Landesanglertreff der Posenangler - Bayern 2013

  • von Tobias Klein
  • 11. Juli 2013 um 08:37
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Schon nach dem ersten Durchgang des diesjährigen Posenanglertreffs in Bayern war bereits abzusehen, wohin die Reise gehen würde: Die Mannen des Anglerbund Naab lagen mit einem kleinen Vorsprung auf die anderen Mannschaften in Front. Für den zweiten Durchgang sollten die anderen Teams also noch eine ordentliche Schippe oben drauflegen, wollte man noch ein Wörtchen bei der Qualifikation für den deutschen Anglertreff der Vereine im Jahr 2014 mitreden.

Austragungsort mit Geschichte
Rhein-Main-Donau-Kanal. Ein Gewässername, welcher wohl wie kein anderer etlichen Matchangler in Sekundenschnelle einen kalten Schauer über den Rücken laufen lässt. Das erste Mal sorgte das Gewässer für zweifelhafte Schlagzeilen bei der Feeder-Sichtung für die Weltmeisterschaft in Italien im Jahre 2011. Bei nasskalter Frühjahrswitterung konnte man sich damals glücklich schätzen, war man überhaupt unter den Fängern. Den nächsten „Höhepunkt“ erreichte der zweifelhafte Ruf des Kanals bei der Browning Champions Trophy im gleichen Jahr, als selbst mancher Top-Matchangler Deutschlands es nicht vermeiden konnten, sich ein unschönes „ohne Fang“ einzufangen. Auch 2012 zeichnete sich ein ähnliches Bild ab: Diesmal durften die bayerischen Posenangler dran glauben und mussten ihr sprichwörtliches Glück am Kanal versuchen. Die Ergebnisse blieben wie erwartet extrem mager.

Angeln vor imposanter Kulisse: Direkt unter der Befreiungshalle in Kelheim durften die Teilnehmer in diesem Jahr die gemeinsame Zeit am Gewässer genießen.Angeln vor imposanter Kulisse: Direkt unter der Befreiungshalle in Kelheim durften die Teilnehmer
in diesem Jahr die gemeinsame Zeit am Gewässer genießen.

Kein Wunder also, dass so mancher Angler die ungeliebte Gewässerstrecke auf Höhe Rabenhof aus seiner anglerischen Landkarte wohl für immer und ewig ausradiert haben wird. Für viel Unmut hätte daher die diesjährige Gewässerauswahl sorgen können. Erneut dieser ungeliebte RMD-Kanal. Ja wenn nicht ein kleiner Zusatz in den Posenangler Bayerns die Hoffnung auf fischreichere und demnach faire Bedingungen aufkeimen hätte lassen: „Keldorado“.

Auf Höhe des gleichnamigen Freizeitbades in der niederbayerischen Stadt Kelheim sollten diesmal endlich wieder die nötigen Rahmenbedingungen für die Teilnehmer angetroffen werden können. Dort würde man sich auf Fischarten in der ganzen Bandbreite freuen können: Rotaugen, Barben, Güstern, Rotfedern, Rußnasen, Alande, Karpfen, Karauschen, Brassen und die illegalen Einwanderer, die Schwarzmundgrundeln, tummeln sich in dem rund 5 Meter tiefen Gewässerabschnitt des RMD-Kanals. In Windeseile verbreitete sich die gute Nachricht in den Kreisen der bayerischen Anglerschaft und man hoffte beim ausrichtenden Verband, dem Angler- und Gewässerschutzbund Bayern, - nicht zuletzt wegen der vielerorts als heilbringend gefeierten Fusion der beiden deutschen Anglerverbände - auf Teilnehmerzahlen auf Rekord-Niveau.

Zudem konnte man nicht nur mit der Kopfrute, sondern auch mit der Rollenrute auf einen stattlichen Fang hoffen und so sollten sich doch gleich eine ganze Reihe an willigen Matchanglern finden lassen, die zu dieser Veranstaltung mit langjähriger Tradition beitragen wollen würden. Am Ende musste man allerdings recht ernüchternd feststellen: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ganze vier Mannschaften sagten ihre Teilnahme bei der diesjährigen Auflage zu und so fand man sich Mitte Juni in recht beschaulicher Runde wieder.

