DAFV Anglertreff der Vereine am Wurzener Kanal - Teil 2

  • von ct Redaktion
  • 08. Oktober 2013 um 08:39
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Nicht jede Taktik geht auf und so gingen die Niedersachsen nach einer guten Trainingswoche zwar positiv in die Durchgänge, um dann leider festzustellen, dass es in diesen anders lief als erwartet. Im zweiten Durchgang lief es dann mit angepasster Taktik etwas besser und gut machten es mal wieder die Stipp-Profis aus Brandenburg, die sich nach zweijähriger Abstinenz wieder ganz nach oben angelten. Wir haben beide Teams befragt und fangen mit Martin Kinne für Niedersachsen an.

champions-team (CT): Martin, wie verlief eure Vorbereitung?

Martin Kinne (MK): Leider kannten wir das Gewässer überhaupt nicht, so dass wir auf der Stippermesse erste Informationen einholten. Dann passierte lange Zeit nichts, da andere Fischen anstanden. Natürlich haben wir viel telefoniert und uns auf dem Laufenden gehalten, was aktuell im Kanal gefangen wird und wie gefischt wird. Dazu ist Lukas Reichenbach im Frühjahr nach Wurzen gefahren, um den Sachsen bei ihrem Landesfischen auf die Schulter zu schauen.  So erhielten wir erste eigene Informationen. Zwei Wochen vor dem Fischen war Lukas erneut am Kanal zum Trainingsfischen.

Martin Kinne mit einem eher besseren RotaugeMartin Kinne mit einem eher besseren Rotauge

CT: Und wie verlief euer Training?

MK: Am Mittwoch waren wir fast vollzählig und konnten viele kleine Fische fangen. Auch ein großer Brassen und viele Skimmer waren neben den Karauschen dabei. Wir trainierten verschiedene Entfernungen und Futter sowie Erdmischungen. Letztlich konnten wir nur für das Kleinfischangeln einige Erkenntnisse sammeln. Am Donnerstag saßen wir dann auf einem eher schlechten Abschnitt im B-Sektor ohne Pflanzenbewuchs und nur wenigen Büschen. Wir konzentrierten uns auf die Kleinfischangelei, da wir kaum größere Fische erwarteten. Wir zählten und wogen die Fische in den ersten beiden Stunden um zu schauen, was auf schlechteren Plätzen möglich ist. Unsere Erwartungen bzgl. der größeren Fische hatte sich bestätigt, da auf der 13m Spur fast kein Fisch zu fangen war. Lediglich die Karauschen spielten mit und ließen sich gelegentlich an der Speedrute blicken. Da wir zwischen 50 und 80 Fische die Stunde fangen konnten wollten wir uns am nächsten Tag nochmal auf die Kleinfischangelei konzentrieren.

CT: Aber ihr saßt am letzten Tag in der Endbox, oder?

MK: Ja das ist theoretisch richtig. Bedingt durch die Bauarbeiten konnten wir aber nicht auf der regulären Strecke trainieren und so saßen die Stipp-Profis neben uns. Allerdings konnte links von uns keiner sitzen. Auch hier fingen wir wieder sehr gut, obwohl wir auch wussten, dass dieser Trainingstag an sich keiner war.

CT: Wie sah also eure Taktik aus?

MK: Da wir nur sporadisch Brassen und Skimmer fangen konnten und die Karauschen auf der Speedrute in guten Stückzahlen zu fangen waren, einigten wir uns auf eine reine Kleinfischangelei. Dazu fingen wir mit der 3,5m bzw. 4m Whip an. Diese befütterten wir mit rotem Ukeleifutter und losen Ködern. Wenn das Beißverhalten schlechter wird sollte auf die nächste Bahn gewechselt werden, welche bis zu 1m weiter draußen lag. Ab einer Speedrutenlänge von 5m wurde auf die Kopfrute gewechselt und mit 3 + 3 Teile gefischt. Auch hier sollte kontinuierlich ein Teil aufgesteckt werden. Ab einer gewissen Länge wurde dann wieder auf die kurze Spur gewechselt und das Prozedere wiederholt. Wir erhofften uns damit ein Gewicht von etwa 2kg, welches unserer Meinung nach nicht für ein Topergebnis reichen sollte, jedoch für eine niedrige einstellige Platzierung. Auf 13m fischten wir ein Futter/Erde-Gemisch, welches die größeren Fische locken sollte. Diesen Platz wollten wir nur befischen, wenn entweder gegenüber ein Baum stand oder keine kleinen Fische mehr zu fangen waren.

