Anglertreff Niedersachsen an der Aue in Sarninghausen

  • von ct Redaktion
  • 12. Juli 2012 um 08:58
  • 5

Wenn im Juni die LAV in Niedersachsen ansteht, dann heißt es für die Teilnehmer in der Regel immer Koffer packen. Auch wenn in Niedersachsen einige Gewässer zur Verfügung stehen würden, so entscheidet sich die Teamleitung doch meistens für fernere Gewässer. Jenes hat den Vorteil, dass man sich immer wieder auf neue Gewässer einstellen muss und sich die Mannschaft durchsetzt, welche eine geschlossene Teamleistung über die beiden Durchgänge zeigt und versteht, das Gewässer und den Wandel des Beißverhaltens über die Zeit zu lesen. Doch auch der Nachteil der Entfernung soll nicht unerwähnt bleiben. So sind doch viele nach einer knappen Woche Fischen kaputt und geschafft, wenn es am Sonntag wieder in die Heimat geht.

Nach 2009 am Oder-Havel-Kanal in Hennigsdorf, 2010 am Elbe-Havel-Kanal in Niegripp und 2011 am Oder-Spree-Kanal in Braunsdorf sollte es mal wieder an ein heimisches Gewässer gehen. Da die Aue in Sulingen in 2012 schon genug ausgelastet ist, entschied man sich ein paar Kilometer stromab zu gehen, Richtung Sarninghausen.

Kleine Breesen – in Sarninghausen deutlich häufiger anzutreffen als in Sulingen
Kleine Breesen – in Sarninghausen deutlich häufiger anzutreffen als in Sulingen


Bereits nach Bekanntwerden der Strecke fingen die ersten Gemüter an zu murren und vereinzelt fragten sich einige, warum es denn schon wieder die Aue sein müsste. Doch auch lachende Gesichter blickten hervor, so freuten sich viele Mannschaften, dass man die Nächte bei der Familie verbringen konnte und dass der Sonntag keine großen Reisestrapazen mit sich bringen sollte.

Wer nun glaubt, dass die Aue immer Aue bedeutet, der irrt. Von der Sulinger Aue ist bekannt, dass sich die einzelnen Streckenabschnitte unterscheiden und das nicht immer in jedem Sektor die gleiche Taktik zum Erfolg führen wird. So sollte es auch in Sarninghausen sein.

Typischer Weissfischfang aus der Aue in Sarninghausen
Typischer Weissfischfang aus der Aue in Sarninghausen

Die Aue dort wird regelmäßig vom DAV NRW befischt und auch im Herbst finden hier regelmäßig zwei Hegefischen statt. Es ist also bekannt, dass nicht nur das Beißverhalten im Gegensatz zu Sulingen unterschiedlich ist, sondern auch die Fanggewichte und Stückzahlen eine andere Sprache sprechen. Will man bei den Hegefischen vorne sein, kann es schon mal vorkommen, dass 100 Fische nicht reichen, um in die vorderen Ränge zu kommen. In der Regel sind Stückzahlen um die 70 Fische keine Seltenheit. Da in Sarninghausen viel mit der Mücke gefischt wird, ist der Hauptfisch der Barsch, aber auch die Rotaugen und häufig anzutreffenden Skimmer dürfen nicht vernachlässigt werden, gerade wenn es sich um eine Gewichtswertung handelt.

So wurden aus den murrenden Gemütern schnell fragende Gesichter und wohl denen, welche in den letzten Jahren regelmäßig an diesem Streckenabschnitt fischten.

Zählt bereits zu den kapitalen Barschen in Sarninghausen mit ca. 15gr.
Zählt bereits zu den kapitalen Barschen in Sarninghausen mit ca. 15gr.  - vergrößern -

Wer also würde nach 2009 (AC Suletal), 2010 (Team 49), 2011 (Fishing-Attack) in 2012 in Niedersachsen oben stehen?
Prinzipiell sagte man den Teams aus Sulingen, AC Suletal (FTM) und AC Sulingen (Sensas) die Favoritenrolle zu, doch auch Mannschaften wie der SFV Cornau und dem Team 49 traute man einiges zu, da diese beiden Mannschaften sehr häufig an der Aue in Sarninghausen anzutreffen sind. Beim AC Sulingen stellte sich früh in der Saison heraus, dass Jens Nietfeld und Oliver Bürger krankheitsbedingt ausfallen würden und es dauerte eine Weile, bis man Ersatz gefunden hatte. 