Zielfisch der meisten Angler: Im RMD-Kanal galt es diesmal die stattlichen Brassen zu überlisten.Zielfisch der meisten Angler: Im RMD-Kanal galt es diesmal die stattlichen Brassen zu überlisten.

Reglement auf nationalem Niveau
Wie lange hatte man doch innerhalb des bayerischen Verbandes , dem Angler- und Gewässerschutzbund Bayern (kurz: AGSB), darum gekämpft, endlich auch in Bayern die Zuckmückenlarve für Anglertreffs zuzulassen. Wie sollte man sich bei den nationalen Anglertreffs auch nur annähernd „gut verkaufen“ können, wenn man schon auf Bundesland-Ebene nicht die Möglichkeit bekäme, sich an den Umgang mit der Zuckmückenlarve zu gewöhnen. Keine Frage, die Argumentation der Wortführer der „Pro-Larve“-Bewegung in Bayern konnte man auch als Außenstehender durchaus nachvollziehen. Nach ewigem Ringen um Zugeständnisse und eingehender Gesetzeslektüre - der Mythos, die Zuckmückenlave dürfte aufgrund entgegenstehenden gesetzlichen Reglementierungen nicht in bayerische Gewässer eingebracht werden, war lange Zeit eines der wichtigsten Gegenargumente - durfte man schließlich gegen Ende des Jahres 2012 erstmalig für den bayerischen Landesanglertreff der Feederangler zum ersten Mal auf das rote Gold zurückgreifen. Der Einsatz der roten Larven hatte damals freilich nicht den ersehnten durchschlagenden Erfolg, da es den recht speziell zu beangelnden Zielfisch der Katzenwelse herzlich egal war, ob nun eine Mücke am Haken hing oder nicht.

Köder
Ein typisches Ködertableau: Zum ersten Mal durften sich auch Zuckmückenlarven zu Made & Co. gesellen.

Doch bekanntlich gilt: Wer zurückblickt, der kann nicht vorankommen. Getreu diesem Motto konnte man daher in diesem Jahr auch bei nahezu einem jeden Teilnehmer des Posenanglertreffs die roten Larven antreffen. Die einen freuten sich, allen voran wohl die Zuckmücken-kundigeren Teams des Anglerclub Donaufischer und des Anglerbund Naab. Wieder andere wurden mit den Larven nicht so recht warm - sei es wegen den Kosten oder der aufwändigen Pflege. Wie dem auch sei, am Ende musste man sich auch als „Contra-Mücke-Angler“ mit den neuen, nach Jahrzehnten endlich auf das nationale Niveau des deutschen Dachverbandes angeglichene Reglement arrangieren und das beste aus der neuen Situation machen.

Angeln oder nicht angeln, das ist hier die Frage
Hochwasser und Süddeutschland, das gehörte für eine viel zu lange Zeit zum festen Repertoire eines jeden Berichterstattung in den Medien. Wohin man auch blickte, überall führten die Flüsse, Seen und Kanäle extremes Hochwasser. Viel anders sollte es sich auch nicht im RMD-Kanal zutragen. Anhaltende Regenschauer hielten die Fluten im Kanal auf Rekord-Hoch und Treibgut beherrschte lange Zeit den Kanal. Erste Überlegungen einer Absage des Events machten ihre Runde. Doch gut eine Woche vor dem anvisierten Austragungsdatum hatte Anglergott Petrus schließlich ein Einsehen und die Wassermassen zogen sich zumindest aus dem Kanal etwas zurück. Zumindest gerade soviel, dass man einigermaßen Platz hatte, um all die nötigen Gerätschaften sicher aufzubauen.

Fang GabelsbergerMit jeder Menge an Routine galt es die teilweise recht stark kämpfenden Fische von allerlei Unrat am Ufer fernzuhalten. Florian Gabelsberger (AC Donaufischer) zeigte, dass er sein Handwerk versteht.