Futteraufteilung der NiedersachsenFutteraufteilung der Niedersachsen

CT: Letztlich seid ihr mit dieser Taktik aber auf die Nase gefallen, oder?

MK: Ja – sehr deutlich sogar! Ich kann im Folgenden nur für meinen Platz im A-Sektor sprechen. Von Anfang an fing ich nur Fische um die 3gr. Solch kleine Fische habe ich während des gesamten Trainings nicht gefangen. Diese dann auch in einer geringen Stückzahl. Meine Nachbarn fingen sofort bessere Fische und nach einer halben Stunde wusste ich, dass hier etwas schief läuft. Mein Betreuer sagte mir, dass im Sektor nur im Randbereich gefischt wird und dass vorwiegend Karauschen und bessere Weissfische gefangen werden. Nach der ersten Stunde wechselte ich dann auch auf die Spur im Randbereich, welche ich vorher nicht befüttert hatte. Mein Platz war dafür wie geeignet, da ich sowohl links als auch rechts eine hervorragende Stelle mit Uferbewuchs hatte. Leider befischte mein linker Nachbar diesen Platz auch, welchen er schon eine Stunde befütterte. Ich schaffte es nicht diesen Platz für mich zu gewinnen. Letztlich konnte ich in der dritten Stunde den rechten Platz zum Laufen bekommen und fing noch einige Fische. Leider viel zu spät und zu wenige Karauschen. Am Ende reichte es nur zu Platz 11, obwohl mein Platz sehr gut war. Zwei Stunden fehlten einfach. Beim Rest der Mannschaft verlief es ähnlich. Allerdings hatten die anderen eher schlechter gelost. Basti schaffte im E-Sektor noch einen guten 7. Platz.

CT: Was habt ihr verändert am zweiten Tag und wie war die Stimmung?

MK: Man merkte deutlich, dass wir sehr niedergeschlagen waren. Letztlich kamen wir im Training gut zurecht und erhofften uns deutlich mehr. Nachdem wir uns zusammengesetzt hatten beschlossen wir wie die anderen Mannschaften auch mehr am Ufer zu fischen. Dieses hatten wir im Training kaum probiert, was mit Sicherheit ein großer Fehler war. Das Ziel war nun möglichst einstellig zu fischen. Das gelang uns auch weitestgehend. Vor allem Andreas Krause im A-Sektor saß weit rechts und damit sehr schlecht und konnte trotzdem einen 8. Platz erfischen. Er schaffte es die Karauschen auf die Uferschräge zu stellen und konnte so dem namenhaften Feld Paroli bieten. Mit meinem 5. Platz war ich ebenfalls zufrieden, so dass aus meiner Sicht die schlechte Platzierung vom Vortag etwas in den Hintergrund geriet.

Fischen am eigenen Ufer war angesagt Fischen am eigenen Ufer war angesagt Fischen am eigenen Ufer war angesagt
Fischen am eigenen Ufer war angesagt

CT: Wie hast du deinen Angelstil am zweiten Tag verändert?

MK: Man muss dazu sagen, dass ich wieder keinen schlechten Platz hatte. Zur rechten hatte ich ein großes Krautfeld, an welchem ich zwei Futterplätze mit geklebten Mücken anlegte. Dazu warf ich regelmäßig Pinkis. Während des Fischens wechselte ich immer wieder die Plätze. Ich schoss Pinkis, welches Gerd Beich bei den Saarländer sah, auf 3 + 3 Teile. Dort fing ich ein paar Fische und steckte ein Teil drauf. Das wiederholte ich bis ich auf 11m angelangt war. Dann befischte ich die Krautplätze und ging anschließend wieder ins Mittelwasser. Ich konnte zwar überraschender Weise nicht viele Karauschen fangen, allerdings gute Weissfische. Futter fischte ich überhaupt nicht. Vielleicht war das der Grund warum ich so wenige Karauschen fangen konnte.

CT: Was sprang am Ende für eine Platzierung bei euch raus?

