Bericht Club WM 2006 in Kroatien

  • von Michael Borchers
  • 21. Juni 2006 um 17:53
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Club WM in Osijek/Kroatien

Die 26. Club WM in Osijek/Kroatien endete mit einer Überraschung. Die Mannschaft aus Serbien gewann den Titel des Weltmeisters bei der bis dahin größten Club WM aller Zeiten vor Italien und Ungarn. Für die deutsche Mannschaft des CDA Stralsund reichte es bei der ersten Club WM Teilnahme nur für einen 11. Platz.

Ursprünglich hatten sich sogar 29 Vereine zur Club WM in Osijek/Kroatien angemeldet, letztendlich nahmen dann aber 26 Nationen teil und die Strecke wurde um drei Boxen verkürzt. Geangelt wurde an einem Altarm der Drau, der mitten in einem Sumpfgebiet liegt. Die Strecke wurde extra für die Club WM erschlossen, monatelang wurde dort eine mehrere Kilometer lange Strecke geschaffen.
Da jedoch bis kurz vor Beginn der Veranstaltung gebaggert und gebuddelt wurde, waren die Plätze noch ohne Bewuchs und der Regen verwandelte die gesamte Strecke bis auf den befestigten Zufahrtsweg in eine einzige Schlammlandschaft.

Schlammschalcht in Kroatien

Ein Seerosengürtel wurde bereits vor der Veranstaltung abgemäht, so dass nur noch einzelne, für die Angelei jedoch unerhebliche Stängel stehen geblieben waren. Bei einer Wassertiefe von durchschnittlich 2,50 Meter gab es unter Wasser ausgedehnte Krautfelder, die im Verlauf des Trainings und der Durchgänge noch eine entscheidende Rolle spielten.

  Bereits vor den offiziellen Trainingsdurchgängen trainierte das italienische Milo Team um Milo Colombo bereits abseits der Strecke und zeigte den anwesenden Kiebitzen bereits die ersten Karauschen.

Ab Montag wurde dann offiziell trainiert, wobei ca. ein Drittel der Boxen leer blieb. Die von der Einfahrt am weitesten entfernten Sektoren hatten es am ersten Tag am schwersten, da auf den dortigen Plätzen, den späteren Sektoren A und B wohl noch nie ein Krümel Futter ins Wasser gelangt war. So galt es erstmal alle Plätze zu füttern, um die Fische zu verteilen, das Gerät zu sortieren und auf den Dienstag zu warten.

Am Dienstag saßen dann die meisten Mannschaften auf vom Vortag vorgefütterten Plätzen und ein ernsthaftes Training konnte beginnen.
Schnell stellte sich heraus, dass es eigentlich nur zwei Zielfische zu beangeln galt. Karauschen mit einem Gewicht zwischen 50 und 300 Gramm sowie die massenhaft auftretenden Ukeleis mit einem Durchschnittsgewicht von 8 Gramm.

Die Ukeleis konnten mit der 2 Meter Rute gefangen werden, doch aufgrund der geringen Größe gab es auch sehr viele Fehlbisse. Um Karauschen zu fangen, bedurfte es eines Platzes mit Kraut, wobei auf den Krautplätzen erstmal eine einigermaßen freie Stelle zum Angeln gefunden werden musste. Sorgfältigstes Loten in verschiedenen Entfernungen und das Ziehen der Rute samt Lotblei in alle Richtungen war daher oberstes Gebot, um in dem dichten Kraut einen Platz zu finden, in dem der Köder angeboten werden konnte. Krautfreie Plätze brachten deutlich weniger Karauschen und dazu auch wesentlich kleinere Exemplare.

Ralf Herdlitschke   Peter Schührer

Die Engländer mit Sean Ashby und Darren Cox trainierten unter den Anweisungen von Nationalcoach Mark Downes sehr diszipliniert und fingen in allen Durchgängen ihre Fische. Mark dirigierte das Team, entschied wer wann welche Methode fischte, welches Futter und welche Köder zugeteilt wurden. Schon im Training war zu erkennen, dass die Engländer auf Karauschen mit der Kopf- oder Matchrute angeln würden. Die Matchrute wurde dabei max. auf 25 Metern gefischt, da in dieser Entfernung der Krautgürtel sein Ende fand und das Wasser immer tiefer wurde. Auch hier galt es also genau zu loten und den Beginn der Krautfelder zu finden, was bestenfalls mit der Bolorute ging.