Das Wasser wich also, die Fische aus der Hochwasser-gebeutelten Donau blieben allerdings im strömungsarmen Kanal zurück. Und so sorgte bereits der erste Tag des Anglertreffs für ansehnliche durchschnittliche Fanggewichte um die vier Kilogramm. Nicht die Welt, aber angesichts der immer noch erschwerten Bedingungen durch das Hochwasser durchaus annehmbar. Hatten viele Angler noch mit einer heißen Schlacht an der Rollenrute gerechnet, so zeigte sich schnell, dass man wohl um die Kopfrute nicht herumkommen würde. So mussten allzu oft auch im Uferbereich herumstreunende Rotaugen eingesammelt werden, wollte man am Ende ein stattliches Netz an Fischen vorweise können. Das Gros der Angler fokussierte sich jedoch auf die klassische 13 m-Bahn, da man dort stets auf den ein oder anderen Bonusfisch hoffen konnte.

Jürgen Strangmüller (ASV Donautal)Der viel zitierte Bonusfisch: Jürgen Strangmüller (ASV Donautal) konnte im zweiten Durchgang
einen prächtigen Schuppenkarpfen landen.

Nach dem ersten Durchgang war klar, dass dasjenige Team, welche sich auf die ständig wechselnden Gegebenheiten im Kanal einstellen hatte können, vorne liegen würde. Allen voran verstand dies das Team des Anglerbund Naabs am besten und übenachtete auf dem Spitzenrang, gefolgt vom Anglerclub Donaufischer, den Teams JR Tackle und dem Angelsportverein Donautal. Die Frage, ob nicht doch die individuellen Klasse, eine durchdachte Strategie oder einfach das viel zitierten Quäntchen Glück über den Ausgang des ersten Durchgangs entschied, lässt sich einhellig beantworten: Niemals. So zeigt das Beispiel des Teams des AB Naab wohl eindrucksvoll, dass es wie schon so oft zuvor auch in diesem Jahr wieder auf die Qualität und auch Quantität der Betreuern hinter den Anglern ankam. Pro Angler ein Betreuer, der die Ansagen traf und damit dem Angler wohl den entscheidenden Vorteil gegenüber den anderen Teams am extrem bewucherten und damit recht unübersichtlichen Kanal verschaffte.

Die Betreuer des Angerlbund NaabsTeamarbeit, die sich bezahlt machte: Die Betreuer des Angerlbund Naabs (hier Reinhard Landesberger (l.)
und Günter Gröting) leisteten beste Dienste und waren stets mit Rat und Tat zur Stelle.

Alles auf Angriff
Die Fanggewichte des ersten Tages konnten also allesamt als „annehmbar“ bezeichnet werden, Florian Gabelsberger (AC Donaufischer) konnte vom Außenplatz sogar fast zehn Kilogramm erbeuten. Wohl ein jeder Angler hoffte am zweiten Tag allerdings auf eine Verbesserung. Freilich stand dabei bei den meisten Anglern vor allem das Wohl der Mannschaft im Fokus, doch auch als Einzelangler musste man am Abschlusstag alles geben. Schließlich wird in Bayern gewissermaßen „in einem Aufwasch“ - und zudem ein Jahr im Voraus - sowohl die Delegation für den Anglertreff der Vereine, als auch die Delegation für den Anglertreff der Länder, d.h. die besten fünf Einzelangler ermittelt. Dementsprechend offensiv fiel die Anfangsfütterung des zweiten Durchganges aus.

Manche Angler vertrauten dabei auf die althergebrachte Flächenbombardierung, wieder andere versuchten die Fische mit dem Einbringen des Futters per Polecup besonders punktgenau auf den Angelplatz zu konzentrieren. Auch die Futtermischungen hätten nicht unterschiedlicher sein können. Schwarzes, gelbes und gar rotes Futter konnte man als Beobachter an der Angelstrecke ausmachen. Manches löste sich geradezu explosionsartig an der Oberfläche auf, anderes fiel wiederum wie ein Stein ins Wasser und gab erst nach und nach die Lebendköder im Futter frei. Wirklich erfolgversprechend waren hingegen nur die kanaltypischen dunkleren Farben und ein mittelstark bindendes Futter.

