champions-team Sichtungsfischen 2010

  • von ct Redaktion
  • 12. Mai 2010 um 13:49
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Eine Stunde brauchte Ralf Herdlitschke um wieder das Gefühl für das Angeln zu bekommen, dann passte alles und die Dinge nahmen ihren Lauf. Nun war es nicht so, dass er in dieser ersten Stunde des ersten Durchgangs des champions-team Sichtungsangelns nichts fing, doch die Abläufe und das Handling wirkten noch nicht ganz rund aber ab der zweiten Stunde war er wieder ganz der Alte. Es war in diesem Jahr immerhin sein erster Ausflug ans Wasser und so war er mit einem guten Bonusfisch und einigen kleineren Exemplaren in der ersten Stunde schon gut dabei. Insgesamt hatte er mal wieder das gemacht, was ihn von vielen Anglern unterscheidet und was leider auch nicht erlernt und maximal durch viel Erfahrung wett gemacht werden kann. Er hatte die Situation, die Verhältnisse, dass Beißverhalten der Fische am Elbe-Havel-Kanal richtig eingeschätzt. Das ging natürlich nicht ohne vorheriges Training an der Strecke, doch das übernahmen die Teamkollegen vom Stipp-Profi Team, die somit den Grundstein für eine starke Vorstellung von Rene Bredereck, Andreas Dalcke, Heiko Schmidt und eben auch Ralf Herdlitschke legten.


Ralf Herdlitschke kam, sah und siegte

Genauso gut stellten sich Frank Weise und Stefan Posselt auf die Gegebenheiten am Elbe-Havel-Kanal ein. Die beiden Angler aus Sachsen-Anhalt hatten den Vorteil, dass sie bereits im Vorjahr intensiv für den Landesanglertreff Sachsen-Anhalt trainiert hatten und ihre damals gewonnenen Erfahrungen nun sehr gut umsetzten. Mit Rainer Wenzel reihte sich zudem ein weiterer Angler sehr weit vorne ein, der es wie Stefan und Frank versteht unter schwierigen Bedingungen immer den einen oder anderen Bonusfisch im Netz zu haben und in allen Durchgängen eine starke Leistung zeigte.


Stefan Posselt überzeugte in allen 6 Durchgängen

Teilnehmern, denen man dafür zugetraut hätte, sich wieder in die internationalen Startplätze zu angeln, enttäuschten dagegen. Lutz Weißig haderte viel mit sich und der Strecke, doch im letzten Durchgang bewies er Mut und Gespür, um immerhin seinen Verbleib im B-Team zu sichern. Dies gelang Thomas Pruchnowski, der nach einem Jahr Pause wieder angreifen wollte dagegen nicht. Der Fünfte der EM 2005 und Gewinner des Sichtungsangelns 2006 kam am Elbe-Havel-Kanal nicht so zurecht, wie man es eigentlich erwartet hatte und schied überraschend aus dem champions-team aus.


Thomas Delfabro rettete sich im dritten Durchgang mit Ukeleis

Die von Teamchef Peter König ausgewählte Strecke am Elbe-Havel-Kanal bot anglerisch nur wenige Alternativen und wer nicht so angelte, wie es die Fische auf der 13 Meter Bahn haben wollten, der hatte mit anderen Techniken kaum Möglichkeiten. Weder die Kleinfisch- und Barschangelei im Uferbereich oder auf der Steinschüttung, noch die Rollenruten brachten nennenswerte Erfolge, so dass die für diese Angelei nötigen Ruten von den meisten Teilnehmern nach zwei Durchgängen entweder überhaupt nicht mehr oder nur noch sporadisch aufgebaut wurden. Was war also zu tun, wenn man die 13 Meter Bahn nicht zum Laufen kriegen würde? Im dritten Durchgang fing Thomas Delfabro aus der Mitte der Strecke ca. 900 Gramm Ukeleis, die ihn mit ein paar anderen Fischen zwar nicht nach vorne brachten, aber auch nicht in die 20iger Platzierungehn rutschen ließen. Lutz Weißig machte im letzten Durchgnag alles richtig, indem er auf Platz 3, einem der schlechtesten Plätze der Strecke, die Bolo nahm und mit 6 Gramm auf 16 Metern angelte. Knappe 2 Kilogramm waren auf diesem Platz sehr viel und sicherten ihm mit Platz 15 im sechsten Durchgang den Verbleib im champions-team.