Die Italiener trainierten dagegen immer mit 2 Anglern, die drei Stunden konsequent auf Ukeleis fischten. Für die Durchgänge am Wochenende hatten sie nach einer Woche Training somit einen guten Überblick, wie viel Ukeleis insgesamt gefangen werden konnten und zu welchem Zeitpunkt die Ukeleis ggf. doch weniger wurden, um dann auf die Karauschen zu fischen. Mindestens ein Angler um die beiden Top-Stars Milo Colombo und Umberto Ballabeni fischte zudem durchgehend mit der Bolorute, wobei die Bolorute der Matchrute überlegen schien, da mit ihr die Pose besser geführt und der Köder bewegt werden konnte, worauf die Karauschen positiv reagierten.

Gut zu Recht kamen auch die Luxemburger und Spanier und nach einer Woche kristallisierte sich heraus, was an der Alten Drau wichtig war. Die Luxemburger erreichten im Training mit 15 kg das höchste Gewicht und machten einen zuversichtlichen Eindruck, so dass auch ihnen eine gute Chance auf die vorderen Plätze eingeräumt wurde.

Die Trainingsergebnisse der ungarischen Mannschaft waren ähnlich durchwachsen, wie die der Mannschaft des CDA Stralsund. Teilweise wurde gefangen, teilweise nicht und es blieb immer die Unsicherheit, ob dies mit der Platzbeschaffenheit oder doch mit Futtertaktik, Nachfütterung oder Bebleiung zu tun hatte.

Futter:

Grob, klebend und hell wurde gefischt. Futter, so der allgemeine Tenor war nicht allzu wichtig. Das Team des CDA Stralsund fischte einen Mix aus Sensas Gialla und Gigantix zu gleichen Teilen mit 30 % schwerer Flusserde. Dazu natürlich Ukeleifutter, das mit brauner Farbe abgetönt wurde. Zu helles Ukeleifutter oder auch eine rote Wolke brachten schlechtere Ergebnisse.

Köder:

Die Karauschen fraßen eigentlich nur Würmer und die meisten Teams hatten in den Durchgängen dann auch mind. einen Liter Würmer oder große Mückenlarven unter den erlaubten 2 Litern Lebendköder dabei. Kleine Mückenlarven brachten kleine Rotaugen und Brassen, die meist unter 50 Gramm wogen, teilweise auch kleiner als die Ukeleis waren auf den Platz. Maden wurden ausschließlich und ständig geschossen, so dass mindestens ein halber Liter am Platz sein musste. Die Karauschen reagierten aber nur auf das Geräusch und die abrieselnden Maden, Maden als Köder brachten deutlich weniger Bisse. Alternativ wurde auch Hanf geschossen, der beim Auftreffen auf das Wasser ein noch stärkeres Geräusch erzeugte. Caster spielten keine Rolle und wurden von den meisten Teams nicht eingesetzt.

Taktik:

Ukeleis mit der kurzen Rute oder Karauschen mit Kopf-/ Match-/ oder Bolorute waren die Taktiken, die erfolgreich sein würden. Das Futter von max. 17 Litern wurde dabei in 5 Liter Ukeleifutter, 7 Liter Kopfrutenfutter und 4 Liter für die Rollenrute aufgeteilt und bis auf das Ukeleifutter am Anfang massiv gefüttert. 1 Liter verblieb zum Nachfüttern und während des Angelns wurden ständig wahlweise Maden und Hanf geschossen und Erde mit geschnittenen Würmern mit dem Pole Cup nachgefüttert.

Bei der Angelei auf die Karausche mussten dann einige artspezifische Überlegungen mit einbezogen werden.

Karauschen

Die Karausche ist ein eher hektischer Fisch, der den Futterplatz umschwimmt, kreuzt, immer in Bewegung ist und nur kurz zum Fressen auf den Futterplatz kommt, um dann sofort wieder weiter zu schwimmen. Ein ruhig angebotener Köder brachte weit aus weniger Bisse und so musste der Köder immer seicht bewegt werden, angehoben und abgesenkt werden, um die Karausche zum Biss zu reizen. Die Gefahr war natürlich, den bewegten Köder ins Kraut zu hängen und überhaupt keinen Biss zu bekommen.

Die Engländer hatten dabei ihre eigene Futtertaktik. Sie fütterten auf 11,5 Meter massiv aus der Hand und cuppten dann auf 13 Meter Würmer und große Mückenlarven mit Erde. Die Überlegung könnte gewesen sein, die Neugier der Karauschen mit einem großen Futterteppich wecken und ihnen in unmittelbarer Nähe einen kleinen Platz zum Fressen anzubieten.

Auch auf die Matchrute wurde kürzer gefüttert und die englische Mannschaft begann auch beide Durchgänge mit der Rollenrute.