FutterRotes Futter: Einige Angler versuchten die Fische mit knalligem Grundfutter auf den Angelplatz
aufmerksam zu machen. Wirklichen Erfolg hatte man damit allerdings am Ende nicht.

Wenngleich man mit der traditionellen Aufholjagd des AC Donaufischer auch in diesem Jahr rechnete, zeichnete sich unerwartet rasch ab, dass die meisten der fünf Sektoren in sicherer Anglerbund Naab-Hand waren. Allen voran zeigte Teammitglied Christian Achhammer Kanalangeln der Spitzenklasse und untermauerte damit seinen Sektorensieg vom Vortag. In gewohnt lässiger, unbeschwerter Manier schickte sich der 26-Jährige am Abschlusstag doch tatsächlich an, allesamt der „alten Hasen“ am Kanal zu düpieren. Fast mühelos zog er von einem Angelplatz aus, der Tags zuvor nur den letzten Sektorenplatz hervorbrachte, über 20 Kilogramm aus den Fluten und damit zugleich das höchste Fanggewicht des ganzen Anglertreffs.

Dank des zweiten Sektorensieges - mit satten 18 Kilogramm Vorsprung auf dem Zweitplatzierten - sicherte sich die bayerische Frohnatur verdient den Einzeltitel des bayerischen Posenanglertreffs 2013 und wird damit die bayerische Delegation für den deutschen Anglertreff der Länder in 2014 anführen. Florian Gabelsberger konnte zwar seinen Sektor am zweiten Tag erneut deutlich für sich entscheiden, musste sich letzten Endes aber aufgrund des geringeren Gesamtfanggewicht geschlagen geben. Albert Wiederer, Stefan Donhauser und Michael Häring vervollständigten schließlich die Plätze in den Top-5.

Einzelsieger
Die erfolgreichsten Angler des diesjährigen Posenanglertreffs: (v.l) Christian Achhammer,
Florian Gabelsberger, Albert Wiederer, Stefan Donhauser und Michael Häring.

Auch in der Mannschaftswertung hatte am Ende der Anglerbund Naab die Nase vorn und wird Bayern beim Anglertreff der Vereine 2014 vertreten. Der AC Donaufischer sicherte sich vor dem Team JR Tackle den Silber-Rang des Events. Der Angelsportverein Donautal landete am Ende auf den unliebsamen Rang vier, konnte sich aber dennoch darüber freuen, dem ansässigen Verein einen wertvollen Beitrag bei der Hege des Gewässer geleistet zu haben. Schließlich wurde das Event nicht nur dazu genutzt, den Zustand der gefangenen Fische nach dem zermürbenden Hochwasser zu beurteilen. Vielmehr wurden die gefangenen Fische in Kormoran-geschädigte Gewässer umgesetzt und sorgen so für einen Neustart in einst tot geglaubten Gewässern.

Mannschaftssieger
Verdienter Mannschaftserfolg: Der Anglerbund Naab sicherte sich in diesem Jahr die Gold-Medaille.

Objektive Beobachtungen sind zwar gut und recht, die subjektive Sicht eine Anglers aber um einiges besser. Umso erfreulicher ist es, dass uns nach dem Event der frisch gebackene Einzelsieger noch Rede und Antwort stand.

Christian Achhammer verriet, worauf es seiner Meinung im Detail ankam.

CT:
Vorab herzlichen Glückwunsch zur tadellosen Leistung und zum „Double“. Als Beobachter würde ich Dich mit „geschafft, aber glücklich“ beschreiben. Trifft das einigermaßen zu?

CA:
Vielen Dank. Und Du hast Recht, es war heute ein ganzes Stück Arbeit. Aber jetzt bin ich nicht nur glücklich, sondern fast sprachlos ob meines Erfolges. All die Vorbereitung der letzten Wochen hat sich für uns als Team ausbezahlt. Natürlich ist mein Einzeltitel noch das sprichwörtliche Sahnehäubchen obendrauf.

