Anglertreff für Vereine 2009 am Elbe-Havel Kanal in Niegripp

  • von ct Redaktion
  • 21. August 2009 um 16:54
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Anglerisch war es eine Veranstaltung der Extraklasse, die den Teilnehmern in Sachen Technik und Taktik beim Anglertreff 2009 am Elbe-Havel-Kanal bei Niegripp alles abverlangte. Doch Selbstvertrauen war vielleicht die wichtigste Eigenschaft für ein erfolgreiches Abschneiden und das Selbstbewusstsein musste man sich in den Trainingsdurchgängen erarbeiten. Und das gelang nicht allen Teams, so dass einige Mannschaften sehr unsicher in die Durchgänge gingen und sich zeigte, dass die Mannschaften, die bereits im Training nicht zurecht kamen am Ende keine Rolle bei der Vergabe der Podiumsplätze spielten.


Deutschlands beste Mannschaften am Elbe-Havel Kanal bei Niegripp

Im Vorfeld favorisiert waren die Teams des AC Dömitz (Sensas MV) mit einigen starken Anglern aus dem Magdeburger Raum und besten Gewässerkenntnissen, das Fishing Tackle Max Team aus Sachsen Anhalt, das den Kanal seit Jahren regelmäßig beangelt, das Mosella Team Germany, das als Titelverteidiger anreiste und das Fishing Team Brandenburg mit immerhin 5 aktuellen champions-team Mitgliedern.
Drei Optionen gab es am Ende der Trainingswoche für die Teams, um ein gutes Ergebnis zu erzielen. In dem sehr klaren Wasser konnte man die im Durchschnitt 20 Gramm schweren Barsche mit der kurzen Rute sehr gut beangeln und so ein Maximalgewicht von 2,5 kg erreichen. Das war durchaus eine Option, die allerdings nur aufging, sofern die Mehrzahl anderen Mitstreiter im Sektor nicht mehr als 2 Brassen fing. Denn diese brachten ein Gewicht von 800 bis 1500 Gramm auf die Waage und mit ein bisschen Beifang war man zusammen mit den zwei Brassen eher über den 2500 Gramm. Blieb also noch die Rollenrute, wo ebenfalls eher große Brassen zu fangen waren und sowohl die Match- als auch die Bolorute je nach Windverhältnissen eine Option waren. Man musste die Brassen also nur fangen und da war auch schon das Problem der meisten Mannschaften, denn in den Trainingsdurchgängen fingen viele Mannschaften mit ihren 6 oder 7 Anglern in der Box zusammen eher 3 bis 5 der gewichtigen Fische und eigentlich gab es keinen Grund dafür, dass sich diese Umstände gerade in den Durchgängen wesentlich verbessern sollte.