Die Italiener setzten verstärkt auf Ukeleis und Altmeister Milo Colombo hatte auf seinem Platz vor der Futterkontrolle zwei gut gefüllte Eimer stehen (Ukeleifutter/Grundfutter), welches die aufmerksamen Beobachter als taktischen Schachzug sahen und vermuteten, dass er zur Kontrolle das Grundfutter wegschütten würde und die Italiener nur auf Ukelei angeln würden.

Zudem hatte er eine Batterie an Boloruten und Top-Sets aufgebaut, dagegen eine halbe Stunde vor Beginn noch keine Ukeleirute. Die Verwirrung auf welche Methode er und die italienische Mannschaft setzen würde war komplett und das Erstaunen noch größer, als er beide Eimer durch die Futterkontrolle brachte. Damit war er jedoch nicht allein, einige der Teilnehmer nahmen das Futter- und Köderlimit nicht allzu ernst und die lasche Kontrolle führte zu einigem Unverständnis an der Strecke.

Nach der Eröffnungszeremonie inklusive einem Aufmarsch der Nationen durch Osijek wurde es am Samstag dann Ernst.

Da das Beißverhalten zum Ende der Woche immer schlechter wurde und die Karauschenfänge zusehend abnahmen, entschied sich die deutsche Mannschaft des CDA Stralsund für eine Taktik, die von der Trainingserfahrung und dem Verlauf der Trainingswoche sinnvoll erschien.

Abseits der 2 bis 3 Meter Ruten hatten die Ukeleis ein Durchschnittsgewicht von 10 Gramm und waren somit etwas schwerer als ganz vorne. Die Überlegung war, dass sicherlich alle Nationen mit kurzen Ruten bis zu 6 Metern Uferentfernung auf die Ukeleis angeln würden und so entschied man sich in der Hoffnung, dass sich die Ukeleis weiter vom Ufer wegbewegen würden, auf der 8 Meter Spur verkürzt auf Ukeleis zu angeln. Da die Ukeleis dort etwas größer waren, gab es zudem weniger Fehlbisse. Eine Taktik, die leider nicht aufging.

Während Ralf Herdlitschke, Lutz Schenke, Marco Beck, Andreas Dalcke und Peter Schührer 75 bis 110 Ukeleis in der 1. Stunde fingen, ließen andere Nationen sicherlich etwas kleinere, dafür aber bis zu 180 Fische aufschreiben.

 Eroeffnungsfeier

Nationen, die nicht auf Ukeleis angelten und auf Karauschen setzten, gerieten dagegen in der ersten Stunde ins Hintertreffen. Dies war insbesondere bei den Italienern und Engländern zu sehen. Während Marc Downes mit der Matchrute begann, startete Valerio Dassio neben ihm wie alle Italiener mit der kurzen Rute. In diesem direkten Vergleich hatte Mark die Nase allerdings am Ende knapp vorne, obwohl er in der ersten halben Stunde nur eine kleine Karausche fing.

Marc Downes und Valerio Dassio

Nach der Hälfte der Zeit wurden jedoch vermehrt Karauschen gefangen, was der Betreuerstab bei Lutz und Marco jedoch nicht erkannte und die Beiden weiterhin in der Gewissheit ein ordentliches Ergebnis zu erreichen, verkürzt auf Ukeleis angelten. Sicherlich machte auch der strömende Regen eine gute Beobachtung schwierig, da alle Teilnehmer teilweise mehrere Regenschirme aufgebaut hatten und auch die Wege der Betreuer durch den Schlamm immer beschwerlicher wurden.

Die Strecke am ersten Tag

Die Ernüchterung kam dann natürlich an der Waage. Ralf, Andreas und Peter schafften dagegen den Absprung und konnten am ersten Tag ordentliche Ergebnisse erzielen. Ralf Herdlitschke erkannte zudem frühzeitig, dass die Ukeleis doch besser und schneller mit der kurzen Rute zu fangen waren, nach einer Stunde fischte er dann jedoch nur noch mit der Kopfrute auf die Karauschen und konnte seinen Sektor mit beachtlichem Abstand gewinnen, obwohl die ursprüngliche taktische Ausrichtung Engpässe in den Ködern mit sich brachte. Ständig mussten Maden geschossen werden und abwechseln auch geschnittene Würmer mit Terre de Riviere mit dem Pole Cup gefüttert werden.