Lutz Weißig setzte im letzten Durchgang auf die Bolo

Es gab einige, aber auch nicht zu viele, sehr schlechte Plätze auf der Strecke. Diese Plätze zeichnten sich durch einen extrem unruhigen Untergrund mit teilweise extremen Tiefenunterschieden aus. Hier gab es zudem Hänger und einige Montagen gingen verloren, doch schon nach den Trainingstagen war klar, um welche Plätze es sich handelte und so war es schon verwunderlich, dass trotzdem immer wieder im gleichen Stil auf diesen Plätzen geangelt wurde. Die leichte Bolo oder auch ein 6teiliges Kit wären dort sicherlich eine mutige Alternative gewesen. Wer mutig und anders als die anderen Teilnehmer ans Werk ging, wurde aber auch nicht unbedingt belohnt. Günter Horler setzte im zweiten Durchgang auf einem der schlechten Plätze auf helle Terre de Somme mit viel geschnittenen Würmern und wurde mit dem letzten Platz abgestraft. Was war also richtig, was war falsch? In den letzten Trainingsdurchgängen wurden die Fänge immer schlechter, kleine Fische, meist Rotaugen um die 10 Zentimeter waren noch einigermaßen zu fangen, so dass viele Teilnehmer auf feines Futter umstiegen. Grobe Partikel wurden noch ausgesiebt, um die wenigen kleinen Fische nicht auch noch zu sättigen. Doch das war falsch, denn mit "Futterstaub" konnte man die größeren Fische kaum für den Angelplatz begeistern. Was war also zu tun, welche Techniken und Taktiken brachten den Erfolg?


Mit starker Leistung ins champions-team A: Rainer Wenzel

Futter und Köderführung waren entscheidend und das Sichtungsangeln zeigt es Dank der vielen unterschiedlichen Ausrüster jedes Jahr aufs Neue. Es gibt nicht die Futtermischung schlechthin, sondern nur Mischungen, die aufgrund Ihrer Struktur und Bindung optimal zum Gewässer und den zu beangelnden Fischen passen. Man kann davon ausgehen, dass Ralf Herdlitschke & Co. natürlich das gleiche Futter fischten, dass Stefan Posselt, Rainer Wenzel, Frank Weise und Thomas Delfabro aber sicherlich andere Hersteller am Start hatten und auch ihre Fische sehr erfolgreich fingen. Ralf Herdlitschke, Rene Bredereck, Andreas Dalcke und Heiko Schmidt vertrauten nachfolgender Mischung, später gesellte sich auch noch ein Teilnehmer dazu, der eigentlich den Produkten einer großen französischen Futtermühle vertraut, nach drei Durchgängen aber schon einige Punktze zuviel auf dem Konto hatte.

2 kg Van den Eynde Champion
2 kg Van den Eynde Gold Pro Bream
2 kg Hausmischung
1 Tüte Brasem
1 kg Terre de Riviere
Abgedunkelt mit schwarzer Farbe

Also ein grobes, sehr gut bindendes Futter, von dem man ausgehen konnte, dass nach dem Schleusen oder einem vorbeifahrenden Schiff noch einige Partikel am Angelplatz verblieben. Denn gerade wenn geschleust wurde oder auch ein Schiff die Strecke passierte, schossen kurz danach die Gummizüge aus den Ruten. Abtreibende oder aufgewirbelte Partikel animierten die größeren Fische zum Fressen und da war es wichtig, dass noch Material am Angelplatz lag. Wer hier zu vorsichtig, mit zuviel Erde und zuwenig Ködern zu Werke ging, hatte schnell das Nachsehen. Näherte sich ein Schiff, so musste man hellwach sein und die zur Strömung passende Pose fischen, denn wenn Bewegung in den Kanal kam, dann gab es die meisten Bisse.

Anfangsfütterung:

7 Bälle aus der Futtermischung mit 100 ml Castern, Pinkies und kleinen Mückenlarven.
3 Pole Cups aus der Erdmischung mit einem hohen Anteil an kleinen Mückenlarven
1 Pole Cup aus der Futtermischung mit einem hohen Anteil an Pinkies

Füttern01
7 Futterbälle per Hand geworfen

Zum Nachfüttern kam neben dem Futtermix folgender Erdmix zum Einsatz:

50/50 Mix aus Sensas Terre de Riviere und Colmic Terra Ventilata

Nachfüttern:

Jeweils einen Ball aus der Erdmischung mit kleinen Mückenlarven und einen Ball aus der Futtermischung mit Pinkies. In den Außenbereichen der Strecke waren mehr kleinere Fische und auch vermehrt gute Güstern, so dass dort der Pinkieanteil erhöht werden musste. Im Innenbereich der Strecke kamen dagegen immer mal wieder Brassen von 500 bis 800 Gramm auf die Plätze, die vornehmlich auf Mückenlarven ansprachen.
Waren große Fische am Platz, so reagierten sie sehr negativ auf eventuelles Nachfüttern. Besser war es, alle Fische mitzunehmen, biss keine Bisse mehr kamen und dann Nachzufütttern. Auch nach einem Schiff war es besser nicht sofort den Polecup rauszuschieben, sondern lieber das aufgewirbelte Wasser mitzunehmen und erst dann zu füttern, wenn sich das Wasser wieder beruhigt hatte und keine Bisse mehr kamen.