Wolfgang Lorenz vom Team Mosella Germany mit einem der begehrten Brassen

 Das Mosella Team Germany hatte genauso wie das Team Fishing Tackle Max Probleme in ausreichender Stückzahl pro Angler an die Brassen zu kommen, wobei das Fishing Team Brandenburg und die Dömitzer ihre Brassen teilweise mit der Kopf- teilweise mit der Rollenrute fingen, so dass die Barsche eigentlich keine Option mehr für diese Teams waren. Guter Rat war nun teuer, Betreuer wurden auf der gegenüberliegenden Seite positioniert, um die bis dahin erfolgreichen Mannschaften zu beobachten und dazu kam, dass auch einige andere Teams, wie das Sensas Team Saarland und das Colmic Grebenstein Team aus NRW ihre Fische fingen. Einige Boxen im Training blieben frei, einige waren am Vortag nicht gefüttert, im Bereich der Brücke zwischen Sektor A und B war es schwieriger, weil die Packung teilweise über 13 Meter reichte und wie würde sich der Kanal zeigen, wenn alle Plätze und Bahnen befüttert würden, waren die berechtigten Fragen, die vielleicht doch auf die relativ sichere Kleinfischtaktik deuteten. Man durfte gespannt sein. Mit der Überzeugung und dem Selbstbewusstsein die Brassen an den Haken zu bekommen in die Durchgänge zu gehen war sicherlich kein Nachteil.
Natürlich musste erst einmal in den Lostopf gegriffen werden und hier kam es auch auf das richtige Händchen an. Der A- und B-Sektor waren durch eine Brücke geteilt, so dass es im Bereich der hohen A Nummern und der kleinen B Nummern weitere Endplätze gab, die allerdings nur auf dem Papier Endplätze und damit vorteilhafte Plätze waren. Bei der Verbreiterung des Kanals war man im Bereich der Brücke mit den Steinen der Packlage besonders großzügig, so dass man auf diesen Plätzen teilweise mit der 13 Meter Kopfrute nicht über die Packlage kam. Das war also eher ein Nachteil und wer diese Plätze im Losschlüssel hatte, konnte davon ausgehen, dass er in den Endplatzsektoren A (kleine Nummern) und E (hohe Nummern) nicht mehr sitzen würde. Und wenn es einmal läuft, dann läuft es manchmal sogar noch besser und das Fishing Team Brandenburg zog mit der A 1 genauso wie das Sensas Team Dömitz mit der E 16 Plätze allererster Güte. Mit Burkhard Heil vom Mosella Team Germany auf der A 3 und Stefan Posselt vom Team FTMax auf der A 4 konnte man aber auch zufrieden dort sein und man durfte ein schönes Match im Anfangsbereich der Strecke erwarten.


Im Bereich der Brücke machte es Sinn auf die Matchrute zu setzen

Gespannt verfolgten die Betreuer und Trainer die Futterkontrolle. Wie viel Erde, wie viel Futter? Wie viele Mückenlarven und wie viele große Mückenlarven vor allem. Caster hatten fast alle Teams einen dreiviertel bis ganzen Liter und dann meist einen viertel bis halben Liter Würmer und maximal einen viertel Liter Maden oder Pinkies. Auf große Mückenlarven wurde kaum gesetzt, ein viertel Liter war maximal zu dem halben bis dreiviertel Liter kleine Mückenlarven dabei. Also alles eher ähnlich und auch bei der Futterfarbe waren sich mit einer sehr dunklen bis schwarzen Mischung alle einig.
Die Feinheiten waren aber nicht für jeden zu erkennen bzw. nur im Gespräch nach der Veranstaltung von den Teams zu erfahren und mit diesen Informationen wurde es langsam schlüssiger, warum einige Teams am Ende mehr im Kescher hatten als die anderen.

Fishing Team Brandenburg:

Das Fishing Team Brandenburg vertraute auf einen hohen Futteranteil und der nachfolgenden Mischung:

2 kg Mosella Xedion Brassen
2 kg van den Eynde Turbo schwarz
1 kg Mosella Explosiv Fließwasser
1 Liter TTX Mais
0,5 Liter Zammataro Ei Cake
3 kg Sensas Terre de Fond schwarz
2 Liter Lehm Mosella River

Der TTX Mais und das Ei Cake wurden am Abend vorher mit Aroma (van den Eynde Brasem flüssig) angesetzt und am nächsten Morgen dem Futter inkl. der Terre de Fond untergerührt. In die fertig angefeuchtete Mischung wurde am Ende der Lehm gegeben und nochmals gründlich vermischt.
Diese Mischung ergab ein sehr schweres, kompaktes Futter mittlerer Bindung. Die Futterballen kamen geschlossen und ohne Wolkenbildung zum Grund, erst dort lösten sie sich auf und gaben durch die Terre des Fond eine leichte schwarze Wolke frei.
Am Anfang wurden 6 große Kugeln mit wenigen Castern und Mückenlarven geworfen und zwei Kugeln mit einem hohen Anteil an Mückenlarven, Castern und einigen geschnittenen Würmern im Zentrum gecuppt.


