DAV Anglertreff 2010 für Angler mit Behinderungen

  • von Ralf Töpper
  • 08. Juni 2010 um 08:53
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2 Wochen nachdem die champions-team Herren in Parey am Elbe-Havel-Kanal gefischt htten, durften nun die Handicapangler ihr Können an dem schwierig zu befischenden Kanal unter Beweis stellen. Dieser Kanal unterscheidet sich von den Strömungsverhältnissen nicht viel zu den Kanälen in NRW, allerdings ist der Fischbesatz und das natürlich vorkommende Futter größer und die Uferlandschaft wesentlich schöner.

Ausrichter der Veranstaltung war der SAC Parey/Elbe e.V unter der Leitung von Torsten Kuhfuß. Die Schirmherrschaft übernahm Frau Jutta Mannewitz, Bürgermeisterin von Elbe-Parey. Frau Mannewitz wurde während der Siegerehrung für Ihre Verdienste, die Sie für die Angelfischerei geleistet hat, geehrt. Als Zeichen der Anerkennung wurde Ihr die goldene Ehrennadel des DAV verliehen. Auch der Vorsitzende, Herr Wilfried Trojandt, der in seinem Einzugsfeld u. a. viel für die angelbegeisterte Jugend getan hat, stand uns immer mit Rat und Tat zur Seite.

Aufgrund der bevorstehenden Fusion von DAV und VDSF, durften in diesem Jahr zum ersten Mal DAV und VDSF Mitglieder an dieser Veranstaltung teilnehmen. Teilnahmeberechtigt sind nun alle deutschen Angler mit einem Grad der Behinderung von mind. 50%. Für die Handicap WM, die nach dem Reglement der C.I.P.S. ed ausgetragen wird, sind mind. 70% erforderlich um teilnehmen zu dürfen.

Die Teilnehmer, die diese Vorraussetzungen erfüllen, konnten sich gleichzeitig für die Angelweltspiele 2011 in Italien empfehlen. Bei dieser Angel WM werden alle Disziplinen in einem Land durchgeführt. Bei der letzten WM dieser Art in Portugal waren 46 Nationen am Start. Dies ist für alle Teilnehmer und Betreuer immer ein ganz besonderes Erlebnis.

Gefischt wurde wie schon erwähnt, in Parey, allerdings 1km rechts neben der Strecke, an der die ct-Herren Ihr Können bereits unter beweis stellten. Wir saßen dort auf der Spundwand und durften mit unseren Autos bis an den Angelplatz fahren. Dafür wurde eine Ausnahmegenehmigung für diesen Samstag erwirkt.

Die Strecke
Dank einer Ausnahmegenehmigung durfte bis an den Angelplatz gefahren werden

Gefischt wurde in zwei Durchgängen. Die beiden zu befischenden Abschnitte lagen nebeneinander, so dass ein Sektorwechsel nach dem Mittagessen vorgenommen werden musste.

Reinhard Eder und Ralf Töpper wollten sich schon ab dem Donnerstag mit den Gegebenheiten vertraut machen, aber leider machte das Wetter einen Strich durch die Rechnung. So konnten nur Montagen und Haken vorbereitet werden.

Freitag durfte die Strecke nicht mehr befischt werden. Die nun langsam eintrudelnden Angler, setzten sich 500m neben die Strecke um sich für das Event am Samstag vorzubereiten. Im Training wurde mit Bolo, Match- und Kopfrute geangelt. Die Kopfrute ist für die Handicap Angler auf 11,5m begrenzt. Mit allen drei Angelarten konnten Fische erbeutet werden.

ein guter Fang
Ralf Töpper mit einem schönen Brassen
Mit der Matchrute konnte man bei fast jedem Trieb ein Biss bekommen (nur im Training). Geangelt wurde in ca. 28m Entfernung, mitten in der Fahrrinne, mit einem 8g Cralusso Zero Slider. Die Bebleiung setzte sich aus dem Hauptblei(Cralusso), 30cm darunter einer Nr. 6 und weiteren 5cm darunter einem Mikrowirbel zusammen. Das Vorfach, in 0,10ner Stärke war ca. 20 bis 25cm lang. Der Haken war von Milo ein Sueiro T143 in 18 oder von Kamasan ein B512 ebenfalls in Größe 18. Der Köder wurde schleifend angeboten. Erstaunlicher Weise, nahmen die Fische die Made genauso arglos, wie die Vers de Vas.