MK: Leider konnten wir den 10. Mannschaftsplatz vom Vortag nicht loswerden und mussten uns damit zufrieden geben. Insgesamt sind unsere Einzelplatzierungen im Team ähnlich, so dass man sagen kann, dass wir einfach die falsche Taktik gewählt haben. Nach unseren Informationen hat die Truppe um Marco Beck die gleiche Taktik verfolgt und ist ebenfalls mit Platz 12 untergegangen. So ist Fischen nun mal. Nächstes Mal werden die Karten neu gemischt und aus Fehlern lernt man bekanntlich.

CT: Vielen Dank Martin für deine Einschätzung und alles Gute für die Zukunft.

MK: Danke, das wünsche ich euch auch.


2. Team Stipp-Profi Brandenburg

Vorbereitung und Training

Wir kennen bzw. kannten den Wurzener Kanal von diversen Veranstaltungen, die allerdings immer im Herbst stattfinden, doch durch die Bauarbeiten, die Hitze und den Besatz mit Giebeln wurden die Karten neu gemischt. Grundsätzlich hatten wir uns auf das Sammeln kleiner Fische eingestellt und wussten, dass es einige markante Plätze gibt auf denen immer große Fische gefangen werden. Eine Woche vor dem Anglertreff spazierten wir dann aber einmal um den Kanal herum und entdeckten dabei am gegenüberliegenden Ufer unter und zwischen den Ästen der überhängenden Bäume so viele Giebel, dass wir auch die Giebel mit in unsere Überlegungen aufnahmen.

Und das Training verlief wie? Wann seid ihr angereist?

Anreise war von Montag bis Mittwoch, wobei wir Mittwoche den ersten Tag geschlossen trainieren wollten. Montag bis Mittwoch angelten teilweise auch die späteren Betreuer, so dass sie auch ein Gefühl für die Angelei bekamen, was für die Betreuung nur von Vorteil sein kann.

Heiko Schmidt zeigte im Training wie man die Brassen fängtHeiko Schmidt zeigte im Training wie man die Brassen fängt

Wir fingen bis Mittwoch überall unsere Fische, doch über alle Angler nach unserem Gefühl nicht so konstant, dass wir zufrieden waren. Wir fanden eine gute Tiefe im Mittelwasser und konnten konstant die kleinen Fische einsammeln, doch wir rechneten mit einem Höchstgewicht von knapp 3 kg in vier Stunden bei voller Konzentration auf die kleinen Fische, was womöglich zu wenig war, um am Ende vorne zu sein.

Mit Bonusfischen am Grund auf 11 oder 13 Metern war nicht zu rechnen, die Fänge am Grund einfach nicht konstant genug.

Ab Donnerstag konzentrierten wir uns mehr und mehr auf das eigene Ufer und stellten fest, dass die Fische am Ufer auf der Schräge größer waren als im Mittelwasser auf 9,5 Meter Rutenlänge. Dazu waren im Uferbereich auf jedem Platz Giebel zu fangen. Teilweise nur 5 bis 6 Giebel, teilweise aber auch über 20. Dazwischen immer mal wieder auch ein Skimmer jenseits der 200 Gramm oder gute Rotaugen bis 150 Gramm und natürlich viele der sehr kleinen Brassen und Rotaugen um die 10 Gramm.

Die Fische ließen sich sehr gut durch das ständige Werfen von Castern (5 bis 6 Stück) aktivieren. Wir warfen die ganze Zeit Caster auf die kurze Spur, die die Fische auf unseren Platz neugierig machten und fischten mit Mückenlarven und Pinkies am Haken. Caster am Haken brachten kaum Bisse. Immer mal wieder ein Kügelchen aktives Futter mit Pinkies und kleinen Mückenlarven war nötig, wenn die Bisse ganz ausblieben. Cuppen und den Platz wechseln, um nach 10 bis 15 Minuten wieder zurückzukommen war eine gute Taktik.


Viele unterschiedliche Köder, um immer mal wieder zu wechselnViele unterschiedliche Köder, um immer mal wieder zu wechseln

Je nach Uferbewuchs fütterten wir 1 bis 3 Plätze rechts und links des Angelplatzes im Uferbereich und cuppten 12 Kugeln mit sehr vielen Ködern auf 13 Meter. Vorne wurde begonnen, der 13 Meter Platz frühestens nach eineinhalb Stunden erstmals befischt, es sei denn, es gab Anzeichen (Blasenbildung) für größere Fische am Platz.