Ersetzte Harald Windel und lieferte ein akzeptables Ergebnis – Albert Franz
Ersetzte Harald Windel und lieferte ein akzeptables Ergebnis – Albert Franz

Aber auch der AC Suletal musste mit Harald Windel auf einen Spezialisten verzichten. Schaut man auf die Gewinner der letzten Jahre, so darf man auch die Mannschaft um Fishing-Attack, Sensas Cornau nicht vernachlässigen. So finden sich bereits 5 Mannschaften im engen Kreis wieder und wenn man bedenkt, dass die Stippergruppe Hemmoor ebenfalls aus Kleinfischexperten besteht, so muss man im Grunde sechs von neun Mannschaften zum Favoritenkreis zählen.

Ersatzteam Graf/Bürger – gemeinsam zum Sektorensieg
Ersatzteam Graf/Bürger – gemeinsam zum Sektorensieg - Slideshow -


Eine Woche vor der LAV stand jedoch noch das größte Mannschaftsfischen in Deutschland, der Sulinger Aue Pokal statt. Nachdem der AC Suletal dieses Event für sich entscheiden konnte, waren sich alle Teilnehmer einig, dass der größte Favorit der AC Suletal (Günter Horler, Thomas Pruchnowski, Gerd Beich, Andreas Pleuß und Albert Franz) sein wird. Günther Horler reiste bereits am Freitag an und blieb nach dem Aue Pokal in Sulingen, um die Woche über die Strecke kennenzulernen und den Rest der Mannschaft einzustellen.

Fühlt sich sichtlich wohl in Niedersachsen – Günter Horler
Fühlte sich sichtlich wohl in Niedersachsen – Günter Horler


Nach und nach kam der Rest der Mannschaft dazu und erst am Mittwoch gesellte sich das zweite Team, Fishing-Attack, dazu. Von guten Fängen war die Rede und die meisten Angler hatten trotz des widrigen Wetters ein Lächeln auf dem Gesicht, so ließen sich doch stattliche Gewichte über 2kg in einer Session erbeuten und das nicht nur mit kleinen Barschen, sondern auch mit schönen Rotaugen bis 400gr und handlangen Skimmern bis 500gr. Am Donnerstag komplettierte der AC Sulingen, die Stippergruppe Hemmoor, die Einzelanglermannschaft ASV Sulingen, Bolognese Hannover und der Browning Angelclub Lohne das Bild. Lediglich die Jungs vom Team 49 und dem SFV Cornau sollten erst am Freitag dazu kommen.

Die ausgewählte Strecke ist in der Nähe von Deblinghausen, direkt zwischen Wald und Wiesen und bietet dem Angler ein Bild, welches viel zu selten anzutreffen ist. Natur, soweit das Auge reicht. Wälder, einzelne Bäume, Sträucher, keinerlei Lärm mit einer Ruhe, welche zum Verweilen einlädt. Dass man dazu direkt an der Aue über einen Feldweg an seinen Angelplatz fahren kann, war nur ein netter Nebenaspekt.

Der Blick über den Sektor C – im Hintergrund die parkenden Autos
Der Blick über Sektor C


Auch die einzelnen Sektoren sind zum Teil sehr unterschiedlich, so befand sich der Sektor A stromab, in einer langgezogenen Außenkurve. Folglich war es hier vor den Füßen bis zu 4m tief und auf 13m lediglich maximal 3m. Schnell stellte sich heraus, dass hier wesentlich mehr Barsche zu fangen waren, als in den anderen Sektoren. In den Trainingstagen kamen hier Gewichte von knappen 3 Pfund zur Waage, welche aus etwa 200 Kaulbarschen bestanden. Doch auch vereinzelt große Rotaugen, welche schnell 40 Kaulbarsche bedeuten konnten, wurden gefangen. Die Teams waren sich allerdings einig, dass diese schwer zu selektieren sind und man sie als Bonusfisch einfach mit einsammelte.

Der Sektor B schloss an eine lange Gerade an. Die niedrigen Nummern konnten hierbei noch von den zahlreichen Barschen profitieren. Es gesellten sich aber immer mehr Weissfische zu, je höher man saß. Man musste vorsichtig zu Werke gehen, denn man konnte hier mit den Barschen nicht gegen das Gewicht der Weissfische ankommen. Ein optimaler Mix aus Rotaugen und Barschen durfte es also sein, um sich später weiter vorne zu finden, so zumindest die Theorie vor den Durchgängen. Anders als in den vorigen Sektoren wurden im Sektor C fast nur Rotaugen und Skimmer gefangen. Die Gewichte waren im Training dementsprechend höher und es schien so, als sei der Sektor sehr gleichmäßig.