Geangelt wurde in der Fahrrinne - in 28 m Entfernung
Punktgenau wurde mit dem Polecup gefüttert

Der Hauptfisch bestand aus Brassen bis 800g, die Güstern wogen ca. 100g bis 300g und vereinzelt bissen Rotaugen.
Die Menge der Barsche auf der Kopfrutenspur hielt sich erfreulicher Weise in Grenzen (nur am Trainingstag). Der Flussbarsch, der Kaulbarsch und der Ukelei kamen nicht mit in die Wertung.

Auf der Kopfrutenspur mussten wegen der Schleusung mind. 4 Kits aufgebaut werden. Die Tragkräfte der Posen waren: 1g, 1,5g, 2g, 3g, 4g und ein 5g oder 6g Lutscher von Cralusso, Modell Shark. Hier war eine Kette, oder eine Zwei- bzw. Dreipunkt Bebleiung erfolgreich.

Der Wasserstand schwankt in diesem Kanal um ca. 25cm und musste ständig im Auge behalten werden. Das Vorfach, ca. 20 cm lang, wurde in den Stärken 0,07 bis 0,09 gewählt. Zwei sehr gute Hakenmodelle waren der 3405 Black in den Größen 22 bis 18 von Sensas, sowie der Kamasan B512 in den Größen 24 bis 18. Als Hauptschnur wurde von mir eine 0,10ner Super-G Line von Spro Gamakatsu gefischt. Als Vorfachschnur verwende ich seit über 10 Jahren die Drennan DoubleStrengh, die unter anderem auch von Guido Nullens schon seit fast 20 Jahren gefischt wird.

die ersten Brassen
Nun landen auch die ersten Brassen im Kescher

Auf der Matchrute fische ich wie viele nationale und internationale Angler die Maxima Chamelon. Diese Schnur ist in ihrer Dehnung und in ihrem Sinkverhalten einmalig. Man verliert weniger Fische und außerdem ist die Bissausbeute wesentlich höher als mit anderen Schnüren. Leider ist diese Schnur immer noch eher unbekannt in Deutschland.

Auch an diesem, nicht einfach zu befischenden Kanal, ist das richtige Set-Up genauso entscheidend wie in der Formel 1.

1. Posenwahl bei sich ändernden Strömungsverhältnissen:
Lange Antenne (5 bis 6cm) gedrungener Körper, langer Kiel. Die RT-Serie 1 hat sich auch hier mal wieder
bewährt.

2. Bebleiung:
Ich empfand eine Kettenbebleiung als sehr angenehm, zu mal in Kanälen oft eine nicht zu unterschätzende Unterströmung herrscht. Mit einer Kettenbebleiung, kann dieser gut entgegengewirkt werden.
4 bis 6 Schrote, im Abstand von etwa 4cm bis 5cm
1g= Nr. 12 / 1,5g = Nr. 11 / 2g = Nr. 10 / 3g = Nr. 9 / 4g = Nr. 8
Der Lutscher von 5g wies eine Zweipunktbeleiung auf. Die zwei Punkte waren ca. 15cm auseinander und wurde mit 4mal Nr. 8 Schroten zu einem Bulk zusammen geschoben.
3. Ausloten:
Für das Ausloten sollte man ca. 20min. einplanen um den Gewässeruntergrund auf und um seine Angelstelle richtig kennenzulernen. Somit hat man die Karte vom Grund immer vor Augen. Eine Stelle, die etwas ebener ist als andere Bereiche, sollte hier vorgezogen werden. Wer in Löchern fischt geht ein höheres Risiko ein, gar nichts zu fangen.

