichen Sponsorenpool geschaffen. Diese Leistung wurde von Friedel Richter und natürlich auch allen anwesenden Angler anerkannt und mit großem Beifall bedacht.


Thomas Liß, Heiko Schmidt und Sven Ruland

Herren Einzelwertung
Herren Mannschaftswertung

Bei den Damen überzeugte WM Bronzemadaillengewinnerin Alexandra Schulz mit 16,5 kg und damit dem höchsten Fanggewicht des gesamten Anglertreffs vor Marjana Driemel uns Hessen und Uta Megow aus Berlin.


Uta Megow, Marjana Driemel, Alexandra Schulz

Damen Einzelwertung
Damen Mannschaftswertung

Erfreulicherweise 9 Teams starteten bei den Jugendlichen, wo sich Christoph Barra dank des höheren Gesamtgewichts bei PZ 3 vor seinem Bremer Mitstreiter Simon Browski durchsetzen konnte. Der dritte Platz ging an Michael Bender aus Sachsen.


Michael Bender, Simon Borowski, Christoph Barra

Jugend Einzelwertung
Jugend Mannschaftswertung

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