Auch der D-Sektor brachte einige Rotaugen, aber auch wieder vermehrt Barsche ins Netz. In einer leichten Innenkurve gelegen, ohne jegliche Ufervegetation, wie Seerosen, aber mit Bäumen im Rücken und einem kleinen Wäldchen vor der Nase zumindestens optisch reizvoll. Auffallend allerdings, dass es hier einige Plätze gibt, welche nur Barsche an die frische Luft brachten. Bei wem nicht nur der Fischfang im Vordergrund steht, sondern auch die Natur in vollen Zügen genießen möchte, dem steht der Sektor E zur Verfügung. Auch hier eine langgezogene Innenkurve, ca. 5m schmaler als die restlichen Sektoren, mit üppigen Seerosenfeldern, einem flachen, aber breitem Deich und großzügigen Schilffeldern mit gegenüberliegendem Wald. Ein Traum…

Bei dieser Landschaft durfte auch die bessere Hälfte genießen.   Bei dieser Landschaft durfte auch die bessere Hälfte genießen.
Bei dieser Landschaft durfte auch die bessere Hälfte genießen.


Was sollten also die Durchgänge bringen? Mit einer Breite von etwa 25m, maximal 30m, ist die Aue in Sarninghausen etwas breiter als in Sulingen. Die Matchrute spielt dennoch keine Rolle, so sind genügend Fische auf den einzelnen Spuren zu fangen. Auch die ganz kurzen Spuren sind nicht von Bedeutung, da kein Sektor, mit Ausnahme vom Sektor E, Ufervegetation zu bieten hat. Blieben also nur noch die Entfernungen zwischen 6m und 13m. Eine weitere Frage, welche viele Mannschaften beschäftigte, war die vierte Stunde. Die Teamleitung hat sich dazu durchgerungen, endlich die vierte Stunde einzuführen. Ein Aspekt, welcher bis dato den Anglern in Niedersachsen unbekannt war und alle waren gespannt, wie die Aue darauf reagieren würde. Im Grunde eine weise Entscheidung, so wird international nur noch vier Stunden gefischt und häufig gewinnt die Mannschaft, welche in der Lage ist, seinen Futterplatz über vier Stunden aufzubauen und nicht zu überfüttern.

Experten unter sich
Experten unter sich


Weiterhin mussten möglichst viele Rotaugen den Weg in den Kescher finden, so erreichten sie ein Durchschnittsgewicht von 40-60gr und nicht selten kam ein Fisch von 200gr dazu. Die Barsche galt es zu umgehen, aber nicht fernzuhalten, sollten sie doch womöglich in der dritten und vierten Stunde eine größere Rolle spielen. Die Mannen um Günter Horler und Andreas Pleuß verstanden es vorzüglich, sich im Training von anderen Mannschaften abzusetzen, so erreichten sie meistens Spitzengewichte. Gut schlug sich auch die Mannschaft um Torsten Renner, Fishing-Attack. Der AC Sulingen kam lediglich an Gewichte um die Kilogrammmarke heran und man war gespannt, wie sich die Strecke am ersten Durchgangstag verändern würde. Der SFV Cornau und das Team 49 fingen ebenfalls ihre Fische, allerdings fehlten hier ein paar Trainingsstunden, so dass man gespannt auf die Ergebnisse dieser Teams war. Die Stippergruppe Hemmoor fand keinen Weg zu den Weissfischen, so fing man hier fast nur Kaulbarsche.

Kaulbarsch oder Weissfisch – das war hier die Frage!
Kaulbarsch oder Weissfisch – das war hier die Frage!


Gespannt traf man sich am Samstag zur Verlosung der Plätze. Während die Mannschaftsführer die obligatorischen Passkontrollen und die Verlosung vornahmen, war das Hauptthema im Saal die Qualität der Mückenlarven. Einige Angler klagten über die Leblosigkeit der so wichtigen Köder und man konnte ein reges Treiben an den Autos beobachten, wo konkurrierende Teams sich gegenseitig aushalfen. Etwas, über das man in Niedersachsen sehr stolz ist, denn man kennt sich und seit Jahren treffen sich die gleichen Teams in freundschaftlicher Atmosphäre und wenn eine Mannschaft Hilfe braucht, bekommt sie diese auch im Überfluss.