4. Futter, Farbe, Erde, Bentonite:
An diesem Kanal kann ein Futter, bestehend aus Primus Big Weißfisch, Turbo und Gold (beides van den Eynde) gefischt werden. Wobei das Gold mit einem Madensieb von den ganz groben Partikeln befreit wurde. Kurz durchgemahlen, wurden die Partikel dem Futter wieder zugeführt. Das Futter sollte dunkel gehalten werden. Als Lockstoff kann ein wenig Brasem die gewünschten Fische etwas schneller an den Platz locken. Schwere Nullenserde mit Sensas Binderlehm hat sich als Vorteilhaft erwiesen. Lässt man alle drei Futtermittel getrennt, ist man sehr Flexibel und kann auf den anlaufenden Fisch flexibel reagieren. Zur Anfangsfütterung empfiehlt sich ein Gemisch aus Erde und Futter, zum Nachfüttern Futter oder Erde pur mit oder ohne Mückenlarven und evtl. 5 bis 6 Pinkys sowie ein paar Castern.
5. Futter und Köder:
Die richtige Menge Futter und Köder zu finden ist nicht leicht und hängt von vielen Faktoren ab. Ich habe mich für 2,5 Liter Trockenfutter inklusive aller Zusatzstoffe und 4 kg Erde mit 500g Binderlehm entschieden.
Die Köder bestanden aus: 1/8 Liter Pinkys, 1/8 Liter Maden, 500g Mücken und 50 bis 100g Vers de Vas. Diese Menge reicht um 3 Stunden genügend Futter und Köder trotz Schifffahrt auf den Angelplatz zu bringen. Auf dem Haken kamen 1 bis 3 Mücken, der Situation angepasst.

6. Füttertaktik, dem Platz entsprechend angepasst:
Die Anfangsfütterung von 6 bis 8 apfelgroßen Bällen sollte präzise auf die Kopfrutenspitze oder auf die Pose geschmissen werden. Hier kommt es auf die eigene Angeltechnik an. Die restlichen Ballen sollten, abhängig von der Schifffahrt, der Anzahl der Barsche sowie der Anzahl der zu fangenden Fische auf dem Futterplatz eingebracht werden. Ein gecuppter Futterballen brachte meiner Meinung nach mehr Erfolg, als ein geworfener. Maximaler Futterrhythmus - alle 10min., längste Wartezeit 1 Stunde. Auf den Außenplätzen darf ruhig etwas öfter gefüttert werden. Das Beißverhalten kann auf solchen Plätzen durch werfen des einen oder anderen Futterballen positiv beeinflusst werden.

7. Gummizug Setup in der Kopfrute:
2m ZIM Gummi (schwarz), weich eingestellt, in der Stärke 0,89 von Autain Peche ist sehr empfehlenswert.

8. Posenführung:
Zu einer guten Posenführung gehört auch ein präzises Angeln auf dem Futterplatz, denn dort konzentriert sich wie Steve Gardner es in einem Bericht so schön gesagt hat, der Fisch im Hotspot. Vom einfachen durchtreiben lassen, über das verzögerte Anbieten des Köders bis hin zum Halten auf dem Futterplatz wird jede richtig angebotene Mückenlarve geschluckt.

Faustregel: Je weniger Wasserbewegung – je mehr Köderbewegung / Je mehr Wasserbewegung – je ruhiger sollte der Köder angeboten werden.

Gleich zu Anfang des ersten Durchgangs stellte sich schnell heraus, dass hier mehr Barsche auf der Angelstrecke waren als zuerst angenommen. Hauptsächlich 10g schwere Kaulbarsche und zum Teil schöne Flussbarsche machten es den Weißfischen nicht leicht an den Köder zu kommen. Wer an diesem Kanal nicht auf die Mückenlarve gesetzt hatte, war im ersten Durchgang schon im Nachteil und im zweiten Durchgang chancenlos.
Trotzdem hat jeder Teilnehmer ein paar Brassen, Güstern und Rotaugen gefangen. Schnell wurde auch erkannt, dass die Matchrute, die im Training so gut funktionert hatte, keine Fische brachte. Genauso war es mit der Bolo.
Also konnte man sich voll auf die Kopfrutenspur konzentrieren.

Herr Eder
Jeder Teilnehmer fing einige gute Fische
Wie immer waren die Außenplätze im Vorteil. An diesen Plätzen laufen mehr und auch größere Brassen an. Sind die Brassen im mittleren Abschnitt des Sektors zwischen 400g und 600g schwer, können auf den Außenplätzen Exemplare bis 1,5kg gefangen werden.

