Wolfgang Klatt erfolgreichster Angler beim Anglertreff Länder 2015 am Elbe-Havel-Kanal bei Parey

  • von Wolfgang Klatt
  • 17. Juni 2015 um 10:00
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Am Wochenende 23.-24.05.2015 lud der neu gegründete Deutsche Süßwasser Anglerverband (DSAV) zum Anglertreff der Länder ein. Austragungsort war der Elbe-Havel-Kanal bei Parey in Sachsen-Anhalt. Am Ende ging Wolfgang Klatt vom Browningteam Bayern als bester Einzelangler hervor, der nachfolgend seine Eindrücke vom Anglertreff schildert.

„Der Elbe-Havel-Kanal war mir aus verschiedenen Hegemaßnahmen gut bekannt. Ich stellte mich auf ein typisches Kanalangeln auf Rotaugen, Brachsen und Güster ein. Zudem gab es viele Barsche, die bei dieser Veranstaltung jedoch nicht zum Hegeziel gehörten und es galt daher folglich, sie geschickt zu umgehen.

Doch wie es beim Angeln oft der Fall ist, kommt es anders als man denkt. Der Elbe-Havel-Kanal wurde im Bereich Parey/Güsen ausgebaggert und die Uferböschung abgesichert. Die Arbeiten fanden von Montag bis Freitag statt und verwandelten das sonst klare Wasser des Kanals in eine kaffeebraune Brühe. Dies und vermutlich auch der Lärm der Baggerarbeiten hatten zur Folge, dass Rotaugen und Barsche plötzlich gänzlich von der Strecke verschwanden.

Baggerarbeiten im Elbe-Havel-Kanal
Sektor A und B Sektoren C bis E

Somit waren alle Vorerfahrungen hinfällig und ich entschied mich schon am Dienstag vor dem Anglertreff nach Parey zu fahren, um mich mit den besonderen Verhältnissen vertraut zu machen. Das stark getrübte Wasser war mir von den alljährlichen Hochwässern an der heimischen Donau wohl bekannt. Bei zu starker Verschmutzung stellen die Fische das Fressen ein. Vermutlich kommt beim Fressen dann zu viel Schmutz durch ihre Kiemen oder sie sehen den Köder nicht. Klart es aber ein wenig auf, kann man nach einem Hochwasser wahre Traumstunden erleben. So war ich zuversichtlich, dass auch am Elbe-Havel-Kanal Fisch gefangen wird; vor allem da am Wochenende nicht gebaggert wird und das Wasser somit aufklaren sollte.

Der erste Trainingstag ging für mich am Mittwoch in den E-Sektor. Dieser ist am weitesten von den Baggerarbeiten entfernt und durch einen einlaufenden Kanal klarer als die anderen Sektoren. Dort vermutete ich am ehesten die Fische und die größten Chancen etwas herauszufinden. Die Entscheidung war goldrichtig. Am Ende konnte ich nicht nur ca. 15 kg an Brachsen und Güster fangen, sondern auch einige wichtige Informationen sammeln.

Training im E-Sektor - Brachsen bis 2kg waren am Platz und wurden gehakt... sie sahen die 3 Mückenlarven am Haken wohl nicht. ...lieferten aber spannende Drills 2kg Brachse im Netz

An den nächsten Tagen trainierte ich im B- und dann im A-Sektor. Dort waren aufgrund der nahen Baggerarbeiten weniger Fische zu fangen, doch es war auch dort kein Glücksangeln.

Die Güstern waren kampfstark und brachten ordentlich Gewicht

Nach den Trainingseinheiten kristallisierte sich nur eine erfolgsversprechende Taktik heraus: man musste mit der 13 m Kopfrute sauber auf die größeren Fische angeln. Zwar wurden vereinzelt auch kleine Fische auf der Steinpackung gefangen oder versucht, die vorhandenen Ukeleis zu beangeln. Am Ende brachten diese Taktiken aber keinen Erfolg.

Die Montagen auf der Kopfrute hielt ich einfach. Kugelposen mit 2 und 3 Gramm mit Plastikantenne und einen Lutscher in 4 Gramm für die Strömungsphasen. Alles mit einer Zweipunktbebleiung und das 25 cm Vorfach voll aufgelegt, um den Köder ruhig anzubieten.