Nach einer knappen Stunde ging es Richtung Angelplätze und schnell kam die Ernüchterung, als die ersten Blicke auf das Gewässer prallten. Windgeschwindigkeiten von 45km/h und Böen über 60km/h machten so manche Taktik zu Nichte. Präzises, technisches Fischen hatte sich vorerst erledigt. Das Ausloten der Angelplätze war eher eine Tortur, da der Wind pausenlos in die Ruten schlug und man musste Zeit und Geduld mitbringen, um sich ein gutes Bild von seiner Unterwasserlandschaft zu machen. Auch beim Füttern war ein gutes Händchen, die Windböen geschickt zu umgehen, von Vorteil. Gerd Doberstein hatte das Pech, bereits in der ersten Minute Teil sieben seiner Rute beim Füttern zu knacken und fütterte so ungewollt auf 8m die erste Spur. In der Hektik, dass die zehn Minuten bald um sein würden, ging dann auch gleich der zweite Ball durch eine weitere Windböe auf 10m flöten und so war die zweite ungewollte Spur befüttert. Doch Gerd behielt die Ruhe und konnte bei seinem ersten Einsatz auf einer LAV für den AC Sulingen respektable 3 Punkte im Sektor D einfahren.

Behielt die Ruhe und ersetzte Jens Nietfeld zu voller Zufriedenheit – Gerd Doberstein
Behielt die Ruhe und ersetzte Jens Nietfeld zu voller Zufriedenheit – Gerd Doberstein


Karol Pacyna konnte den Sektor knapp für sich entscheiden, vor Uwe Wilmhoff. Auch in den anderen Sektoren war es nicht einfach, konstant Fische zu fangen. Wohl dem, der nur 11m fischte und auch noch eine Spur auf 7m hatte, welche Fisch brachte. Im Sektor A konnte auf dem Endplatz sitzend Martin Nordiek vom Team 49 einen guten zweiten Platz mit 1330gr erringen. Er musste sich Lukas Reichenbach vom AC Sulingen, zwei Plätze weiter sitzend, geschlagen geben. Lukas schaffte es in der vierten Stunde die Rotaugen an seinem Platz zu versammeln und konnte so exakt 2kg fangen. Ein Gewicht, welches seines Gleichen suchte, fing der Rest doch weit unter 1kg. Zu erwähnen auch die Leistung von Matthias Marten vom SFV Cornau, welcher ausschließlich Barsche fing und somit einen sehr guten dritten Platz belegen konnte. Bedenkt man den starken Wind, ist eine Fischanzahl von über 70 Fischen erstaunlich. In B konnte ebenfalls der AC Sulingen in Person von Martin Kinne die niedrigste Punktezahl für die Mannschaft einfahren. Mit 930gr lag er vor Andreas Pleuß (740gr) und Bernd Hoffmann (610gr). Hier bestätigte sich der Trainingseindruck, dass die Plätze links im Sektor mehr Barsche brachten. Michael Borchers konnte nach etwa zwei Stunden alle paar Minuten einen kleinen Barsch fangen. Da ihm die Weissfische fehlten, fütterte er aggressiver mit Lehm und Mücken, um einen noch schnelleren Rhythmus zu bekommen, doch er pokerte zu hoch und sättigte die Barsche zu schnell. Mit 550gr und zwei verlorenen Rotaugen war hier mehr drin und es zeigte sich, wie wichtig es war, seinen Platz Stück für Stück aufzubauen. Im Sektor C konnte Uwe Koopmann vom SFV Cornau seine Erfahrung an der Aue nutzen und gewann den Sektor mit 950gr deutlich vor Peter Englisch mit 690gr. Der junge Sebastian Graf vom AC Sulingen behielt die Nerven im starken Teilnehmerfeld und konnte mit 640 einen guten dritten Rang belegen. Im Sektor E saß der neue Niedersachse Günter Horler und zeigte auf E8, dass auch er in der Aue fischen kann. Mit 1880gr belegte er Platz zwei und musste sich lediglich Thomas Graf vom AC Sulingen auf E9 geschlagen geben. Thomas sprang kurzfristig für Oliver Bürger ein und zeigte, dass auch er nach einer mehrjährigen Angelpause das Fischen noch nicht verlernt hat.