Im zweiten Durchgang, bei wieder schlechten Witterungsbedingungen war es noch schwieriger Fische zu fangen, erst als die Sonne nach über einer Stunde zum Vorschein kam, konnten vereinzelt wieder Brassen gefangen werden.

Ralf 1. Durchgang
Reinhard Eder (ganz rechts) war mit einigen dicken Brassen ganz vorne dabei
Reinhard Eder blieb noch einen Tag länger und beangelte die Strecke erneut. Die übrig gebliebenen Mückenlarven, hatte er nach dem 2. Durchgang weggeworfen. Mit Made und Caster fing er lediglich 2 Barsche. Das ist der Beweis, dass hier ohne Mückenlarven kein „Blumentopf“ zu gewinnen ist. Innerhalb von einem Tag hat sich der Fisch auf die Mückenlarven fixiert. Dies ist schon erstaunlich und resultiert sehr wahrscheinlich auf dem sehr hohen Vorkommen von weißen Mückenlarven im Gewässer.

Am Ende des Berichtes findet Ihr die Auflistung der Ergebnisse von beiden Durchgängen.

Die gesamte Veranstaltung wurde von dem Präsidenten des Landesanglerverbandes Sachsen-Anhalt e.V., Hans-Peter Weineck begleitet. Herr Weineck ist gleichzeitig Referatsleiter im DAV für Angler mit Behinderungen.

Hans Kemp, Vizepräsident für Jugend und Sport des DAV, ließ es sich nicht nehmen, diese zukunftsweisende Veranstaltung zu unterstützen.

Rede Hans Kemp
Hans Kemp hielt eine beschwingliche Rede

3. Platz Lutz Pieper   
Ralf Töpper 1. Platz
3. Platz für Lutz Pieper
1. Platz Ralf Töpper

Mit dem Zusammenschluss von DAV und VDSF werden bestimmt weitere Angler, die mit Behinderung gehandicapt sind dazu kommen. Auskünfte hierzu bekommt Ihr unter:  www.lav-sachsen-anhalt.de

Ich möchte mich im Namen der Angler für die professionelle Ausrichtung dieser Veranstaltung und dem anschließenden, gemütlichen Beisammensein,  bei allen Helferinnen und Helfern des SAC Parey/Elbe e.V., recht herzlich bedanken.

Gemeinschaftsfoto
Wir kommen gerne wieder!

1. Durchgang:
Platz Nr.
Name
  Gewicht 
 Platzziffer 
 1 Wanowski, Heike 
 0 
 12 
 2 Pooch, Uwe
 1000 
  6 
 3 Meinke, Horst
900 

 4 Möller, Jörg
640 

 5 Emonts, Fritz
 40 
11 
 6 Daum, Daniel
60 
 10 
 7 Baake, Detlev
 880 
 8 
 8 Eder, Reinhard
2020 

 9 Neuendorf, Christian
1960 

 10 Töpper, Ralf
2500 

 11 Pieper, Lutz
3640 

 12
Fuchs, Siggi
5000 


2. Durchgang
Platz Nr.
Name
 Gewicht 
 Platzziffer 
 1 Wanowski, Heike 

11,5 
 2 Pieper, Lutz
1360 

 3 Meinke Horst
940 

 4 Töpper,Ralf
3240 
 1 
 5 Daum, Daniel

11,5 
 6 Baake, Detlev
700 

 7 Fuchs, Siggi
20 
10 
 8 Pooch, Uwe
600 

 9 Neuendorf, Christian
1740 

10
Emonts, Fritz
1440 

11
Möller, Jörg
2400 

12
Eder, Reinhard 2380 


Gesamtergebnis:
Platz Nr.
Name 
Punkte 
 1 Ralf Töpper 
 4 
 2 Reinhard Eder 

 3 Pieper, Lutz    
 4 Neuendorf, Christian 
 9 
 5 Fuchs, Siggi
11 
 6 Möller, Jörg
 11 
 7 Meinke, Horst
14 
 8 Pooch, Uwe
15 
 9 Baake, Detlev
16 
10 Emonts, Fritz
16 
11
Daum, Daniel
 21,5 
12
Wanowski, Heike
23,5 


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