Sichtungsfischen des champions-teams 2009

  • von ct Redaktion
  • 08. Mai 2009 um 18:12
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Natürlich ging es beim Sichtungsfischen des champions-teams am Havel-Kanal in Wustermark in erster Linie darum, die Teilnehmer für die kommende Europa- und Weltmeisterschaft zu benennen, doch bereits im letzten Jahr wurden die Weichen gestellt, das champions-team breiter und vor allem jünger aufzustellen. In der sportlichen Leitung war man zu dem Schluss gekommen, dass unseren erfahrenen, etablierten Anglern mehr Druck gemacht werden müsste, man insbesondere jungen, hungrigen Anglern, die seit Jahren sehr oft am Wasser zu sehen sind und mit überdurchschnittlichen Leistungen überzeugen eine Chance über den Anglertreff für Einzelangler hinaus zu schaffen und am Sichtungsfischen teilzunehmen. Peter König lud somit neben dem bestehenden champions-team und den erfolgreichsten Anglern des letzten Anglertreffs mit Marco Vonholten, Nico Matschulat, Andreas Heidemüller, Mike Osterwald und Jan-Willi Kupperschmidt fünf ambitionierte Angler mit Perspektive an den Havel-Kanal, so dass das Sichtungsfischen vom 22. bis 26. April mit 30 Teilnehmer stattfand.

     

 Angler mit Perspektive: Jan-Willi Kupperschmidt ...

 

 ... und Mike Osterwald


Wurden aus dem Kreis des champions-teams A in den letzten Jahren maximal 2 Angler ersetzt, so waren es ab diesem Jahr 3 Angler, was ebenfalls für neuen Schwung sorgen, den Druck auf die etablierten Angler erhöhen und die Chancen auf eine Teilnahme an einer EM oder WM für die Mitglieder des champions-teams B und den 11 Neuen erhöhen sollte. 11 neue Teilnehmer, da Thomas Pruchnowski aus dem champions-team A beruflich passen musste, zukünftig dem B-Team angehört und somit ein weiterer Teilnehmer nachnominiert wurde, um auf 30 Teilnehmer zu kommen, denn es wurden 6 Durchgänge geangelt und die Strecke in sechs 5er Sektoren unterteilt, so dass jeder Teilnehmer einmal in jedem Sektor saß und somit eine Chancengleichheit gewährleistet war. 11 neue Teilnehmer waren eingeladen, Teamchef  Peter König entschied jedoch nur 10 Teilnehmer am Ende der Durchgänge zu verabschieden und somit beim Anglertreff 2009 zzgl. den Perspektivangler für das Sichtungsfischen 2010 neun Einladungen auszugeben.


Der Havel-Kanal präsentierte sich als geeignetes Gewässer für das Sichtungsfischen

Soviel zur Theorie und zum Modus, es wurde natürlich geangelt und man durfte gespannt sein, wie ambitioniert die neuen Teilnehmer wirklich wären, ob das Konzept der sportlichen Leitung aufging und neuer Schwung in das champions-team kommen würde.
Der Havel-Kanal präsentierte sich bereits in den Wochen zuvor bis hin zum letzten Trainingstag gewohnt launisch und schwierig zu beangeln. Die Trainingsgewichte schwankten teilweise von einem Tag auf den anderen zwischen 300 Gramm bis 6 kg. Stromauf, also rechts der Strecke schloss sich in 300 Meter Entfernung zur Angelstrecke ein Hafenbecken an und der Havel-Kanal hatte auf der Strecke des Sichtungsfischens am oberen Ende eine Breite von 40 Metern, wogegen es am unteren Ende der Strecke nur noch 35 Meter waren. Bereits im Training zeigte sich, dass von den höheren Nummern bessere Gewichte kamen, auf den unteren Plätzen aber maximal die Plätze 1 und 2 mehr Fische brachten und es dann gleich wesentlich schlechter wurde und der Bereich der Plätze 6 bis 15 sicherlich zum schlechtesten Abschnitt gehörte. Doch das Lossystem brachte jeden Teilnehmer in diesen Bereich, so dass man dort halt sehen musste, dass man irgendwie seine Fische zusammensammelte. Denn zum Sammeln gab es viele Möglichkeiten.

Die Angelmethoden:

Wie eigentlich immer gab es im Uferbereich kleine Barsche zu fangen. Mit der kurzen Whip oder auch der verkürzten Kopfrute bei 5 oder 6 auf drei Teile konnten gute Stückzahlen aber wenig Gewicht erbeutet werden, denn die Barsche hatten überwiegend weniger als 10 Gramm auf den Gräten und größere Exemplare waren die Ausnahme. Weißfische waren im Uferbereich sehr selten, so dass die kurze Bahn meist keine Rolle spielte. Interessanter waren da schon die Ukeleis, die allerdings bei weitem nicht so verlässlich waren. Alleine sitzend, im Training, konnte man in Entfernungen von 9,5 bis 11 Meter verkürzt auf drei Teile bis zu 2 kg der durchschnittlich 20 Gramm schweren Ukeleis fangen. Je nach Tageszeit oder auch Wetter waren sie aber nicht immer in Beißlaune und gegen Ende der Trainingstage schien das Durchschnittsgewicht auch eher bei 15 Gramm zu sein. Zudem wurden sie immer scheuer, so dass Futterrhythmus und Angeltechnik passen mussten, um einen Schwarm auf den Platz zu stellen. 1,5 bis 2,5 kg sollten so aber noch in drei Stunden zu fangen sein und es zeichnete sich ab, dass man während des Sichtungsfischens auf den mittleren Plätzen mit einem Gewicht ab 2 kg gut liegen würde.