Kampfstark wie hier beim Sensas Team Dömitz waren die teilweise über 1,5 kg schweren Brassen

Sensas Dömitz:

Das Sensas Team Dömitz setzte auf einen 50/50 Mix aus Futter und Erde, wobei alles vermengt wurde und kein Futter oder keine Erde separat aufbewahrt oder gefüttert wurden.

2 kg Sensas Etang Noire
2 kg Bremes 3000 schwarz
4,5 kg Terre de Riviere
Aroma: Atrraxic Bremes

4 Bälle wurden am Anfang geworfen, 4 Bälle mit einem höheren Köderanteil gecuppt und in den letzten 15 Sekunden der Anfangsfütterung wurden noch einmal 2 kleine, feste Kugeln geworfen.

Grebenstein Team Nordrhein-Westfalen:

Beim Grebenstein Team NRW war der Erdanteil noch höher, die Taktik wurde ausschließlich auf die Kopfrute und große Fische ausgelegt.

9 Liter Erdegemisch - 8 Liter Futter

Grebenstein Terre Surface
Colmic Terra Ventilata

Shock Giga Brassen braun (medium)
Shock Ultra Feeder (big)

Die Erde bestand zu 3 Teilen aus schwarzer Terre Surface aus dem Hause Grebenstein und zu einem Teil aus „Colmic Terra Ventilata“.
Das Futter setze sich zusammen aus 2 Teilen „Shock Giga Brassen braun“ (medium) und einem Teil „Shock Ultra Feeder“ (big)!

Mit dem Erdegemisch wurden hauptsächlich kleine Mückenlarven und wenige Caster gefüttert, dem Futter wurden zusätzlich Pinkies beigefügt!

Mit der Anfangsfütterung wurden 6-8 Futterballen (incl. Pinkies und Caster) geworfen bzw. gecuppt (die Angler, die nicht punktgenau werfen können, haben die Futterballen auch zu Beginn gecuppt, dort wurde aber nichts desto trotz auf das Geräusch nicht verzichtet). Die Erde (ebenfalls 6-8 Ballen) mit den Mückenlarven wurden ausschließlich gecuppt!


Rainer Oesterreich vom Grebenstein Team NRW hatte mit seinem Team die richtige Mischung gefunden

Köder:

Große Mückenlarven waren nicht das Thema, weil sie immer noch zu viele Barsche auf den Platz zogen. Diese waren bei großen Mückenlarven zwar auch größer aber immer noch zu klein, um in Konkurrenz zu den Brassen zu kommen. Der Schlüssel zum Erfolg lag eher in der Wahl und Behandlung der kleinen Mückenlarven. Dabei konnte man im schlechtesten Fall auf eine große Menge polnische (und damit sehr lebendige) Mückenlarven setzen, die man um sie noch aktiver zu kriegen auch noch vorher trennte und damit die Barsche um den Verstand brachte oder man hielt es mit den kleinen Mückenlarven etwas dezenter. Tote Mückenlarven waren eine Möglichkeit (Mosella Team Germany), wenig aktive (russische) Mückenlarven, die bestenfalls nicht getrennt wurden eine weitere gute Wahl. Caster spielten eine wichtige Rolle, denn Caster waren die einzigen Köder, die die Barsche fast in Ruhe ließen und die Weißfische hatten an ihnen im Lauf der Trainingswoche immer mehr Gefallen gefunden. Würmer schaden nicht, war die einhellige Meinung und so hatte jeder eine viertel bis einen halben Liter dabei. In den Mittelsektoren spielten die Würmer eigentlich keine Rolle, in den Außenbereichen wurde es allerdings insbesondere im zweiten Durchgang eine Caster/Wurm Angelei und da war ein halber Liter Würmer nicht zu viel.