Zusätzlich hatten wir Futter für die Angelei im Mittelwasser am Platz. Die Fische konnten auf der 9,5 Meter Spur sehr schnell aktiviert werden, so dass wir auf eine Anfangsfütterung verzichteten und nur in größter Not auf dieses Spur wechseln wollten.

Wir mischten pro Angler jeweils ein Kilogramm Supercup mit einem Kilogramm Superroach Black von Van den Eynde. Das Futter wurde mit sehr wenig Wasser und damit sehr aktiv angesetzt. Für die 13 Meter Bahn gaben wir allerdings einen halben Liter TTX Mais hinzu und übernässten das bereits am Vorabend angesetzte Futter, damit dieses inaktiv war, keine Partikel ins Mittelwasser abgab und somit keine Kleinfische zum Grund locken sollte.

1. Tag

Wir hatten am ersten Tag zwei sehr gute Plätze (Rainer und Ralf), die auch gute Ergebnisse brachten. Rainer an einem überhängendem Baum, der für Brassen bekannt war und Ralf an einem großen Krautfeld. Beide Plätze sahen nicht nur gut aus, sondern brachten uns auch wenig Punkte.


Ein schönes Krautfeld am Angelplatz war Gold wertEin schönes Krautfeld am Angelplatz war Gold wert

Henric auf A 10 kam zwar mit 13 Metern auch unter die weit über den Kanal ragenden Äste, konnte unter diesen aber in den 4 Stunden nur sehr wenige Fische fangen. Dafür klappte es mit den Giebeln am Ufer umso besser, was am Ende Platz 4 bedeutete. René und Lutz hatten augenscheinlich keine besonders guten Plätze, da im Angelbereich weder Äste über das Wasser ragten, noch sonderlich viel Kraut am Ufer war. Hier hieß es Spuren wechseln, Plätze unter Futter halten und einsammeln was geht. Da waren die 5,5 Punkte von Rene super und mit den 10 Punkten von Lutz konnten wir leben, denn es war klar, dass bei den sehr unterschiedlichen Plätzen ein oder zwei aus unserem Team Punkte mitbringen würden. 

2. Tag

Wir hatten auch einiges gelernt aus dem ersten Durchgang und entsprechenden Optimierungsbedarf. Mit unseren kurzen (2 bis 4 Meter) Whips angelten wir teilweise zu nah an unserem Sitzplatz und die Unruhe war zu groß, was dazu führte, dass die Beißpausen zu schnell kamen wir zu oft den Platz wechseln mussten, zu wenig Fische an einem Platz mitnahmen. Wir bauten daher auch 5teilige Topsets auf die wir mit 2 oder 3 Teilen Schnur verkürzt fischten. Damit angelten wir etwas weiter entfernt und konnten die Fische im Uferbereich auch ruhige drillen. Dazu fischten wir teilweise noch dichter am Ufer. Gerade die Giebel kamen die Schräge bis auf 30 Zentimeter Wassertiefe hinaufgekrabbelt und am Vortag waren wir eher einen Meter vom Ufer in Wassertiefen von 80 bis 120 Zentimetern aktiv.

Mit dem Endplatz A 1 hatten wir natürlich einen Elfmeter, der nur noch verwandelt werden musste, die restlichen Plätze waren weder gut noch schlecht und es kam uns sicherlich zugute, dass im Vergleich zum Vortag wesentlich schlechter gefangen wurde und unsere Betreuer das schnell erkannten und uns entsprechend einstellten. Jeder fing schlechter als am Vortag, doch wir hatten immer die Info, dass wir im Vergleich zu den mit uns auf Augenhöhe liegenden Mannschaften gut lagen und so sammelten wir ohne nervös zu werden oder die Taktik zu ändern unsere Fische ein, was am Ende, wenn auch denkbar knapp, zum Glück reichte. Kompliment an die Bremer, die einen sehr starken zweiten Durchgang hinlegten und die Saarländer, die eine Taktik verfolgten, die wir nicht auf dem Schirm hatten und damit sehr erfolgreich waren.

Erfolgreich bei den Frauen und Männern – Die Stipp Profis aus BrandenburgErfolgreich bei den Frauen und Männern – Die Stipp Profis aus Brandenburg

Unser Dank und Kompliment geht an Steffen Quinger, der trotz aller widriger Umstände einen reibungslosen Ablauf und eine super Veranstaltung an einem tollen Gewässer auf die Beine stellte.

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