     

 Bessere Barsche waren die Ausnahme

 

 Brassen dieser Größe waren üblich

Klassisch natürlich die Kopfrutenbahn auf 13 Meter. Das Profil des Havel-Kanals hatte zwar seine tiefste Stelle meist um die 11,5 bis 12 Meter Entfernung vom Ufer, doch da war auch der meiste Schlamm. Es empfahl sich also eher auf der maximalen Distanz zu angeln, auch wenn es dort meist 10 Zentimeter flacher war. Stellenweise war der Grund sehr uneben, Hänger nicht selten, so dass gründliches Ausloten oberste Pflicht war. Rotaugen, Güstern, Brassen und Barsche konnten nun erbeutet werden. Waren die Kaulbarsche im März noch eine regelrechte Plage, so hatten sie sich mittlerweile wohl ausreichend Mückenlarven einverleibt und wurden zudem von den Weißfischen vertrieben, so dass diese meist 5 bis 8 Gramm schweren Bärschlein während der Durchgänge nicht mehr zum Ärgernis wurden. Zu leicht zu angeln brachte keine Vorteile. Weder in der Stückzahl, noch in der Größe der Fische. Eher Gegenteiliges war der Fall, so dass Posen mit einer Tragkraft von 0,8 bis 2,0 Gramm die bessere Wahl waren, denn der Seitenwind brachte immer eine Unterströmung in den Kanal und eine ruhige Präsentation des Köders wurde von den Fischen klar bevorzugt. Allerdings mussten die Posen äußerst sensibel ausgebleit werden. Die überwiegend eingesetzten Stahlantennen durchbrachen dabei gerade so die Oberfläche und eine zu lange oder tragkräftige Antenne zeigte die sehr vorsichtigen Bisse kaum an. Die Fische waren über die Trainingstage extrem vorsichtig geworden und dem galt es Rechnung zu tragen.

     

 Feine Posen mit Glasfieber- oder ...

 

 ... Stahlantenne kamen meist zum Einsatz

Die letzte, aber nicht schlechteste Option war die Matchrute. Entweder an der gegenüberliegenden Kante, also in ca. 25 bis 30 Metern Entfernung oder aber noch ein bisschen weiter auf der schrägen Packlage, die am gegenüberliegenden Ufer aus kleineren Steinen bestand und somit auf dieser Schräge besser geangelt werden konnte. Im flachen gab es zumeist Rotaugen, kleine Güstern und Barsche oder auch mal einen Schwarm Rotfedern. Die Chance auf einen Bonusbrassen war dagegen in der Tiefe etwas größer. Der Wind war so unvorhersehbar wie das Wetter insgesamt. Mal vorteilhaft im Rücken, blies er eine halbe Stunde später schon wieder kräftig von der Seite, so dass die meisten Teilnehmer auf eine ruhig im Wasser liegende Slidermontage vertrauten.


Slidermontagen trotzten dem Seitenwind

Futter und Köder:

Dunkel mussten Futter und Erde sein, das zeichnete sich schnell ab. Dunkelbraun oder auch schwarz verschreckte es die sehr vorsichtig gewordenen Weißfische nicht. Helles Futter, Farbe oder wolkende Zusätze lockten die kleinen Fluß- und Kaulbarsche an, keinesfalls aber die größeren Weißfische. Mit einem aktiven, mit viel Sämereien durchsetzten Futter lag man auf der sicheren Seite und man kann davon ausgehen, dass es bei 30 Teilnehmern mindesten 20 verschiedene Futtermischungen gab, so dass es kaum möglich geschweige denn sinnvoll ist über die fängigste Mischung zu diskutieren. Die Ukeleis auf den Platz zu stellen wurde dagegen immer schwieriger und hier war unauffälliger auch besser. Waren die Ukeleis auf dem Platz wurden sie durch zu massives, großflächiges und auch helles Futter meist schnell vertrieben. Teilweise reagierten die Ukeleis auf das Grundfutter, welches sehr lose eingebracht wurde besser als auf das für sie gedachte spezielle Ukeleifutter. Es war also bezüglich des An- und Nachfütterns die richtige Taktik gefragt.


Dunkles Futter, dunkle Erde, dazu Pinkies, Caster, Mückenlarven und Würmer

Alle Fische reagierten gut auf Mückenlarven, Rotaugen und Güstern teilweise sehr gut auf Pinkies, es blieb die Frage, wie man den Futterplatz ködertechnisch für den irgendwann vorbeikommenden Bonusbrassen attraktiv gestalten konnte. So wurden überwiegend auch einige Caster und geschnittene Würmer gefüttert, wobei die geschnittenen Würmer auch die größeren Barsche an den Platz brachten.