Da jedoch der Verlauf des Angelns anders eingeschätzt wurde, waren bei den deutschen Anglern zu wenig Maden und zu wenig schwere Erde am Platz und es galt gut damit zu haushalten. So konnte Andreas Dalcke nicht mit seinem linken Nachbarn Sean Ashby mit ziehen, als dieser in der letzten Stunde vermehrt Würmer mit Erde fütterte und seinen Sektor überlegen gewann. Trotzdem reichte es bei ihm für einen guten 7. Platz und Peter Schührer konnte mit einem neunten Platz im E Sektor ebenso zufrieden sein, da in seinem Sektor die höheren Platznummern wesentlich tieferes Wasser hatten und die Karauschen merklich kleiner waren.

Etwas überraschend war nach dem ersten Durchgang war die Mannschaft aus Polen auf dem ersten Platz, die verstärkt auf Karauschen angelte und eine eigene, im Vergleich zu den anderen Nationen unterschiedliche, aber sehr erfolgreiche Futtertaktik hatte. Das Trapper Team fütterte wesentlich leichter mit einem hohen Anteil an Terre de Somme und kleinen Mückenlarven, so dass die Futterballen bereits an der Oberfläche aufplatzten und sich die Mückenlarven im Kraut verteilten bzw. an allen Krautstängeln hafteten und die Karauschen somit in allen Wasserschichten aktivierten.

Gregorz Mazurczak   Der zweite Tag konnte somit nur noch zur Schadensbegrenzung dienen, um wenigstens im einstelligen Bereich zu landen. Begonnen wurde wieder verkürzt auf Ukeleis, denn die Karauschen ließen auf sich warten und es stellte sich heraus, dass die Mannschaft des CDA Starlsund beim Losen an diesem Tag im Gegensatz zum ersten Tag kein glückliches Händchen hatte. Andreas Dalcke fing zwar im A Sektor einen 1000 Gramm Karpfen, einige gute Karauschen verlor er jedoch, so dass immerhin ein 8. Platz heraussprang. Während für das enttäuschende Abschneiden von Marco Beck keine Gründe gefunden wurden, saß Peter Schührer im C Sektor auf einem der schlechtesten Plätze bzw. in einem Bereich, in dem einfach zu wenig Fische waren. Konnte er am Anfang noch einige kleinere Exemplare mit der Matchrute fangen, so wurde die Bisse im Verlauf des Angelns auf allen Bahnen immer weniger.

Lutz Schenke saß dafür im bessern Bereich des D Sektors und wurde nach einigen Startschwierigkeiten 7. Während die Nachbarn vom Startschuss weg Karauschen fingen, brachte erst erhöhtes Madenschiessen die Karauschen in Fresslaune und Lutz konnte sich langsam nach vorne arbeiten. Für Belustigung sorgte zwischenzeitlich ein Maulwurf, der einmal quer durch die Box pflügte, die 40 Liter Wanne umkreiste und dann verschwand.

Lutz Schenke und sein \"Fan\"

Ralf Herdlitschke hatte im E Sektor einen ein Meter tieferen Platz als seine Nachbarn und konnte somit sein Vortagesergebnis nicht wiederholen. Die englische Fachpresse spekulierte zwar auf das beste Einzelergebnis uns schoss zahlreiche Fotos, doch während die Nachbarn 250 Gramm Karauschen fingen, hatte Ralf zwar eine höhere Stückzahl, doch selten Fische über 50 Gramm.

 Marcio Gaio Die englische Fachpresse spekulierte zwar auf das beste Einzelergebnis uns schoss zahlreiche Fotos, doch während die Nachbarn 250 Gramm Karauschen fingen, hatte Ralf zwar eine höhere Stückzahl, doch selten Fische über 50 Gramm.

Obwohl der Portugiese Marcio Gaio seinen Sektor gewann, wurden die Portugiesen und Polen noch durchgereicht und erreichten keinen Podiumsplatz. Überraschend auf dem 1. Platz die Mannschaft von Serbien, die einen sehr guten Mix aus der Kleinfischangelei und der Karauschenanglei zeigte. Dahinter die Italiener, die sich insgeheim sicher etwas mehr ausgerechnet hatten vor den Ungarn um den Weltmeister Walter Tamasz.

Platz3 für die Ungarn   Platz2 für die Italiener

Platz 1 ging an Serbien

Die deutsche Mannschaft des CDA Stralsund enttäuschte sicherlich ein wenig. Mit insgesamt 7 Anglern und 10 Betreuern angereist hätte auch bezüglich der Klasse der einzelnen Angler mehr drin sein müssen. Da es sich jedoch um die erste Teilnahme bei einer Club WM handelte und der logistische und organisatorische Aufwand nicht zu unterschätzen ist, sind zumindest für die Zukunft wertvolle Erfahrungen gesammelt.

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