Der Elbe-Havel-Kanal bei Parey in Sachsen-Anhalt

Posen und Bebleiung:

Entweder ist die Laetitia von Sensas die beste Pose für alle deutschen Gewässer oder die Wahl der Pose passte einfach zum diesjährigen Sichtungsfischen, wo viele alles gleich machten und wenig Neues zu sehen war. Gerade an den Anfangstagen war es sehr windig und Schwimmer, die stabil im Wasser standen wichtig. Also mit Stahlkiel und in den Wellen und wechselnden Lichtverhältnissen eine gut sichtbare, tragende Antenne. Hohl oder Plastik, nicht zu dünn und die Pose auch in der Tragkraft nicht zu leicht. Es war keine besonders feine Angelei, normale Posen mit einer Tragkraft von 1,5 bis 3 Gramm sollten es schon sein, bei Strömung dann auch Lutscher bis 6 Gramm. Eiförmige Posen wie die Laetitia oder auch die Perfekt Windstopper für ruhiges Wasser und Cralussos für die Strömung passten.

Posen01
Posen mit Stahlkiel und tragender Plastikantenne kamen zum Einsatz

Der Wasserstand schwankte ständig zwischen 10 und 20 Zentimetern, so dass ein Angeln in einer zentimetergenauen geloteten Tiefe eigentlich nie möglich war. Da am Grund geangelt werden musste, war ein längeres (20 - 30 Zentimeter) Vorfach sinnvoll. Gelotet am letzten Belischrot konnte man davon ausgehen, dass das Vorfach immer mindestens 10 bis 20 Zentimeter am Grund war und das war wichtig. Bündig oder über Grund brachte kaum Bisse, geschweige denn die größeren Fische. Aufgrund der Wassertiefe und der Strömung schlossen sich zu kleine Schrote auf der Schnur aus. 5 Schrote der Größe 8 in Abständen von 8 - 6 - 4  und 2 Zentimetern vom Blei über der Schlaufe zum Hauptblei waren erfolgreich.


Eine Kette aus 8er Schroten erwies sich als optimal

Schnur und Haken:

Die größeren Fische waren ziemlich kampfstark und es gab auf den meisten Plätzen nicht allzuviele Chancen auf einen oder mehrere Bonusfische. 12er Hauptschnur und 10er Vorfach konnten und durften es also schon sein, wobei die Haken eher klein gewählt werden mussten. 18 bis 22 waren die gängigen und fängigen Größen und leider sorgten auch die ganz kleinen Größen dafür, dass viele Bonusfische verloren gingen.

Köderführung:

Die Bisse kamen, wenn der Köder sich langsam Richtung Gewässergrund senkte. Bei stehendem Wasser durch Anheben und anschliessendem fallen lassen des Vorfachs und bei Strömung durch das Blockieren der Pose und kontrollierten laufenlassen, so dass der Köder wieder zum Grund kam und dann genommen wurde. Ein regelrechtes "wippen" mit dem Köder brachte die Bisse. Rauf, runter, rauf, runter, die Pose mal gegen die Strömung ziehen und wieder fallen lassen, dann ging diese unter. Reines Blockieren oder laufenlassen brachte auch Bisse, der langsam wieder zum Grund schwebende Köder provozierte aber mehr davon. Präzision war gefragt. Maximal 80 Zentimeter vom Futterball entfernt musste die Pose wieder sauber auf den gecuppten Bällen für eine neue Drift eingesetzt werden. Alternativ war es auch möglich noch den einen oder anderen guten Fisch einzusammeln, indem man den Futterplatz mit gestreckter Schnur überwarf und den Köder von außen langsam auf den Futterplatz zog.

Nebenbei:

Geangelt wurde natürlich nach dem Regelwerk der CIPS, Frank Eckert vermasselt sich ein besseres Gesamtergebnis, da er im fünften Durchgang sein Futter nach der Futterkontrolle noch einmal quirlte. Nicht vorsätzlich, sondern eher nur dusselig aber lieber früher als bei einer internationalen Veranstaltung,  Platzziffer 28 war das logische Ergebnis.


Die Teilnehmer des Sichtungsfischens 2010

Personell war sicherlich die größte Überraschung, dass Günter Horler seinen Platz im champions-team A abgab, keine Frage war allerdings, dass er trotzdem von Teamchef Peter König für die EM in Portugal nominiert wurde. Auch der beste Newcomer aus dem letzten Jahr, Benjamin Hoffmann, konnte seinen Platz nicht verteidigen und wir dürfen gespannt sein, wie sich die ganz neuen Teammitglieder Rainer Wenzel, Heiko Schmidt und Frank Weise international schlagen. Die einjährige "Auszeit" von Stefan Posselt kann man dagegen wohl eher als Ausrutscher sehen, bereits zur WM in Spanien wird er wieder international am Start sein.


Jan Folz kämpfte bis zum Schluss und wurde belohnt

Die beiden besten Durchstarter waren in diesem Jahr Heiko Schmidt, der sicherlich auch ein bisschen von seinen Stipp-Profi Teamkollegen profitierte und Jan Folz, der in den ersten beiden Durchgängen richtig Punkte sammelte und es am Ende aber ganz souverän ins B-Team schaffte.

Wer, wo, bei welcher Veranstaltung nominiert wurde sehen Sie: Hier

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