Auch beim Futter vertraute ich auf Altbewährtes. 2 kg Browning No. 1 mit 30% Erdanteil und einer Tüte Browning CC Power Additive Toffe Karamel.

Ein weiterer wichtiger Schlüssel zum Erfolg waren die Köder: die ganze Woche über kamen Mückenlarven ins Wasser und man musste diese auch mitfüttern, um Fisch zu fangen. Meiner Meinung nach war es aber kein typisches Mückenangeln. So bekam ich während der ganzen Woche auf Mücke pur am Haken keinen Biss. Ein viel besserer Hakenköder waren zwei Maden oder Mistwürmer.

Für Samstag loste ich im 18 Mann-Außensektor E14, worüber ich sehr glücklich war. Das Startsignal ertönte. Ich schaute nach links, schaute nach rechts und alle Angler warfen ihre Startfütterung, während ich jeden meiner 10 Ballen mit dem Polecup hinausschob und leise auf einer Fläche eines Pizzatellers ablud. Kurz hatte ich ein mulmiges Gefühl, ob meine Fütterung wirklich richtig war. Doch dann ging bei mir auch schon die Pose unter; bei allen anderen hingegen erst einmal nicht.

1. Durchgang Startfuetterung cuppen... ...und nach kurzer Zeit war der erste Fisch am Haken...
...und schließlich... ...im Kescher

Die erste Stunde war entscheidend und wer auch nur einen Ballen warf, fing in dieser entscheidenden Stunde oft keinen Fisch. Die Fische waren auf der Strecke, aber durch den ständigen Lärm der Baggerarbeiten sehr geräuschempfindlich. Durch das leise Füttern mit dem Polecup wurden die Fische nicht verschreckt und durch den kleinen Futterradius fing ich meine Fische immer am selben Punkt. Regelmäßiges leises Nachcuppen des Futter-Erde-Gemisches mit Mückenlarven und Würmern animierte die Fische während den ganzen 4 Stunden Angelzeit. Am Ende konnte ich 15 Fische fangen und mit 6630 gr meinen Sektor mit Tageshöchstgewicht gewinnen.

Am Sonntag ging es für mich in den A-Sektor. Am liebsten wäre mir dort eine niedrige Nummer gewesen. Mit A15 war meine Euphorie erst einmal gebremst und ich wusste, dass es schwierig würde, sich gegen die Außenplätze durchzusetzen - vor allem, wenn die Fische von außen auf die Strecke einlaufen würden.

2. Durchgang selbe Strategie wie am Tag 1... Die erste Stunde lieferte Fisch auf Fisch

Das Startsignal ertönte und diesmal cuppten schon ein paar Angler mehr ihre Startfütterung. Ich vertraute auf dieselbe Strategie wie am Vortag. Die Startfütterung leise gecuppt, 3 gr Kugelpose, 2 Maden am Haken und nach der ersten entscheidenden Stunde hatte ich schon 10 Fische im Netz. Danach kreuzten sich zwei große Schiffe und es war erst einmal Ruhe im ganzen Sektor. Zum Ende hin konnte ich noch ein paar Fische animieren und fing wie am Samstag 15 Fische. Ich wusste, dass ich in der ersten Stunde ordentlich vorgelegt hatte, aber würde es auch diesmal reichen? Was fingen die Außenplätze? Das Abwiegen war sehr spannend und danach stand fest, dass ich meinen zweiten Sektorensieg mit 3640 gr einfahren konnte.

Ich war überglücklich und war somit mit PZ 2 bester Einzelangler des DSAV Anglertreff 2015.

Am Ende waren das leise Cuppen, große gut sichtbare Köder und eine ruhige Köderpräsentation entscheidend. Eigentlich ein ganz simples Angeln und keinesfalls ein Glücksangeln. Die Fische geben vor, was richtig und was falsch ist. Beim nächsten Angeln ist bestimmt wieder vieles anders. Aber das ist es ja, was unser Hobby so spannend und schön macht.

Siegerehrung

Ich möchte mich hiermit bei den Organisatoren des DSAV bedanken, die eine klasse Hegemaßnahme auf die Beine gestellt haben.

Zudem beim Team des AGSB Bayern und den Jungs und Mädels, die in dieser Woche mit dabei waren. Schlussendlich ein großer Dank an die Firma Zebco Europe/Browning für die jahrelange Unterstützung, ohne die ein solcher Erfolg, vor allem für mich als Student, nur schwer zu realisieren wäre.

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