Wenn man sich nicht ganz sicher ist, baut man einfach das ein oder andere Top Set mehr auf – in diesem Falle neun Stück..
Wenn man sich nicht ganz sicher ist, baut man einfach das eine oder andere Top Set mehr auf
- in diesem Falle neun Stück -


Der erste Durchgang war nun vorüber und so manch einer freute sich nach vier Stunden Orkan auf das heißgeliebte Sofa. Doch vorher wurden noch die Punkte zusammengerechnet und es zeichnete sich eine kleine Überraschung ab. Das hoch favorisierte Team vom AC Suletal fuhr 22 Punkte ein und belegte somit nur Rang 4. Ein Resultat, welches so gewiss niemand erwartet hatte. Aber auch der SFV Cornau überraschte und belegte mit 15 Punkten Platz 2. Die einzelnen Platzierungen im Überblick:

 1.  (9)  AC Sulingen
 2. (15) SFV Cornau
 3. (21) Fishing-Attack
 4. (22) AC Suletal
 5. (24) Team 49
 6. (27,5)  Browning Angelclub Lohne
 7. (31,5) Bolo Hannover
 8. (35) Stippergruppe Hemmoor
 9. (38) ASV Sulingen (Einzelangler)


Das Bild des Ergebnisses sprach eine klare Sprache. Es gab Mannschaften, welche es verstanden hatten, die Rotaugen zu selektieren und am Ende stellte sich heraus, dass es wichtig war, die Geduld zu behalten. Die Weissfische waren nicht zu jeder Zeit am Angelplatz und wer nur mit der Mücke und ohne regelmäßig zu füttern seinen Platz befischte, der hatte oftmals das Nachsehen. Die Rotaugen und Skimmer wollten einen oder zwei Pinkis, vielleicht noch mit einer oder zwei Mückenlarven gepaart und immer wieder frisches Futter. Dabei musste man nicht allzu fein zu Werke gehen. Fütterte man zu viele Mücken und Erde, wurden die Fische kleiner und man fing eher einen Barsch. Futter mit wenigen Mücken war die beste Alternative und wenn man 15 Minuten keinen Biss verzeichnen konnte, setzte man wieder einen kleinen Ballen Futter nach und versuchte, die ein, zwei Rotaugen, welche dann auf den Platz kamen zu fangen.

Viele sprachen bereits von einer Vorentscheidung für den AC Sulingen, doch in den vergangenen Jahren wurde schon öfters ein solcher Vorsprung aus der Hand gegeben und so ging man gespannt in den nächsten Durchgang.

Wie jedes Jahr: Ein Tag pfui, der andere Tag hui – Jan Schnieder vom Team 49
Wie jedes Jahr: Ein Tag pfui, der andere Tag hui – Jan Schnieder vom Team 49


Die erste Erleichterung gab es bereits am frühen Morgen, als man sich an der Aue traf. Ein angenehmes Lüftchen wehte leicht über die spiegelglatte Oberfläche der Aue und mit dem Gesang der Vögel und der lachenden Sonne im Hintergrund baute es sich wesentlich entspannter auf. Man merkte die Freude der Teilnehmer, denn es versprach ein schöner Tag zu werden und man unterhielt sich angeregt über kommendes. Dem aufmerksamen Auge ist allerdings nicht entgangen, dass kaum Fische an der Oberfläche waren, doch die Vorfreude über die angenehmen Bedingungen wehte diesen Gedanken schnell beiseite. Die Fütterung begann und zehn Minuten später setzten 45 Angler ihre Montage, meist mit einem Pinki, auf den Futterplatz. Die erste, zweite, dritte Drift war vorüber und der Proppen war noch nicht untergegangen. Ein Bild, welches es in den vergangenen Tagen nicht gegeben hatte. Auch nach den ersten Minuten hatte sich nichts getan. Ein Blick nach links und rechts zeigte, dass Ratlosigkeit an der Strecke herrschte. Wohl dem, der bereits einen Fisch fangen konnte.