Der erfolgreichste Angler des Events, Christian AchhammerDer erfolgreichste Angler des Events, Christian Achhammer, - hier zusammen mit Verbandsvertreter
Walter Hausler - verriet uns nach dem Angeln sein Erfolgsgeheimnis.

CT:
Kannst Du unseren Lesern einen kleinen Einblick in die Wochen vor dem Event geben? Wie sah denn die Vorbereitung konkret aus?

CA:
Schon etliche Wochen vor dem Angeln waren wir geschlossen als Team am Kanal, um uns mit den Begebenheiten, d.h. dem Fischvorkommen, der Strömung und natürlich auch dem Gewässeruntergrund vertraut zu machen. Eine weitere Trainingseinheit folgte dann rund zwei Wochen vor dem Event, um unsere Erkenntnisse noch weiter zu untermauern. Am Ende waren allerdings wohl 80 Prozent aller Ergebnisse für die Katz. Das Hochwasser hat wohl nicht nur uns einen deutlichen Strich durch die Rechnung gemacht.

CT:
Schnelles Umstellen und eine gewisse Portion Einfallsreichtum haben an diesem Wochenende also wohl nicht geschadet, oder?

CA:
Fast minütlich änderten die Fische ihr Beißverhalten. So konnte man gut und gerne fünf Fische hintereinander mit blockierter 4-6 Gramm-Pose und einer Zwei-Punkt-Bebleiung landen, musste dann aber oft wenig später bereits wieder auf leichte 1-1,5 Gramm-Montagen mit Kettenbebleiung samt kleinem Bissblei (No. 10) umstellen und sein Glück in der Ausdrift versuchen. Die beste Bissausbeute konnte ich mit einer leicht bauchigen Posen erzielen, die klassische Lutscher-Variante habe ich gar nicht erst aufgebaut. Die Brassen scheint es allerdings nicht gestört zu haben.

Christian Achhammer mit einer seiner zahlreichen BrassenSchnelles Umstellen brachte den Erfolg: Christian Achhammer mit einer
seiner zahlreichen Brassen des zweiten Tages.

CT:
Positiv fiel auf, dass Ihr in diesem Jahr wieder eine ansehnliche Zahl an Betreuer auffahren konntet. Das war in den letzten Jahren nicht immer so. War das in diesem Jahr wieder der Schlüssel zum Erfolg?

CA:
An diesem Wochenende gebührt unseren fleißigen „Bankrunnern“ wirklich größte Anerkennung. Aufopferungsvoll wurde versucht, uns immer auf dem Laufenden zu halten, um uns so eine gewisse Sicherheit bei den Entscheidungen während dem Angeln zu geben. Keine Frage, mit solch einer Rückendeckung angelt es sich gleich viel entspannter. Man kann durchaus sagen, dass die Betreuer zumindest den Löwenanteil am Erfolg hatten. Ich denke aber auch, dass es uns in diesem Jahr sehr geholfen hat, dass wir keine starre Linie verfolgt haben. Vielmehr wollten wir je nach Sektor eine andere Marschrichtung verfolgen. An diesem Wochenende gab es wohl kein einheitliches Konzept, mit dem man überall hätte gleichermaßen erfolgreich sein können. Was in einem Sektor funktionierte, konnte in den anderen Sektoren gründlich in die Hose gehen.

CT:
Verrätst Du uns, wie Du an die beiden Durchgänge herangegangen bist?

CA:
Mein Hauptaugenmerk lag an beiden Tagen auf der 13 m-Bahn. Zusätzlich hatte ich gestern eine Angelstelle direkt in der Steinpackung auf gut 6 Metern Distanz auf Rotaugen angelegt - befüttert allein mit Terre de Rivière-Lehm und großen Mückenlarven. Zu stark wolkender Lehm hätte mir auf der kurzen Bahn wohl nur die gierigen Grundeln beschert.