Futtertaktik:

Die Fische hatten sich an das Geräusch einfallenden Futters gewöhnt bzw. sie reagierten positiv auf geworfene Futterkugeln und so sprach nichts dagegen 6 bis 10 apfelsinengroße Kugeln am Anfang zu werfen. Futter und Erde wurden dabei gemischt, wobei der Futteranteil in den äußeren Bereichen höher war und auf den schwierigen Plätzen reduziert wurde. Außen 50 bis 70 Prozent Futter, in der Mitte 30 bis 50 Prozent. Diese geworfenen Kugeln dienten zur Anlage eines Futterteppichs und dementsprechend kamen einige kleine Mückenlarven, Pinkies und Caster hinzu, die die Fische nicht sättigen, sondern nur zum Suchen animieren sollten.


Marco Beck bei der geworfenen Anfangsfütterung

In die Mitte dieses Teppichs wurden dann noch drei bis vier Kugeln mit einem wesentlich höheren Köderanteil gecuppt, die die Fische auf den Punkt konzentrieren sollten. In diese Kugeln kamen auch die geschnittenen Würmer und teilweise wurde ein Teil der Kugeln mit grauem Lehm abgebunden, um die Auflösung der Kugeln zu verzögern. Auf die Matchrute wurde ein Futteranteil von 70 bis 100 Prozent geschossen, da sich dort doch mehr Rotaugen und Güstern aufhielten. Wer keine Mückenlarven auf die Matchrute fütterte fing auch weniger der Kleinstbarsche und nur Weißfische, wobei nur Weißfische auch gar keine Fische am anderen Ufer bedeuten konnte, denn viele Fische waren nirgends und Plätze so zu befüttern, dass Fischarten selektiert werden konnten, brachte immer die Gefahr mit sich überhaut nichts zu fangen.
Auf der kurzen Bahn reichten ein bis zwei kleine Kugeln Lehm mit kleinen Mückenlarven, denn im Uferbereich galt es nur die Barsche anzusprechen, Weißfische waren dort so gut wie nicht vorhanden und die Ukeleis galt es erst während der Durchgänge zu befüttern. Große Schwärme zogen immer wieder über die gesamte Strecke und waren deutlich zu erkennen, wenn sie sich auf dem Platz eingefunden hatten.

     

 Punktgenaues Füttern und Nachfüttern...

 

... erfolgte mit dem Polecup


Taktik:

Kopfzerbrechen bereiteten vielen Teilnehmern im Vorfeld die Ukeleis. Würden sie während des Sichtungsangelns noch so zahlreich auf der Strecke sein? Auf welcher Entfernung wird man sie beangeln können, wird es möglich sein sie auf 10 bis 8 Meter heranzufüttern? Denn eins war klar: Die Ukeleis auf der 13 Meter Bahn verkürzt zu befischen hieß, dass der Kopfrutenplatz dadurch Schaden nehmen würde. Das Ukeleifutter würde Unruhe auf den Platz bringen und insbesondere die größeren Fische verscheuchen bzw. vom Futterplatz ziehen. Zudem musste sehr genau auf dem 13 Meter Kopfrutenplatz gefischt werden, der Köder immer wieder bewegt oder neu eingesetzt werden, um die scheuen Fische zum Anbiss zu verleiten. Die Ukeleis waren ebenfalls keineswegs einfach zu befischen, so dass man sich auf der Kopfrutenbahn entscheiden musste, um einer Methode seine Konzentration zu widmen. Auf den Außenplätzen konnte man zuversichtlich sein, dass dort ausreichend Weißfische am Grund sind, doch innen musste man sehen, wie sich die Sache entwickelt. Somit war die vorherrschende Taktik zuerst am Grund auf die Standfische zu angeln, zu schauen, wie sich das Beißen entwickeln würde und nebenbei aber die Ukeleis regelmäßig auf einer kürzeren Spur zu befüttern. Bisse am Grund kamen oder blieben aus und die Ukeleis waren am Platz gut zu erkennen, sofern sie denn da waren, so dass immer noch die Option der Matchrute blieb, wenn sich auf der Kopfrute weder am Grund noch an der Oberfläche etwas tat.


"Ätsch, Endplatz". Lutz Weißig hatte am ersten Tag des Sichtungsfischen das richtige Händchen

Also im ersten Durchgang erstmal einen guten Platz losen, ein gutes Ergebnis angeln, um dann etwas entspannter in die restlichen Durchgänge zu gehen, war das allgemeine Motto, doch nicht jeder konnte einen Endplatz kriegen.

Im zweiten Teil berichten wir dann zeitnah, wer mit den Bedingungen am besten zurecht kam, wer am varibelsten angelte, welche Taktiken am erfolgreichsten waren und welche Teilnehmer am Ende das beste Ergebnis erreichten. Es folgen ein Interview mit Harald Windel, dem erfolgreichsten Angler des diesjährigen Sichtungsfischens und Benjamin Hoffmann, der von Null auf EM-Kurs durchstartete.

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