Die erste Stunde lag nun hinter den Mannschaften und all zu viele Fische wurden noch nicht gefangen. Manche konnten nichteinmal einen Biss verzeichnen. Da half auch kein Wechsel der Montage, Verschieben der Bleie oder Wechsel der Spur. Die Fische wollten nicht fressen. Kurioserweise gab es aber in jedem Sektor Angler, welche Fische fingen und im Verlauf des Fischens wurden das immer mehr. Man musste sich auf die neue Situation einstellen und so nutzten viele Mannschaften die letzten beiden Stunden, um noch an Fisch zu kommen. Eine Stunde vor Ende zeichnete sich ein Wechsel in den Top 4 an. Der AC Suletal konnte nun geschlossen Fisch fangen, während der AC Sulingen in vier Sektoren auf den hinteren Plätzen lag. Ebenso erging es dem SFV Cornau, wofür Fishing-Attack wieder Boden gutmachte. Durch einen geschlossenen Taktikwechsel in der letzten Stunde, konnte der AC Sulingen doch noch an Fisch kommen.

Am Ende sollte wieder die Waage zeigen, wer sich auf die verändernde Situation am besten einstellen konnte. Im Sektor A konnte Thomas Pruchnowski mit 590gr seinen Sektor für sich entscheiden, wohl gemerkt, dass Thomas seinen ersten Fisch nach 2 Stunden fing. Dahinter folgten Ludger Vogt (Team 49) mit 550gr und Andreas Otte (Bolo Hannover) mit 440gr. Der Sektor B wurde von Peter Englisch angeführt, welcher mit 1280gr ganz klar die Nase vorn hatte. Eigentlich hätte er nach zwei Stunden aufhören können zu fischen, denn Jan Schnieder (Team 49) folgte mit 330gr vor Lukas Reichenbach (AC Sulingen) mit 320gr. Ebenfalls gewinnen konnte Karol Pacyna (Fishing-Attack) den Sektor C, vor Uwe Wilmhoff und Gerd Beich. Im Sektor D gab es dann für alle Angler eine Lehrstunde, so zeigte Günter Horler, welche Klasse er besitzt. Lediglich drei von neun Angler schafften es, etwas über 100gr Fisch zu fangen. Günter erreichte nur mit Rotaugen 1440gr und zeigte seinen Nachfolgern Martin Kinne (AC Sulingen – 390gr) und Dirk Dedenken (Fishing-Attack - 270gr) klar die Grenzen auf.

Günter Horler zeigte den Einheimischen, wie man in der Aue zu Fischen hat
Günter Horler zeigte den Einheimischen, wie man in der Aue zu Fischen hat - Slideshow -


Im Sektor E tat man gut, wenn man an einem der Seerosenfelder saß. Hier saßen kleine Fische unter 10gr und konnten regelmäßig gefangen werden. Allerdings benötigte es doch ein paar bessere Rotaugen, um weiter vorne zu landen, so dass am Ende Ingo Adam (Stippergruppe Hemmor) mit 900gr den Sektor für sich entscheiden konnte, vor Benjamin Methner (Angelclub Lohne – 770gr) und Albert Franz (AC Suletal – 630gr).

Das Rechnen begann erneut und es zeigte sich, dass der AC Sulingen Federn gelassen hatte. Sowohl der AC Suletal, als auch Fishing-Attack legten einen sehr guten zweiten Durchgang hin. Aufgrund des besseren ersten Durchganges gewann der AC Sulingen allerdings doch vor Fishing-Attack, während der AC Suletal sich auf den Bronzerang verbessern konnte.

Die Siegermannschaft AC Sulingen mit ihren Invaliden. Von links nach rechts: Gerd Doberstein, Thomas Graf, Martin Kinne, Sebastian Graf, Jens Nietfeld, Oliver Bürger und Lukas Reichenbach
Die Siegermannschaft AC Sulingen mit ihren Invaliden. Von links nach rechts: Gerd Doberstein, Thomas Graf, Martin Kinne, Sebastian Graf, Jens Nietfeld, Oliver Bürger und Lukas Reichenbach
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1.  (30,5)  AC Sulingen
2. (36,5) Fishing-Attack
3. (38) AC Suletal
4. (47,5) Team 49
5 (48) SFV Cornau
6. (54,5) Browning Angelclub Lohne
7. (59) Stippergruppe Hemmoor
8. (59,5) Bolo Hannover
9. (76,5) ASV Sulingen (Einzelangler)


In der Einzelwertung konnte sich Karol Pacyna mit der Idealplatzziffer 2, vor Günter Horler, Peter Englisch, Martin Kinne (alle 3 Punkte) und Lukas Reichenbach (4 Punkte) durchsetzen.