Hakenmücken und tote Maden wurden punktgenau auf den Angelplatz gefüttert

Im Gegensatz zu gestern habe ich heute allein die klassische Kopfrutenspur befüttert. Dort sah meine Fütterung an beiden Tagen identisch aus: Zu Anfang habe ich 10 Futterballen in Orangen-Größe mit einer ordentlichen Portion an Castern in den Fluten versenkt. Darauf folgten fünf langsam auflösende Lehmballen (Terre de Rivière) mit rund 250 ml kleinen Zuckmückenlarven. Zum Abschluss setze ich noch drei Lehmballen (70 % Terre de Somme, 30 % Terre de Rivière) mit einer Handvoll großer Zuckmückenlarven und toten Maden an meinen Angelplatz. Alle Lehmballen wurden dabei natürlich per Polecup ausgebracht, um einen Hotspot auf meinem Angelplatz zu schaffen.

CT:
Welche Eigenschaften musste das Futter haben?

CA:
Ich habe mich bewusst für ein recht grobes und schweres Futter entschieden (2 kg All Seasons, 1 kg Etang, 1 kg Gardons - alles Browning). Einerseits, weil ich auf die dicken Donaufische spekuliert hatte, die ich mit den groben Partikeln lange am Angelplatz halten wollte. Andererseits sollte mein Futter möglichst laut auf die Gewässeroberfläche auftreffen, um die Fische zum Anbiss zu animieren. Es ist nämlich kein Geheimnis, dass die Fische im Kanal besonders gut auf akustische Reize reagieren. Deswegen habe ich auch immer einen Futterballen mit Castern laut nachgefüttert, ließen die Bisse einmal langsam nach.

CT:
Es war schon bemerkenswert, dass am zweiten Tag kaum ein Fisch auf der Rollenrute zu fangen war. War das im Training anders?

CA:
Im Training vor dem Event hatten wir gute Erfolge. Vor allem mit der Matchrute, da die Windverhältnisse am Kanal doch eher gegen eine kontrollierte Drift an der Bolognese-Rute sprachen. Eine Wurfweite von 25-30 Metern war geradezu ideal. Für mich war die Matchrute allerdings stets nur eine Notlösung, die ich erst ergreifen wollte, wäre die Pole vollends eingebrochen. Ich hatte Montagen von 6, 8 und 10 Gramm an Zoomer-Posen vorbereitet, denn man weiß ja bekanntlich nie. Gestern konnte man noch hier und da einen Fisch mit der Rollenrute fangen, heute beangelte bzw. befütterte kaum ein Angler noch halbwegs ernsthaft die Spur in der Gewässermitte.

Rollenruten
Dabei haben musste man sie, gebraucht wurden die Rollenruten allerdings nur selten.

CT:
Stichwort Zuckmückenlarve. Fangentscheidend oder fangbegleitend?

CA:
Ich würde sagen, eher fangbegleitend. Will heißen, ich habe zwar Larven gefüttert, mit zunehmenden Verlauf der Durchgänge habe ich mich allerdings auf die Verwendung am Haken beschränkt. Fütterte man zu viele kleine Mücken, stellten sich immer mehr die ungeliebten Schwarzmundgrundeln auf dem Angelplatz ein und verdrängten im schlimmsten Fall die gewichtigeren Weißfische. Auch Ukis kamen ab und an durch die kleinen Futtermücken an die Angelstelle, wurden allerdings nicht gewertet. Ich habe sogar von einigen Anglern gehört, die gänzlich ohne Mückenlarven gefischt haben sollen und auch ansehnliche Fanggewichte - oft mehr als Angler mit Mücke - hervorgebracht haben.

Posen
Der Klassiker schlechthin: Bauchige Posen (wie hier die „FTM-1“) bekamen von den meisten Anglern das Vertrauen. Klassische Lutscher-Posen konnte man hingegen nur selten ausmachen.

CT:
Alles in allem also für Dich und Dein Team ein Wochenende nach Maß. Danke für die offenen Worte und schon jetzt viel Erfolg bei den Anglertreffs im Jahr 2014. Noch ist ja etwas Trainingszeit.

CA:
Gern geschehen. Vielen Dank für die Wünsche, ich bzw. wir werden uns anstrengen, aber bei den deutschen Anglertreffs zählt für mich vor allem eines: Dabei sein ist alles.

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