Technik und Taktik:

Auch wenn natürlich an einem Kanal geangelt wurde, hieß das nicht unbedingt, dass man leicht und fein angeln musste. Je nach Schleusentätigkeit und Schiffsverkehr schwankte der Wasserstand um +/- 15 - 20 cm, doch das machte eigentlich nichts, denn geangelt wurde am Grund. Das 35 bis 45 Zentimeter lange Vorfach musste dabei voll aufliegen und je nach Strömung war es auch vorteilhaft die Bleischrote direkt über dem Vorfach mit auf den Grund aufzulegen. Bei stehendem Wasser waren Posen von 1,5 bis 2 Gramm optimal, bei strömendem Wasser Lutscher bis 6 Gramm und die untersten Schrote waren mit 2 Nr. 8 oder 2 Nr. 6 nicht sonderlich klein.


Leichte Strömungsposen mit einer gut sichtbaren Antenne und Lutscher bis 6 Gramm

Also kein bündiges Angeln mit einer Kette aus 12er Schroten, sondern ruhiges Anbieten des Köders am Grund war angesagt. Brassenangelei pur! Die Angeltiefe musste nur insoweit verändert werden, dass die letzten Schrote bei stehendem Wasser mal leicht über Grund waren, bei strömendem Wasser aber immer auf dem Grund. Eine unruhige Köderpräsentation brachte keine Bisse, wurde dagegen der Köder optimal angeboten, so waren die Bisse der Brassen mehr als eindeutig und keineswegs vorsichtig. Das lange Vorfach führte natürlich auch dazu, dass die Barsche, die eigentlich immer und überall an jedem Platz waren, den Köder tief schluckten und das konnte ganz schön an den Nerven zehren.
Aber es gab ja bei einer Gewässerbreite von ca. 55 Metern auch noch andere Entfernungen wo erfolgreich geangelt werden konnte. Hier hatten sich eigentlich alle Teams auf eine Rollenrutenentfernung von 30 bis 35 Metern festgelegt. In der Trainingswoche war es teilweise doch sehr windig, so dass die Bolorute nur sehr schwer zu kontrollieren war und so wurde bei einer Wasserteiefe von ca. 5 Metern überwiegend auf die Matchrute gesetzt. Weiter draußen zu fischen machte auch wenig Sinn, denn es strömte zu oft und Wind war auch immer auf dem Kanal, so dass ein Angeln über 35 Meter hinaus immer unkotrollierbarer wurde. Hier kam natürlich nur der laufende Waggler zum Einsatz und der Erfolg lag in der möglichen Zuladung des Wagglers. Viele Teilnehmer fischten mit 3 bis 4 Gramm auf der Schnur, doch das war viel zu wenig, denn auch draußen war eine ruhige Köderpräsentation oberstes Gebot.


Der neue Cralusso Zero Waggler war eine gute Wahl

8 Gramm waren das Minimum und wenn es strömte oder der Wind für eine Oberflächenströmung stromab sorgte auch gerne bis zu 15 Gramm. Dicke tragende Antennen störten die Brassen wenig, denn auch weiter draußen musste das mindestens 40 Zentimeter lange Vorfach inklusive zwei 6er oder einem 4er Schrot voll auf dem Grund liegen. Draußen gab es weniger bis gar keine Barsche, so dass das Angeln mit der Matchrute auch eine Geduldsprobe war, denn es gab nur wenige Bisse, doch man konnte in den Innensektoren 3 bis 5 Brassen fangen.
Nicht zu vergessen natürlich die Barsche, wobei es "ganz oder garnicht" hieß. Entweder 3 Stunden auf die Barsche im Uferbereich angeln, maximal vielleicht die ersten 15 Minuten die Standfische auf der Kopfrute mitnehmen, oder besser nicht auf dei Barsche setzen und sein Glück weiter draußen versuchen. Wer ständig die Spuren wechselte, befischte keine richtig und hatte das Nachsehen.

Man durfte also gespannt sein auf den ersten Durchgang ... (Teil 2 folgt nächste Woche)

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