Welche Tatsachen führten nun zum Erfolg und warum konnten sich drei Mannschaften absetzen? Ein Gespräch mit dem AC Sulingen ergab, dass sie bereits im Training herausgefunden hatten, dass die Weissfische vor allem Futter wollten. Dabei musste es nicht immer die Mückenlarve sein, denn vor allem die Pinkis brachten zwar deutlich weniger Bisse, dafür aber die gewünschten Zielfische und jene auch noch eine Klasse größer als mit der Mückenlarve. Dabei soll es wichtig gewesen sein, die Ruhe zu behalten, denn nicht immer waren Fische am Futterplatz und wenn man mal einen oder zwei Fische fangen konnte, war der Spuk meistens auch wieder vorbei. Eine weitere Futterkugel mit aktivem Futter, Pinkis und wenigen Mückenlarven lockten mit der Zeit erneut die Rotaugen an den Platz. Lockte man zu viele Barsche an den Angelplatz, machten sich die Rotaugen rar und so galt es eine gute Balance zu finden, zwischen Rotaugenangelei und zum Schluss der Barschangelei. Posengewichte unter 1gr stellten sich hierbei als die optimale Variante dar und häufig mussten die Fische in der Spur gesucht werden.

Aktives, am Bach angerührtes Futter war von Vorteil
Aktives, am Bach angerührtes Futter war von Vorteil


Am zweiten Tag klappte das für die Aue aggressive Füttern nicht mehr und die Fische reagierten auf lose Köder. Wegen der Strömung mussten die Fische dann sehr weit im Auslauf gefangen werden, aber man konnte Fische fangen. Ein regelmäßiges Füttern von losen Ködern brachte die Fische allmählich an den Platz. Bei zwei Teammitgliedern sogar erst in der letzten halben Stunde.
Eine weitere Taktik führte ebenfalls zum Erfolg. Ein Futter-Erde-Gemisch zentrierte die Fische auf einen Platz und durch ständiges Arbeiten mit dem Köder konnten die Fische zum Anbiss verleitet werden.

Ein weiteres Gespräch mit dem SFV Cornau verriet, dass am zweiten Tag kein Mittel gegen die Beißflaute gefunden wurde und dass die Teamtaktik nicht mehr funktionierte. Am Ende fand man sich nur noch auf Platz 5 wieder.

Ein Gros der Teilnehmer war sich einig, dass die Aue in Sarninghausen ein klasse Gewässer darstellt. Technisch anspruchsvoll und mit zu fangendem Fisch. Sicherlich wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass es die Niedersachsen an dieses herrliche Gewässer gekommen sind.

Mannschaftswertung

Einzelwertung

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5 Kommentare
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  • Saarstipper
    LV NDS
    Super,da kann ich mich Borchi nur anschließen !!!
  • Spatz
    aus Wildeshausen
    LV NDS
    Das nenne ich mal Berichterstattung. SUPER! Und Glückwunsch an Thomas - schön dich mal selber am Werke zu sehen ;) Gruß Peter
  • heiti
    aus Lohne
    LV NDS
    super bericht, gruß an den autor ;-)
  • Brassenhalfter
    LV NDS
    Super guter Bericht, super gute Fotos, nochmals Glückwunsch an den AC Sulingen, grandiose Leistung Jungs...danke an die Teamleitung für die wieder sehr gute Organisation, wobei drei Stunden am Samstag auch gereicht hätten..... Für 2013 wünschen wir uns auch wieder bei einem Anglertreff Niedersachen dabei sein zu können. Wäre doch echt schade wenn sowas verloren gehen würde. Beste Grüße Thomas Lamping (Team 49) P.S.: Für´s nächste Jahr ist angedacht Jan nur noch einen Tag angeln zu lassen und ihn dann auszutauschen.....:)
  • borchi
    LV NDS
    wie immer hat der LV ein wirklich tolles Gewässer zur LV gefunden - ein herzliches DANKESCHÖN an die Teamleitung in NDS! Danke Willi - danke Gerd - danke Mola Mein Glückwunsch an Karol, der wieder einmal gezeigt hat, dass er zu den technisch besten "Nachwuchsanglern" in Deutschland zählt und dazu immer noch ein "netter" Kerl geblieben ist. Ich hoffe das die Gesetzesgebung es zulässt, dass wir uns auch 2013 wieder zum gemeinschaftlichen Angeln treffen und die dunklen Wolken am Fusionshimmel sich etwas aufhellen.